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Argumente gegen neurechte und fundamentalistische Bewegungen

So argumentierst Du gegen "Demo für alle", AfD & Co.

Eine neue Broschüre und ein neues Wiki sollen helfen, auf Kampfbegriffe wie "Frühsexualisierung" und "Gender-Ideologie" angemessen und erklärend reagieren zu können.


Die "Demo für alle" im November 2014 in Hannover. Ihre irreführenden Kampfbegriffe wie "Gender-Ideologie" oder "Frühsexualisierung" haben es in den letzten Jahren von der Nische teilweise in den Alltag geschafft, mit großer Unterstützung neurechter Medien und rechter Parteien (Bild: nb)

Stimmungsmache gegen Feminismus, Gleichstellungspolitik, sexuelle Selbstbestimmung, Sexualaufklärung, gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechterforschung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine am Montag vorgestellte Broschüre und ein neues Wiki zu der anti-aufklärerischen Bewegung sollen beim Dagegenhalten helfen.

Die gemeinsam vom Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegebene, kostenlos bestellbare und als PDF verfügbare Broschüre "'Gender raus!' – Zwölf Richtigstellungen zu Antifeminismus und Gender-Kritik" bietet verständliche Argumente und Anregungen, wie entsprechende Behauptungen und Parolen entlarvt und richtiggestellt werden können.


Ein Ausschnitt aus der Broschüre

So hält die Broschüre dem "Argument", die "Gender-Ideologie" wolle "Ehe und Kernfamilie abschaffen", entgegen, dass sich Geschlechterrollen und Familienmodelle immer wieder verändert hätten. Die derzeitige Vielfalt sei nicht Ausdruck einer Ideologie, sondern des jahrelangen individuellen Kampfes für Frauenrechte oder von LGBTI-Verbänden und schlicht Anerkennung der gesellschaftlichen Realität.

Auch wird die Skandalisierung von Schulaufklärung als "Frühsexualisierung" als Versuch entlarvt, "traditionelle Rollenbilder und Beziehungsmodelle als die einzig gültigen zu definieren". Während die Broschüre die Notwendigkeit von Aufklärung verständlich vermittelt, verweist sie zugleich deutlich auf die Ecken, aus denen die "Angriffe" stammen: Diese zeigten den "zunehmenden Einfluss religiös-fundamentalistischer Kräfte auf die Politik und auch die neuen Allianzen zwischen Rechtspopulismus, christlichem Fundamentalismus und neoliberal-nationalkonservativer Ideologie".

Neues Wiki soll Anti-"Gender"-Bewegung einordnen

Hintergründe zu den Akteuren der anti-aufklärerischen Bewegung soll zugleich ein neues Wiki bieten: Das Online-Lexikon Agent*In (Information on Anti-Gender-Networks) sammelt Wissen, Daten, Fakten und Zusammenhänge über die Einflussnahme von antifeministischen Akteuren auf Politik und Öffentlichkeit. Erstmals werden so die Personen und Gruppen verknüpft und katalogisiert.



Noch ist das Wiki an vielen Stellen mehr ein Anfang als eine Komplettübersicht, etwa zur homofeindlichen "Demo für alle". Die Autoren suchen gezielt Mitstreiter mit Fachwissen und Engagement (s. FAQ), die zugleich ihre Informationen sorgsam dokumentieren und sachlich wiedergeben.

Einer der Autoren ist der Soziologe Andreas Kemper, der sich seit Jahren mit den Bewegungen befasst und auf Vorträgen im ganzen Land vor ihnen warnt. Von ihm stammen auch die lesenswerten Reader "Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD" (PDF) und "Keimzelle der Nation Teil 2 – Wie sich in Europa Parteien und Bewegungen für konservative Familienwerte, gegen Toleranz und Vielfalt und gegen eine progressive Geschlechterpolitik radikalisieren" (PDF). Beide sind Stand 2014; zum Thema sei auch das letztjährige Papier "Der Anti-'Gender'-Aufstand" (PDF) der Deutschen Aids-Hilfe erwähnt, das von queer.de-Chefredakteur Norbert Blech erstellt wurde und einen gezielteren Blick auf den LGBTI-Bereich wirf.

Direktlink | Vortrag von Andreas Kemper zu "Christliche Fundamentalisten und die Rolle der AfD" aus dem Juli 2016

"Die Rechte und Möglichkeiten, die sich Frauen, Schwule, Lesben und andere Gruppen erkämpft haben, gibt es erst seit kurzer Zeit", meint Kemper zu queer.de. "Es gibt verschiedene gesellschaftliche Gruppen, die diese Rechte und Möglichkeiten wieder zurückdrängen wollen. Diese Bewegungen stehen in Deutschland eher mit dem Rücken zur Wand, sind aber daher um so gefährlicher, weil sie tatsächlich wahlweise an den Untergang Deutschlands oder an den Ausbruch von Sodom und Gomorrha glauben."

Sorgen macht Kemper auch, dass es sich um "international sehr gut vernetzte Bewegungen" handle. So habe die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch vor wenigen Wochen den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban besucht, "der zeitgleich beim "Budapest Family Summit" sprach, einer sehr großen, internationalen Konferenz mit homofeindlichen und antifeministischen Aktivisten aus der ganzen Welt".

Errungenschaften schützen


Das Titelbild der neuen Broschüre

"Geschlechterverhältnisse und Sexualität sind schon lange Kampfplatz aufgeladener Debatten und ein globales Phänomen", betont Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. "Für uns als Stiftung und das Gunda-Werner-Institut ist es selbstverständlich, dass wir Antifeminismus und Homophobie nicht unbeantwortet lassen." Die Emanzipation der Geschlechter, Gleichberechtigung, Antidiskriminierung und Anerkennung aller sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten seien "zentrale Elemente der Menschenrechte, die es mit Entschiedenheit zu schützen gilt".

Sorge macht den Autoren, dass nicht nur "allein rechts-gerichtete oder christlich-fundamentalistische Akteure" an den Rollback-Versuchen beteiligt seien. "Manches Argument findet auch in einer weiteren bürgerlich-konservativen Öffentlichkeit Anklang", werde in Zeitungen, Fernsehsendungen, Blogs und sozialen Medien kontrovers verhandelt und spiegle sich auch im Alltag wieder.

"Rassistische, sexistische und anti-egalitäre Parolen und Verunglimpfungen" fänden so "Resonanz in einem gesellschaftlichen Klima, das sich von emanzipativen Positionen und Diskursen weg nach rechts verschiebt". Die Broschüre und das Wiki wolen helfen, sich dem entgegenzustellen. (nb/pm)



#1 MariposaAnonym
  • 17.07.2017, 14:33h
  • Andreas Kemper ist total cool und heizt dem Kelle-Clan und Co. so richtig ein. Krasser können die Gegensätze ja wohl kaum sein. Weiter so !!!!!!
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#2 Tommy0607Profil
  • 17.07.2017, 18:29hEtzbach
  • Ich argumentiere so: Kinder brauchen Liebe . Ob es von einen Mann oder Frau ist , das ist egal . Positive und negativi Dinge gibt es von Heteros oder Homos. Auch Heteros misshandeln , vergewaltigen ihre Kinder genügend . Auch gewisse Kirchen misshandeln Kinder . Und so wie ich weiss , sind Heteros noch in der Mehrheit in der Welt . Also:"Wer ohne Schuld ist , der wirft den ersten Stein" . Amen
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#3 HinnerkAnonym
  • 18.07.2017, 10:55h
  • Eine gute Idee, aber wie so oft ist gut gemeint nicht immer gut gemacht.

    Ein Beispiel:
    "Die derzeitige Vielfalt sei nicht Ausdruck einer Ideologie, sondern des jahrelangen individuellen Kampfes für Frauenrechte oder von LGBTI-Verbänden und schlicht Anerkennung der gesellschaftlichen Realität."

    Das ist ja kein Beleg, dass es keine Ideologie ist, sondern nur, dass es nicht plötzlich kam. Die Fanatiker können dann genau diese Stelle nehmen und sagen, dass Frauenrechtler und LGBTI-Verbände eben schon seit Jahren für die "Erzwinungung" ihrer "Idelologie" kämpfen, und jetzt eben erfolgreich sind.
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#4 TheDadProfil
  • 18.07.2017, 11:22hHannover
  • Antwort auf #3 von Hinnerk
  • ""Das ist ja kein Beleg, dass es keine Ideologie ist, sondern nur, dass es nicht plötzlich kam.""..

    Ideologie beschreibt zunächst nichts weiter als eine Möglichkeit..
    Es könnte sein daß es sich so entwickelt, oder es ist wünschenswert wenn es sich so entwickelte..

    Gesellschaftliche Realität beschreibt dann das Scheitern der Ideologie, respektive den bereits erfolgten Erkenntnisprozess..

    Zu erforschen und zu beschreiben wie sich Gesellschaft entwickelt hat, kann also eben nicht Ideologie sein..

    ""Die Fanatiker können dann genau diese Stelle nehmen und sagen, dass Frauenrechtler und LGBTI-Verbände eben schon seit Jahren für die "Erzwinungung" ihrer "Idelologie" kämpfen, und jetzt eben erfolgreich sind.""..

    Natürlich kann man Bürgerrechtlern vorwerfen sich für Bürgerrechte zu engagieren..
    Diesen Vorwurf kann man dann aber eben nicht einer empirischen Wissenschaft Gender-Studies machen..
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#5 HinnerkAnonym
  • 18.07.2017, 23:25h
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • Ich habe nicht gesagt, dass ich das so sehe, sondern dass die Hetzer so argumentieren werden.

    Wenn man denen sagt "Das ist keine Ideologie, sondern Ergebnis jahrelanger Argeit von LGBTI-Verbänden", dann sagen die natürlich, dass das gerade diese Ideologie ist, die wir erzwungen haben.

    Die werden solche Argumente nur für sich ausnutzen.

    Wenn man sowas macht, muss das auch wasserdicht sein und dann muss man sich in deren kranke Hirne reindenken und verstehen, wie die argumentieren.
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#6 TimonAnonym
  • 19.07.2017, 08:22h
  • Antwort auf #5 von Hinnerk
  • Ja, in deren Augen sind die GLBTI-Verbände und alle GLBTI ja Vertreter dieser " Ideologie".

    Aber es gibt ja auch noch genug andere Dinge, wo man zu angreifbar argumentiert hat. Schade. .

    Wobei bei Menschen mit so einem homophoben Weltbild wahrscheinlich eh alle Argumente ins Leere laufen. Wo kein Hirn, ist auch kein Verständnis.
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#7 TheDadProfil
  • 19.07.2017, 10:38hHannover
  • Antwort auf #5 von Hinnerk
  • ""Wenn man denen sagt""..

    Jepp..
    Und dann muß man denen erklären was Ideologie, und was Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit ist..

    Tatsächlich bleibt es die Aufgabe der Minderheiten den so genannten Mehrheiten Aufklärung entgegen zu bringen, und darauf zu bestehen, daß Nicht-Wissen nicht das Handeln bestimmen kann und darf..

    Dazu bietet der Leitfaden schon einige vernünftige Ansätze, die sicher noch ausbaufähig sind..
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#8 MariposaAnonym
  • 19.07.2017, 11:49h
  • Antwort auf #6 von Timon
  • Und dann regt sich diese Schnepfe und "Bestsellerautorin" noch darüber auf, als reaktionär und homophob bezeichnet zu werden. Sie kann halt anscheinend nicht die Wahrheit vertragen.
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