Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29292

Umstrittene Missbrauchs-Aussage

Kassel: Evolutionsbiologe hält an homophoben Thesen fest

Während Professor Kutschera weiterhin gegen Homo-Paare wettert, planen die Studenten seiner Uni eine Protestaktion mit Regenbogenwaffeln.


Professor Ulrich Kutschera, hier als Experte zu Charles Darwin in einer ARD-Sendung, macht seit Jahren mit Aussagen gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie" von sich reden (Bild: Screenshot ARD)

Der Kasseler Universitätsprofessor Ulrich Kutschera hat am Montag seine umstrittene Aussage bekräftigt, dass gleichgeschlechtliche Eltern ihre Kinder eher missbrauchten als heterosexuelle Paare. Gegenüber der HR-"Hessenschau" erklärte der Evolutionsbiologe, dass Kinder in Regenbogenfamilien eher sexuell missbraucht werden würden als wenn sie mit heterosexuellen Eltern aufwachsen würden. An dieser These, die Kutschera anlässlich der vom Bundestag beschlossenen Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben im katholischen Portal kath.net aufgestellt hatte, gab es zuletzt heftige Kritik (queer.de berichtete).

Kutschera begründet seine Theorie gegenüber dem HR mit der Aussage, dass es bei Eltern eine "Inzucht-Hemmung" gebe, wenn ein Kind bei mindestens einem leiblichen Elternteil aufwachse – bei den meisten homosexuellen Paaren, die durch Adoption oder künstlicher Befruchtung zu Kindern kämen, sei das aber nicht der Fall und die Eltern daher eher eine Gefahr für die Kinder.

Als Beleg für seine These nannte Kutschera laut HR eine vermeintliche Studie, die 2009 unter der Überschrift "Gefährdung der Jungs" auf aerzteblatt.de erschienen war und in den letzten Wochen in einigen Artikeln und unter Homo-Hassern die Runde machte. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die Zusammenfassung einer Studie, sondern um einen Leserbrief; dieser bezieht sich auf eine Studie aus dem Jahr 2009, die zu einem völlig anderen Ergebnis kommt, nämlich dass es Kinder in Regenbogenfamilien gut gehe. Autor des Leserbriefs ist ein berüchtigter Heidelberger Psychiater, der die gleichgeschlechtliche Liebe für eine "sexuelle Störung" hält.

Kutschera-Thesen "wissenschaftlich hanebüchen"

Auch bei Kollegen erntet Kutschera Kopfschütteln für seine Thesen. So erklärte der Kasseler Erziehungswissenschaftler Harald Doenst im Interview mit der der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen", die Behauptungen des Biologie-Professors seien "wissenschaftlich hanebüchen".

Die These, homosexuelle Eltern stellten generell für Kinder eine Gefahr dar, sei einfach "Blödsinn", so Doenst. "Wir haben es leider mit der erschütternden Tatsache zu tun, dass Gewalt gegen Kinder, auch sexuelle Gewalt, in Familien zunimmt. Die Täter sind häufig Stiefväter aber auch die leiblichen Väter oder Verwandte, in der Regel heterosexuelle Männer. Das darf man doch nicht ausblenden."

SPD-Politiker kritisiert Kutschera

Kritik gibt es auch aus der Politik: So hat der SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels auf Twitter erklärt, dass die Aussagen des Biologie-Professors nicht von der Wissenschaftsfreiheit gedeckt seien und es sich um einen Verstoß gegen die Achtung der Menschenwürde handeln würde. Zuvor hatte die Uni-Leitung erklärt, man könne nichts gegen den Professor unternehmen, da er "die Freiheit der Wissenschaft in Anspruch nehmen" könne.

Twitter / Timon_Gremmels

AStA veranstaltet Regenbogenpicknick

Für Mittwoch plant der Allgemeinde Studierendenausschuss der Uni Kassel gemeinsam mit dem Kulturzentrum K19 ab 14 Uhr ein Regenbogenpicknick in der Nora-Platiel-Straße. Das Motto der Veranstaltung lautet: "Professor K. in die Queere kommen."



Auf Facebook lädt der AStA mit dem Worten ein: "Wir vom AStA backen euch nice Regenbogenwaffeln, das Kulturzentrum K19 bringt ein paar Getränke an den Start, wir sprechen miteinander und zeigen der Uni, dass an dieser Hochschule kein Platz für Homo- und Trans*Feindlichkeit und menschenverachtendes Verhalten ist." Bereits rund 70 Personen haben ihre Teilnahme zugesagt. (dk)



#1 JarleProfil
  • 18.07.2017, 13:33hHagen
  • Scheiße!

    Ich hab mich unter anderem in Kassel für Psychologie beworben und dort ist die Wahrscheinlichkeit zugelassen zu werden auch noch am größten für mich glaub ich!

    Na der soll mir bloß mal über den Weg laufen!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Stefan84Anonym
  • 18.07.2017, 14:17h
  • Natürlich hält er daran fest. Das ist kein kleiner Ausrutscher. Sein gesamtes Weltbild fußt auf diesem menschenverachtenden Biologismus.

    Außerdem können sich er und seine Anhänger dann wieder als Opfer von linker Zensur darstellen
  • Antworten » | Direktlink »
#3 maaaartinAnonym
  • 18.07.2017, 16:34h
  • hm, der knabe ist ein depp und ihm wird durch skandalgeile medien eine aufmerksam zu teil, die er nicht verdient hat. so weit so gut.

    allerdings finde ich die art des protests kontraproduktiv. als "kontroverser experte" ist er natürlich tolles talkshowfutter für pseudoaufgeklärte tv talkshows a ala maischberger, die ohne mit der wimper zu zucken eindeutig durchgeknallten bis gefährlichen fundis mit kusshand ein forum bieten

    dabei wäre es doch viel einfach - der typ beschäftig sich in der forschung bevorzugt mit ringelwürmern, bakterien und amphibien. keine basis für fundierte aussagen zu menschen.. das wär ein ansatz. nicht irgendwelche bunten waffel, die das "wir haben uns so dolle gegen hass engagiert" gefühl richtig pushen, aber dem freak nur noch mehr aufmerksamkeit zuschustern und ihn als den mundtot gemachten adepten der freien meinungsäußerung dastehen lassen. auf dass er wieder ins fernsehn als total geiler experte eingeladen wird....
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 18.07.2017, 16:54h
  • Offenbar erhält er ja auch aus Fachkreisen Kontra. Wir dürfen wohl annehmen, dass seine wissenschaftliche Reputation bei Kollegen -so er bisher Reputation besaß- rapide im Schwinden begriffen ist. Erfreulich, dass die selbe Zeitung, die ihm Raum für seinen bösartigen Schwachsinn bot, jetzt auch erfreulich klare Gegenrede eines anderen Professors veröffentlicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Gpeterjoachim
  • 18.07.2017, 17:13h
  • Da kann man nur sagen "Professor bleib bei deinen Würmern" denn von Menschen verstehst du nix!
    Traurig, dass ein - durchaus in seinem Fachbereich - angesehener Professor seine Professur missbraucht um seine unbewiesenen kruden Ideen zu verbreiten.
    Was sind seine Ziele und woher kommt dieser Hass? Vermutlich ist es wie bei vielen homophoben Menschen die gegen die eigene Sexualität versuchen anzukämpfen mit der sie in ihrer Pubertät nicht ins reine gekommen sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 qwertzuiopüAnonym
  • 18.07.2017, 17:14h
  • wenn der gute mann denkt, kinder, die nicht bei ihren leiblichen eltern aufwachsen, werden automatisch missbraucht, dann gilt das doch genauso für heterosexuelle adoptiveltern. aber das widerspricht nunmal die empirie.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Johanna SchlitzkusAnonym
#8 Claudius 90Anonym
  • 18.07.2017, 17:18h
  • Sturheit und Unbelehrbarkeit sind typisch für Fanatiker mit geschlossenem rechten Weltbild.

    Fakten dringen gar nicht mehr zu denen durch.

    Ich finde es abe genau so skandalös, dass die Uni Kassel an jemanden festhält, der wissenschaftliche Standards missachtet und seinen Hass als angebliche wissenschaftliche Fakten verkauft.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 ursus
  • 18.07.2017, 17:31h
  • zweifellos kranken kutscheras empörende aussagen vor allem daran, dass er von soziologie und kulturwissenschaft nicht nur keinerlei ahnung hat, sondern jegliche sozialwissenschaftliche perspektive insgesamt für quatsch hält. das heißt, dass er mit seiner kritik an "gender" dinge kritisiert, die er nicht nur nicht versteht, sondern nicht einmal verstehen WILL.

    das ist das genaue gegenteil von wissenschaft. es ist nichts weiter als polemische hetze, die er mit dem mantel der wissenschaft zu bedecken und aufzuwerten sucht. er missbraucht seinen akademischen titel.

    allerdings sind seine aussagen über geschlecht und sexualität sogar von einem biologischen standpunkt aus in so vielerlei hinsicht falsch und hanebüchen, dass man auch seine kompetenz für sein eigenes fachgebiet mit gutem recht in frage stellen kann.

    für interessierte: sein buch "das gender-paradoxon" wurde von wissenschaftler_innen einer wissenschaftlichen review unterzogen und dabei geradezu vernichtet.

    ich halte es für wichtig, hier nicht nur auf dem level von "pfui, diskriminierung!" zu argumentieren, sondern diesen bullshit auch auf der ebene der wissenschaftlichkeit zu entzaubern.

    www.uni-marburg.de/genderzukunft/pub/sonstigepublikationen/r
    ezensionkutscheravers2.pdf
  • Antworten » | Direktlink »
#10 An_KutscheraAnonym