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Weiterer Wissenschafts-Skandal

Serbien: AfD-Politiker hält Vortrag gegen "Gender-Unsinn"

Vorgestellt als Dozent staatlicher Hochschulen will Marc Jongen am Freitag in Novi Sad über die angebliche Zerstörung der traditionellen Familie referieren.


Marc Jongen (hier in einem Interview mit 3sat) und die Einladung zu der Veranstaltung am Freitag in Serbiens zweitgrößter Stadt

Der baden-württembergische Landessprecher der AfD, Dr. Marc Jongen, wird am Freitag in Novi Sad über die "Ideologisierung der Wissenschaft durch Gender-, Queer-, Postcolonial-, Critical Whiteness- und sonstige 'Studies'" referieren. In der Einladung des renommierten serbischen Kulturinstitutes "Matica srpska" wird der Politiker als Mitarbeiter der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der dortigen Universität vorgestellt.

Der im Südtirol geborene und 2011 eingebürgerte Jongen ist promovierter Doktor der Philosophie und arbeitet als akademischer Mitarbeiter für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule. Doch nutzt er die Anstellung, um Homo-Hass und neurechten Thesen und Parolen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben?

Einen Vortrag unter gleichem Titel hielt Jongen bereits am 8. Juli im Konzerthaus Karlsruhe im Rahmen eines "Bildungskongresses" der AfD-Landtagsfraktion. Laut einer Zusammenfassung der Partei sprach er "über die Ideologisierung der Wissenschaft durch Gender Mainstreaming und sonstige Pseudowissenschaften". Entwickelt habe sich "eine gefährliche Ideologie"; Ziel des "jeder ernsthaften Wissenschaftlichkeit hohnsprechenden aber dennoch gefährlichen Gender-Unsinns" sei "die Zerstörung der natürlichen Ordnung. Die Identität als Mann und Frau solle aufgelöst, die traditionelle Familie als Fundament der bürgerlichen Gesellschaft zerstört werden." Letztendlich gehe es "wie in allen totalitären Ideologien um die Wahnidee der Schaffung eines 'neuen Menschen' und mit ihm einer neuen Gesellschaftsordnung", so Jongen laut der Zusammenfassung.

Kampf gegen Gleichstellung, Gender Studies und Homo-"Propaganda"

Der Politiker, der auf Platz drei der AfD-Landesliste für die Bundestagswahl und zugleich auf dem ersten Nachrückplatz der Partei im Europaparlament steht, ist Mit-, wenn nicht Hauptautor einer scharfen Resolution des Landesverbands gegen Gender-Mainstreaming aus dem Jahr 2015. Diese fordert u.a. die Abschaffung aller Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze und den "sofortigen Stopp" aller "Gender Studies" (queer.de berichtete).

"Die gegen die Natur des Menschen gerichtete Gender-Ideologie ist der wichtigsten bevölkerungspolitischen Herausforderung, vor der Deutschland steht, nämlich die Geburtenrate signifikant zu steigern, in extremer Weise abträglich", heißt es in der Begründung der Resolution.

In ihr lehnt die Partei u.a. auch "jegliche staatliche Propaganda – in Schulen, den Massenmedien oder im öffentlichen Raum – für bestimmte sexuelle Orientierungen oder Verhaltensweisen strikt ab", die "Förderung der klassischen Familie" solle aber davon unberührt bleiben. Auch sei die "politisch-bürokratisch verordnete Nivellierung der Unterschiede zwischen Männern und Frauen" ein "unzulässiger Eingriff des Staates in das private und gesellschaftliche Leben der Menschen, der überdies aus biologischen Gründen zum Scheitern verurteilt ist und eine Verschwendung von Steuergeldern darstellt".

Vorwurf der Verquickung mit staatlicher Arbeit

2015 hatte Jongen gegenüber der "Zeit" Vorwürfe, er vermische seine politische Tätigkeit mit der an der Hochschule, als "Verleumdung" und "üble Nachrede" zurückgewiesen. Die entsprechende Debatte über den "Parteiphilosophen der AfD" (FAZ) dürfte nach der Vortragsankündigung aus Novi Sad erneut an Fahrt gewinnen – zumal der Termin mitten in die öffentliche Debatte um Professor Ulrich Kutschera platzt.

Der Evolutionsbiologe der Universität Kassel, der seit Jahren ebenfalls gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie" zu Felde zieht, hatte in einem Interview zur Ehe für alle behauptet, dass wegen des Adoptionsrechts für Schwule und Lesben "schwerster Kindesmissbrauch" auf Deutschland zukomme (queer.de berichtete). Das führte nicht nur zu Strafanzeigen, sondern auch zu Forderungen aus der Politik, dass die Uni-Leitung seinen weiteren Einsatz prüfen solle (queer.de berichtete). (nb)

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#1 HoltzmannProfil
  • 21.07.2017, 15:00hBerlin
  • Wie es ausschaut verändert sich das Renommée des Kulturinstituts Matica srpska gerade:

    www.facebook.com/pg/maticasrpskanovisad/reviews/

    Es ist peinlich und eine Schande für ein kultiviertes Land wie Serbien, diesem Sondermüll aus Deutschland einen Empfang zu bereiten.

    Wollen wir mal hoffen, dass sie gar nicht verstanden haben, mit wem sie es da zu tun haben. Und wollen wir mal hoffen, dass diese Peinlichkeit abgesagt wird.
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#2 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 21.07.2017, 15:17h
  • Die, der ÜbersetzerIn hat das alles richtig ins Serbische übersetzt: dort steht auch im Original "whiteness" und nicht "witness", was auch immer "critical whiteness" bedeuten soll. Und der Professor ist ja auch an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe angestellt. Ausser, dass es anscheinend keine Universität Karlsruhe gibt, oder?
    Gruss
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#3 Klaus SchusterAnonym
  • 21.07.2017, 15:24h
  • Es gibt in Deutschland auch noch ein paar verrückte Kommunisten. Vielleicht wäre man so freundlich, die auch ins Institut Matica srpska zu bitten?

    Schön wäre es, wirklich schön, wenn man junge Schriftsteller, Künstler, Musiker und Philosophen aus ganz Europa nach Serbien bitten würde. Ist das nicht die Idee Serbiens?

    Alleine schon das Kauderwelsch der Vortragsankündigung - ein Gemisch aus Englisch, Deutsch und Serbisch - lässt einen Kultumenschen doch erschauern.
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#4 orchidellaProfil
  • 21.07.2017, 15:37hPaderborn
  • Sloterdik, selbst zum Rechtsdrall neigend, hat Jongens Stelle kurz vor seinem Austritt aus dem Rektorenamt der HfG noch entfristet. Ein letzter Akt des Danks für langjähriges «sentimental-klebriges Kriechertum», wie die taz schrieb:

    m.taz.de/!5303601;m/

    Zwar distanziert sich Sloterdijk verbal von seinem «Apostel» («Er dürfte sich vielleicht als mein Schüler bezeichnen, wenn er in seiner Assistentenzeit wenigstens ein einziges vorzeigbares Buch geschrieben hätte. So aber bleibt es nur bei falschen Zitaten»), aber die Hochschule wird ihn wohl bis zur Verrentung durchfüttern müssen, auch wenn er von seinen Aufgaben als «persönlicher Referent» des Rektors und als Herausgeber der Schriftenreihe «HfG Forschung» abgelöst wurde, zwei Positionen, die Sloterdijk eigens für Jongen geschaffen hat. Auf jeden Fall kann er weiterhin zu 100 % staatlich finanziert an seinem groß angekündigten «Manifest» basteln, das wohl als so eine Art Update von Alfred Rosenbergs «Der Mythus des 20. Jahrhunderts» konzipiert ist. Bleibt abzuwarten, ob dieses opus summum jemals das Licht der Welt erblickt. Seit 2011 hat Jongens nichts für die Wissenschaft Relevantes mehr publiziert und sich ganz dem Kampf gegen die «Genderideologie» verschrieben. Auch eine Möglichkeit, der Leere im Kopf zu begegnen...
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#5 Unger92Anonym
  • 21.07.2017, 15:41h
  • Welch eine Schande.

    Mein Nachbar ist Serbe, ein anständiger junger Mann, der den ganzen Tag arbeitet. Er hat mir viel von Serbien erzählt. Das hier wird ihm das Herz brechen.
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#6 Theophile LazureAnonym
  • 21.07.2017, 16:03h
  • Antwort auf #4 von orchidella
  • Naja, vielleicht wollten sie ja Peter Sloterdijk oder Rüdiger Safranski haben. Und bekamen dann ersatzweise dieses wirre Zeug geliefert?

    Stell Dir mal vor, Safranski würde in Novi Sad aus »Goethe. Kunstwerk des Lebens« vortragen.

    Damit würde man auch Deutschland einen großen Gefallen tun. Dann könnten wir uns jetzt nämlich über Goethe unterhalten, statt gemeinsam über die Entgleisungen eines Marc Jongen nachdenken zu müssen.
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#7 schwuler NichtdtschrAnonym
#8 Patrick NaumannAnonym
  • 21.07.2017, 16:31h
  • Novi Sad wird auch als Serbisches Athen bezeichnet.

    www.novisad.rs/eng/serbian-athens

    »The town is a remarkable example of what tolerance and trade can result in.«

    Im Jahr 2021 wird Novi Sad mit Eleusis und Timisoara zur Kulturhauptstadt Europas.

    Noch einmal: Zusammen mit Eleusis!

    Wie kann man seinen guten Ruf nur so leichtfertig aufs Spiel setzen? War kein besserer Referent verfügbar, hat dieser Mensch sich dort hineingemogelt?
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#9 orchidellaProfil
  • 21.07.2017, 17:10hPaderborn
  • Ich hab einfach mal per E-Mail bei HfG und KIT nachgefragt, was sie davon halten, dass der AfD-Chefideologe in Novi Sad mit dieser delikaten Thematik unter ihrem Namen auftritt. Fragen kostet nichts.
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#10 Tommy0607Profil
  • 21.07.2017, 17:58hEtzbach
  • In Deutschland kommen diese Rechtspopulisten nicht weiter . Jetzt müssen DIE ihren Wahnsinn wo anders verbreiten . Afd = Partei für Deppen . Dumm , Dümmer , am Dümmsten !
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