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  • 09. Juni 2005, noch kein Kommentar

Als bisexueller Schnuckel verdreht Colin Farrell seinem schwulen Jugendfreund und dessen Mitbewohnerin den Kopf.

Von Micha Müller

Mit seiner Rolle als bisexueller Eroberer "Alexander" sorgte Colin Farrell für Schlagzeilen. Griechische Politiker sahen in seiner Darstellung eine Verunglimpfung der historischen Figur. Auch in "Ein Zuhause am Ende der Welt" spielt der Ire einen bisexuellen Charakter und wieder gab es Schlagzeilen. Grund war in diesem Fall eine kurze Sequenz, die im fertigen Film gar nicht zu sehen ist. Ursprünglich sollte Farrell nämlich in einer Nacktszene seinen Lümmel zeigen, doch wurde die kurze Szene als zu gewagt vor der Premiere wieder herausgeschnitten.

In "Ein Zuhause am Ende der Welt" erzählt Regie-Debütant Michael Mayer eine Dreiecksgeschichte, in der Colin Farrell als Bobby zwischen seinem schwulen Jugendfreund Jonathan (Dallas Roberts) und dessen flippiger Mitbewohnerin Claire (Robin Wright Penn) steht.

Ende der sechziger Jahre verliert der siebenjährige Bobby seinen Bruder Carlton, den er vergöttert, durch einen tragischen Unfall. Zu einem Teenager herangewachsen, ist sein Mitschüler Jonathan sein einziger Freund. Zwischen den beiden entsteht eine intime, von Liebe und Erotik geprägte Bindung. Als Bobbys Eltern ums Leben kommen, wird er von Jonathans Eltern adoptiert. Bald bekommt er von Jonathans Mutter (Sissy Spacek) mehr Zuneigung als der eigene Sohn. Als es Jonathan schließlich nach New York zieht, wo er sein Coming-out in vollen Zügen genießt, bleibt Bobby bei den Pflegeeltern zurück.

In den 80er Jahren ziehen die Eltern aus gesundheitlichen Gründen nach Arizona und Bobby, der als Bäcker arbeitet, beschließt, Jonathan in New York zu besuchen. Er findet bei Jonathan und dessen Mitbewohnerin Claire ein neues Zuhause. Claire, die seit Jahren heimlich in Jonathan verliebt ist, fühlt sich sehr zu Bobby hingezogen und die beiden werden ein Paar. Doch Bobby ist sich seiner Gefühle zu Jonathan nicht sicher. Eine komplizierte Situation, die auch nicht einfacher wird, als Claire ein Baby erwartet.

Drehbuchautor Michael Cunningham schrieb die Romanvorlage zu dem Kino-Meisterwerk "The Hours". Diesmal adaptierte er seinen eigenen Roman und versuchte, die komplexe Struktur des Buches so gut wie möglich auf die Leinwand zu übertragen. Leider wirkt der Film an vielen Stellen sehr sprunghaft, was es dem Zuschauer nicht immer leicht macht, die Motivationen der Protagonisten nachzuvollziehen. Dennoch macht das Zusehen dank der hervorragenden Darsteller Spaß.

Dallas Roberts als selbstbewusster und sensibler Jonathan, der das Gefühl hat, immer an zweiter Stelle zu stehen, spielt seine Rolle brillant. Robin Wright Penn als flippige Künstlerin, die erkennt, dass sie zwischen den beiden Männern, die sie liebt, keinen Platz findet, ist grandios. Gleiches gilt für Colin Farrell, dem man den naiven Landjungen, der nicht weiß, wie er mit seinen Gefühlen umgehen soll, jederzeit abnimmt. Und dann ist da noch Sissy Spacek als kiffende Mutter, die sich für ihr Leben eigentlich mehr gewünscht hatte als ein Hausfrauendasein im schnuckeligen Eigenheim. Sie glänzt in jeder Sekunde, die sie zu sehen ist, und es wäre toll gewesen, wenn sie mehr Auftritte gehabt hätte. Alles in allem ist "Ein Zuhause am Ende der Welt" tolles Starkino, nicht perfekt, aber sehr liebenswert. Ein echtes Feelgood-Movie für laue Sommernächte.

09.06.2005