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Linkspartei Mönchengladbach

Bundestagswahl: Direktkandidat will ErzieherIn statt Erzieher sein

Sebastian Merkens kämpft für eine geschlechtergerechte Sprache. Daher will der schwule Linken-Politiker aus Möchengladbach in offiziellen Papieren zur Bundestagswahl als ErzieherIn bezeichnet werden.


Sebastian Merkens (li.) und sein Parteifreund Erik Jansen wollen die Entscheidung des Wahlkreisausschusses nicht akzeptieren. (Bild: Die Linke Mönchengladbach)

Der schwule Direktkandidat der Linkspartei in Mönchengladbach möchte geschlechtergerecht als ErzieherIn, nicht als Erzieher bezeichnet werden. Daher legte der 37-jährige Sebastian Merkens Einspruch gegen die Entscheidung des Kreiswahlausschusses ein, der seine Berufsbezeichnung in der Veröffentlichung im Rahmen der Bundestagswahl in "Erzieher" geändert hat. Eine Entscheidung über den Einspruch wird im Düsseldorfer Landtag frühestens am Donnerstag gefällt.

Merkens argumentiert, dass es kein Gesetz gebe, das die Bezeichnung "ErzieherIn" verbiete: Über die Verwendung einer geschlechterneutralen oder einer geschlechterspezifischen Angabe bei der Veröffentlichung der Berufsbezeichnung von Kandidaten gebe es im Rahmen der Bundeswahlordnung keinerlei gesetzliche Regelung. Jedoch habe die NRW-Landesregierung in ihrem Leitfaden "Gleichstellung Sprache" bereits erklärt, dass eine Gesellschaft, die die Gleichstellung von Frauen und Männern zum Ziel habe, "auch eine gleichstellungsgerechte Rechtssprache" erfordere.

Berufsbezeichnung soll "offen für alle Identitäten" sein

Nach Auffassung von Merkens kommt die Formulierung "Erzieher" als Berufsbezeichnung bei der offiziellen Veröffentlichung den Vorgaben des Landes zur Geschlechterneutralität nicht nach. Zwar identifiziere er sich persönlich als Erzieher, eine allgemeine Berufsbezeichnung müsse seiner Ansicht nach aber "offen für alle Identitäten" sein.

Merkens' Parteifreund, der Möchengladbacher Linken-Kreisschatzmeister Erik Jansen, der im Landtag für den Beibehalt der geschlechterneutralen Formulierung vorsprechen soll, glaubt nicht, dass die Erfolgsaussichten in diesem konkreten Fall besonders hoch sind. Es sei jedoch zunächst einmal wichtig, auf diesen Missstand im Wahlrecht aufmerksam zu machen, um langfristig eine geschlechtergerechte Formulierung auf den Wahlzetteln umsetzen zu können.

Der 1980 geborene Sebastian Merkens ist parteipolitisch noch ein praktisch unbeschriebenes Blatt. Er hat langjährige Erfahrung als Leiter eines Jugendzentrums und arbeitet aktuell mit unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Seit sieben Jahren ist er Chef des Stadtjugendrings Mönchengladbach. Außerdem ist er Sprecher der parteiinternen AG Queer Mönchengladbach. (dk)

 Update  5. August: Landeswahlausschuss lehnt Antrag ab

Der Landeswahlausschuss im Düsseldorfer Landtag hat den Einspruch von Merkens zurückgewiesen. Auf dem Stimmzettel wird damit als seine Berufsbezeichnung "Erzieher" vermerkt sein.



#1 AufrechtgehnProfil
#2 ursus
  • 02.08.2017, 16:35h
  • das binnen-i mag ja einen gewissen retro-schick verströmen, ist aber nur dann "offen für alle Identitäten", wenn man allen nicht-binären menschen ihre identität abspricht.

    ich empfehle ein update in der persönlichen identitäts-datenbank. dazu wäre es gut, mal ein buch über geschlechterpolitik in die hand zu nehmen, das nach 1985 erschienen ist.
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#3 MerkwürdigAnonym
  • 02.08.2017, 17:02h
  • Hasskommentare von ganz rechts und verhöhnt werden von FDP und CDU sind ihm sicher.
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#4 GendersternchenAnonym
#5 AlexAnonym
  • 02.08.2017, 17:46h
  • Jaja, Sprache formt Gesellschaft, nicht umgekehrt etc...

    In diesem Konkreten Falle ist das aber Sprachtechnisch totaler Schwachsinn. ErzieherIn (oder irgendeines der Derivate) ist doch dafür gedacht, in Allgemeinen Fällen ohne Bezug auf eine bestimmte Person eine geschlechtliche Neutralität herzustellen. In diesem Konkreten Fall ist aber das Geschlecht doch bekannt! Die Bezeichnung steht hier für genau _eine_ Person! Da dann auf Neutralität zu bestehen ist voll am Thema vorbei, bzw. übers Ziel hinausgeschossen.

    Mir scheint, da hat jemand mehr Interesse an PR als an Gleichberechtigung. Das ist so durchschaubar...
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#6 JadugharProfil
  • 02.08.2017, 17:51hHamburg
  • Problematisch sind solche Wörter, wenn sie gesprochen werden. ErzieherIn hört sich gesprochen wie Erzieherin an, wo man automatisch an das weibliche Geschlecht denkt. Unsere Sprache hat nun mal 3 Geschlechter, jedoch ist kein Substantiv geschlechtsneutral. Das 3. Geschlecht bezieht sich auf Sachen oder Kinder.
    Ideal ist die chinesische Sprache, welche kein Geschlecht kennt, um sich geschlechtsneutral auszudrücken.
    In der deutschen Sprache benutzt man im Zweifelsfall, sofern man spricht, das männliche Geschlecht, welches oft alle Geschlechter mit einschließt und wenn man eine Gruppe von Personen anspricht.
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#7 JamboAnonym
  • 02.08.2017, 18:10h
  • Also ganz ehrlich mit solch einer PR-Aktion kann man auch in die Medien kommen. Vergleichbar wie damals der Vorschlag von Frau Pauli aus der CSU mancher wird sich vielleicht noch erinnern die die Ehe auf Zeit wollte. Was ist daraus geblieben. Mir persönlich wäre ein objektiver und auf die Probleme der Zeit bezogener Wahlkampf lieber als ein populistischer PR Wahlkampf.
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#8 queergayProfil
  • 02.08.2017, 18:17hNürnberg
  • Der Polit-Kandidat sollte unbedingt Aufklärungs-Seminare und Info-Broschüren zu seinen Benennungs-Wünschen mit anbieten. Denn nur sozial-wissenschaftlich gebildetes Volk dürfte seine speziellen Anwandlungen wirklich nachvollziehen können.
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#9 LinguistAnonym
  • 02.08.2017, 18:31h
  • Sorry, aber das ist sprachwissenschaftlich Blödsinn und wird nichts gegen Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt tun.

    Es mag ja sein, dass er ehrenvolle Absichten hat, aber dass "Gut gemeint" eben nicht immer "Gut gemacht" ist, ist klar. Und gerade wenn Leute, die eigentlich keine Ahnung von Linguistik haben, meinen, Sprache verändern zu müssen, geht das automatisch schief, wie man an den diversen Rechtschreibreformen sieht.

    Das Problem ist, dass jeder, der einigermaßen mit Sprache umgehen kann, auch meint, Ahnung von Sprache zu haben. Aber es hat schon seine Gründe, warum es dennoch auch Linguisten gibt.

    Zunächst mal:
    Der grundlegender Irrtum vieler Laien ist die Gleichsetzung von biologischem und grammatischem Geschlecht.

    Dass das falsch ist, belegen bereits einfache Beispiele:

    1. Gegenstände haben nicht nur den Artikel "das", sondern auch "der" und "die", haben also ein grammatisches Geschlecht, obwohl sie kein biologisches Geschlecht haben. Z.B. die Türe, die Krawatte, der Tisch, der Topf, etc. etc. etc.

    2. Auch bei Menschen kann mit "der" eine Frau gemeint sein: "der Mensch" (und nicht "die Menschin"), "der Gast" (und nicht "die Gästin"), etc.

    3. Und wer jetzt meint, das sei ein Beispiel für Androzentrismus - NEIN, das gibt es umgekehrt genauso: es ist "die Person", auch wenn ein Mann gemeint ist und es ist "die Geisel", auch wenn es ein Mann ist (und nicht etwa "der Geisel").

    4. Und auch "das" kann für alle Geschlechter stehen. Z.B. "das Individuum" und es heißt "das Kind", egal ob Junge oder Mädchen.

    Es gibt noch dutzende weitere Dinge, die man anführen müsste, aber das soll als kurzer Einstieg genügen, weil selbst diese einfachen Beispiele schon zeigen, dass grammatisches Geschlecht und biologisches Geschlecht nichts miteinander zu tun haben.

    Wenn man jetzt also Berufsbezeichnungen nimmt, nimmt man entsprechend die Bezeichnung, die sich eingebürgert hat. Und das ist nun mal für männliche Erzieher "der Erzieher" und für Frauen "die Erzieherin".

    Natürlich kann sich ein Mann auch gerne als "Erzieherin" titulieren. Hindert ihn ja niemand dran und wäre bei Transsexualität / Transgender auch vollkommen berechtigt. Aber als nicht Trans*-Person outet man sich nicht nur, dass man keine Ahnung von Sprache hat und macht sich selbst lächerlich, sondern - viel schlimmer - man macht auch Trans*-Personen mit ihren berechtigten Forderungen lächerlich und nützt auch kein bisschen der Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt, sondern schadet diesem Ziel sogar, indem man so tut, als hätte z.B. die Forderung nach gleichem Gehalt für gleiche Arbeit dieselbe Qualität wie solche Nonsens-Maßnahmen.

    Fazit:
    Nein, Sebastian Merkens, sie nützen weder Frauen noch Trans*-Personen, sondern schaden ihnen mit ihren albernen Ideen, die weder Gleichstellung, noch Akzeptanz oder sonstwas fördern, sondern nur lächerlich sind und wirklich geschlechtergerechte Sprache (die auch nichts mit Binnen-I , etc. zu tun hat) lächerlich machen und uns damit um Jahre zurückwerfen.
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#10 ursus
  • 02.08.2017, 18:48h
  • Antwort auf #9 von Linguist
  • "Natürlich kann sich ein Mann auch gerne als "Erzieherin" titulieren. Hindert ihn ja niemand dran und wäre bei Transsexualität / Transgender auch vollkommen berechtigt."

    aua. das tut richtig weh.
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