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Gedenken

Erster Stolperstein für schwules NS-Opfer in Solingen

Heinrich Irsen wurde am 5. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet – Jürgen Wenke von der Rosa Strippe Bochum hat sein Schicksal recherchiert.


Der Stolperstein für Heinrich Irsen in Solingen wurde von den Grünen finanziert (Bild: J. Wenke / Rosa Strippe e.V.)

Am Mittwoch hat der Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein für Heinrich Irsen verlegt. Er liegt am Ort des ehemaligen, noch existierenden Wohnhauses Katternberger Str. 202a in Solingen. Es ist der erste und bisher einzige Stolperstein in der nordrhein-westfälischen Stadt zur Erinnerung an einen in der NS-Zeit verfolgten Schwulen.

Gottfried Heinrich Irsen wurde am 22. September 1904 im Solinger Stadtteil Höhscheid geboren. 1937 erfolgte die erste Verhaftung wegen homosexueller Kontakte in Köln, danach die Verurteilung zu einer heute unbekannten Strafe. Nach Strafverbüßung kam es 1942 zu einer erneuten Verhaftung durch die Wuppertaler Polizei. Irsen wurde in das KZ Sachsenhausen bei Berlin deportiert.

Ermordet bei der "Aktion Klinker"

Im Konzentrationslager wurde er am 5. Juli 1942 Opfer einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle ("Aktion Klinker"), bei der allein im Juli und August 1942 mindestens 95 namentlich bekannte Männer umgebracht wurden. Die angebliche Todesursache war "Herz- und Kreislaufschwäche". Heinrich Irsen wurde nur 37 Jahre alt.

Die Initiative und die Recherchen zum Leben und Tod von Heinrich Irsen gingen von Jürgen Wenke aus, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bochumer Vereins Rosa Strippe. Mehr über den Sohn eines Scherenfabrikarbeiter hat Wenke in einem PDF-Dossier zusammengefasst. Die Patenschaft für den Stolperstein haben die Solinger Grünen übernommen. (cw/pm)



#1 schwarzerkater
#2 goddamn liberalAnonym
#3 SebiAnonym
  • 03.08.2017, 15:44h
  • Toll, dass immer noch Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird.

    Dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte darf niemals vergessen werden, damit es sich nie mehr wiederholt.

    Leider wollen manche Kreise dessen Wiederholung.

    Umso wichtiger sind solche "Stolpersteine".
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#4 g_kreis_adventProfil
  • 04.08.2017, 09:28hBerlin-Prenzlauer Berg
  • Danke an Jürgen Wenke vom Rosa Strippe e.V. Bochum für die Gedenkarbeit!

    Über die Webseite des Gesprächskreises Homosexualität
    www.advent-zachaeus.de/gemeindeleben/gespraechskreis-homosex
    ualitaet.html

    kommt ihr auf die Liste der Toten und Stolpersteine für die homosexuellen Opfer des KZ Sachsenhausen.

    Am 10. September 2017 um 13:00 Uhr werden wir gemeinsam mit der AG QueerGrün Brandenburg eine Gedenkveranstaltung am Gedenkort Klinkerwerk durchführen und auch an Heinrich Irsen erinnern. Leider hat bis heute der Berliner LSVD aus Anlass des 75. Jahrestages der Mordaktion Klinkerwerk keine Zeit für ein Gedenken.
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#5 Jürgen WenkeAnonym
  • 04.08.2017, 10:13h
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • Meine Forschung zu Heinrich Irsen läßt ausdrücklich nicht darauf schliessen, dass wohlhabende Schwule es leichter hatten, sich zu verstecken. Derzeit forsche ich zu August Barenberg, der aus einer sehr wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Bochum stammte, die Nationalsozialisten spürten ihn auch nach der Flucht nach Belgien auf, steckten ihn in ein Lager in Südfrankreich und brachten ihn zurück nach Deutschland. Er starb verarmt in München.
    Homosexuelle wurden insgesamt verfolgt, es macht keinen Sinn, deren Wohlstand oder Nichtwohlstand oder deren "einfache" Herkunft unerforscht in den Zusammenhang mit ihren Überlebenschancen zu stellen. Gut gemeint, aber leider nicht korrekt.
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#6 Homonklin44Profil
  • 04.08.2017, 12:32hTauroa Point
  • Das finde ich gut. Habe mich aus dem Hintergrund etwas für die Stolpersteine (allgemein) in München eingesetzt, wo es Bemühungen gab, sie nicht zu gestatten.

    Wahrscheinlich gab es dort auch etliche schwule oder lesbische und Trans.Opfer.

    Ich "stolpere" auch in Kiel zuhause, und mache mich manchmal kundig darüber, was für Menschen das waren, die hier wohnten, und wegen welcher so geführter Verfehlungen man sie aus ihrem Leben riss. Wir sollten alle froh darum sein, dass eine solche Verfolgung heute nicht mehr möglich ist. Oder zumindest noch nicht wieder. Wehret den möglichen Wiederanfängen!

    Ich glaube auch nicht, dass sich Wohlhabende damals Zeit kaufen konnten, oder sich frei kaufen, andere Identitäten o.Ä.
    Da brauchte man sicher Beziehungen zu agierenden Positionen, und auch darauf war kein Verlass. Es ist bekannt, was mit den schwulen Nazis passierte.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 04.08.2017, 15:47h
  • Antwort auf #5 von Jürgen Wenke
  • Danke für den Hinweis!

    "Homosexuelle wurden insgesamt verfolgt,"

    Das habe ich keineswegs bestritten.

    " es macht keinen Sinn, deren Wohlstand oder Nichtwohlstand oder deren "einfache" Herkunft unerforscht in den Zusammenhang mit ihren Überlebenschancen zu stellen."

    Wer sich z. B. ein Landhaus als Rückzugsort leisten kann, kann sich eher dem Zugriff eines Mörderstaates entziehen als jemand, der irgendwo Untermieter ist und in den Park gehen muss.

    "Gut gemeint, aber leider nicht korrekt."

    Nur unkorrekt, wenn man insinuiert, es habe juristische oder polizeiliche Privilegien für das Bürgertum gegeben.

    Das gab es im NS-Staat sicher nicht.
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#8 MerkwürdigAnonym
#9 goddamn liberalAnonym
  • 04.08.2017, 19:04h
  • Antwort auf #8 von Merkwürdig
  • "Hier wurde in Kommentaren des öfteren darauf bestanden, dass ausschließlich homosexuelle Männer verfolgt wurden, Frauen nicht!"

    Tja, aber nicht von mir. Siehe Par. 129b im angeschlossenen Österreich.
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