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Staatshomophobie

Haiti: Senat stimmt für Verbot von Homo-"Propaganda"

Der bitterarme Agrarstaat geht offen gegen Schwule und Lesben vor. Ein Senator macht Homosexualität für Wirbelstürme und Erdbeben verantwortlich.


Senator Carl Murat Cantave macht Schwule und Lesben für Naturkatastrophen verantwortlich

Der Senat des westkaribischen Inselstaates Haiti hat am Dienstag einem Gesetzentwurf zugestimmt, der die "öffentliche Unterstützung" für Homosexualität verbietet. Der schwammig formulierte Text sieht außerdem ein ausdrückliches Verbot von Eheschließungen unter Schwulen und Lesben vor, obgleich gleichgeschlechtliche Partnerschaften schon heute nicht anerkannt werden. Jeder Person oder Organisation, die gegen das Gesetz verstößt, drohen Geldstrafen von 500.000 Gourde (6.700 Euro). Ein Haitianer mit Durchschnittsgehalt müsste dafür rund zehn Jahre arbeiten. Außerdem sind Haftstrafen von bis zu drei Jahren vorgesehen. Jetzt muss die andere Parlamentskammer, die Chambre des députés, den Entwurf behandeln.

"Alle Senatoren sind gegen die gleichgeschlechtliche Ehe. Das Gesetz reflektiert also einfach die Versprechungen, die die Senatoren während des Wahlkampfes gemacht haben", erklärte Senatspräsident Youri Latortue gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Auch wenn der Staat säkular ist, sind gläubige Menschen in Haiti in der Mehrheit." Latortue erklärte weiter, die meisten Haitianer glaubten, dass Homosexualität eine westliche Praxis ist, die nichts mit ihrem Land zu tun habe. "Ein Land muss sich auf seine Werte und Traditionen konzentrieren", so Latortue.

Einer der Autoren des Gesetzes ist der Senator Carl Murat Cantave, der bereits oft durch homophobe Tiraden aufgefallen ist. So sagte er vergangenen Oktober in einem Interview mit "Le Nouvelliste", dass Haiti ständig von Wirbelstürmen und Erdbeben heimgesucht werde, "von denen wir nicht wissen, woher sie kommen" – seiner Meinung nach seien sexuell aktive Schwule und Lesben daran schuld. Das könne man bereits in der Bibel nachlesen: "Der Grund, weswegen Feuer Sodom und Gomorra zerstörte, war sündiges Sexualverhalten, also Unzucht."

LGBTI-Aktivisten: Schwule und Lesben haben Angst

Charlot Jeudy von der LGBTI-Organisation Kouraj bezeichnete den Gesetzentwurf als einen "Angriff auf die LGBT-Community in diesem Land". Insbesondere die schwammige Sprache könne den Behörden einen Freibrief für Verfolgung geben. Bereits jetzt verzeichne seine Organisation Übergriffe auf Schwule und Lesben, auch von staatlicher Seite; die meisten verheimlichten ihre Identität in der Öffentlichkeit.

In Haiti, einer ehemaligen französischen Kolonie, ist Homosexualität zwar bereits seit 1791 praktisch nicht mehr verboten, allerdings gibt es derzeit keinerlei Antidiskriminierungsrichtlinien und keine Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Ein Großteil der knapp elf Millionen Einwohner ist gegenüber Homosexuellen aus religiösen Gründen feindlich eingestellt – mehr als die Hälfte der Haitianer sind Katholiken, ein Drittel bekennt sich zu einer protestantischen Kirche.

Die grassierende Armut der Bevölkerung und die starke Stellung der katholischen Kirche sorgen laut Aktivisten dafür, dass sich die Lage nicht verbessert. Seit dem verheerenden Erbeben von 2010, das über 300.000 Menschen das Leben kostete, habe sich die Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen laut Amnesty International sogar noch dramatisch verschlechtert. 2013 wurde etwa das Büro der LGBTI-Organisation Kouraj überfallen; Mitarbeiter wurden gefesselt und homophob beschimpft (queer.de berichtete). (dk)



#1 SebiAnonym
  • 03.08.2017, 16:13h
  • Offenbar haben die keine dringenderen Probleme, als Liebe zu verbieten und zu hetzen.

    Wahrscheinlich wollen die so nur wieder mal vom eigenen Versagen ablenken.
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#2 JawolloAnonym
  • 03.08.2017, 16:55h
  • Dem Herrn und der Regierung hat man aber kräftig ins Hirn gesch....en. Es ist nicht zu fassen, wieviel Dummheit es noch auf der Welt gibt. Aber wie immer... die Religionen stecken dahinter. Unterstützung findet die Regierung sicherlich im Vatikan bei Bergoglio und Müller, etc.
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#3 MerkwürdigAnonym
  • 03.08.2017, 17:29h
  • Antwort auf #2 von Jawollo
  • Und wenn Frau Kramp-Kartenbauer oder Herr Kauder oder Herr Seehofer oder Frau Merkel oder Herr Spahn das lesen, denken sie: "Hach, wir können von anderen Ländern echt noch was lernen. Blödes Bundesverfassungsgericht aber auch immer. Aber schön wär's schon"
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#4 Katrin
  • 03.08.2017, 17:46h
  • Das Erdbeben haben natürlich die bösen Schwulen verursacht und nicht der grundgütige Gott. Gott hätte das Beben verhindern können, wäre er nicht gerade auf einem CSD gewesen.
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#5 Svetlana LAnonym
  • 03.08.2017, 18:02h
  • Wie viele Erdbeben kann ein Homosexueller verursachen? Und wie viele Homosexuelle braucht es dann, um die Erde zum Absturz zu bringen?

    Mit Logik und gesundem Menschenverstand kann man das nicht mehr erklären!
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#6 SmartakusProfil
#7 TheDadProfil
#8 easykeyProfil
  • 03.08.2017, 18:39hLudwigsburg
  • Götzenanbetung und zu viel Voodo vernebeln halt die Sinne und führen zu Realitätsverlust.
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#9 MichaelTh
  • 03.08.2017, 18:52h
  • Ja, ok, ich geb's zu, ich war das mit dem Erdbeben. Und, na gut, das mit dem Wirbelsturm auch. Zufrieden?
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#10 ArchäologeAnonym
  • 03.08.2017, 19:07h
  • Antwort auf #8 von easykey
  • Unter den großen Religionen Haitis ist Voodoo als einzige nicht homophob ... das Problem geht dort eher vom Katholizismus und (in noch aggressiverer Form) von evangelikalen Gruppen aus.

    Im Voodoo können bekennende Lesben und Schwule alle religiösen Ämter einnehmen, und mit Erzulie Freda wird sogar eine eigene Schutzpatronin für Homosexuelle verehrt.

    en.wikipedia.org/wiki/Haitian_Vodou_and_sexual_orientation

    Was Diskriminierung seitens christlicher Gruppen (und Politiker) angeht, sitzen Vodouci und Homosexuelle im selben Boot.
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