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NHS lenkt ein

England verteilt PrEP kostenlos an 10.000 Personen

Der staatliche Gesundheitsdienst hatte noch vergangenes Jahr mit homophoben Argumenten versucht, die Ausgabe HIV-Präventionspille zu verhindern.


In Großbritannien gibt es immer wieder Demonstrationen für eine bessere Finanzierung des Gesundheitssystems, das viel längere Wartezeiten bietet als deutsche Kliniken und weit weniger Geld ausgibt als deutsche Krankenversicherungen (Bild: Birmingham Eastside / flickr)

Der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS hat angekündigt, in England 10.000 HIV-negative Personen, die ein höheres Risiko für eine HIV-Ansteckung haben, mit der Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) zu versorgen. Bei der Aktion handelt es sich um eine vorläufig dreijährige Testphase.

Kliniken für sexuelle Gesundheit in den Städten London, Brighton, Manchester, Liverpool und Sheffield sollen im September damit beginnen, das Medikament zu verteilen. Im Frühjahr 2018 soll die Pille englandweit erhältlich sein. Die Hauptzielgruppe für PrEP sind schwule Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern.

"Das ist ein weiterer Meilenstein im drei Jahrzehnte andauernden erfolgreichen Kampf gegen eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen der Menschheit", erklärte Simon Stevens, der Chef von NHS England. Die Pille sei eine wichtige Ergänzung der Präventionsstrategie des NHS.

Dabei hatte der NHS in Großbritanniens größtem Landesteil lange gegen PrEP gekämpft und gefordert, dass Patienten PrEP aus ihrer eigenen Tasche zahlen sollten. Der chronisch unterfinanzierte Gesundheitsdienst hatte dabei argumentiert, dass man ansonsten Kindern mit Mukoviszidose oder anderen Krankheiten keine Medikamente mehr finanzieren könne. Aids-Aktivisten nannten die Argumentation homophob, weil damit Kinder gegen Schwule ausgespielt werden würden (queer.de berichtete). Das erzkonservative Boulevardblatt "Daily Mail" griff jedoch die Debatte auf und nannte die Pille ein "Lifestyle-Medikament".

Auch die Regierungen von Wales und Schottland haben angekündigt, die Pille an Gruppen mit erhöhtem Risiko abgeben zu wollen. Auch in diesen Landesteilen gibt es einen staatlichen Gesundheitsdienst, bei dem automatisch alle Einwohner versichert sind.

PrEP seit einem Jahr in Europa zugelassen

Aids-Aktivisten werben weltweit bereits seit längerem für die Einführung von Medikamenten wie Truvada als vorbeugenden Schutz für HIV-Negative. Erst im August 2016 hatte die Europäische Kommission die PrEP zugelassen (queer.de berichtete). Täglich korrekt eingenommen, kann die Pille eine HIV-Infektion Studien zufolge mit fast 100-prozentiger Sicherheit verhindern. Sie wird deshalb als Ergänzung zu bestehenden Präventionsstrategien, etwa Kondomen, empfohlen.

Gleichzeitig ist die PrEP ein Politikum, weil eine Anwendung sehr teuer ist – in Deutschland kostet Truvada über 800 Euro pro Monat. Zwar sind seit 1. August Generika zugelassen worden, allerdings sind diese nur unwesentlich günstiger (queer.de berichtete). Deutsche Krankenkassen kommen daher bislang nicht für die Kosten auf. Die Deutsche Aids-Hilfe fordert, dass diese Präventionsmethode nicht nur für Reiche erschwinglich sein sollte.

In den USA ist Truvada bereits seit 2012 als PrEP zugelassen – und gilt dort als Erfolgsgeschichte. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC sprach 2015 die Empfehlung aus, dass rund ein Viertel der sexuell aktiven schwulen und bisexuellen Männer, die HIV-negativ sind, die Pille einnehmen sollte (queer.de berichtete). Seit der Einführung sind die Neudiagnosen in den USA kontinuierlich gesunken. (dk)



#1 SebiAnonym
  • 04.08.2017, 17:29h
  • PrEP sollte auch in Deutschland von den Krankenkassen gezahlt werden.

    Es ist eine effektive Möglichkeit, die Ausbreitung von HIV zu reduzieren oder vielleicht sogar irgendwann das Virus auszurotten (so wie man andere Viren ja auch ausgerottet hat), wenn man es schon nicht heilen kann.

    Und billiger als die Therapie HIV-Positiver ist es allemal, so dass es nicht nur aus ethischen Erwägungen, sondern alleine schon aus finanziellem Interesse so sein sollte.
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#2 VernunftAnonym
  • 04.08.2017, 20:43h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Die Ausrottung von Seuchen geschieht durch Impfungen, nicht durch lebenslangen Medikamentenkonsum. Die Nebenwirkungen sollte man auch nicht vergessen. Bis jetzt wird der HIV-Virus unterdrückt - nicht besiegt.

    Auch im anderen PrEP-Artikel diese Woche wurde schon steil behauptet, wenn jetzt alle Menschen lebenslang PrEP nähmen, wäre das kostengünstiger, als nur die zu behandeln, die den Virus haben. Das ist ein ziemlich hartnäckiger Mythos. Ich vermute mal, diese Leute sind einfach nur schlecht in Mathe.

    Hinzukommt, momentan würde, wenn 25%, 50% der Deutschen PrEP nehmen, jeder quasi sein Zeugs eh fast selbst bezahlen bzw. die KV zusammenbrechen. Unsere KV würde auch zusammenbrechen, wenn jetzt alle vorsorglich Krebsmedikamente nehmen, anstatt nur die Bedürftigen zu behandeln. Es ist und bleibt eine Illusion, dass "PrEP für Alle" kostengünstiger wäre.
    Die Pflege frisst auch gerade finanziell unser Sozialsystem auf, obwohl das relativ kostengünstig verringert werden könnte - mit einem Lebensstil, der einen im Alter nicht automatisch zum Pflegefall macht.

    Hinzukommt PrEP schütz nicht vor den anderen sexuellübertragbaren Seuchen, die gerade auf dem Vormarsch sind. Das wäre falsche Sicherheit. Da ist insgesamt PrEP nicht auf der gleichen Sicherheitsstufe, wie ein Kondom.
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#3 PfoteAnonym
  • 04.08.2017, 21:00h
  • Antwort auf #2 von Vernunft
  • Schlecht in Mathe bist höchstens Du, wenn Du ernsthaft in Erwägung ziehst, dass 50% der Bevölkerung, also vom Säugling bis zum Greis lebenslang(!) Prep nehmen würden.

    Wer solche Szenarien auf den Tisch bringt, zeigt, dass er sich nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen will.
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#4 MerkwürdigAnonym
  • 04.08.2017, 21:16h
  • Antwort auf #3 von Pfote
  • "Schlecht in Mathe bist höchstens Du, wenn Du ernsthaft in Erwägung ziehst, dass 50% der Bevölkerung, also vom Säugling bis zum Greis lebenslang(!) Prep nehmen würden."

    Wie viele Menschen wären es denn wirklich deiner Meinung nach?
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#5 VernunftAnonym
  • 04.08.2017, 21:26h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Und noch etwas zu Resistenzen und Mutationen
    (für die "PrEP ist das ultimative Wunder"-Fraktion)

    Die Antibiotika-Resistenzen steigen, bei Hepatitis sehen wir immer neue Varianten, gegen die es keinen Schutz gibt. Der HIV-Virus wird nicht zu 100% an der Übertragung gehindert, er wird unter eine bestimmte Grenze gebracht, ist aber noch da. Lebenslanger Medikamenten-Konsum könnte ihn irgendwann resistent machen, er könnte mutieren, er könnte sich noch besser tarnen. PrEP als "free for all", also auch Gesunde, kann diesen Prozess noch beschleunigen. Nicht blind nur auf ein Pferd setzen!
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#6 Patroklos
#7 VernunftAnonym
  • 04.08.2017, 21:49h
  • Antwort auf #3 von Pfote
  • Du weißt ganz genau, wie diese gemeint ist. Aber häng dich ruhig an der pauschal genannten 50% auf. Warum hängst du dich nicht an der genannten 25% auf???

    Fakt ist, der Behandlungszeitraum von Gesunden oder HIV-Patienten ist nahezu gleich (infiziert man sich spät u.U. sogar kürzer). Nur die Zahl der Gesunden ist wohl vielfach größer, als die HIV-Behandlungen und die kommen jetzt zu den Kosten dazu.
    Es sind also viel, viel mehr Leute.
    Jetzt rechne dir aus, was die Behandlungen eines HIV-Patienten im Jahr kostet.
    Und rechne dir aus was ein Person auf PrEP pro Jahr kosten. Der Unterschied ist schon bei 1 Person nicht so groß, wie du vielleicht denkst.

    PrEP ist kein Viagra, das du nur kurz vorm Sex ein nimmst. Und du wirst das dann wohl nicht nur 1 Monat im Jahr einnehmen/Sex haben wollen. Erst recht nicht, wenn du es gratis bekommen würdest.
    Und dann nehmen viele Gesunde das zusätzlich. Wenn nur alle HIV-Positiven dies nehmen, kann sich der Virus theoretisch schon nicht mehr ausbreiten.
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#8 PfoteAnonym
#9 TheDadProfil
  • 04.08.2017, 22:08hHannover
  • Antwort auf #2 von Vernunft
  • ""Auch im anderen PrEP-Artikel diese Woche wurde schon steil behauptet, wenn jetzt alle Menschen lebenslang PrEP nähmen, wäre das kostengünstiger, als nur die zu behandeln, die den Virus haben.""..

    Das steht dort NIRGENDS !

    Denn das "Argument" ""lebenslang" benutzen nur die Gegner einer zusätzlichen Prävention, um eine "kosten-explosion" zu eskalieren !
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#10 VernunftAnonym
  • 04.08.2017, 22:10h
  • Antwort auf #3 von Pfote
  • Muss nochmal nachtreten: "vom Kind bis zum Greis" wären 100% der Bevölkerung. Habe ich nie behauptet. Selbst bei 10% Nutzer wäre es bei momentan 600Euro/Monat teuer als nur die HIV-Behandlungen.

    Andererseits:
    HIV wird nicht nur durch Sex übertragen. Was spricht gegen Kinder? Ab wann ist man heutzutage schon geschlechtsreif? Und bis zu welchem Alter jemand Sex haben darf, wird auch nicht von dir festgelegt. So oder so....es ist nicht billiger!
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