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DAH und LSVD sind empört

Blutspenden: Sex-Karenzzeit für Schwule "eine Unverschämtheit"

LGBTI- und Aids-Aktivisten können nicht verstehen, warum die Bundesärztekammer in den neuen Blutspenderichtlinien an der Diskriminierung schwuler und bisexueller Männer festhält.


Formal können Schwule bald Blut spenden – in Wirklichkeit wird die neue Richtlinie aber wohl nichts ändern

Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), dürfen künftig auch in Deutschland spenden – aber nur, wenn sie ein Jahr lang keinen anderen Mann angefasst haben. Diese bereits vergangene Woche durchgesickerte Änderung der Blutspenderichtlinien wurde von der Bundesärztekammer am Montagvormittag offiziell bekannt gegeben. Bislang waren schwule und bisexuelle Männer generell von einer Blutspende ausgeschlossen gewesen.

LGBTI- und Aids-Organisationen geht diese Änderung nicht weit genug. Sie kritisieren, dass die Bundesärztekammer Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiere: "Offenbar hat das Bestreben, MSM weiterhin möglichst dauerhaft von der Blutspende auszuschließen, über die Wissenschaft gesiegt", erklärte Axel Hochrein, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD).

LSVD: Kein Schwuler verzichtet ein Jahr auf Sex, um Blut zu spenden

Nach der neuen Richtlinie würden kaum Schwule und bisexuelle Männer Blut spenden können, so der LSVD-Sprecher. Hochrein mutmaßt, dass den Verfassern auch bewusst sei, "dass ein gesunder homosexueller Mann niemals ein Jahr lang zölibatär leben kann und wird, um dann endlich Blut spenden zu dürfen". Unverständlich sei, dass alle Schwulen und bisexuellen Männer in einer Risikogruppe zusammengefasst würden – egal, ob sie in einer monogamen Partnerschaften leben oder Safer Sex betreiben.

Es spreche für die "vorurteilsbehaftete Vorgehensweise der Verfasser", dass sie weiter in Kategorien wie "Risikogruppen" dächten, statt auf das Risikoverhalten zu schauen. Das Problem werde auch bei der in den Richtlinien beschriebenen Gruppe "heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z. B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern" deutlich: "Es kommt nicht darauf an, ob heterosexuelle Blutspender häufig wechselnden Geschlechtsverkehr hatten, sondern ob dieser safe oder unsafe war. Außerdem reicht auch ein einmaliger unsafer Geschlechtsverkehr z.B. mit einer Prostituierten als relevantes Risiko aus."

Jetzt bleibe nur noch die Hoffnung, dass die Gerichte die neue Richtlinie korrigierten. "Denn vom CDU-geführten Bundesgesundheitsministerium ist wohl keine Hilfe zu erwarten", so Hochrein.

DAH bringt Sechs-Wochen-Frist ins Spiel

Auch Björn Beck vom Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe zeigte sich enttäuscht, dass die Bundesärztekammer unwissenschaftlich vorgehe: "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen. Diese Frist wäre nachvollziehbar. Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus. Das ist nicht mehr als Kosmetik und eine Unverschämtheit", sagte Beck am Montag.

Er verwies auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, das zwar 2015 den Ausschluss von Personen aufgrund deren sexueller Orientierung für rechtens erklärte, aber gleichzeitig feststellte, dass es dafür Gründe gebe müsse (queer.de berichtete). Zudem sei die gesonderte Nennung von "transsexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten" in den neuen Richtlinien unverständlich und nicht akzeptabel.

Zuletzt haben mehrere andere Länder ebenfalls ihr komplettes Blutspende-Verbot für Schwule aufgehoben und eine Ein-Jahres-Frist eingeführt. In diesem Jahr gingen bereits Belgien, die Schweiz und Irland diesen Schritt.

In manchen Regionen ist man bereits weiter: Im vergangenen Monat haben etwa die britischen Landesteile England und Schottland angekündigt, dass ab nächsten Jahr die Sex-Karenzzeit für schwule und bisexuelle Männer "nur" noch drei Monate betragen soll. Sechs Länder der EU – Bulgarien, Italien, Lettland, Polen, Portugal und Spanien – betrachten hingegen nur das Risikoverhalten des Spenders und nicht dessen sexuelle Orientierung: Dort werden Homo- und Heterosexuelle also gleich behandelt. (dk)

Wöchentliche Umfrage

» Was hältst du von der Lockerung des Blutspendeverbots für schwule und bisexuelle Männer?
    Ergebnis der Umfrage vom 07.08.2017 bis 14.08.2017


#1 VerschaemterNormaloAnonym
  • 07.08.2017, 13:46h
  • Ich will gesundes Blut. Wenn dazu Homosexuelle halt 1 Jahr keusch bleiben müssen, dann ist das so! Gesundheit geht vor, zumal auch bei einer 6-Wochen-Frist kaum geeignete Schwule zur Verfügung stehen würden.
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#2 Simone2602Anonym
  • 07.08.2017, 13:58h
  • Antwort auf #1 von VerschaemterNormalo
  • Mir is nich ganz klar warum schwuler Sex per se gefährlicher sein sollte als heterosexueller was Hiv etc betrifft, wenn müsste man das nach generellen Risikokriterien beurteilen und nich ob jemand schwul oder hetero is. Ein (relativ) monogamer Schwuler is n geringeres Risiko als n heterosexueller Junkie oder ne Hete die jedes Wochenende ohne Schutz mit ner anderen Frau durch die Kissen hüpft.
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#3 ChristinProfil
  • 07.08.2017, 14:01hBodman-Ludwigshafen
  • Antwort auf #1 von VerschaemterNormalo
  • Also einen größeren Humbug hat die Welt noch nicht gelesen. Das Risiko von Schwulen, sich zu infizieren ist nicht größer als von Hetero Personen. Davon abgesehen sind auch Schwule Männer treu und haben in der Regel, wie auch Hetero Personen, einen festen Partner. Ebenso sichern sie sich in der Regel vorher ab, genau so wie es jede hetero Person tun SOLLTE!
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#4 JadugharProfil
  • 07.08.2017, 14:15hHamburg
  • Antwort auf #1 von VerschaemterNormalo
  • Es gibt keine Risikogruppen. Hier geht es hauptsächlich darum, männlichen Homosexuellen den sündigen Geschlechtsverkehr durch die Hintertür zu verbieten und zwar immer wieder. Was nötig ist, ist eine Aufklärung, was unser Immunsystem wirklich leistet und wie man es in guten Zustand über 90 Jahrzehnte aufrecht erhalten kann. Natürlich wird so etwas nicht getan und so sterben weiterhin massenhaft Menschen an Infektionskrankheiten oder die Ärzte und Pharmazeuten verdienen massenweise Geld mit umweltvernichtenden Mikroben- und Virentotschlägern, was eines Tages der Natur und den Menschen den Garaus macht, da jene Bekämpfungsmittel auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Hiervon sind heute mehr Menschen schwer geschädigt, als durch HIV!
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#5 ursus
  • 07.08.2017, 15:10h
  • Antwort auf #3 von Christin
  • "Das Risiko von Schwulen, sich zu infizieren ist nicht größer als von Hetero Personen."

    die erheblich höhere hiv-prävalenz unter MSM ist ein fakt. sie führt selbstverständlich zu einem statistisch höheren infektionsrisiko.

    "Davon abgesehen sind auch Schwule Männer treu und haben in der Regel, wie auch Hetero Personen, einen festen Partner."

    nur etwa die hälfte der schwulen ist in einer beziehung. die zahl der (eingestandenen) offenen beziehungen ist größer als bei heterosexuellen.

    ein erheblicher teil der hiv-neuinfektionen findet innerhalb (vermeintlich) monogamer beziehungen statt.

    "Demnach finden HIV-Infektionen «selten bei anonymen sexuellen Begegnungen» statt. Nur 13 Prozent der Heterosexuellen haben sich auf diesem Weg angesteckt. Praktisch jede und jeder Zweite (49 Prozent) infizierte sich in der festen Beziehung. Die restlichen 38 Prozent steckten sich bei Gelegenheitspartnern an - will heissen bei jemandem, den man zwar kennt, der aber nicht der feste Partner ist.
    Bei homosexuellen Männern ist der Trend weniger eindeutig. Hier war der feste Partner lediglich in 30 Prozent der Fälle die Quelle für die Infektion. Alle übrigen gaben an, sich das Virus entweder beim Sex mit einem Gelegenheitspartner (44 Prozent) oder bei einem anonymen Kontakt (26 Prozent) angeeignet zu haben.

    archive.li/xlOoY

    www.homowiki.de/CHAT-Studie

    "Forscher wie Michael Bochow am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung halten es für eine Mär, dass die Neuansteckungen vor allem in der schwulen Hardcore-Szene passieren; bei Männern in Lack oder Leder, die beim schnellem Sex mit flüchtigen Bekanntschaften bewusst auf Kondome verzichten. 'Das geschieht genauso gut in festen Beziehungen', erläutert Bochow, der als Soziologe regelmäßig Befragungen unter schwulen Männern macht. Gerade jüngere Männer haben eine Schutzillusion, was Paarbeziehungen angeht', ergänzt der Forscher. 'Sie denken nach zwei Monaten, dass sie monogam leben. Dann kommt die Trennung und am Ende eines Jahres gibt es dann sechs monogame Beziehungen als Ergebnis.' [...]
    Bei der Hälfte der schwulen Paare wüssten die Partner heute nicht mehr über ihren aktuellen Gesundheitszustand Bescheid, sagt Bochow. 'Entweder haben beide oder aber einer keinen HIV-Test gemacht'."

    www.n-tv.de/politik/dossier/Das-Risiko-wird-haeufig-verdraen
    gt-article201477.html
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#6 yslmd
  • 07.08.2017, 15:26h
  • Schwul, Hete, Bi - ist doch scheißegal. Wer es bis heute nicht geschnallt hat, das wildes in der Welt umhervögeln überhaupt nicht schlimm ist, dem kann auch heute nicht geholfen werden - vorausgesetzt sie treiben es save. Und von daher ist die Gefahr, Konserven von einem Hete- oder einem BI-Blutspender zu bekommen genau so gefährlich wie ungefährlich als die Spende von einem Schwulen zu bekommen. Viel Wind um nichts, oder doch um viel? Ja genau, man kann ja immernoch mit dem Thema Stimmung machen.
    Tad Thema ödet nur noch an.
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#7 SebiAnonym
  • 07.08.2017, 16:11h
  • Es ist völlig unverständlich, dass für Schwule andere Regeln gelten sollen als für Heteros.

    Der monogame Schwule oder der Schwule, der Safer Sex praktiziert, hat kein höheres HIV-Risiko, als ein entsprechender Hetero. Im Gegenteil: während viele Schwule sich bei Safer Sex und Co sehr gut auskennen, erlebe ich immer wieder Heteros, die das nicht so genau nehmen und meinen, bei Vaginalverkehr sei das Risiko ja eh viel geringer als bei Analverkehr.

    Natürlich geht Sicherheit immer vor. Aber das erreicht man nicht durch unterschiedliche Regeln für Schwule und Heteros. Erst recht nicht, da ja jeder (der vielleicht auf das Geld angewiesen ist) diesbezüglich lügen kann - Hetero wie Homo, Mann wie Frau.

    Sondern das erreicht man, indem man jede Blutkonserve ausreichend testet!!!!! Und zwar nur so, denn selbst wenn jemand 1 Jahr abstinent war, kann er sich davor infiziert haben und es gar nicht wissen.

    Unterschiedliche Regelungen für Heteros und Homos sind (weil das Risiko nicht von der sexuellen Orientierung, sondern der eigenen Promiskuität oder dem Verhältnis zu Safer Sex) schlichtweg medizinisch unsinnig. Und dann sollte man diese Diskriminierung sein lassen.

    Mein Vorschlag: wir LGBTI verzichten einfach alle aufs Blutspenden. Und wenn dann wieder mal gejammert wird, es gäbe zu wenig Blutkonserven und die Situation sei heikel, können die sich ja mal fragen, ob sie daran festhalten wollen.

    Sicherheit ja - aber die erreicht man nicht durch Diskriminierung, sondern durch Tests jeder einzelnen Blut-Konserve, was man eh machen sollte, oder verlässt man sich bei Heteros auf deren Aussage zu Treue und alle paar male mal einen Test?
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#8 SebiAnonym
  • 07.08.2017, 16:20h
  • Antwort auf #1 von VerschaemterNormalo
  • "Gesundheit geht vor, zumal auch bei einer 6-Wochen-Frist kaum geeignete Schwule zur Verfügung stehen würden."

    1. Ja, Sicherheit geht vor, aber wo wird dadurch bitteschön die Sicherheit erhöht? Sicherheit bedeutet, sich auch bei Heteros nicht auf deren Wort, dass sie treu sind und immer Safer Sex haben, zu verlassen, sondern jede einzelne Blutspende auf HIV (und auch andere, gar nicht sexuell übertragbare, Erreger) zu testen. Und dasselbe auch bei Blutspenden von Schwulen. Aber alles andere hat keinen Einfluss - die Tests können und müssen das einzige zuverlässige Kriterium sein (zumal auch jeder - homo wie hetero - lügen kann).

    2. Achso, Schwule können keine 6 Wochen enthaltsam leben. Aber Heteros schon.

    Mal zum Vergleich: als ich mal monatelang keine feste Beziehung hatte, aber natürlich dennoch körperliche Bedürfnisse, habe ich mich halt immer selbst befriedigt. Und auch jetzt nutzen mein Freund und ich, obwohl wir monogam sind, immer Gummis beim Ficken - alleine schon aus hygienischen Gründen.

    Dagegen hat mir mein Hetero-Arbeitskollege schon erzählt, dass er trotz fester Freundin gerne mal ab und zu eine andere abschleppt und da auch mal im Eifer des ungeplanten Gefechts auf Kondome verzichtet. Auch geht er ab und zu zu Prostituierten und hat da sogar schon mal mehr bezahlt, um die ohne Gummi ficken zu können.

    Und jetzt sage mir, welches Blut wohl sicherer ist - mein "schwules" Blut oder das von meinem Hetero-Kollegen?

    Ich würde beide nicht ungeprüft anderen Menschen geben. Aber es gibt keinen Grund für diese absurde Regelung.
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#9 ursus
  • 07.08.2017, 16:44h
  • Antwort auf #8 von Sebi
  • "Aber alles andere hat keinen Einfluss - die Tests können und müssen das einzige zuverlässige Kriterium sein (zumal auch jeder - homo wie hetero - lügen kann)."

    die tests decken das diagnostische fenster nicht ab. sie allein reichen also nicht aus, befriedigende sicherheit herzustellen. die grundsätzliche logik, dass man "risikogruppen" definiert und ausfiltert, ist daher AN SICH schon sinnvoll.

    ginge es wirklich nur um die tests, dann gäbe es ja auch keinen grund mehr, z.b. junkies vom blutspenden auszuschließen. eigentlich müsste dann überhaupt niemand ausgeschlossen werden: wird ja alles getestet. und jede_r könnte lügen, auch junkies.

    würdest du dich dafür einsetzen, die kriterien dementsprechend zu ändern?

    (ich will hier sicher keine abwertung von junkies betreiben, das soll nur als plakatives beispiel dienen.)
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#10 lionAnonym
  • 07.08.2017, 17:00h
  • Antwort auf #1 von VerschaemterNormalo
  • Auf welchem Planeten lebst du denn.

    Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass Schwule beim Sex eher zum Kondom greifen als Bi-/Heteros. Wie oft hab ich es schon erlebt, dass Heteros nicht mal daran denken ein Kondom zu verwenden. Und wieso soll da ein geringeres Risiko bestehen als bei Schwulen. Wie oft trifft man Heteros an bekannten Treffs und fahren dann anschließend wieder zu Ihrer Frau und treibens zu Hause bestimmt nicht mit Kondom. Man kann das Ganze in allen Facetten ausführen - ich glaube da reicht hier die Kommentarfunktion nicht aus.

    Ich nehm auch mal an, dass promiske Schwule sich bewusst sind, dass bei Blutspenden das Blut auf HIV Infektionen gecheckt wird und evtl. aus diesem Grund auch kein Blut spenden.

    Es ist eine Diskriminierung - ob man Blut spenden will oder nicht.

    Wer mein Blut nicht haben will, bekommt dann auch weder meine Rückenmarksspende, noch meine gesunden Organe.

    Übrigens sollte jeder einen Organspendeausweis besitzen und seinen Wunsch eintragen - in Österreich z.B. muss man einer Organentnahme wiedersprechen.
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