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Sachsen-Anhalt

Nach Streit um Verpartnerungen: Schloss-Vorsitzender tritt zurück

Schloss Mansfeld lehnte Hochzeitsfeiern für Homosexuelle ab. Der Vereinschef, der das homophobe Vorgehen verteidigte, legt nun sein Amt nieder. Ein schwules Paar soll eine Entschädigung erhalten.


Romantisches Schloss Mansfeld: Aus Angst vor homosexuellen Paaren hatte der evangelische Förderverein alle standesamtlichen Zeremonien im "Hochzeitszimmer" gestoppt (Bild: Romantikgeist / flickr)

Nach der Diskussion um den Ausschluss von homosexuellen Paaren aus Schloss Mansfeld hat nun der Vorsitzende des evangelischen Trägervereins Frank Ranneberg seinen Rücktritt angekündigt. Das geht aus internen Dokumenten des Vereins hervor, die queer.de exklusiv vorliegen.

Demnach will Ranneberg sein Amt "in Auswertung der zurückliegenden Ereignisse" niederlegen, wie er in einer E-Mail an die Vorstandsmitglieder schreibt. Er hatte das Verbot gleichgeschlechtlicher Trauungen auf dem Schloss zuvor befürwortet und mit den Worten begründet: "Eine Familie besteht in unseren Augen aus Vater, Mutter und Kind." Ranneberg, der ebenfalls Referatsleiter im Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt ist, wollte sich auf eine telefonische Nachfrage hin nicht äußern.

Im Februar hatte ein schwules Paar das Schloss angefragt, die Feier im Anschluss an die standesamtliche Verpartnerung in den historischen Räumlichkeiten abhalten zu können. Was bislang für Hochzeitsfeiern heterosexueller Paare üblich war, wurde dem homosexuellen Paar verwehrt. Der Förderverein, der Träger des Schlosses ist, kündigte daraufhin einen Kooperationsvertrag mit der Stadt Mansfeld (queer.de berichtete). Dieser regelte, dass im "Hochzeitszimmer" des Schlosses standesamtliche Zeremonien abgehalten wurden.

Verein will schwulem Paar Entschädigung zahlen

Die jetzt vorliegenden Interna zeigen, wie kontrovers der Streit um die Homo-Trauungen im Verein ausgetragen wurde. So hatte der Vorstand den Mansfelder Bürgermeister Gustav Voigt am 27. März zu einer Sitzung eingeladen, um einen neuen Vertrag für Schloss-Hochzeiten auszuhandeln. Dieser solle laut Protokoll klarstellen, dass "Räume nur für Eheschließungen nach §§ 11 bis 16 Personenstandsgesetz" bereitgestellt werden – also nur für Hetero-Trauungen. Der Mansfelder Bürgermeister lehnte diesen Deal aber ab, da eine solche Differenzierung verwaltungsrechtlich gar nicht möglich sei.

Daraufhin rief der Verein die Mitglieder zusammen. Auf einer außerordentlichen Sitzung am 25. Juni kippten die Mitglieder die Entscheidung des Vorstands, Homosexuelle auszuschließen. Stattdessen sollten jetzt auch gleichgeschlechtliche Paare zugelassen und ein neuer Vertrag mit der Stadt ausgearbeitet werden. Das ist nun geschehen: "Die Stadt hat den Entwurf für einen neuen Vertrag bereits vorgelegt", bestätigte Thorsten Oemler, Leiter des Hauptamts der Mansfelder Stadtverwaltung, auf Nachfrage. "Darin sind gleichgeschlechtliche Verpartnerungen ausdrücklich erwähnt." Für die Stadt sei dieser neue Vertrag nun "unterschriftsreif", man warte auf die Rückmeldung des Schlosses.


Die Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Schloss Mansfeld wird von einem evangelischen Förderverein betrieben (Bild: Romantikgeist / flickr)

Das schwule Paar, dem die Feier auf dem Schloss verwehrt wurde, fordert laut Vereins-Protokoll wegen der Diskriminierung nun eine Entschädigung in Höhe von 2.500 Euro – und droht mit einer Klage nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Diese Summe wird der Verein womöglich zahlen, um eine Klage zu verhindern. In der Vorstandssitzung im Juni stellte man fest, dass sich durch das positive Votum der Mitgliederversammlung die Erfolgsaussichten auf eine außergerichtliche Einigung "ganz erheblich" reduzierten. Den Rechtsstreit will das Schloss nun "durch Anerkenntnis oder Vergleich" beenden.

Kritik kam vom CVJM – aber ohne Konsequenzen

In der Affäre hatte der CVJM Sachsen-Anhalt das Schloss für den homophoben Ausschluss kritisiert (queer.de berichtete). Im April hatte Ulrich Baxmann, Vorsitzender des CVJM-Dachverbands, nach einer Sondersitzung angekündigt, mit dem Schloss über die weitere Zusammenarbeit zu sprechen. Damals war fraglich, ob der CVJM noch mit dem Mansfelder Verein kooperieren soll.

Diese Überlegungen seien jetzt jedoch wieder vom Tisch, so Baxmann auf Nachfrage. Der CVJM Sachsen-Anhalt nutzt das Schloss weiter wie bisher für seine Angebote in der Kinder- und Jugendarbeit wie beispielsweise Freizeiten und Ferienlager. Doch wie wirkt sich die diskriminierende Haltung aus Teilen des Trägervereins auf diese Angebote aus? Baxmann kann solche Bedenken auf Nachfrage hin nicht verstehen: "Auch, wenn einzelne Mitglieder des Vereins eine andere Meinung haben, hat das keine Auswirkungen auf die Kinder- und Jugendarbeit des CVJM auf Schloss Mansfeld."

Dabei sind die homophoben Stimmen im Schloss noch lange nicht verstummt. Bei einem Vereinsmitglied hat die Zulassung von Trauungen lesbischer und schwuler Paare laut einem internen Rundschreiben "große Schmerzen hinterlassen". Nun lädt er die anderen Mitglieder im September zu einer "Gesprächsrunde zum Thema Homosexualität" ein – natürlich in den Räumlichkeiten des Schlosses.

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#1 goddamn liberalAnonym
  • 11.08.2017, 07:05h
  • "Bei einem Vereinsmitglied hat die Zulassung von Trauungen lesbischer und schwuler Paare laut einem internen Rundschreiben "große Schmerzen hinterlassen". "

    Man stelle sich mal vor:

    "Bei einem Vereinsmitglied hat die Zulassung von Mischehen laut einem internen Rundschreiben "große Schmerzen hinterlassen"."

    Es ist immer verblüffend, wie sich im Land des rosa Winkels Täter zu Opfern stilisieren.

    Die moralische Verkommenheit dieser weinerlichen Gestalten ist nicht zu überbieten.
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#2 SebiAnonym
  • 11.08.2017, 08:31h
  • Richtig so!

    Es kann nicht sein, dass Einzelpersonen oder Gruppen, Organisationen, Vereine, etc. Menschen ihre gesetzlichen Rechte verweigern.

    Wer meint, über dem Gesetz zu stehen und LGBTI diskriminieren zu können, hat in so einem Posten nichts zu suchen und gehört entlassen. Und die Opfer müssen entschädigt werden.
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#3 LaurentProfil
  • 11.08.2017, 09:58hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Wenn's eine "Entschädigung" gibt, hat das Ganze ja doch eine weitere positive Wendung genommen.
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#4 FennekAnonym
#5 OutAndProud
#6 Flieder07
  • 11.08.2017, 11:45h
  • Ich würde die 2500 nicht nehmen. Ich würde gerichtlich dagegen vorgehen. Zusätzlich würde ich den Vorsitzenden wegen Verstoß gegen das Gleichheitsgesetz verklagen. "Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich."
    Ich würde die Schadenssumme auf mindestens 80.000 fordern, dass muss den Verein richtig weh tun, damit Nachahmer sich das überlegen ob sie LGBTI weiter diskriminieren oder langsam mal wach werden. Ich hoffe das dieser Vorfall im Internet dir Runde macht und der zurückgetretene Vorsitzender dieses Vereins spüren soll, dass er einen Fehler gemacht hat. Solche Vorfälle müssen angezeigt und vom Gericht hart bestraft werden.
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#7 userer
  • 11.08.2017, 11:54h
  • Antwort auf #5 von OutAndProud
  • Ich vermute, unser kleiner rechter Christ will damit insinuieren, dass die Kläger es ohnehin nur auf Knete abgesehen hatten. Schwule, die für ihre Rechte kämpfen, sind diesem Kommentator nämlich durchweg suspekt und lästig.
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#8 Patroklos
#9 artgerechtAnonym
#10 Paulus46Anonym
  • 11.08.2017, 12:52h
  • Antwort auf #8 von Patroklos
  • Es ist gut, wenn Ranneberger nunmehr gegangen ist und er nicht dort als Einzelperson seine Haltung länger "durchdrücken" kann. Gut das die Mitglieder auf der Versammlung einen so guten LGBT-freundlichen Beschluss getroffen habe: sehr lobenswert die Vereinsmitglieder.
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