Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29467

Mehrere Menschen verletzt

Pfefferspray-Angriff auf CSD-Besucher in St. Petersburg

Nach einem friedlichen Pride griffen mehrere Jugendliche die Teilnehmer an. Die Polizei nahm zudem eine LGBTI-Aktivistin fest.


Eine verletzte junge Frau nach dem Angriff – inzwischen gibt es Videos der Attacken (s. weiter unten)

Rund 100 Menschen haben am Samstag an einem zunächst friedlichen CSD auf dem Marsfeld in St. Petersburg teilnehmen können. Dabei entrollten sie unter anderem eine große Regenbogenflagge und gingen in Reden auf ihre Situation vor Ort und die Lage von LGBTI in Tschetschenien ein.


Die Polizei hatte die Teilnehmer gewähren lassen. Die Kundgebung war in dieser Form erst am Vortag angemeldet worden, nachdem die Behörden zuvor mehrere geplante Kundgebungsorte abgelehnt hatten, unter Verweis auf vermeintliche andere Kundgebungen, Baustellen und das Gesetz gegen Homo-"Propaganda". Die Organisatoren hatten die Ablehnungen am Freitag vor Gericht gebracht; während ein Beschluss zu den Verboten für nächste Woche erwartet wird, ergab sich in der Verhandlung die Möglichkeit, das Marsfeld zu nutzen.

Nach offiziellem Ende der Kundgebung nahm die Polizei allerdings eine Teilnehmerin fest, die noch ein Schild mit dem Aufdruck "Ich liebe meine Frau" hochhielt. Sie wurde zu einer Polizeiwache gebracht. In der Regel werden Personen, die bei solchen Protesten festgenommen wurden, binnen Stunden nach Aufertigung einer Anzeige freigelassen.


Angriff bei Abreise

Beim Fortgehen vom Marsfeld attackierten zudem mehrere Jugendliche CSD-Teilnehmer und sie begleitende Journalisten mit Pfefferspray aus Sprühpistolen. Mindestens fünf Personen wurden dabei verletzt, eine junge Frau wurde direkt in die Augen getroffen. Sanitäter waren schnell zur Stelle, um sie in ein Krankenhaus zu bringen.

Direktlink | Der Moment des Angriffes

Die mutmaßlich nationalistischen Jugendlichen waren zuvor am Marsfeld aufgetaucht, wurden aber von der Polizei nicht zum CSD vorgelassen, der auch von einigen Aktivisten der "Nationalen Befreiungsbewegung" durch Zwischenrufe gestört wurde. Die Beamten hatten sich Berichten zufolge geweigert, die CSD-Teilnehmer nach Abschluss der Kundgebung sicher zur Metro zu begleiten.

Twitter / CurrentTimeTv | Ein weiteres Video zeigt weitere Angriffe auf die CSD-Teilnehmer

In den letzten Jahren war es im Zuge von LGBTI-Demonstrationen in der Stadt immer wieder zu Festnahmen und Gewalt gekommen. Zuletzt wurden im Frühjahr mehrere Personen festgenommen, die im Rahmen der allgemeinen Demonstration zum 1. Mai auf die Schwulenverfolgung in Tschetschenien hinweisen wollten (queer.de berichtete). Bereits 2016 war es bei dem Protest zu gezielten Festnahmen queerer Teilnehmer gekommen (queer.de berichtete), während in den meisten Jahren zuvor LGBTI-Aktivisten oft unbehelligt an der traditionellen Kundgebung teilnehmen konnten.

Anders als in Moskau, wo der CSD und ähnliche Demonstrationen immer verboten wurden und diese praktisch immer in der Festnahme der Teilnehmer und teilweise in Gewalt durch Gegendemonstranten endeten, ist das Bild in St. Petersburg durchwachsener: Mal konnten Kundgebungen zum CSD oder zum Internationalen Coming-out-Tag stattfinden, mal wurden sie unterbunden. Mehrfach gingen Bilder von festgenommenen oder durch Gegendemonstranten verletzten Aktivisten um die Welt (queer.de berichtete).

2014 machte der Angriff mit einer Schusswaffe auf einen Coming-out-Treff in der Stadt weltweite Schlagzeilen, ein junger Aktivist wurde dabei an einem Auge verletzt (queer.de berichtete). Die mangelnde Aufklärung des Falls und seine Einstufung als "Hooliganismus" statt eines Hassverbrechens wird in Kürze Thema beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der eine Beschwerde des inzwischen in den USA lebenden Aktivisten annahm. Das Gericht hatte kürzlich erstmals geurteilt, dass Gesetze gegen "Homo-Propaganda" gegen die Menschenrechtskonvention verstoßen – Russland will Einspruch erheben (queer.de berichtete). (nb)

 Update  13.8., 19.55h: Aktivistin weiter festgehalten
Nach Angaben des russischen LGBT Network befindet sich Anna G., die am Samstag als einzige Person beim dem Protest auf dem Marsfeld festgenommen wurde, auch am Sonntag noch auf der Polizeiwache in St. Petersburg und soll am Montagmorgen einem Richter vorgeführt werden. Ihr werden Widerstand gegen Polizeibeamte und Verstöße gegen das Versammlungsrecht vorgeworfen. Der Aktivistin, die zwei Jahre lang an der Hotline des Verbands mitwirkte, drohen bis zu zehn Tage Gefängnis.

 Update  14.8., 16.15h: Geldstrafe für Aktivistin
Anna G., die beim CSD am Samstag ein Schild mit dem Aufdruck "Ich liebe meine Frau" hochgehalten hatte, ist am Montagnachmittag von einem Gericht wegen angeblicher Verstöße gegen das Versammlungsrecht und angeblichem Widerstand gegen Polizeibeamte zu einer Geldstrafe in Höhe von 15.000 Rubel (rd. 215 Euro) verurteilt und nach zwei Tagen in Polizeigewahrsam auf freien Fuß gesetzt worden.

Ein Wort in eigener Sache
Hinter gutem Journalismus stecken viel Zeit und harte Arbeit – doch allein aus den Werbeeinnahmen lässt sich ein Onlineportal wie queer.de nicht finanzieren. Mit einer Spende, u.a. per Paypal oder Überweisung, kannst Du unsere wichtige Arbeit für die LGBTI-Community sichern und stärken. Abonnenten bieten wir ein werbefreies Angebot. Jetzt queer.de unterstützen!


#1 SebiAnonym
  • 12.08.2017, 17:35h
  • "Die Beamten hatten sich Berichten zufolge geweigert, die CSD-Teilnehmer nach Abschluss der Kundgebung sicher zur Metro zu begleiten."

    Das grenzt schon an Mittäterschaft, wenn man Undschuldige nicht vor Nazis schützt.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MatsAnonym
  • 12.08.2017, 17:38h
  • Was sind das für Idioten, die meinen andere Menschen schikanieren oder gar verletzen zu müssen, nur weil sie lieben?!

    Diesem Abschaum wünsche ich alles schlechte.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Danny387Profil
  • 13.08.2017, 09:35hMannheim
  • Was passiert denn bei dem zweiten (unteren) Clip bei 0:14 ff.? Zwei Typen, die sich am Arm halten, rennen vorbei, eine Frau (mit dunkelroter Jacke) tritt denen in die Eier, darauf kehrt ein anderer junger Mann, der eigentlich schon an der Szene vorbeigelaufen ist, um und sprüht der Frau Pfefferspray ins Gesicht? Ist die Frau CSD-Teilnehmerin und die Typen sind die nationalistischen/konservativen Gegner? Also, fairerweise muss man sagen: der Tritt in die Eier war völlig unprovoziert. So was geht gar nicht!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 bloedsinnAnonym
  • 13.08.2017, 10:16h
  • Antwort auf #3 von Danny387
  • Einer der "unprovozierenden" Typen, dessen Kumpel mit gezücktem Pfefferspray ! an dem Mädchen vorbeirennt, ist auf dem ersten Video der Angreifer !, das Mädchen ging direkt dahinter.

    Auch ansonsten hat sie jedes Recht (und meine Bewunderung), zuzutreten und sich gegen die Gesamtgruppe zu wehren, die ja schon vorher beim CSD auffiel.

    vk.com/wall-38905640_549122
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Danny387Profil
#6 bloedsinnAnonym
  • 13.08.2017, 10:52h
  • Antwort auf #5 von Danny387
  • Weiß nicht, warum Du die Eier so betonst, sie zielt weder auf etwas konkretes noch trifft sie

    pp.userapi.com/c836437/v836437229/5a3f8/eAc67i_7ulc.jpg

    Aber das ist nicht der Punkt. Sie hat vorher erlebt, wie einer der Typen ihre Bekannte mit Pfefferspray angegriffen hat (1. Video). Jetzt rennt wieder die Gruppe vorbei und versprüht wieder Pfefferspray (auf bereits verletzte Menschen am Boden und auf eine Frau von hinten), was sie direkt miterlebt (s. die Sekunden direkt vor den Tritt).

    Ich finde es völlig in Ordnung, sich hier, in leichter Hilflosigkeit, zur Wehr zu setzen. Es wird vermutlich die einzige Bestrafung, Gerechtigkeit des Tages bleiben. Deine Sicht, es gebe hier praktisch zwei Seiten statt Täter und Opfer, ist nicht haltbar und gefährlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 WiderlichAnonym