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Bei der verbotenen Parade treffen Schwule und Lesben auf Gegendemonstranten: 3 Verletzte, über ein Dutzend Festnahmen.

Von Norbert Blech

Beim CSD in der polnischen Hauptstadt Warschau ist es am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Teilnehmern und teilweise rechtsextremen Gegendemonstranten gekommen. Die meist jugendlichen Rechtsextremen beschimpften die rund 2500 Teilnehmer der behördlich untersagten Gay-Pride-Parade und bewarfen sie mit Eiern. Bei Handgreiflichkeiten wurden nach Polizeiangaben drei Menschen durch Wurfgeschosse verletzt, darunter ein Polizist. Beamte nahmen mehr als ein Dutzend der Angreifer fest, vor allem, als gewalttätige Fußballfans einzelne Demo-Teilnehmer durch die Stadt jagten.

Die gut 300 Gegendemonstranten beschimpften die Teilnehmer bei einer Kundgebung vor dem Parlament als "Mörder, Pädophile und Abartige". Laut AFP riefen sie auch Slogans wie "Euthanasie für Schwule" und "Arbeitslager für Lesben". Mindestens zwei von ihnen wurden festgenommen. Einige Schwulen und Lesben riefen daraufhin "Faschisten". Teilnehmer der Parade trugen Plakate mit der Aufschrift: "Demonstrationsrecht - Ja zum Recht auf Liebe - Nein zum Diktat der Rechtsextremen".

Verbote und Gewalt

Die Behörden hatten die Kundgebung vor dem Parlamentsgebäude erlaubt, eine Parade durch die Straßen jedoch verboten. Der konservative Warschauer Bürgermeister Lech Kaczynski, aussichtsreicher Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Herbst, hatte die Parade verboten, da er "gegen die Propagierung homosexueller Orientierung" sei. Im letzten Jahr verbot er sie aufgrund der angekündigten Gegendemonstrationen.

Auch in Krakau hatte es im April Eierwürfe auf Demonstranten gegeben. Rund 80 Schwule und Lesben demonstrierten damals "spontan", nachdem die geplante Parade nach Gewaltandrohungen und Papsttot zunächst abgesagt worden war (queer.de berichtete). Im Jahr zuvor hatte es in Krakau regelrechte Randale gegeben: 300 Gegendemonstranten bewarfen rund 1200 Schwule mit Eiern und Steinen (queer.de berichtete).

Politiker marschieren voran

Bei der Parade durch die Innenstadt marschierten in erster Reihe auch die stellvertretende polnische Ministerpräsidentin Izabella Jaruga-Nowacka und die Grünen-Politiker Claudia Roth und Volker Beck. Wie auch Politiker aus Dänemark, Frankreich und den Niederlanden nahmen sie an der Parade und zuvor an einer Konferenz teil.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Beck, kritisierte es als "unakzeptabel", dass der Warschauer Bürgermeister die Demonstration einer gesellschaftlichen Gruppe verbietet - "seien es Homosexuelle, Juden oder Moslems". Auch wenn das Stadtoberhaupt Schwule und Lesben nicht möge, müsse er doch ihr Grundrecht auf Demonstration respektieren, sagte Beck der Nachrichtenagentur AFP. Grünen-Parteichefin Roth warf den Behörden vor, mit dem Verbot "die demokratischen Werte Europas" zu verletzen.

Samstag, 11. Juni 2005, 19.45h



51 Kommentare

#1 Lee RoyAnonym
  • 11.06.2005, 19:58h
  • Na toll und so was mitten in Europa. Da sind die Polen in die EU aber weiterhin leben wie vor 100 Jahren. Wo ist da der Protest der anderen Regierungen? Die Polnische Regierung hätten erst mal Demokratie lernen sollen.
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#2 HolgerAnonym
  • 11.06.2005, 20:07h
  • Leider gibts in Polen kein Öl und die Schwulen und Lesben haben auch kein Vermögen, mit dem sie sich bei Bush & Co. nach einem heftigen Rüffel derer gegen Polen revanchieren könnten.

    Also - ganz klar - macht niemand irgendwas dagegen und wenns Proteste gibt, dann sicherlich nicht von einer europäischen Regierung. Man wird sich doch nicht wegen ein paar Homos die Beziehungen zu Polen kaputt machen ...

    Und das keine Proteste kommen werden, zeigt wieder mal, welchen Stellenwert wir doch haben - auch in den "großen westlichen" Ländern ...
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#3 HugoAnonym
  • 11.06.2005, 20:26h
  • Hallo,
    wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Polen mit einer saftigen Strafe sanktionieren.
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#4 JuliaAnonym
  • 11.06.2005, 20:56h
  • Die Demokratien in Europa sind immer sehr selektiv gewesen in ihren Urteilen über demokratische Freiheiten und Diktaturen.

    Wenn dies eine Parade von Katholiken gewesen wäre die angegriffen war durch Lesben und Homos. Ganz Europa würde protestieren, die Polnische Botschafter in den Europäischen Länder sollen zu Verantwortung gerufen sein.

    Cynismus und Hypokriti sind sehr wichtige Teile der Demokratie, die benutzt werden wenn es die Machthaber so belieben.

    Begroetsje fan Julia.
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#5 SexuelaAnonym
  • 11.06.2005, 21:30h
  • Der Fußabtreter Europas...
    So hat man Polen oft genannt.
    Wenn man sieht, wie sich dort aufgeführt wird -
    nämlich vorsteinzeitlich - wird einem übel
    und man sagt sich leise "zurecht".
    Erst das Generve wegen der Verankerung Gottes
    in der europäischen Verfassung ( was "Gott sei Dank"
    nicht zustande kam) und nun das!
    Sorry, aber Polen scheint leider genau das zu sein,
    was zur Zeit kein Mensch braucht!
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#6 VollkornmannAnonym
  • 11.06.2005, 23:05h
  • Es bringt sicher nichts, jetzt gleich generell über Polen herzuziehen. Mit welchem Recht will man ein Vorgehen kritisieren, wenn man sich genauso verhält???

    Wichtig ist, daß wir Wege finden, solidarisch mit den Schwulen und Lesben dort (und in anderen Ländern Europas, wo es ähnlich zugeht) zu sein.
    Daß sich Polit-Promis aus anderen Staaten in die Parade einreihen, ist doch mal eine sinnvolle Sache.

    Schon bedenklich, daß ein Bürgermeister einfach eine Demonstration verbietet, weil ihm das Anliegen nicht paßt. Man müßte ihn in einen Nachhilfekurs »Demokratie für Anfänger« stecken.

    Allerdings: »Wenn dies eine Parade von Katholiken gewesen wäre die angegriffen war durch Lesben und Homos. Ganz Europa würde protestieren« – das glaube ich kaum! Meistens wird weggeschaut. Vielleicht befremdet der Kopf geschüttelt. Aber wann macht sich das träge Europa schon die Mühe, wirklich gegen Unrecht den Mund aufzumachen?
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#7 XEXEORAnonym
  • 11.06.2005, 23:36h
  • Also,wenn ich hoere,dass ein Land aus der Eu raus soll,weil man dort eine Demo nicht zugelassen hat,dann muss ich mich wirklich wundern.
    Anfang Mai 2005 -Berlin.Eine(leider) legale Partei in Deutschland wurde auch an einer Demonstration gehindert,so dass diese nicht stattfinden konnte.
    Man hat extra ein Gesetz verabschiedet,dass die Demonstrationfreiheit beschneidet und es gab Aufrufe(auch der Gruenen) sich dieser legalen(wie ich schon sagte leider legalen) Partei in den Weg mit Gegendemos zu stellen.
    Und jetzt wollen Roth und Beck Polen belehren was Demonstrationsfreihet ist??-da werden Sie aber ganz schoen auf die Nase fallen.
    Ubringens-gibt es etwa keine Diskriminierung in Deutschland??
    Was ist mit der Poligamie oder mit Beziehungen zwischen erwachsenen Verwandten-warum werden diese Lebensformen verboten-in beiden Faellen koennen die Partner sagen,dass es eine bewusste Entscheidung von erwachsenen Menschen ist in solchen Beziehungen zu leben.
    Das Argument von genetischen Schaeden bei der Nachkommenschaft im falle des Inzest kann auch nicht mehr gelten,weil ersten Verhuetungsmittel von solchen Paaren genutzt werden koennen und zweitens werden auch z.B. Homosexuelle Beziehungen zwischen Verwandten verboten.
    Also Frau Roth und Herr Beck-soll Deutschland jetzt raus aus der EU,bei all der Diskriminierung hier und der beschnittenen Demofreiheit???

    p.s
    Ich fuehre nur hinzu,dass ich das Verbot von Inzest fuer richtig halte,aber nur aus rein moralischen Erwaegungen.
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#8 SexuelaAnonym
#9 juliaAnonym
#10 MarkusHHProfil
  • 12.06.2005, 00:31hHamburg
  • Es würgt mich im Halse.

    Falls der Bürgermeister von Warschau dies liest:

    Sie sind Ihr Amt in keiner Weise wert und sollten in Scham fallen. Bereue!

    An unsere Bundesreigerung und die "Führung" der Europäischen Union: Ich erwarte die öffentliche und eineutige Verurteilung dieser mit den europäischen Werten in keiner Weise zu vereinbarenden Haltung.
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