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Porträt einer rebellischen Außenseiterin

Mexikos lesbische Pionierin

Ab Donnerstag im Kino: Die Doku "Chavela" erinnert an die einzigartige Rancheras-Sängerin Chavela Vargas und die vielen wilden Legenden um ihre Person.


Bekannt für ihre tiefe, raue Stimme: Chavela Vargas (1919-2012) sang traditionelle mexikanische Rancheras, üblicherweise von Männern vorgetragene Lieder über die Hingabe zu Frauen. Mit 81 Jahren outete sie sich offiziell als lesbisch (Bild: Ysunza)

Stahl sich Chavela Vargas wirklich in die Schlafzimmer von Frauen, um sie ihren Ehemännern vor der Nase wegzustehlen? Zog sie sie wirklich auf ein weißes Pferd und ritt mit ihnen davon? Schnappte sie sich wirklich eine Pistole und schoss damit nur zum Spaß? Oder die gigantischen Saufgelage mit Freunden, die freitags begannen und am darauffolgenden Mittwoch endeten? Verließ sie die Party, nachdem sie bei Elisabeth Taylors Hochzeit mit Mike Todd in Acapulco gesungen hatte, wirklich mit Ava Gardner?

Allgemein als "Die Schwarze Legende" bekannt, sind dies nur ein paar der unglaublichen Gerüchte, die die Leute gern über Chavela Vargas erzählen. Viele von ihnen verbreitete sie selbst. Manche sind wahr. Als wilde, unterhaltsame Geschichtenerzählerin bekannt, suchte sich Chavela die Geschichten aus, die ihr selbst am besten gefielen, hauchte ihnen Leben ein und verbreitete sie.

Während ihrer unglaublichen Reise von einer 14-jährigen Ausreißerin aus Costa Rica zur weltbekannten Grammygewinnerin und mexikanischen Ikone nahm diese Traumweberin einfach Versatzstücke dessen, was sie war, und dessen, was sie sein wollte, und verwob sie zu einer Wirklichkeit.

Eine musikalische und spirituelle Reise


Poster zum Film: "Chavela" startet am 17. August im Kino

Chavela Vargas' lustvolle, schmerzliche, musikalische und zutiefst spirituelle Reise zu sich selbst ist der Dreh- und Angelpunkt des Dokumentarfilms "Chavela". Ein umwerfendes Porträt einer Frau, die es wagte, auf einzigartige Weise singend, tanzend, sich kleidend und redend ihr Leben zu leben. Die Geschichte einer kühnen Pionierin und einer sexuell Gesetzlosen, die in einer Zeit zu sich selbst stand, in der es nicht nur gesellschaftlich inakzeptabel war, eine Außenseiterin zu sein, sondern oft auch gefährlich.

Sie kam damit durch, denn sie nahm mexikanische Ranchera-Musik, entkernte sie von allem Unnötigen und gab ihr Größe, und das Publikum und ihre Freunde liebten sie dafür. Wie Edith Piaf oder Billie Holiday sang sie die Rancheras mit roher Leidenschaft und tiefem Leiden, genau wie der Blues war. Niemand – vor allem keine Frau – hat je ein Genre so für sich reklamiert wie sie.

War sie nun eine Lügnerin? Als jemand, der gerne Schindluder mit Daten, Zeiten, Orten und Ereignissen trieb, hatte sie kein Interesse an harten Fakten. In einem Interview erzählte sie zum Beispiel, sie lebte einen Monat bei Frida Kahlo und Diego Rivera, während sie in anderen sagte, es sei ein Jahr gewesen, fünf Tage oder fünf Jahre. Welchen Unterschied machen schon diese Details?

Intimer Blick auf eine ikonische Sängerin

Für Chavela war der Sinn einer Geschichte, dass sie einen zum Nachdenken brachte und, wichtiger noch, welche Gefühle sie in einem auslöste. Was am meisten zählte war die Liebe, die sie mit Frida teilte und wie diese Liebe sie für immer veränderte. Zumindest sagte sie das. Andere erzählen, dass Chavela in dem Moment, in dem Frida ihr sagte, sie liebe sie auch, die Beine in die Hand nahm und niemals wiedergesehen wurde.


Chavela Vargas liebte Zigarren und Tequila (Bild: Alicia Perez-Duarte)

Obwohl sie sich nicht offiziell als lesbisch outete, bis sie 81 Jahre alt war, bastelte sie von sich eine kunstvolle öffentliche Persona als starke, rebellische, freidenkerische, sexy Außenseiterin, die ihren eigenen Weg ging. "Mein ganzes Leben lang war ich eine Frau mit starkem Charakter. Sogar als Kind schon. Ich machte immer alles selbst. Niemand brachte mir bei, ich selbst zu sein. Ich lernte das selbst durch meine Tränen, mein Leiden, mein Glücklichsein und meine Lügen."

Mit seinem lyrischen Aufbau nimmt "Chavela" die Zuschauer mit auf eine bewegende, nachdenklich stimmende Reise durch das Leben der Sängerin. Aufnahmen von Catherine Grund aus dem Jahr 1991 zeigen Chavela, die in entspanntem Plauderton mit einer Gruppe junger lesbischer Bewunderinnen spricht, und bieten einen seltenen, intimen Blick auf diese ikonische Sängerin auf dem Höhepunkt ihrer Reise.

Sie gab dieses Interview nach jenen zwölf Jahren, die sie an Alkoholabhängigkeit und an eine schmerzliche Trennung verloren hatte, und bevor sie nach Spanien ging, wo sie wie ein Phönix aus der Asche wieder aufstieg. Stark, lustig und quicklebendig hatte sie ihre besten Jahre nach ihrem 71. Geburtstag. Dieses einzigartige Interview zieht sich als roter Faden durch die Doku, die ihr faszinierendes Leben von ihrer Geburt in Costa Rica bis zur Gegenwart in Form leidenschaftlicher Liebeslieder und tiefer Beziehungen erzählt, die die Menschen tief berührt. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Chavela. Dokumentation. USA 2017. Regie: Catherine Gund, Daresha Kyi. Mitwirkende: Pedro Almodóvar, Elena Benarroch, Miguel Bosé. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: spanisch-englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Arsenal. Kinostart: 17. August 2017


#1 ursus
  • 14.08.2017, 16:04h
  • eine der künstler_innen, die mir vor vielen jahren eine tür zu bisher unbekannten gefühls- und gedankenwelten aufgestoßen haben. bin mit offenem mund in diesen räumen herumgewandert. was für eine frau!

    ich habe schon den ganzen nachmittag "luz de luna" im ohr.
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