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Hass in Hessen

Marburg: Proteste gegen Homo-"Heiler"

Eine evangelikale Organisation, die Homosexuelle "heilen" will, breitet sich in Marburg immer mehr aus – und will nun eine "Kindererlebniswelt" eröffnen. Dagegen gibt es Widerstand.


Bei einer Pride-Veranstaltung in Florida zeigt ein Aktivist das Protestschild "Born This Way" (Bild: Mike Smith)

In der hessischen Universitätsstadt Marburg mehren sich Proteste gegen den evangelikal-fundamentalistischen "Christus-Treff", unter anderem weil dieser die "Heilung" von Homosexuellen propagiert. Anlass ist der geplante Einzug der Aktivisten in das historischen Werkstattgebäude "Lokschuppen", das gerade renoviert wird. Die Organisation, die eigenen Angaben zufolge mehr als 250 Mitarbeiter hat,will laut einem Schreiben der Investoren an den Marburger Magistrat das Gebäude für Kinder- und Jugendangebote nutzen – die Organisation spricht von einer "Kindererlebniswelt". Bereits jetzt betreibt der CT in Marburg ein Büro, einen Jugendtreff und ein Café.

Die Linkspartei hat laut einem Bericht der "Oberhessischen Presse" vom Montag eine Initiative in der Stadtverordnetenversammlung gestartet: Das Parlament solle den "Christus-Treff" auffordern, sich von den Verbindungen zur Bewegung "Offensive Junger Christen" und dem angeschlossenen "Institut für Jugend und Gesellschaft" zu distanzieren. Die Organisationen mit der Vorkämpferin Christl Vonholdt gelten als bekannteste Verfechter der "Heilung" Homosexueller in Deutschland (queer.de berichtete).

Der CT müsse "unmissverständlich klarmachen", dass in Marburg alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und keiner Diskriminierung ausgesetzt sein sollten, heißt es im Antragstext der Linken.

Auf seiner Website nennt der "Christus-Treff" die "Offensive Junger Christen" als Partner-Organisation, von der man "viele entscheidende Impulse und Ermutigung" erhalten habe. Auch der Jugendkongress "Christival", der in der Vergangenheit mit Homo-"Heilern" paktiert hat, ist ein Partner des "Christus-Treff". Nun wird befürchtet, dass die Evangelikalen den "Lokschuppen" nutzen wollen, um junge Homosexuelle zu verunsichern und zu "bekehren".


Ausschnitt aus der Website des "Christus-Treffs"

Seit der Bekanntgabe der Übernahme des "Lokschuppen" gibt es Proteste. Ende Juni gingen bereits rund 200 Menschen auf die Straße, um gegen den "Christus-Treff" zu protestieren. Die Protestaktion wurde organisiert vom Bündnis "Kein Raum für Sexismus, Homophobie und religiösen Fundamentalismus". An dem Protest beteiligten sich unter anderem auch die Jusos.

Der "Christus-Treff" weist alle Vorwürfe zurück: "Die Unterstellungen zu Homophobie und Transgenderfeindlichkeit sowie zum angeblichen Absolutheits- und Missionsanspruch sind und bleiben falsch", erklärte Geschäftsführer Reinhard Schindler unlängst. Unterstützung erhält die Organisation auch von anderen Teilen der katholischen und evangelischen Kirche. So verteidigte die katholische Gemeinde "St. Peter und Paul" die Homo-"Heiler" gegen "pauschale Verurteilungen".

Evangelikale sehen sich als Opfer von "Diskriminierung"

Unterstützung kommt insbesondere von der "Evangelischen Allianz", einer evangelikalen Lobbygruppe, die Homo-"Heilung" immer wieder verteidigte. Die Marburger Ortsgruppe erklärte, Kritik am "Christus-Treff" sei "Diskriminierung". "Wir respektieren es natürlich, dass nicht jeder mit Stil, Inhalten oder auch Bauvorhaben des Christus-Treff einverstanden ist", sagte der Marburger Allianz-Chef Alexander Hirsch. "Aber wir wünschen uns gleichzeitig einen offenen und wertschätzenden Dialog, wie er zu Marburg als 'Stadt der Vielfalt' passt."


In den USA machten Homo-"Heiler" von Exodus bis zu ihrer Auflösung 2013 Werbung – in Deutschland sind derartige Aktivisten subtiler unterwegs

In der "Oberhessischen Presse" kritisierte die frühere linke Lokalpolitikerin Eva Christiane Gottschaldt, die die Proteste gegen den "Christus-Treff" mitorganisiert hat, bereits Ende Juni die subtile Homophobie der evangelikalen Aktivisten: "Schwulenhass-Aufrufe gibt es vom CT nicht, aber sie bestärken Schwule und Lesben auch nicht, ihre Sexualität zu leben, sie zeigen lieber Wege, Irrwege in Richtung Heilung auf. Der CT täuscht mit seinen Distanzierungen also die Öffentlichkeit, denn es gibt direkte Verbindungen zur Schwulenheiler-Szene", so Gottschaldt.

"Christus-Treff" wurde von Homo-"Heiler" gegründet

Auch bekannte Figuren der sogenannten "Ex-Gay"-Bewegung sind offen im "Christus-Treff" aktiv: Einer der Gründer war mit Roland Werner der wohl aktivste deutschen Homo-"Heiler". Der heute 60-Jährige, der 15 Jahre lang die homophobe "Christival"-Veranstaltung leitete, schrieb mehrere Bücher, in denen er "praktizierte Homosexualität" als Sünde bezeichnete und erklärte, man könne seine "homosexuelle Neigung" überwinden. Homosexualität bezeichnete er wiederholt als Symptom einer Persönlichkeitsstörung. Von 2011 bis 2015 war Werner Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes – unter seiner Herrschaft lehnte das CVJM-Kolleg etwa die Segnung eines Studenten ab, weil dieser sich als schwul geoutet hatte (queer.de berichtete). Noch heute bestimmt Werner im Rat des "Christus-Treff" die Linie der Organisation mit.


Roland Werner wirbt seit Jahrzehnten für die "Heilung" von Schwulen und Lesben (Bild: Christliches Medienmagazin pro / flickr)

In Deutschland ist selbst die "Heilung" von Jugendlichen legal. Die Bundesregierung stellte erst im März klar, dass sie zwar derartige Versuche ablehne, diese aber nicht verbieten wolle (queer.de berichtete). Andere Länder sind in dieser Frage weiter: Als erstes EU-Land verbot Malta sogenannte Konversionstherapien generell (queer.de berichtete). Andere Länder verbieten zumindest die "Heilung" von Minderjährigen, darunter auch zehn US-Bundesstaaten (queer.de berichtete).

Psychologenverbände warnen bereits seit Jahren davor, dass Schwule und Lesben mit derartigen "Therapien" in den Selbstmord getrieben werden könnten. 2013 verabschiedete der Weltärztebund eine Stellungnahme, nach der Konversionstherapien "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien. "Es gibt [für diese Methoden] keine medizinische Indikation und sie stellen eine ernste Gefahr für die Gesundheit und die Menschenrechte von denen dar, die behandelt werden", so die Argumentation der internationalen Vereinigung, der mehr als 100 nationale Ärzteverbände angehören (queer.de berichtete).

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#1 schwarzerkater
  • 15.08.2017, 13:15h
  • hier ist die politik mal wieder blind!
    "Einer der Gründer war mit Roland Werner der wohl aktivste deutschen Homo-"Heiler"."
    was würde passieren, wenn der gründer dieses jugendtreffs ein jahrelang aktiver nazi wäre?
    aber ausgrenzende und fanatische evangelikale sind ja brave "christen"menschen.
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#2 userer
  • 15.08.2017, 13:18h
  • Die EKD beheimatet diese evangelischen "Kirchen" als Mitglieder.

    Die Katholen klatschen Beifall zum Schwulenhass.

    Merkel besucht als Bundeskanzlerin homophobe "Christivals" und hält dort christliche Reden.
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#3 WoowAnonym
  • 15.08.2017, 13:21h
  • Antwort auf #1 von schwarzerkater
  • "aber ausgrenzende und fanatische evangelikale sind ja brave "christen"menschen."

    Vor allem sind sie Glaubensbrüder von Herrn Kauder. Glaubt irgendjemand ernsthaft, die CDU ginge gegen die Gemeinden von Herrn Kauder vor?
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#4 userer
  • 15.08.2017, 13:25h
  • Antwort auf #1 von schwarzerkater
  • Dieser christliche "Homo-Heiler" vertritt ja faschistenfreundliche Positionen. Das beantwortet deine Frage, was passieren würde, wenn der Gründer des Jugendtreffs ein Nazi wäre: vermutlich nichts!

    Wenn jedoch der Gründer des Jugendtreffs ein Schwulenaktivist wäre, würde der politische Arm der Christen seine bischöflichen oder sonstwie papsthörigen Sturmtruppler in Marsch setzen und eine Medienschmutzkampagne sondergleichen lostreten.
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#5 daVinci6667
  • 15.08.2017, 13:35h
  • Solange nicht ganz klar diese "Heilung" von uns verboten wird, gibt es weiterhin Menschen, vor allem Jugendliche die schwerste psychische Schäden nehmen und allzu oft in den Selbstmord getrieben werden.

    In Ländern die endlich die Ehe geöffnet haben, sollte ein solches Verbot mit zu oberst auf der Traktandenliste stehen.
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#6 Homonklin44Profil
  • 15.08.2017, 13:35hTauroa Point
  • Dass die Selbstbestimmtheit von Minderjährigen und Jugendlichen in Deutschland nicht so Ernst genommen wird, sieht man auch an der Zulässigkeit religiöser Beschneidung, also Ignoranz gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit.
    Wenn es ein Reicht auf psychische Unversehrtheit gäbe, kann man die Zulassung von Konversions-Behandlungen als Ignoranz gegen die Selbstbestimmung werten.

    Bei dem Wert, wie ihn religiotisch angehauchte PolitikerInnen und Besorgte aller Sorten gewöhnlich dem Leben von Kindern und Jugendlichen zumessen, wundert diese Gleichgültigkeit gegenüber deren Gesundheit und Unversehrtheit doch sehr.
    Die Achtung von dem Menschen spielt also keine Rolle mehr, wenn Glaubensinhalte und aus Solchen gewonnene Idealvorstellungen diese grundlegenden Rechte aushebeln können.

    Vielleicht brauchen wir eine Initiative zur Heilung für Betroffene der Überzeugung von der praktischen Anwendung von Konversionstherapien. Immerhin leben diese Leute von einem Wahn bedroht und schädigen andere mit ihrem Wahnbild.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 15.08.2017, 13:40h
  • Antwort auf #1 von schwarzerkater
  • Wohl wahr:

    Ich würde mich hier gar nicht in religiöse Diskussionen verstricken.

    So 'evangelikal' sind die selbsternannten Evangelikalen mit ihrer Vorliebe fürs AT und die Johannesapokalypse nämlich gar nicht.

    Bei Vonholdt u. Co. geht es nicht im Bibelstunden und Bergpredigt, hier geht es um medizinische und psychologische Inkompetenz in der Tradition von Elektroschock und KZ-Ärzten wie Carl Vernaet.

    Verfehlte Therapien sind meist sehr gefährlich, egal ob der Quacksalber mit der Bibel daherkommt oder mit dem biologistischen Größenwahn eines Kutschera.
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#8 daVinci6667
  • 15.08.2017, 14:00h
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • Vielleicht sind es bloss Nazis, vielleicht sind es bloss Gläubige, vielleicht gleich beides.

    Tatsache ist, Religion lässt sich so ganz wunderbar für alles Schlechte und Abartige dieser Welt verwenden. Man kann es sich auslegen wie man es gerade braucht, z.B. wenn man gegen Homosexualität hetzen will.

    Was auch immer zutrifft, diese "Konversionstherapien" gehören verboten. Wer sich nicht daran hält, gehört massivst bestraft, und den harmlos daherkommenden, aber sehr gefährlichen "Ärzten" die Approbation entzogen.
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#9 JuNiAnonym
  • 15.08.2017, 14:01h
  • Dass dieser Verbrecher überhaupt Kunden hat, ist doch schon ein Witz! Selbst der Dümmste müsste doch inzwischen begriffen haben, dass Homosexualität nicht heilbar ist.
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#10 goddamn liberalAnonym