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Jahrzehntelange Verfolgung

Uruguay will Transpersonen entschädigen

Für die staatliche Diskriminierung sollen alle vor 1975 geborenen Transpersonen eine Rente erhalten. Außerdem will der Staat eine einprozentige Trans-Quote bei Neueinstellungen in Behörden einführen.


Uruguay will staatliches Unrecht wieder gut machen (Bild: Gabriel Millos / flickr)

Die Regierung von Uruguay plant nach Medienberichten eine Entschädigung für alle Transpersonen, die vor 1975 geboren worden sind. Ein von der linken Regierung von Präsident Tabaré Vázquez eingebrachtes Gesetz sieht vor, damit diese Bevölkerungsgruppe für erlittene Anti-Trans-Diskriminierung zu entschädigen – sie sollen bis zu ihrem Lebensende eine monatliche Zahlung erhalten, deren Höhe noch festgelegt werden muss. Außerdem will sich der Staat laut einem weiteren Gesetzentwurf verpflichten, ein Prozent der neu zu besetzenden Posten in der staatlichen Verwaltung mit Transpersonen zu besetzen. Auch Stipendien für Trans-Schüler und -Studenten sollen eingeführt werden, ebenso wie eine bevorzugte Aufnahme von Transpersonen an Universitäten.

Trans-Aktivisten in Uruguay beklagen bereits seit längerem, dass die Diskriminierung in dem kleinen südamerikanischen Land in der Vergangenheit ausgeprägter als in den Nachbarländern gewesen sei. Auch Federico Graña vom Ministerium für soziale Entwicklung gestand ein, dass vor 1975 geborene Transsexuelle "meist von ihren Familien verstoßen wurden" und die Gesellschaft nichts für eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben getan habe. Zudem sei Uruguay zwischen 1973 und 1985 von einer Militärdiktatur regiert worden, die Transsexuelle verfolgen ließ. Die Verfolgung habe noch mehrere Jahre nach dem Ende der Diktatur fortbestanden. Vielen Transfrauen sei wegen der Diskriminierung nichts anderes übrig geblieben, als ihren Unterhalt als Sexarbeiterin zu verdienen.

Fortschrittliche Gesetze

Uruguay gehört heute zu den Ländern mit der fortschrittlichsten Gesetzgebung, wenn es um das Thema Bürger-
und Minderheitenrechte geht. 2013 öffnete das Land als zweiter Staat in Südamerika die Ehe für Schwule und Lesben (queer.de berichtete). Auch bei weiteren gesellschaftlichen Themen geht der nur 3,5 Millionen Einwohner zählende Agrarstaat neue Wege: So hat das katholische Land in den letzten Jahren sein Abtreibungsrecht liberalisiert, außerdem ist Uruguay der einzige Staat der Welt, in dem Marihuana vollständig legalisiert wurde.

Auch in anderen Ländern gibt es Anstrengungen, um das an Transpersonen verübte staatliche Unrecht wieder gut zu machen. Letztes Jahr startete die schwedische Regierung etwa einen Anlauf, um transsexuelle Opfer von Zwangssterilisationen zu entschädigen (queer.de berichtete). Das schwedische Transsexuellengesetz aus dem Jahr 1972 hatte bis 2012 verlangt, dass Transpersonen nur staatlich anerkannt werden, wenn sie fortpflanzungsunfähig sind, also sterilisiert wurden. Ein Gesetzentwurf, der eine Entschädigung in Höhe von 225.000 Kronen (23.700 Euro) für jedes Opfer der Zwangssterilisation vorsieht, wurde im April diesen Jahres ins Parlament eingebracht. (dk)



Uruguay: Präsident unterschreibt neues Ehe-Gesetz

Der uruguayische José Mujica hat das vergangenen Monat vom Parlament beschlossene Gesetz zur Ehe-Öffnung unterzeichnet. Schwule und Lesben können damit ab dem Mitte August heiraten.
#1 SebiAnonym
#2 ParallelfrontAnonym
  • 15.08.2017, 17:07h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Hallo Sebi,

    Du kannst es ruhig beim Namen nennen. In diesem Punkt ist Uruguay insbesondere weiter als Deutschland - ein Land, in dem die Verfolgung von Transfrauen erst im dritten Reich, dann lange nach §175 bzw. dem Sittengesetz erfolgte - selbst wenn nicht aktiv, die unentwegte Diskriminierung (wie hier im Artikel genannt), also Ächtung, Verstoßung, Arbeitslosigkeit, Drängen ins Abseits - die Stärksten unter ihnen in die Sexarbeit (was natürlich ihnen bis heute negativ angekreidet wird, auch wenn es heute noch eine der wenigen Arten ist, wie sie unabhängig von der Psychiatrisierung leben können) - und natürlich die eben genannte Psychiatrisierung, die bis heute anhält.

    Dann, nach 1981 der ganze Zirkus mit dem TSG - die wenigsten Staaten haben eine vergleichbar explizit menschenrechtswidrige Gesetzgebung erlassen. Damit wurde man vor die Wahl gestellt: Man erkennt die Identität nicht an und macht die Teilhabe an der Gesellschaft unmöglich und medizinische Behandlung auch (treibt einen also in die Sexarbeit oder Straße oder Grundsicherung, ...) ODER man lässt sich zu psychisch gestörten Männern erklären und muss unter der Fuchteln von Psychologen und Psychiatern und Gutachtern ein Leben als Mensch dritter Klasse führen. Kaum ein Land hat je ein Gesetz für Transfrauen erlassen, indem die Verachtung so hereingeflossen ist. Eugenik inklusive.

    Also nenne es beim Namen: Uruguay ist weiter als Deutschland!

    Aber was soll's, selbst in diesem Land gehen die Transfrauen nicht auf die Barrikaden und fordern nicht nur ihre Entpsychiatrisierung - sondern ebenfalls nicht Entschädigungen.

    Pffft.

    Wieso kann niemand in diesem Land es beim Namen nennen? Nicht nur die anderen Länder verletzten Menschenrechte. Deutschland ist selbst groß dabei! Und dabei habe ich das Thema inter* noch gar nicht mal angesprochen.
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#3 HantewiProfil
  • 15.08.2017, 18:02hSan Francisco, Ca.
  • Antwort auf #2 von Parallelfront
  • Na so was - da hat ja jemand nichts für mich übrig gelassen, sondern alles dazu gesagt... ;-)

    ...außer drei Punkte, die wichtig sind erwähnt zu werden:

    1)
    "...Kaum ein Land hat je ein Gesetz für Transfrauen erlassen, indem die Verachtung so hereingeflossen ist. Eugenik inklusive..."

    Mit tatsächlicher Betonung auf "FÜR TRANSFRAUEN" - oder besser "GEGEN TRANSFRAUEN". Denn nur um die ging es bei der Intention des TSG. NICHT um Transmänner.

    2)
    Was in Deutschland ebenfalls niemand nie weiß, obwohl es Deutsch ist:
    Die Psychiatrisierung von TRANSFRAUEN geschah und geschieht weiterhin unbeeindruckt durch die "Deutsche Gesellschaft Für Sexualforschung (DGSF)"

    Die gesamte Pathologisierungs-Literatur seit Bestehen dieser "Fachgesellschaft" dreht sich NUR UM TRANSFRAUEN. Transmänner kommen nicht vor - sie wurden nie psychiatrisiert. Sie wurden von der DGSF ignoriert.

    3)
    @Sebi: "Damit ist Uruguay weiter als viele andere Staaten..."

    So einfach ist das natürlich nicht. *augenroll*
    Uruguay ist nicht "einfach nur weiter", das kam nicht "einfach so"...sondern für dieses Ergebnis wurde natürlich viele Jahre gekämpft - mit hohen Verlusten. Ich rede von vielen toten Schwestern.

    ...

    DAILY NEWS GERMANY:
    In Deutschland wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass eine Psychiatrisierer*in und "Begutachter*in nach TSG" der DGSF - VON TRANSMENSCHEN - in den Vorstand des Bundesverband Trans* (BVT*) gewählt wurde. Nachzulesen auf der homepage des BVT*...

    ...das bemerkenswerte daran: Diese Psychiatrisiere*in und Gutachter*in nach TSG ist selber Transfrau...

    ...?!

    ...Fragen über Fragen...so viele Fragen zu Deutschland UND deutschen Transfrauen...die Fragen nehmen kein Ende...im Gegenteil. Es werden immer mehr.
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#4 AvispadaAnonym
  • 15.08.2017, 19:48h
  • Lieber Bundesverband Trans* (BVT*),

    wo sind die entsprechenden Forderungen?

    Die Forderungen auf Eurer Seite in Eurem Policy Paper Recht:
    www.bv-trans.de/download/5621/
    liegen deutlich hinter dem zurück, was Uruguay umsetzt! Werdet ihr die Forderungen updaten?

    Welche Arbeit betreibt Ihre Vereinigung, um diese Ziele zu erreichen?

    Es wird dort geschrieben, dass Aufarbeitung vor der Zeit des TSG gefordert wird. Gut. Was sind die Ergebnisse? Wenn es keine Ergebnisse von offizieller Seite gibt, gibt es eine Arbeitsgruppe oder Papiere, in denen es Schilderungen oder Schätzungen gibt? Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse ähnlich vernichtend sein werden.

    Gibt es Forderungen für Entschädigungen für Dinge, die vor 1981 geschehen sind? Kann man die "Beweislast" hier den Opfern zuschieben? Solange der deutsche Staat nicht beweisen kann (weil er es nicht möchte), ist davon auszugehen, dass die Diskriminierung, Verfolgung, etc... eklatant war - daraus leiten sich analog Forderungen ab. Wo sind die?
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#5 HantewiProfil
  • 15.08.2017, 20:11hSan Francisco, Ca.
  • Antwort auf #2 von Parallelfront
  • "...Wieso kann niemand in diesem Land es beim Namen nennen?..."

    Aus 2 Gründen:

    1)
    In Deutschland zeigt man immer erst mit dem Finger auf andere. Außerdem ist Deutschland Deutschland und in Deutschland ist doch "alles gut" oder "nicht so schlimm wie woanders". Damit wird die Thematisierung von Mißständen oder Menschenrechtsverletzungen grundsätzlich immer unterminiert.

    2)
    Die Antwort auf die Frage, warum alles in Deutschland, was Trans* ist gesilencet wird, ist in Deutschland längst gegeben worden:

    Es herrscht ein Konsens darüber, dass Trans* nicht ent-pathologisiert werden DARF. Dieser Konsens herrscht nicht nur in der cis-heterosexuellen "Mehrheitsgesellschaft" und den "Fachgesellschaften" sondern gilt auch für die LGBTIQ-"Community" bis hin zu Transmenschen selber.

    In Deutschland wird unter dem Vorwand der Ent-Pathologisierung die Re-Pathologisierung von Transfrauen verfolgt. Durch einen simplen "Diagnose"-Austausch - different label use - der "Psychiatrischen Fachgesellschaften":
    Aus "Geschlechtsidentitätsstörung", die als Persönlichkeitsstörung klassifiziert ist, wird "Gender Dysporie". Erneut eine psychiatrisierende "Diagnose", die nur fortsetzt, was in der Vergangenheit galt.

    Deshalb bezeichnet der BVT* auf seiner Seite das TSG auch als "Demütigenden Formalismus" und führende Anwält*innen, die in die Vorgänge involviert sind, bezeichnen das TSG als "nicht mehr zeitgemäß".

    Niemand benennt es. Richtig.

    In Deutschland geht es in der Debatte deshalb auch nicht um Rechte oder Menschenrechte. Das zu sagen, wird aus gutem Grunde vermieden. Darüber herrscht Konsens.

    Es geht nur darum, eine neue "Struktur" - einen neuen "Formalismus" zu finden.

    In Deutschland wird seit eh und je erfolgte Diskriminierung durch erneute Diskriminierung ersetzt. Ob das das TSG ist...der §175...das Prostitutionsgesetz...das Sexualstrafrecht...etc...immer...

    Und ja - die Transfrauen in Deutschland sind in ihre Re-Pathologisierung in Deutschland aktiv involviert. Sie sehen die Psychiatrie als ihre "Allies". Über diesen Weg herrscht Konsens in Deutschland.
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#6 ParallelfrontAnonym
  • 15.08.2017, 20:22h
  • Antwort auf #5 von Hantewi
  • Liebe Hantewi,

    ich könnte natürlich von queer.de eine Stellungnahme anfordern, ob sie diesem Konsens folgen. Sicher würde keine Antwort kommen oder ein Verneinen. Trotzdem werden sie es nicht benennen.

    Natürlich war das eine rhetorische Frage...

    Wie du siehst, antwortet ja ohnehin schon wieder niemand oder hat etwas Sinnvolles zu sagen. Am Allerwenigsten die, die am Allermeisten sagen sollten. Konsens.
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#7 HantewiProfil
#8 HantewiProfil
  • 15.08.2017, 20:41hSan Francisco, Ca.
  • Antwort auf #6 von Parallelfront
  • Liebe*r Parallelfront,

    Es wird nie geantwortet. Nie. Überall in Deutschland nicht - egal wo man fragt. Menschenrechte für Trans* werden in Deutschland gesilencet.

    Mir ist natürlich nicht entgangen, dass auch Du - ausser von mir - ebenfalls nie Antworten erhälst.

    Konsens.

    Have a nice evening. Enjoy.
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#9 ParallelfrontAnonym
  • 15.08.2017, 21:07h
  • Antwort auf #8 von Hantewi
  • Liebe Hantewi,

    verzeihung, dass ich es noch nicht klargestellt habe. Aber so wie eine Front im Duden weiblich ist, gilt das auch für mich. ;)

    Ja, aufgrund dieser Erfahrungen schreibe ich ja nur noch anonym und zynisch. Macht es einen Unterschied? So kann ich wenigstens nicht persönlich angegangen werden.

    Nein, deine Kommentar sind zu konfrontativ und zu "emanzipatorisch". Bei den meisten trans Personen in diesem Forum führt das zu allerlei komischen Dingen. Irgendwie hast du recht, aber irgendwie ist es unangenehm. Also schweigt man lieber.

    Dann greifen lieber die Allies an, die sich angegriffen fühlen (zurecht). Mit denen zu argumentieren ist aber schwierig, denn man fragt sich wirklich, wo die unterwegs sind. Ich bevorzuge nicht, mit ihnen zu reden. Seite die Parallelfront aufgetreten ist, hat man mit mir ohnehin nicht geredet. Nunja.

    Ich verabschiede mich in den Abend und überlasse damit das Feld denjenigen, die kommen sollten, es aber vermutlich nicht werden.
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#10 HantewiProfil
  • 15.08.2017, 21:51hSan Francisco, Ca.
  • Antwort auf #9 von Parallelfront
  • Liebe Parallelfront,

    ...das erspart mir das eher umständlich-verschraubte "Liebe*r"...

    ...außerdem ist das eine bezaubernde Neuigkeit, die es perfekt macht. Es wird immer interessanter. :-)

    Das meine gesamten Aktionen - nicht nur Kommentare - in Deutschland zu "komischen Dingen" (lol) führen, weil sie "zu konfrontativ" oder "zu emanzipatorisch" sind, erfahre ich bereits seit vielen Jahren. Nicht nur bei Transmenschen - auch bei anderen. Mit deutschen "Allies" bin ich Dir bereits gefolgt - ich befasse mich nicht mehr mit ihnen. I don't care. That's me.

    Außerdem gibt es Wichtigeres - z.B. Standing Rock.

    Wenn ich das nächste mal in Deutschland bin, werde ich mich auch dort bei meinen verschiedenen Aufenthalten "nur mit guten Menschen umgeben"...

    Zum Schluss wieder mal alte Wahrheiten. Auch in Uruguay zeigen sich Transfrauen selbstbewusst. Na so was:

    www.subrayado.com.uy/noticias/69409/valentina-castillos-es-l
    a-ganadora-del-1-miss-trans-uruguay


    Ich gehe jetzt auch.
    Good Night
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