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Melbourne und Sydney

Australien: Homofeindliche Poster und Flyer im Vorfeld der Ehe-Abstimmung

"Stoppt die Schwuchteln": Mit vermeintlichen Horror-Statistiken und extremen Bildern heizen Homo-Hasser im Rahmen der Debatte um die Ehe für alle die Stimmung gegen Homo- und Transsexuelle an.


Diese extremen wie professionell erstellten Plakate waren in Melbourne an mehreren Stellen der Innenstadt aufgetaucht

Die Warnung von LGBTI-Aktivisten, eine als unnötig empfundene Volksabstimmung zur Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare in Australien könne zu einem homofeindlich motivierten Wahlkampf führen, scheint sich zu bestätigen. In der australischen Stadt Melbourne sind in der Nacht zum Montag mehrere homofeindliche Plakate mit dem Aufdruck "Stoppt die Schwuchteln" aufgetaucht.

Zwei der drei Motive stellen LGBTI als Kindesmissbraucher dar: Eines zeigt eine große Hand in Regenbogenfarben, die nach einem kleinen Mädchen greift; ein anderes vor einem ebenfalls eingeschüchtert sitzenden Jungen zwei Hände, die Gürtel in Regenbogenfarben halten – so als würde das Kind damit geschlagen werden.

Das dritte Motiv zeigt das internationale Symbol für "Biogefährdung" in Regenbogenfarben – zusammen mit einer Statistik, wonach "Schwuchteln" 55 Prozent aller "HIV-Träger", 82 Prozent aller Syphilis-Fälle oder 37 Prozent der Analkrebs-Erkrankungen ausmachten. Homo-Hasser verbreiten gerne ohne nähere Erklärungen entsprechende Zahlen, um vor vermeintlichen Risiken eines angeblich frei gewählten homosexuellen "Lebensstils" zu warnen – oder wie hier Schwule zugleich als Gefährdung für andere darzustellen.

Unter Berufung auf eine umstrittene Studie warnt das Plakat mit den Gürteln, Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen, wiesen zu 51 Prozent Depressionen auf, 72 Prozent seien übergewichtig. Ganze 92 Prozent würden Opfer von Missbrauch, warnt das Plakat an erster Stelle – "abuse" kann im Englischen sexueller Missbrauch bedeuten, aber auch fortgesetzte Erniedrigung etwa durch Beleidigungen. Das Plakat geht nicht näher auf mögliche Ursachen und auf zahlreiche andere gegenteilige Studien ein – das andere Plakat beklagt hingegen ohne Quellenangabe, "Fags" machten drei Prozent der Bevölkerung, aber 40 Prozent von Kindesmissbrauchern aus.

Homofeindliche Flyer auch in Sydney

In Sydney waren zudem am Wochenende homofeindliche Flyer aufgetaucht, die auf Englisch und Chinesisch vor Homosexualität als "Fluch des Todes" warnten, der Familienlinien auslösche. Auch führe die Ehe-Öffnung zu Frauen-"Plagiaten", die als angebliche Transsexuelle nur darauf warteten, Frauen auf Toiletten zu vergewaltigen.

Twitter / sallyrugg

LGBTI-Aktivisten reagierten entsetzt und erzürnt auf die Kampagnen. "Der Hass, der sich in diesen Postern zeigt, wird die überwältigende Mehrheit der Australier schockieren und anwidern", sagte Rodney Croome von der LGBTI-Organisation "Just Equal" zu den Motiven aus Melbourne. "Wir rufen Premierminister Malcolm Turnbull dazu auf, diese Verunglimpfung zu verdammen und die Grundzüge einer respektvollen Debatte vorzugeben."

Aktivisten hatten zuletzt Turnbull heftig kritisiert, weil die Regierung weiter das Volk über die Ehe-Öffnung abstimmen lassen will – nachdem es für die Abhaltung eines Referendums keine Mehrheit im Parlament gab, setzt sie nun auf eine Briefwahl, die im September beginnen und deren Ergebnis am 15. November bekannt gegeben werden soll (queer.de berichtete). Anders als bei einem seltenen Referendum ist die Teilnahme an der ebenfalls seltenen Briefwahl nicht verpflichtend, ihr Ergebnis für Abgeordnete nicht bindend.

Aktivisten hatten den jahrelangen Streit um die Ehe-Öffnung lange kritisiert, da es im Parlament und in der Bevölkerung eine Mehrheit für die Ehe-Öffnung gibt, Turnbull diese aber auf Rücksicht auf Hardliner in seiner Partei nicht direkt ermöglichen will. Die Kosten der Wahl werden auf 80 Millionen Euro geschätzt. Aktivisten hatten gewarnt, dass die Monate des Wahlkampfs zu einer Erhöhung homofeindlicher Hassrede und gar zu Gewalttaten statt zu einer Befriedung der Gesellschaft führen könnten. (nb)



#1 SebiAnonym
  • 21.08.2017, 12:33h
  • Da sieht man den Grund, weshalb so viele vernünftige Menschen gegen dieses Referendum sind:

    Denn da eine Mehrheit eigentlich für die Eheöffnung ist, werden die Homohasser nur noch mehr aufdrehen und kennen keine Grenzen mehr beim Schüren von Hass.

    Da werden Schwule ungeniert als "Fags" tituliert und mit Kinderschändern gleichgestellt...

    Dieses Referendum wird Hass und Gewalt über Australien bringen - alles nur wegen ein paar Politiker, die nicht klar Farbe bekennen wollen, also offenbar ungeeignet für ihren Job sind.
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#2 LinusAnonym
  • 21.08.2017, 12:34h
  • Diese Plakate haben rein GAR NICHTS mit Werbung für oder gegen eine Position zu tun, sondern das ist nur noch Beleidigung, Verleumdung und Hetze.

    Ich hoffe, dass die Plakate entfernt werden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
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#3 WoowAnonym
  • 21.08.2017, 12:36h
  • ""Der Hass, der sich in diesen Postern zeigt, wird die überwältigende Mehrheit der Australier schockieren und anwidern", sagte Rodney Croome von der LGBTI-Organisation "Just Equal" zu den Motiven aus Melbourne."

    Dann hat die schwule community ja nichts zu befürchten und die Abstimmung geht in ihrem Sinne aus.
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#4 MarekAnonym
  • 21.08.2017, 12:51h
  • Antwort auf #3 von Woow
  • Ich denke zwar auch, dass die Mehrheit der Australier vernünftig genug ist, um auf diese Hetze nicht reinzufallen (oder ich hoffe es zumindest).

    Aber auch wenn nur eine schrille Minderheit sich davon aufhetzen lässt, können die Folgen dramatisch sein. Die können vielleicht nicht die Eheöffnung verhindern, aber wenn nur schon ein kleiner Teil der Fanatisierten, sich so stark radikalisieren lässt, dass er Anschläge auf LGBTI-Einrichtungen durchführt, kann das bereits verheerende Folgen haben.
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#5 YannickAnonym
  • 21.08.2017, 13:06h
  • Antwort auf #1 von Sebi
  • Die Homohasser belegen uns nicht nur um übelsten Schimpfworten und nutzen Abbildungen um uns in die Nähe von Kinderschändern zu rücken, sondern sie verbreiten auch wieder mal völlig frei erfundene Zahlen um ihre Position vorgeblich zu untermauern: z.B., dass angeblich 92% aller Kinder in Regenbogenfamilien missbraucht werden.

    Alleine schon für diese dreisten Lügen haben die eine krachende Niederlage verdient. Und eine Anzeige wegen Volksverhetzung.
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#6 23wrefsdgAnonym
  • 21.08.2017, 13:19h
  • Leute beruhigt euch, das war doch erst der Anfang.

    Da kommt noch viel mehr.

    Mehr als einen Monat lang wird dann gegen Homosexuelle gehetzt.

    Dank des australischen Premierministers, der seine Macht der Zusage an homophobe Abgeordnete seiner Partei zu verdanken hat einen Volksbefragung zur Ehe für alle durchzuführen, in der die Homophoben nach Lust und Laune gegen Homosexuelle hetzen können. Würde der Premierminister das nicht machen, so würden ihn die homophoben Abgeordneten nicht mehr unterstützen und er würde dann nicht mehr Premierminister sein können, weil ihm dann die Mehrheit im Parlament fehlt. Der Premierminister setzt also seinen Machterhalt über das Wohlergehen von homosexuellen Menschen.
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#7 Alex ACAnonym
  • 21.08.2017, 14:29h
  • Ich hoffe, dass diese Faschisten, die gegen Unschuldige hetzen und vor keine Lüge zurückschrecken, ihren Hass komplett zurückbekommen.

    Mögen sie als einsame, verbitterte Idioten zugrundegehen.
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#8 BlizzardOfOzAnonym
  • 21.08.2017, 15:08h
  • Was ist denn bei denen los? Drehen die jetzt auch durch? Das ist ja noch krasser als in den USA. Solche Plakate sollten verboten werden. Das ist Hetze und greift die Menschenwürde an.
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#9 jochenProfil
  • 21.08.2017, 15:27hmünchen
  • "Mach den Menschen Angst, und sie machen dann das was man will".

    Diese alt-bewährte und auch heute so oft prakizierte Strategie wird auch hier wieder mal angewendet.

    Dann braucht man nur ein paar Studien und Statistiken mit denen man Alles und Nichts beweisen kann, und man hat gute Chancen schlecht, falsch oder uninformierte Bürger (und eine potentielle Mehrheit von ca. 90 % Heterosexuellen) auf seine Seite zu ziehen.

    Ich kenn die Australier zu wenig um eine Prognose zu machen, kann mir aber vorstellen , dass sie soweit aufgeklärt sind über Homosexualität, dass sie diesen Hetzern nicht mehr auf den Leim gehen.
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#10 GerritAnonym
  • 21.08.2017, 16:56h
  • Antwort auf #9 von jochen
  • Ja, die altbekannte Taktik, die alle Religionen schon seit Jahrhunderten anwenden, um die Menschen zu unterjochen:

    die FUD-Taktik - Fear, Uncertainty, Doubt.

    In der Hoffnungs, dass irgendwas schon hängen bleibt und die Leute dann vor lauter Angst, es könnte doch was schlimmes passieren, der Linie des Faschismus folgen.
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