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Zentralafrika

Kamerun: Bischof durch schwule Priester ermordet?

Der Verwalter des Bistums, dessen Bischof tot aufgefunden wurde, glaubt an Mord statt Suizid – seine Verschwörungstheorie macht jetzt weltweit die Runde.


Bischof Balla wurde 58 Jahre alt – zu seinem Tod gibt es die wildesten, von der katholischen Kirche teils befeuerten Gerüchte

Über zwei Monate nach dem Fund seiner Leiche vermehren sich die Verschwörungstheorien rund um den Tod des römisch-katholischen Bischofs von Bafia in Kamerun. Der Übergangsverwalter des Bistums, Joseph Akonga Essomba, sagte bei einer Trauerfeier, Jean-Marie Benoît Balla sei von schwulen Priestern ermordet worden, weil er Homosexualität verurteilt habe.

Die Leiche des 58-Jährigen war am 2. Juni im Sanaga-Fluss aufgefunden worden, rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Yaounde entfernt. Wenig später fand man an einer Brücke in der Nähe seinen Wagen und einen Zettel mit dem Aufdruck "Ich bin im Wasser". Der Bischof war am 31. Mai als vermisst gemeldet worden.

Während die Behörden schnell von einem Selbstmord ausgingen, spekulierten Medien über einen Mord. Unter Berufung auf Ermittlerkreise berichteten einige gar, dem Bischof seien u.a. die Genitalien abgetrennt worden. Entsprechende Gerüchte mit immer brutaleren Ausschmückungen verbreiteten sich auch in sozialen Netzwerken.

Angebliche Folter durch dunkle Mächte

Das Ergebnis der Autopsie wurde offiziell nicht bekannt gegeben, allerdings ließ die Bischofskonferenz im Juli verbreiten, sie gehe von einem Mord aus und wisse aus der Autopsie, dass der Bischof vor seinem Tod gefoltert wurde. Die Bischöfe verwiesen auf frühere Morde an prominenten Vertretern der Kirche, darunter ein Bischof, ein Missionar und zwei Ordensschwestern, die sich allerdings zwischen 1995 und 1998 ereigneten.

Direktlink | TV-Bericht zum Fund der Leiche

Wenige Wochen vor dem Tod Ballas war ein Priester und Mitarbeiter des Bischofs unter ungeklärten Umständen in seinem Schlafzimmer tot aufgefunden worden. "Anonymen Quellen zufolge hatte Bischof Balla Hintergründe über ungeklärte Priestermorde aufgedeckt", schrieb kath.net im Juli zu dem Fall. "Wir sind der Meinung, dass der Klerus in Kamerun von dunklen und bösen Mächten verfolgt wird", betonten die Bischöfe, die eine Aufklärung aller Hintergründe forderten.

Offizielle Obduktion ergab keine Fremdeinwirkung


Die Organisatorin der homofeindlichen "Demo für alle", Hewdig von Beverfoerde, teilte die Meldung über den vermeintlichen Bischofsmord durch schwule Priester auf Facebook; Anette Schultner, Bundessprecherin der "Christen in der AfD", zeigte sich entsetzt

Die Bischofskonferenz bekräftigte ihre Theorie eines Mordes erneut, nachdem im Juli das Ergebnis einer zweiten Obduktion öffentlich gemacht wurde: Eigens angereiste Ermittler von Interpol, darunter ein Gerichtsmediziner aus Deutschland, fanden demnach überhaupt keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung. Die zuständige Staatsanwaltschaft entschied, dass Ertrinken die wahrscheinlichste Todesursache sei, und ließ den Leichnam freigeben.

Bei einer Trauerfeier am 3. August beschuldigte dann Joseph Akonga Essomba schwule Priester. Ohne Personen namentlich zu benennen, kritisierte er Anwesende: "Schande über alle Priester, die hierher gekommen sind, um Mitleid vorzutäuschen. Das sind die Leute, die unseren Bischof getötet haben, weil er 'Nein' zur Homosexualität gesagt hat, die diese Priester ausgeübt haben."

Beweise oder weitere Stellungnamen legte Essomba seitdem nicht vor – der Monsignore musste dabei später öffentlich Gerüchte dementieren, er selbst sei inzwischen auch ermordet oder zumindest überfallen worden. Trotzdem verbreitete sich die Meldung über den angeblichen Mord durch schwule Priester vor allem in den letzten Tagen auf (größtenteils fundamentalistischen) katholischen Webseiten, am Montag berichtete auch das deutschsprachige kath.net. Haben christliche Homo-Hasser eine neue Legende, gar einen Märtyrer gefunden? (nb)



#1 TimonAnonym
  • 21.08.2017, 15:26h
  • Was sollen denn noch alles die bösen Schwulen schuld sein?!

    Obwohl die Obduktion ergeben hat, dass es keine Fremdeinwirkung gab... Oder ist das Obduktionsergebnis auch gefälscht und Teil der angeblichen "schwulen Weltverschwörung"?
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#2 Sven100Anonym
  • 21.08.2017, 16:21h
  • Immerhin spricht man in Kamerun jetzt offen über "schwule Priester". Das ist schon einmal ein Fortschritt für ein afrikanisches Land, in dem Homosexualität immer als ein Zeichen des "dekadenten Westens" hingestellt wird und behauptet wird, in Kamerun gäbe es keine Homosexualität.
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#3 TimonAnonym
#4 GerritAnonym
  • 21.08.2017, 16:53h
  • "Angebliche Folter durch dunkle Mächte"

    Welche dunklen Mächte sind das denn?

    Satan? Das fliegende Spaghettimonster? Oder das unsichtbare rosa Einhorn?

    Diese ganzen Anhänger der diversen "Religionen" mit all ihren Fabelwesen sind nur noch eines: ein Fall für die geschlossene Pschiatrie.
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#5 KMBonnProfil
  • 21.08.2017, 17:04hBonn
  • Antwort auf #4 von Gerrit
  • Hey! Nix gegen das Fliegende Spaghettimonster!

    In pasta veritas, sag ich nur. :-)

    Aber mal ernsthaft, über die afrikanischen Kirchen muß man sich nicht wundern.

    Als ich in Ghana war, wurde es mir teilweise auch übel. Überall diverse Laienprediger, Freikirchen, Baptisten, Evangelikale, Salachristen und Katholiban, die "das Wort Gottes" predigen und den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen.

    Bratha hier, Sistah dort - gib mir Geld, ich bete für Dich!

    Wie weiland bei uns, wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt. Funktioniert noch immer.
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#6 userer
  • 21.08.2017, 18:16h
  • Antwort auf #5 von KMBonn
  • Nein, keine "afrikanischen Kirchen": römisch-katholische Hassprediger! Bergoglio könnte das Aufbauen des drohenden erneuten Schwulen-Pogroms mit einem Federstrich stoppen, wenn er denn wollte.
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#7 Sven100Anonym
  • 21.08.2017, 18:39h
  • Antwort auf #6 von userer
  • In schwarzafrikanischen Ländern entsteht die Homophobie vor allem durch evangelikale Sektenprediger, die zum Teil von us-amerikanischen Südstaatlern unterstützt werden. In den anglophonen afrikanischen Staaten ist das das Erbe der britischen Kolonialzeit. Diese Homophobie findet sich weniger in frankophonen Ländern, die zu einem großen Teil katholisch geprägt sind (Ausnahmen: Senegal, Kamerun).
    Wo siehst du in Afrika Schwulen-Progrome?
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#8 Paulus46Anonym
  • 21.08.2017, 20:31h
  • Achja Afrika, der "verlorene Kontinent", was auch LGBT-Rechte betrifft mit Ausnahme des LEUCHTTURMS Südafrika, wo die Eheöffnung bereits seit Jahren rechtlich umgesetzt ist.

    Aber ansonsten... der gesamt Norden des Kontinents ist durch den Islam geprägt und alles nördlich der Sahara sowie die Sahragebiete selbst sind sicherlich keine LGBT-freundlichen Gegenden auf der Welt. Ursache ist hier der negative Einfluss des Islams und wie dort an vielen Moscheen in Nordafrika gegen Homosexualität gepredigt und regelrecht "zu Felde gezogen" wird.

    Aber auch in den Gebieten südlich der Sahara, die dann animistisch-christlich überwiegend geprägt sind, schaut es nicht gut aus. Erst an der Südspitze in Südafrika wird es dann im Land Südafrika besser.
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#9 Patroklos
  • 21.08.2017, 20:33h
  • Möglicherweise hat die Terrormiliz Boko Haram da ihre Finger im Spiel:

    de.wikipedia.org/wiki/Boko_Haram

    "Boko Haram ist eine islamistische terroristische Gruppierung im Norden Nigerias, die jedoch auch in den Anrainerstaaten Tschad, Niger und Kamerun aktiv ist."
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#10 Patroklos