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Zunehmende Repressionen

Russland: Entsetzen über Verhaftung von Kreml-kritischen Regisseur

Kirill Serebrennikow wird Geldveruntreuung vorgeworfen – seine Unterstützer befürchten ein verschärftes Vorgehen gegen kritische Stimmen.


Serebrennikow sah sich wegen seiner Arbeit in Russland immer mehr Anfeindungen und Hürden ausgesetzt (Bild: privat / facebook)

Die russische Staatsanwaltschaft hat am Dienstag den prominenten Theater- und Filmregisseur Kirill Serebrennikow in St. Petersburg festgenommen und nach Moskau bringen lassen. Dem 47-Jährigen wirft das Staatliche Ermittlungskomitee vor, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder in Höhe von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben.

Der international anerkannte Regisseur jüdischer Abstammung, Buddhist und schwul, hatte die Vorwürfe bereits im Mai nach einer kurzen Festnahme, einem Verhör und einer Hausdurchsuchung abgestritten. Ihm wurde der Reisepass abgenommen, zwei Mitarbeiter wurden in Untersuchungshaft genommen und ein weiteres Teammitglied unter Hausarrest gesetzt.

Konkret wird Serebrennikow vorgeworfen, als Leiter des Moskauer Theaters "Gogol-Center" Fördermittel für eine Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" erhalten zu haben, die nie aufgeführt worden sein soll – allerdings wurde das Stück nachweislich im In- und Ausland mehrfach aufgeführt.

Viele nationale und internationale Unterstützer Serebrennikows, darunter die Stuttgarter Oper, für die er im September "Hänsel und Gretel" inszenieren sollte, glauben so auch eher, dass ein prominenter Kritiker des Putin-Regimes mundtot gemacht werden soll.

Nurejew-Stück abgesetzt

Im Sommer hatte es bereits internationale Schlagzeilen zu Serebrennikow gegeben, nachdem seine Ballett-Inszenierung über das Leben des russischen, schwulen Startänzers Rudolf Nurejew drei Tage vor der Premiere vom Bolschoi-Theater abgesagt wurde. Das Theater wies Berichte zurück, es habe sich um Zensur eines gesellschaftskritischen Stücks und um ein Problem mit dem Gesetz gegen "Homo-Propaganda" gehandelt.

Serebrennikows hat bei mehreren Filmen Regie geführt, darunter bei der 2016 in Cannes mit dem François-Chalais-Preis ausgezeichneten Satire "Der die Zeichen liest" über einen jungen konvertierten Christen, der seine Mitschüler mit Fanatismus terrorisiert (queer.de berichtete). Auch am Gogol-Theater übte Serebrennikow, der an mehreren Demonstrationen gegen die Regierung teilgenommen hatte, eine umfassende Gesellschafts-, Politik- und Religionskritik; für einen Film über den Komponisten Pjotr Tschaikowski hatte er 2013 Fördergelder zurückgegeben, weil er dessen Homosexualität nicht wie erwünscht verschweigen wollte (queer.de berichtete).

"Unser Freund und prominenter russischer Theaterregisseur Kirill Serebrennikow wurde heute in Moskau festgenommen", beklagt Quarteera, die Vereinigung russischsprachiger LGBTI in Deutschland. "Repressionen und Absurditäten nehmen in Russland ein neues Ausmaß an."

"Hyde Park" in St. Petersburg geschlossen

Erst am Montag hatten nicht nur russische LGBTI eine weitere Repression beklagt: In St. Petersburg soll das Marsfeld nach einem vom Gouverneur Georgy Poltavchenko ("Einiges Russland") unterzeichneten Dekret nicht mehr als Ort freier Meinungsäußerung dienen können. Bisher waren dort nach Vorbild des Londoner Hyde Parks für Demonstrationen keine Genehmigungen oder Anmeldungen erforderlich. Die letzte Demonstration, die dort wie schon mehrfach einen friedlichen Protest durchführen konnte, war am vorletzten Wochenende der CSD.


Positive Bilder wie rechts vom diesjährigen CSD in St. Petersburg könnte es so schnell nicht mehr geben. Hoffentlich gilt das auch für die negativen Bilder des gleichen Tags

Ursprünglich angemeldete Demonstrationsstrecken hatte die Verwaltung zuvor abgelehnt. Die Polizei schritt nicht gegen den CSD ein, aber auch nicht gegen mehrere Jugendliche, die im Anschluss CSD-Teilnehmer und sie begleitende Journalisten mit Pfefferspray attackiert hatten (queer.de berichtete).


Dieser CSD-Angreifer wurde nach Druck der Presse inzwischen von der Polizei festgenommen

Der Angriff hatte in den letzten Tagen noch ein unerwartetes Nachspiel: Die Lokalzeitung "Fotanka" veröffentlichte Bilder der neun Angreifer und bat um Hinweise aus der Bevölkerung, recherchierte zusammen mit einem Journalistennetzwerk ihre Hintergründe in "ultrarechten" Kreisen und der Gruppe "Straight Edge" im sozialen Netzwerk vk – und die Zeitung veröffentlichte ihre vollen Namen. Wenige Tage später nahm die Polizei den 20-jährigen Hauptangreifer fest, angeblich nach eigenen Ermittlungen. (nb)

 Update  23.8., 16h: Regisseur erhält Hausarrest

Ein Moskauer Haftrichter hat am Mittwoch für Serebrennikow Hausarrest bis zum 19. Oktober angeordnet. Vor Gericht hatte der Regisseur, der so praktisch nicht mehr arbeiten kann, erneut seine Unschuld beteuert.



#1 queergayProfil
  • 22.08.2017, 21:55hNürnberg
  • Russland sollte sich auch über Regierungschef Putin entsetzen. Kürzlich sagte mir ein früherer Oberst der russischen Armee, dass Putin zu 100 % Gegner ermorden oder verschwinden lässt. Ein bekannter CSU-Mann, der in Russland Einreiseverbot hat, nannte Mr. Putin Massenmörder und Diktator.
    Interessiert das eigentlich europäische Politiker oder Exkanzler Schröder?
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#2 AchsoAnonym
#3 Wen wundertsAnonym
  • 23.08.2017, 09:27h
  • Antwort auf #1 von queergay
  • Da der Genosse der Bosse Gerhard Schröder ja persönlich von seinen Russland-Connections profitiert, interessiert ihn das auch nicht und dann ist Putin eben ein "lupenreiner Demokrat".

    Aber auch die Linkspartei kriecht ja dem russischen Regime in den Arsch und dasselbe was sie anderswo lautstark (und zu Recht) kritisieren, wird bei Russland mit keinem Wort erwähnt.
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#4 Anna LystAnonym
  • 23.08.2017, 13:00h
  • Antwort auf #2 von Achso
  • Nun ja, unser lupenreiner Ex-Kanzler engagiert sich aus eigenem Antrieg für Putin und sein Sparschwein, da muss ihm keine "Wirtschaft" den Weg weisen.

    Die Linke will auch näher an Putin rücken und raus aus der Nato, um Deutschland zum leichteren Fressen zu machen. Dazu agitiert Wagenknecht am rechten Rand gegen Flüchtende mit orthodoxem Kreml-Vokabular.

    Die FDP ist vermutlich ebenso bereits vom Kreml finanziert und will Putin die Krim kritiklos überlassen, damit er dort weitermordenund sich die Industrieanlagen im Donbas unter den Nagel reißen kann.

    Man nehme dazu noch die AfD mit den besorgten russlanddeutschen Eltern auf der evangelikalen Demo für alle - und fertig ist das Gesamtbild, wie das faschistische Putin-Russland dabei ist, Deutschland umzukrempeln.

    Schaut man auf Trump, wird klar, dass Putin und die rechten Seinen andernorts auch schon aktiv und erfolgreich ihre faschistische Ideologie implementieren.
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#6 schwarzerkater
  • 24.08.2017, 02:20h
  • mit diesem hausarrest, was faktisch ein arbeitsverbot ist, gleichzeitig die aussicht auf knast hat doch nur eins zum ziel: serebrennikow soll zwangsausgesiedelt werden.
    kritische stimmen werden systematisch mundtot gemacht.
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