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Repräsentative infas-Zahlen für die "Zeit"

Für 80 Prozent der Deutschen gehören Schwule und Lesben zum "Wir"

Eine neue Umfrage zeigt eine überwiegende Weltoffenheit der Deutschen, aber starke Unterschiede zwischen liberaler Mehrheit und einer "rechtspopulistischen Minderheit".


Die gesellschaftliche Anerkennung von Schwulen und Lesben, hier symbolisch bebildert durch ein Ampelpärchen aus Flensburg, ist in Deutschland weit fortgeschritten – für 20 Prozent gehören sie aber weiter nicht zu einem persönlich definierten "Wir" dazu

Trotz der Wahlerfolge der AfD und einer zunehmenden Hetze in sozialen Netzwerken und auch trotz der Aufnahme einer großen Anzahl von Flüchtlingen und trotz häufiger Terroranschläge und ähnlicher Horror-Meldungen sind die Deutschen weiter überwiegend tolerant und weltoffen.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Bonner infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Wochenzeitung "Die Zeit". Befragt wurde eine repräsentativ ausgewählte Gruppe von 1501 Bürgern. "Die Ergebnisse sind, vorsichtig gesagt, erstaunlich", meint die Zeitung: "Es zeigt sich das Bild eines Landes, das die Krisen bislang recht gelassen abgewettert hat. Keine Spur von innerer Spaltung, von grassierender Fremdenangst oder massiven Selbstzweifeln, im Gegenteil. In den von infas erhobenen Zahlen spiegelt sich eine Gesellschaft, die in ihrer großen Mehrheit weltoffen ist, tolerant und liberal."


Auf die Frage "Gehören folgende Personengruppen für Sie persönlich auch zum 'Wir' dazu oder nicht?" antworteten 82 Prozent, Menschen anderer Religionen gehörten für sie dazu, 16 Prozent mit einem "Nein". Für 80 Prozent gehören auch Homosexuelle zum (frei definierten) "Wir", mehr als bei "Menschen mit einem ganz anderen Lebensstil" mit 73 Prozent. Für 72 Prozent sind auch "Ausländer" im "Wir" dabei, bei Flüchtlingen ist diese Art der Zustimmung mit 71 Prozent nur geringfügig kleiner. Menschen, mit deren politischen Ansicht man nicht einverstanden ist, sehen hingegen nur 62 Prozent der Befragten als "Wir" an.

Liberale Mehrheitsgesellschaft und rechtspopulistische Minderheit

Aufgeteilt nach politischen Interessen zeigt sich allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen AfD-Anhängern und denen der anderen Parteien: Bei 75 Prozent der AfD-Anhänger gehören Ausländer/Migranten nicht zum "Wir", Flüchtlinge zu 80 Prozent. Bei den übrigen Parteien liegt der Anteil jeweils zwischen rund 20 und 25 Prozent, bei Anhängern der Grünen noch erheblich niedriger.

Laut infas lasse sich bei etwa 5 Prozent der Bevölkerung eine "starke Zustimmung" zu rechtspopulistischen Denkmustern feststellen. Weitere 18 Prozent zeigen eine Affinität zu dieser Ideologie, allerdings in unterschiedlicher Intensität, so die "Zeit". Nicht alle seien allerdings potenzielle AfD-Wähler.

Für rechtspopulistisches Denken seien Bildung, eine spezifische Lebenslage und das Gefühl, nicht von der Politik vertreten zu werden, bestimmend, bewertet das Institut weitere Ergebnisse. Hier gebe es bei AfD-Anhängern teils gravierende Unterschiede zu den übrigen Parteien.


Die klaren Zahlen zeigten daher auch, "warum dieser Wahlkampf bislang so wenig polarisiert": "Eine der wichtigsten Konfliktlinien verläuft nicht zwischen den großen Parteien, zwischen links und rechts, sondern zwischen der liberalen Mehrheitsgesellschaft und einer rechtspopulistischen Minderheit."



#1 TimonAnonym
  • 24.08.2017, 20:08h
  • Dann wird es höchste Zeit, dass auch endlich die volle rechtliche Gleichstellung kommt, die den restlichen 20% Ewiggestriger Diskriminierungen, lebensgefährliche Gehirnwäsche-"Therapien", etc. verbietet.

    Und dass es endlich auch in allen Schulen verpflichtend angemessene Aufklärung und Förderung von Vielfalt und Akzeptanz gibt.
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#2 hugo1970Profil
  • 24.08.2017, 20:19hPyrbaum
  • "aber starke Unterschiede zwischen liberaler Mehrheit und einer "rechtspopulistischen Minderheit"

    Wer glaubt, das die rechspopulisten gute menschen sind, der glaubt auch an den Weihnachsmann.
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#3 Julian SAnonym
#4 Homonklin44Profil
#5 NichtWirklichAnonym
  • 25.08.2017, 15:20h
  • Was jemand schwarz auf weiß zu Papier bringt, ist meistens positiver als das, was die Person tatsächlich denkt oder empfindet.
    Und die ausgewählten über 1000 können keine 80 000 000, die in Deutschland leben, repräsentieren.
    Was ich immer noch erlebe, ist leider öfters schlechter, als diese Studie im Artikel.

    Aber ich kann auch was positives sagen: im Allgemeinen halten sich einige, zumindest am Arbeitsplatz, etwas mehr zurück. Ganz so derb, wie es vor Jahren war, erlebe ich es zumindest bei mir, seltener.

    Heute hab ich allerdings einen Satz gehört, den ich bisher so noch nirgends gehört hatte.
    Ich stand heute in der Pause draußen im Freien und es kam ein Auto am Parkplatz angefahren. Der Mann stieg aus und ging der Türe entgegen. Da er eine Uniform trug, zumindest ein behördliches Hemd, wusste ich, dass er entweder bei der Polizei oder ähnliches tätig sein muss.
    Und er sagte: ''Ich komme im Auftrag, um bei euch die Gesinnung zu kontrollieren.''
    Klingt erstmal als Spaß gemeint, wenn man es so pragmatisch liest. Meine Kollegen standen bei mir und lachten kurz, weil sie es als Spaß aufnahmen, was ich mittlerweile auch verstehen kann.
    Aber, genau dieses Lachen, nach diesem Satz, löste in diesem Moment ein lächerlich machen aus. Ich stand da und fühlte mich kurz in meiner Würde verletzt.
    Da meine Kollegen aber sehr fair sind, hörten sie gleich wieder auf und verstanden wie ich mich fühlte.
    Als Dankeschön hab ich extra ihn nicht verabschiedet, als er ging :-)

    Das ist noch sehr harmlos, aber trotzdem kann man sich da fragen, was diesem Schnösel einfällt, sich über eine private Sache von mir, die sogar intim ist, lustig zu machen.
    Was wollte er damit vermitteln? Dass er ein Problem mit Homosexualität hat? Dass er mein lesbisch sein erkannte und das im Spaß mitteilen wollte? Wollte er demonstrieren, dass er durch seine Position sich was erlauben darf, ich aber nicht? Oder hatte er tatsächlich eine negative Absicht und wollte mich lächerlich machen? Oder fühlte er sich an den Wahlkampf der Politik erinnert und musste unbedingt einen Kommentar zu unserer Entwicklung mit der Eheöffnung loswerden?
    Es gibt viele Möglichkeiten.

    Aber ich frage mich da schon, ob sich auch das nicht verhindern lässt. Ich gehe schließlich auch nicht durch die Straßen und teile jedem mit, was ich zu sagen habe, so nach dem Motto: ''Du solltest abnehmen, bist zu dick; du bist hetero, wahrscheinlich konservativ; du hast ein psychisches Problem, lass dich therapieren; du bist kindisch, lebst du noch bei deinen Eltern? Du denkst so lange, bist du dumm? Oh, du bist aber heftig, es gibt auch ein Anti-Aggressionstraining.''

    Mit diesen Beispielen wird für mich deutlich,
    dass es da an Höflichkeit mangelt. Vor allem wenn sich diese zwei Personen gar nicht kennen und so eine Äußerung das erste ist, was man von dieser Person zu hören bekommt.
    Ganz ehrlich: würde ich diesem Typen ein zweites Mal begegnen, würde ich ihm wohl non-verbal zeigen, was ich von ihm halte. Oder würde einen blöden Spruch als Retourkutsche bringen.
    Damit hat er sich bei mir nicht beliebt gemacht.
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#6 NichtWirklichAnonym
  • 25.08.2017, 15:50h
  • Was mir noch dazu einfällt, ist: viele Heteros pochen immer noch darauf, dass sich LSBTTIQ Leute outen sollen. Damit meine ich aber, dass sie einen unter Druck setzen.
    Sie haben irgendwie immer noch ein Problem damit, eine LSBTTIQ Person so zu akzeptieren wie sie ist.
    Und sobald sich aber jemand outet, ohne Aufforderung, dann sagen genau diese Heteros: ''Wieso outest du dich? Es ist doch egal, wer du bist und es interessiert mich nicht.''
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#7 hugo1970Profil
  • 26.08.2017, 10:37hPyrbaum
  • Antwort auf #6 von NichtWirklich
  • Es ist schon wichtig, leider, das wir uns zeigen, denn,
    die was immer noch meinen, sie könnten "Druck" machen, die sollen sehen, das wir zahlreich sind und uns nicht klein kriegen lassen. Deshalb ist es ja wichtig, das Promis, insbesondere Sportler, vor allem aus dem "Männer"- Sport sich outen. Denn diese Promis nehmen den meisten Wind unserer Gegner aus den Segeln, denn Sie zeigen, auch wir können kämpfen und was leisten, was die hetzer nicht einmal im Traum leisten können.
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#8 SanottheEhemaliges Profil
  • 26.08.2017, 17:54h
  • Antwort auf #7 von hugo1970
  • Erst werden queere Menschen durch immer und überall gegenwärtigen Minority Stress psychisch kaputt gemacht - und dann sollen sie zeigen, dass sie genauso viel leisten können wie die Heteros.

    Also müssen wir unter weit schlechteren Bedingungen antreten, dann aber mindestens genauso gut oder besser sein.

    Willkommen in der neoliberalistischen Gesellschaft, in der Menschen nur dann als vollwertig gelten, wenn sie eine bestimmte Leistung erbringen.

    Menschenwürde und Gleichwertigkeit sollten davon allerdings nicht abhängen. Zumindest theoretisch steht das auch so in unserem Grundgesetz.

    (Hugo, ich weiß, Du meinst das persönlich nicht so. Dennoch wollte ich diesen Gedanken hier anknüpfen und zu bedenken geben.)
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#9 NichtWirklichAnonym
  • 26.08.2017, 21:34h
  • Antwort auf #7 von hugo1970
  • Ja, einerseits stimmt das.
    Ich bin geoutet und es geht mir gut damit.
    Aber es gibt trotzdem einzelne Situationen, in denen ich bevorzuge, erstmal gar nichts über mein privates Leben zu sagen.
    Zum Beispiel am Arbeitsplatz.
    Ich bin immer noch der Meinung, dass ich selbst entscheide, wer was über mich wissen darf. Nicht jeder Person kann man sofort vertrauen. Vor allem beim Thema Homosexualität reagieren manche extrem hinterlistig und demütigend.
    Deshalb ließ ich mir am Arbeitsplatz extrem viel Zeit, bis ich wusste, wem ich was sagen konnte und bei wem ich mich besser zurück halte. Zu meinem eigenen Schutz.
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#10 hugo1970Profil