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  • 13. Juni 2005, noch kein Kommentar

Wenn das nicht schrill ist: Pascal of Bollywood mixt indische Filmmusik mit westlichen Klängen und nimmt sogar "La vie en rose" neu auf.

Von Jan Gebauer

Nostalgie, Kitsch, Glitzer und indische Filmmusik sind die große Leidenschaft von Pascal auf Bollywood – der großen Neuentdeckung aus Frankreich. Aus Frankreich? Oh ja, denn Pascal wurde am 25. April 1963 als Pascal Héni in Paris geboren. Er verbindet auf schrille Art und Weise indische Weltmusik mit westlichen Klängen wie Disco und Pop. Der Witz an der Sache: Er kann weder Hindi, noch Bengali oder Tamilisch fließend sprechen. Gesanglich klappt es schon besser – der Phonetik sei Dank. Für sein internationales Debüt "Pascal of Bollywood" nahm er sich ein dutzend Lieder aus indischen Bollywood-Schinken vor und ließ sie kongenial umarrangieren. Schon am schreiend bunten Cover und dem Booklet kann man sehen, dass hier ein ebenso schriller wie witziger Mix aus den unterschiedlichsten Elementen entstanden ist. Mein anfängliches Staunen (und ungläubiges Lachen) über die fremden exotischen Klänge weicht schon bald reiner Begeisterung.

Die Stimme des Meisters klingt wie frisch aus Neu Delhi importiert – kaum zu glauben, dass der gute Herr eigentlich gar nicht weiß, wovon er da singt. Immerhin reiste er aber zwischen 2001 und 2004 neun Mal nach Indien, um sich dort intensiv mit der Musik aus den Bollywood-Filmen zu beschäftigen. Dort traf er auch auf Pyarelal, der in dem asiatischen Land so etwas wie ein Henry Mancini oder Jerry Goldsmith ist – ein Filmmusik-Gott! Dieser produzierte auch die vorliegende CD. Besonders die beiden Duette ("Johnny d'jono", "La vie en rose...Indien") mit der Sängerin Shreya Ghoshal (preisgekrönter Star in ihrer Heimat) sind grandios gelungen – da sich die tiefe Stimme von Pascal mit dem zitternden Sopran Ghostals wunderbar ergänzt. In ihren fragilsten Momenten erinnert Pascals Partnerin an ihre Kollegin und Landsfrau Asha Puthli ("The Devil Is Loose"), die in den 70er Jahren in Europas Disco-Szene erfolgreich war. "La vie en rose" stammt natürlich im Original von der unvergessenen Edith Piaf und bildet neben den Filmthemen eine Ausnahme. Die Neuaufnahme ist durchweg originell und haucht dem Chanson durch das verspielte Arrangement neues Leben ein.

"Sara zamana" sprudelt förmlich über durch seinen irren Mix aus erstklassigen Background-Stimmen, Filmmusik-Kitsch und modernem Disco-Beat. Bei den Instrumenten wurde ansonsten größten Wert auf authentische Instrumente gelegt: Indische Flöten und Violinen sowie traditionelle Instrumente wie das Madal (Folktrommel aus Nordindien) oder das Dholak (Doppelfelltrommel) runden den harmonischen Gesamtklang ab. Sicher braucht man am Anfang etwas für die eigentümliche Rhythmik, dann aber öffnet sich aber ein buntes Kaleidoskop zu einer anderen Musik-Welt.

Fazit: Pascal of Bollywood ist in Deutschland sicher noch ein Geheimtipp – aber mit etwas Mut erlebt man beim Kauf der CD ein erstaunliches Musikwunder. Vielleicht DIE Entdeckung der ersten Hälfte 2005.

Anspieltipps: "La vie en rose...Indien", "Johnny d'jono", "Challo chali", "Zara zamana"

13. Juni 2005