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Fiese Diskriminierung oder fiese PR?

Schwule Dating-App profiliert sich auf Kosten HIV-Positiver

Die Macher von "Daddybear" betonen, man wolle Männer vermitteln, die "gesund und ohne HIV" sind.


Wie andere Apps des Entwicklers stößt "Daddybear" bislang auf nicht allzu großes Interesse – soll da ein Skandal nachhelfen?

Vor allem in den USA sorgt eine neue Dating-App mit diskriminierenden und ausgrenzenden Aussagen für Wirbel: Die Macher der Anfang August veröffentlichten App "Daddybear" betonten, sie wollen ein Feature einbauen, dass Männern Treffen mit Männern ermöglicht, die "gesund und ohne HIV" sind. Mindestens den Tenor treffend kritisierten in Folge viele Medien, die App wolle HIV-Positive ausschließen.

In einem inzwischen abgeänderten Vorstellungstext zur App hieß es, die "No.1 gay sugar-daddy dating app", die sich über Premium-Accounts zwischen 9 und 29 US-Dollar monatlich finanziert, richte sich an "reiche schwule Daddies", die "gesunde schwule Bären" suchen. Viele Männer aus der Zielgruppe der App seien im Zeitalter von Aids aufgewachsen. "Daher wissen sie, sich und Dich zu schützen und vergnüglichen safen Sex mit Dir zu verbringen."

Nachdem das Portal "Queerty" über eine nur mit Vornamen unterzeichnete Presseerklärung des Unternehmens berichtet hatte, ergänzte das Entwickler-"Team" in einem Kommentar unter dem Artikel, es sei ein "Fakt", dass schwule Männer bei der Auswahl von Partnern besorgter über Gesundheitsfragen als über den Sex seien. "Wenn Du besorgt bist, auf Menschen mit HIV zu treffen, kannst Du nun erleichtert sein, denn mit unserer App versuchen wir unser Bestes, dass alle Nutzer, die Du triffst, gesund und ohne HIV sind". Man denke an ein Feature, mit dem Nutzer ihren "Gesundheitsstatus" verifizieren könnten.

"Keiner möchte Personen, die mit HIV leben, daten"

Nach einem Sturm der Entrüstung in einigen Medien sowie in den Kommentaren im App-Store von Apple (bei "Google Play" taucht die App trotz Ankündigung noch nicht auf), legte der angebliche Geschäftsführer des Unternehmens, "Justin", in per E-Mail verschickten Antworten zu Fragen des Magazins "INTO" noch einmal nach: "Keiner möchte Personen, die mit HIV leben, daten, es sei denn, sie leben selbst damit. Die meisten schwulen Sugar-Daddies leben ohne HIV, daher wollen sie keine ungewollten Souvenirs mit nach Hause bringen."


Eine kritische Bemerkung aus dem Apple-Store

Freilich gibt es mehrere Möglichkeiten, die "Souvenirs" zu verhindern und trotzdem HIV-positive Männer zu daten und mit ihnen vergnüglichen Sex zu haben, Kondome etwa oder eine die Viruslast erfolgreich senkende Behandlung beim positiven Partner oder eine PrEP beim negativen. "Daddybear" betont hingegen gegenüber "INTO", man unterstütze, "dass schwule Männer mit HIV das Recht haben, andere Schwule mit HIV zu daten. Aber viele reiche und erfolgreiche Sugar Daddies wollen keine Menschen mit HIV daten, was der Grund ist, dass wir diese App gelauncht haben." Ein geplantes Feature der App solle abfragen, ob jemand mit HIV, Herpes oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten lebe – was freilich nur eine Schein-"Sicherheit" darstellt.

Die kontroversen, diskriminierenden Aussagen des Unternehmens sind gespickt mit Botschaften, die die angeblichen Besonderheiten der App hervorheben, etwa durch die mehrfache Betonung der Zielgruppe "reiche erfolgreiche Sugar Daddies". Sucht man gezielt eine Kontroverse, um eine App unter vielen zu promoten, oder sind die Entwickler als Marktlücke gezielt diskriminierend? Beides? Eine weitere Aussage von "Justin", andere Apps, die nicht den HIV-Status der Kunden abfragten, seien "gefährlich", lassen alle Deutungen zu. Zugleich geht die Beschreibung der App im Apple-Store aktuell nicht mehr auf die "Gesundheits"-Aspekte ein.


Die App ist weiterhin im Apple-Store verfügbar

Es ist unklar, wer hinter dem Unternehmen steckt, im Apple-Store trägt der Entwickler einen vermutlich chinesischen Namen und ist verantwortlich für weitere Dating-Apps. Eine richtet sich an Bisexuelle, eine an übergewichtige Frauen, eine will "reiche Mütter" mit hübschen "Toyboys" zusammenbringen – und eine verbindet Menschen, die beide mit Herpes, HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen leben.

Frankreich: Empörung über homophobe Spyware-Werbung

Für einen möglicherweise bewusst kalkulierten Shitstorm sorgte diese Woche auch eine französische Firma, die ihre Spionage-Software für Privat-PCs u.a. in einem Artikel auf ihrer Webseite damit bewarb, dass Eltern so herausfinden könnten, ob ihr Sohn schwul sei. So könne etwa der Facebook-Account des Filius geknackt werden.


Ein Ausschnitt aus dem inzwischen gelöschten Text

Die Firma "verteidigte" sich später, der Text auf der Webseite sei nirgendwo verlinkt gewesen und letztlich für die Suchmaschinen-Optimierung gedacht, nicht dafür, dass ihn jemand liest. Was keinen rechten Sinn ergibt. Mit Aussagen wie die Familie sei etwas Fundamentales und die sexuelle Orientierung der Kinder "entscheidend für das Fortbestehen Ihrer Familie" könnte der Text auch bewusst auf Empörung optimiert gewesen sein – und Medien sponnen die Geschichte mit viralen Schlagzeilen wie "Spyware-App macht Jagd auf homosexuelle Jugendliche" weiter.

Wer die Meldungen liest, weiß nun über die Existenz einer offenbar recht flexibel einsetzbaren Spyware – der internationale Werbeeffekt ist unbezahlbar. Für den Inhalt des Textes hatte die Firma hingegen schnell ihr Bedauern ausgedrückt.



#1 MichaelTh
#2 Dont_talk_aboutProfil
  • 27.08.2017, 16:21hFrankfurt
  • Wer mit HIV-Positiven keinen Sex haben möchte, diskriminiert also ? Darf das in einer liberalen Gesellschaft nicht jeder selber entscheiden ?
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#3 GayFunAnonym
#4 OrthogonalfrontAnonym
  • 27.08.2017, 17:24h
  • Gibt doch schon länger PEP und jetzt auch PrEP. Wo ist also das Problem? Nicht dass ich euch Schwulen da irgendwie reinreden will, nur so zur Erinnerung.
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#5 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 27.08.2017, 19:53h
  • Antwort auf #4 von Orthogonalfront
  • Du hast recht. Nur, wie die P(ost) E(xposure) P(rophylaxis), ist die Pr(e)E(xposure)P(rophylaxis) anscheinend nicht fuer jeden als zu bevorziehende Verhuetungsmethode indiziert. Und ausserdem ist die Prep sehr teuer. Oft sind Kondome etc., anscheinend, weiterhin die empfohlene Verhuetungsmethode :-). Es geht hier natuerlich um HIV und andere STDs (Englisch) :-)
    Und zum Artikel: als ob ich jemandem, der sich Sugar Daddy nennt, auch ohne die App, glauben wuerde, wenn er behauptet, er sei gesund und getestet. Geht mich sowieso nichts an. Wie bei jedem anderen Mann (oder ggf. Frau), von dem ich nur Sex moechte :-).
    Gruss
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#6 niccinicciAnonym
  • 27.08.2017, 19:58h
  • es ist so naiv und geradezu dumm, jmd. zu fragen: bist du gesund? in der regel sind das ganz junge, die sich noch nicht mit therapie und dem thema beschäftigt haben, was verständlich ist, oder ältere, die auf dem stand der 70er stehen geblieben sind! niemand fragt, ob er krebs, diabetes oder allergien hat. diese frage schreit förmlich danach, mit einer lüge beantwortet zu werden.
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#7 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 27.08.2017, 21:05h
  • Antwort auf #5 von schwuler Nichtdtschr
  • Ergaenzung: Es geht mich nichts an, auf Englisch: I couldnt care less about that.\I dont give a sh* about that.\ Thats none of my business.\ That has nothing to do with me, That hasnt got anything to do with me.\Why are you telling me that?\Why would I care about your health, I rather care about my health. etc. Fuer die juengeren Schwulen, wenn der andere aus irgendwelchen Gruenden auf den Kondom verzichten moechte, obwohl er nicht in meiner Begleitung zum Arzt gegangen ist, um sich auf alle bekannten STDs zu testen.
    Gruss
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#8 wiking77
  • 27.08.2017, 21:12h
  • Antwort auf #3 von GayFun
  • blühender Unsinn. Dann würde ich ja schon zig Männer, die mit auf mich scharf waren, diskriminiert haben, von denen ich auf keinen Fall was wollte. So auf die Spitze getrieben, werden wiederum ernsthafte Probleme dadurch relativiert.

    Und an und für sich ist ja Diskriminierung im privaten Bereich nicht immer negativ konnotiert.

    Demohngeachtet scheint es für solche Apps ja Nachfrage zu geben, also soll's doch der Markt richten.
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#9 schwuler NichtdtschrAnonym
#10 schwuler NichtdtschrAnonym