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Star aus Wales

Früherer olympischer Hürdenläufer outet sich

Nach jahrelangen Dementis hat mit Colin Jackson einer der erfolgreichsten Leichtathleten der Welt erstmals öffentlich über sein Schwulsein gesprochen.


Jackson im letzten Jahr in Rio im Einsatz für die BBC (Bild: instagram)

Der frühere walisische Profi-Leichtathlet Colin Jackson hat sich am Samstag in einem Gespräch mit dem schwedischen Fernsehsender SVT als schwul geoutet. Der 50-Jährige, der zuletzt u.a. als Sport-Kommentator für die BBC arbeitete, hatte zwischen 1988 und 2002 zwölf Gold-, acht Silber und eine Bronze-Medaille in internationalen Wettbewerben gewonnen, darunter einmal Silber bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul.

Die sportliche Vita umfasst einen zweimaligen Weltmeistertitel, ein über zehn Jahre haltender Weltrekord im 110-Meter-Hürdenlauf (aufgestellt 1993 bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart) und einen bestehenden Hallen-Weltrekord über 60 Meter (1994 in Sindelfingen). Nach dem Ende der Karriere arbeitete er zunächst als Trainer und Berater und nahm an der populären BBC-Unterhaltungssendung "Strictly Come Dancing" (in Deutschland bekannt als "Let's Dance") teil.


Jackson war eines der BBC-Gesichter bei den Olympische Sommerspielen 2016 wie bereits 2012 in London. Bild: instagram

2006 hatte ein Ex-Freund einer Boulevardzeitung eine Geschichte über die frühere "heimliche Beziehung" verkauft, die der Sportler öffentlich abstritt. In dem Interview betonte der in Cardiff von Eltern jamaikanischer und schottischer Abstammung geborene Sportler nun, es sei ein schwerer Schritt für ihn gewesen, sich nach der Zeitungsgeschichte bei den Eltern zu outen.

"Ich wartete in der Küche auf sie. Und sie kamen rein und meine Mutter konnte mein Gesicht sehen und sie war sehr aufgelöst", so Jackson. Sie fragte: 'Was ist los?' Und ich meinte, da ist in den Medien gerade eine Story über mich und diesen Typen – und es hat sie nicht gestört. Überhaupt nicht." Die Mutter habe vor allem empört, dass jemand eine solche Geschichte verkaufen wolle. "Und da habe ich bemerkt: Ich habe wirklich die besten Eltern."

Coming-out mit Medienschelte

Das von SVT veröffentlichte kurze Video ist ein Vorabausschnitt aus einer mehrteiligen SVT-Reihe über "Regenbogenhelden". In dem Gespräch mit dem ehemaligen schwedischen Sprinter und heutigen TV-Kommentator Peter Häggström, der sich 2009 geoutet hatte, und der Hochspringerin Kajsa Bergqvist, die nach der der Scheidung von ihrem Ehemann inzwischen mit einer Frau zusammenlebt, betonte Jackson, er habe nie einen Grund gesehen, öffentlich über sein Schwulsein zu sprechen, auch nicht, um damit seine Sicht zu präsentieren.

Er habe sich nun für den Schritt entschieden, weil die Sendung das Coming-out einbette in längere Eindrücke seines Lebens und in die Frage, wie die Homosexualität seinen Sport und seine Emotionen beeinflusst hätten. "Ich denke, viele Menschen, die mich vorher dazu befragten, wollten das nur sensationalisieren", so Jackson.


Jackson hält sich auch nach Karriereende fit und unterhält damit seine Follower bei Instagram

2008 hatte er einer Zeitung gesagt, er sei nicht schwul und "glücklicher Single", auch wenn er Halle Berry als ideale Frau für ihn ansehe. Gerüchte über ihn seien nur "Mist": "Das ergibt keinen Sinn für mich. Das ist sehr merkwürdig und bizarr, aber Menschen sagen, was sie sagen."

Die Spekulationen machten ihm aber nichts aus, betonte er damals. Auch gebe es keine Stigmatisierung mehr: "Es ist das 21. Jahrhundert. Ich glaube nicht, dass jemand noch so [negativ] denkt. Vielleicht gab es in früheren Jahren mal eine Stigmatisierung."



#1 Patroklos
  • 27.08.2017, 22:08h
  • Herzlichen Glückwunsch zum Coming-Out und zur Info: die Olympischen Sommerspiele in Seoul sind 1988 ausgetragen worden. Im Jahr 1998 fanden die Olympischen Winterspiele in Nagano statt.
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  • Anm. d. Red.: Jahreszahl ist korrigiert.
#2 schwarzerkater
  • 28.08.2017, 07:42h
  • auch wieder ein outing nach der karriere - und nach jahrelangem leugnen. bin bei solchen outings sehr zwiegespalten.
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#3 oooooAnonym
#4 nicht so einfachAnonym
  • 28.08.2017, 10:54h
  • Antwort auf #3 von ooooo
  • nun ja, wenn so jemand sein schwulsein abstreitet, also öffentlich lügt, und den anderen damit fälschlich als verleumder diffamiert, ist er ethisch gesehen schon ein klein wenig anrüchig.
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#5 schwarzerkater
#6 Jahrgang1965Anonym
  • 28.08.2017, 17:02h
  • ...und ich dachte immer, mein Coming-out mit 25 wäre unverhältnismäßig spät gewesen.

    Allerdings bin ich wirklich froh, mich ein Vierteljahrhundert früher "freigeschwommen" zu haben. Mag mir gar nicht vorstellen, was für riesige Lügengebäude auflaufen, bis man 50 geworden ist und sich dann erst outet. So hätte ich nicht leben wollen.
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