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HIV-Vorbeugung

Auch Schweden bekommt die PrEP

Die staatliche Gesundheitsagentur empfiehlt die Abgabe der Pille an Menschen mit hohem Risiko einer HIV-Infektion, die Kosten werden größtenteils übernommen.


Kleine Pillen, großer Preis und Streit: In Deutschland werden Kosten für Truvada und Generika weiterhin nicht von Krankenkassen übernommen, wenn sie der Prävention dienen (Bild: NIAID / flickr)

Immer mehr Länder bieten Menschen mit erhöhtem Risiko einer Ansteckung mit HIV eine Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) an, zuletzt ermöglichten etwa England, Belgien oder Norwegen mit unterschiedlichen Bedingungen diesen Weg zur Ergänzung der üblichen HIV-Prävention. Am Dienstag veröffentlichte nun die schwedische Agentur für öffentliche Gesundheit eine entsprechende Empfehlung zu den "Pillen davor".

Die Weltgesundheitsorganisation und die euopäischen und amerikanischen Zentren für Infektionskrankheiten (ECDC und CSD) empfehlen die Abgabe von ausgewählten Medikamenten, die primär zur Behandlung und Unterdrückung einer HIV-Infektion im Körper eines Positiven dienen, auch als Vorbeugung, berichtet die dem schwedischen Gesundheitsamt unterstellte Behörde.

Nach Auswertung von Studien sei es die Auffassung der Behörde Folkhälsomyndigheten, dass es "eine gute Beweislage und solide wissenschaftliche Unterstützung für die Aussage gibt, dass die PrEP effektiv ist in der Reduzierung des Risikos einer HIV-Infektion bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) und unter einem erhöhten Risiko einer HIV-Infektion stehen."

Die schwedische Gesundheitsbehörde betont in ihrer Pressemitteilung, dass die PrEP nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt. Ihrer Ansicht nach gebe es keine Gruppe der Bevölkerung, bei der eine Abgabe generell zu empfehlen sei. Vielmehr müsse das in einem Gespräch zwischen Patient und Arzt unter Bewertung des individuellen Verhaltens geklärt werden.

Die Kosten der Behandlung würde dann größtenteils übernommen – im Rahmen der in Schweden üblichen Deckelung von Medikamentenzuzahlungen auf maximal rund 230 Euro im Jahr. Laut einem Bericht der Deutschen Aids-Hilfe könnte das aber noch zu Problemen mit zögerlichen Klinikärzten führen, da deren Träger für einen Teil der Kosten aufkommen müssten.

Eine schwierige Debatte

Auf der ganzen Welt führt die PrEP seit Jahren zu erhitzten Debatten, die sich vor allem aufgrund der hohen Kosten der Behandlung ergibt – auch nach Ablauf des Patents des Standard-Medikaments Truvada wären in Deutschland etwa 600 Euro im Monat fällig (queer.de berichtete).

Aids-Organisationen betonen hingegen, dass die Methode insgesamt nur für wenige Personen in Frage komme, die mit herkömmlicher Prävention bzw. Kondomen nicht zu erreichen seien und häufige Sexualkontakte hätten. In einer Welt, in der Menschen immer mal wieder nicht nach Vorschrift handelten, schütze die Pille sie und auch ihre Sexpartner vor einer Infektion. Einige Aktivisten betonen, dass manche Betroffene sich bereits Medikamente aus dem Ausland bestellen, sich das aber nicht jeder leisten könne und eine Eigenbehandlung riskant sein kann.

In Deutschland ist Truvada zwar zur Vorbeugung einer HIV-Infektion verordnungsfähig, allerdings kommen die Krankenkassen nicht für die Kosten auf. Als effektive Prophylaxe muss die Tablette, die zu Nebenwirkungen führen kann, täglich eingenommen werden. Die Methode ergänzt herkömmliche Präventionsmethoden, etwa Safer Sex durch Kondome, sowie neuere wie "Schutz durch Therapie": Ein HIV-Positiver in erfolgreicher Behandlung kann das Virus in der Regel nicht übertragen.



#1 TillMannAnonym
  • 29.08.2017, 18:15h
  • Habe mir Truvada vor drei Monaten auf eigene Rechnung verschreiben lassen und fast zwei Wochen genommen. Danach endgültig abgesetzt wegen starker Nebenwirkungen. Man sollte die lange Liste an Nebenwirkungen auch einmal thematisieren. Ich hatte stärkste Kopfschmerzen und ständig Durchfälle. Mein Hausarzt (HIV-Schwerpunktpraxis) hat mich im Vorfeld gut aufgeklärt, aber das Erleben ist dann doch krasser. Ich will mich mit HIV nicht infizieren. Aber ich möchte auch nicht freiwillig solche Tabletten nehmen müssen.
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#2 TimonAnonym
  • 29.08.2017, 18:45h
  • So sollte das auch in Deutschland sein.

    Die Kosten der PrEP sind allemal gütiger als die Therapie HIV-Positiver.

    Und vielleicht bekommt man so HIV ausgerottet.
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#3 Patroklos
  • 29.08.2017, 20:24h
  • Antwort auf #2 von Timon
  • Nein, das wird nämlich erst der Fall sein, wenn es einen effektiven Impfstoff gegen HIV geben wird und dabei keine massiven Nebenwirkungen und Unverträglichkeitsreaktionen wie sie bei der PrEP der Fall ist, auftreten!
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#4 PfoteAnonym
#5 Rosa SoliAnonym
  • 30.08.2017, 20:21h
  • Antwort auf #1 von TillMann
  • Das ist ja der Vorteil bei der PrEP. Wenn man sie nicht verträgt, dann lässt man es eben und kehrt wieder zum Kondom als Infektionsschutz zurück.

    Ich kann Deine Haltung gut verstehen. Wenn ich so mit Nebenwirkungen zu kämpfen hätte, dann würde ich es auch lieber lassen und das Gummi bevorzugen.

    Wer aber keine Probleme mit den Tabletten hat, für den ist die PrEP eine Alternative, um sich gut vor HIV zu schützen. Wenn man sie sich denn leisten kann....
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#6 PreperatorAnonym
  • 31.08.2017, 10:17h
  • Ich bin gegen die Prep. Und sie sollte nur an Hochrisikogruppen wie Stricher ausgegeben werden.

    Ich sehe nicht ein warum die Allgemeinheit und ich die kosten tragen sollen .

    Weniger Promiskuität Kondome und den Kopf nicht abschalten beim Sex bringen mindestens genauso viel. Und wer seinen Schwanz nicht in der Hose halten kann und jeden Tag Sex haben muss auf alle erdenklichen Weise soll gefälligst selbst dafür zahlen. Und auch alle ärztlichen Kontrollen zahlen müssen. Es gibt kein Recht auf Promiskuität auf Kosten der Allgemeinheit
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#7 SchlüssigAnonym
  • 31.08.2017, 11:17h
  • Antwort auf #6 von Preperator
  • Arroganter und unterirdischer Kommentar, der mal wieder einfach nur seine eigenen Bedürfnisse und Moralvorstellungen als Leitlinie für Politik nimmt.
    Glaubst Du die Schweden und die Engländer wären so doof ihr Geld zu verplempern, wenn die Kosten- Nutzenrechnung mit PrEP nicht günstiger wäre.
    Die Zahl der Neuinfektionen zeigt, dass Kondome und Enthaltsamkeit eben nicht ausreichen.
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#8 TheDadProfil
  • 31.08.2017, 11:28hHannover
  • Antwort auf #6 von Preperator
  • ""Ich bin gegen die Prep. Und sie sollte nur an Hochrisikogruppen wie Stricher ausgegeben werden.""..

    Du mußt sie ja nicht nehmen..

    Übrigens gibt es keine ""Hochrisikogruppen"", sondern nur Menschen mit riskantem Sexualverhalten..
    Denn es soll neben einigen Schwulen und Bisexuellen Männern sogar Stricher geben die nur mit Kondom vögeln..

    ""Ich sehe nicht ein warum die Allgemeinheit und ich die kosten tragen sollen .""..

    Bei ""Ich sehe nicht ein"" helfen dann auch keine vernünftigen Argumente mehr, denn da hat der Kopf schon lange abgeschaltet..

    ""Weniger Promiskuität Kondome und den Kopf nicht abschalten beim Sex bringen mindestens genauso viel.""..

    Ja, genau..
    Die pöhsen Schwuchteln könnten ja auch mal Enthaltsamkeit üben..
    Was die dann mit SaferSex zu tun hat, kannst du hier allerdings auch nicht erklären, oder ?

    ""Und wer seinen Schwanz nicht in der Hose halten kann und jeden Tag Sex haben muss auf alle erdenklichen Weise soll gefälligst selbst dafür zahlen.""..

    Kuch an..
    Analverkehr ist Pfui ?
    Und jeden Tag auf jeden Fall viel zu viel..
    Geht doch bestimmt auch mal etwas weniger, und dann noch vielleicht ein bisschen weniger schmutziger, oder ?

    ""Es gibt kein Recht auf Promiskuität auf Kosten der Allgemeinheit""..

    Jepp..
    Es gibt aber auch kein "Recht" auf Dummheit in der man trotzdem verharrt, weil man sich mit der Sache an sich, gar nicht richtig beschäftigen will..

    Dann kann man aber auch mal das Maul halten..
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#9 SanottheEhemaliges Profil
  • 31.08.2017, 11:36h
  • Antwort auf #6 von Preperator
  • Und doch wird sich die PrEP als eine von drei Standardmethoden des Safer Sex bald durchgesetzt haben.

    Da das Ganze epidemiologisch sinnvoll ist, werden sich letztlich auch die deutschen Krankenkassen davon überzeugen lassen müssen, die Kosten bei weiter stark sinkenden Generikapreisen vollständig zu übernehmen. Und das werden sie, denn sie können rechnen, und sie können sich auch der Vorgabe der WHO, die die PrEP als unentbehrliches Arzneimittel einstuft, nicht verschließen.

    Lediglich Menschen mit vor-vor-vorgestrigen Moralvorstellungen wollen mit aller Gewalt an Regeln festhalten, nach denen andere Menschen Sex zu haben haben - bzw. eben KEINEN Sex zu haben haben.

    PrEP bedeutet, Verantwortung für sich selbst und für die Allgemeinheit zu übernehmen. PrEP heißt, mit dazu beizutragen, dass sich die Verbreitung von HIV immer mehr verringert. Somit handelt ein PrEP-User auch nicht rein egoistisch, sondern ebenso zum Wohl der Solidargemeinschaft, die letztlich durch weiter sinkende Infektionszahlen (die inzwischen in Ländern nachgewiesen werden konnten, in denen PrEP bereits länger eingesetzt wird) auch weiter sinkende Gesamtkosten haben wird.

    So weit denkt man natürlich nicht, wenn man egozentrisch auf dem Hohen Ross sitzt und als größtes Vergnügen Anderen vorschreiben will, wie sie Sex zu haben haben. Solche Menschen sind weder fähig noch willens, gesamtgesellschaftlich zu denken oder zu handeln. Deshalb versperren sie sich auch der Sinnhaftigkeit modernen gesamtgesellschaftlichen Vorgehens einer modernen epidemiologischen Medizin.

    Es ist 2017 - nicht 1982.

    Und Menschen, die anders Sex haben als man selbst, sollen (außer man hört auf die AfD) auch nicht mehr interniert werden, sondern man kann sie unterstützen, als freie Menschen innerhalb einer Solidargemeinschaft, die Verschiedenheit willkommen heißt und nicht verteufelt.

    Freilich müsste man dafür erst erkennen, dass es außer den eigenen Belangen und Vorstellungen auch noch die anderer, gleichberechtigter Menschen gibt. Und dass sich nicht nur alles um einen selbst dreht.
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