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Einreise über Deutschland?

"Novaya Gazeta": Mitverantwortlicher für Schwulenverfolgung hält sich in Europa auf

Der Beschützer des tschetschenischen Präsidenten und Anführer der Sondereinheit "Terek" ist zu einer Sportveranstaltung nach Rotterdam gereist.


Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow (r.) und sein Beschützer und Kumpel Abuzaid Vismuradow

Laut einem Bericht der russischen Zeitung "Novaya Gazeta", die als erste Redaktion über die Schwulenverfolgung in Tschetschenien berichtet hatte, haben internationale Menschenrechtsorganisationen die deutschen und niederländischen Behörden zu einer dringenden Überprüfung aufgefordert, ob sie einem führenden Vertreter des Kadyrow-Regimes ein Schengen-Visum ausgestellt haben.

Abuzaid Vismuradow, bekannt als "der Patriot", ist Chef der Bodyguards des tschetschenischen Präsidenten und Anführer der Sondereinheit "Terek", der zahlreiche Menschenrechtsverletzungen samt Tötungen zur Last gelegt werden. Wie mehrere Instagram-Kanäle zeigen, befindet er sich gerade in Rotterdam, um tschetschenische und russische Sportler am heutigen Samstag bei einem Turnier der Mixed-Martial-Arts-Organisation Ultimate Fighting Championship zu unterstützen.

Vismuradow ist offenbar über Deutschland nach Europa eingereist. Vor dem Aufenthalt in den Niederlanden zeigen ihn einige Bilder mit dem in Kiel lebenden Sportler Timur Dugazajew, der sich laut der Zeitung als "Vertreter der tschetschenischen Führung in Deutschland" bezeichnet. Die Bilder tragen u.a. die Hashtags "Hamburg", "Berlin" und "Kiel" und zeigen Vismuradow, der sich offenbar nicht zum ersten Mal in Deutschland aufhält, mit einer ganzen Entourage von Männern.

"Terek" in Verschleppungen involviert

Der "Gazeta"-Bericht der mutigen Journalistin und Tschetschenien-Expertin Elena Milaschina, die monatelang die Hintergründe der Schwulenverfolgung in Tschetschenien recherchiert hatte, betont, mehrere der Opfer hätten in ihren Schilderungen "Terek"-Mitglieder unter ihren Peinigern ausgemacht – entsprechende Aussagen finden sich in früheren Berichten der Zeitung und von Radio Free Europe sowie in den Dokumentationen von Human Rights Watch und des LGBT Network. Einige seien auf einem Gelände der Spezialeinheit festgehalten worden.


"Wer hat ihm ein Visum gegeben?", fragt die "Novaya Gazeta" heute entsetzt zu den Bildern von Vismuradow und Anhängern in Rotterdam

Milaschina berichtet ferner, ein Betroffener der Verfolgung, der inzwischen in ein europäisches Land fliehen konnte, habe den Einwanderungsbehörden des Landes und dem Komitee gegen Folter des Europarats ausführliche Schilderungen seiner Tortur überliefert, in die Vismuradow direkt involviert gewesen sei.

Laut Berichten der "Gazeta" und mehrerer NGOS waren im Frühjahr mehrere hundert Männer in Tschetschenien wegen vermuteter Homosexualität durch Sicherheitskräfte verschleppt und neben weiteren Gefangenen wie angeblichen Drogensüchtigen und Terrorverdächtigen in sechs außergesetzlichen Gefängnissen festgehalten und gefoltert worden (queer.de berichtete). Mindestens sechs Männer wurden durch die Beamten oder durch Verwandte getötet. Nach einem zwischenzeitlichen Stopp der Verschleppungen gab es zuletzt Meldungen über erneute Festnahmen. Kadyrow hatte kürzlich in einem Interview mit HBO die Verfolgung und gar Existenz Homosexueller in Tschetschenien erneut abgestritten: "Wir haben keine Schwulen (…) Um unser Blut zu reinigen: Wenn es hier irgendwelche gibt, nehmt sie" (queer.de berichtete).

Deutsche Kontakte von Kadyrows Bodyguard offenbar Behörden bekannt

Mehrere europäische Länder hatten in Kontakt mit russischen Organisationen und nach ausführlichen Gesprächen in den jeweiligen Botschaften einigen Betroffenen der außergesetzlichen Verschleppungen ein "humanitäres Visum" erteilt. Die Menschenrechtsorganisationen halten die Weitervermittlung ins Ausland für ein wichtiges Ziel, weil die Menschen in Russland nicht sicher vor Racheaktionen seien.

Laut einer Antwort der Bundesregierung vom 10. August auf eine Kleine Anfrage des Grünenpolitikers Volker Beck wurden auf diesem Weg bislang aber in Deutschland nur vier Personen aufgenommen. In einer Pressemitteilung betonte Beck vor wenigen Tagen, das Bundeamt für Asyl müsse "besser hinschauen, wenn Tschetschenen Asyl beantragen": Verfolgte des Regimes dürften keine Ablehnung erhalten, Beteiligte an den Taten hingegen kein Asyl. "Klarheit im Umgang mit Kadyrow schuldet Deutschland nicht zuletzt seinen Opfern. Zu ihrem Schutz muss deutlich mehr getan werden."

Direktlink | In eine Notunterkunft des LGBT Network in Moskau geflüchtete Schwule aus Tschetschenien im Gespräch mit "France 24"

Beck hatte in seiner Anfrage auch mehrere Fragen zu Anhängern des Regimes gestellt. "Die Bundesregierung redet die Aktivitäten der Kadyrow-Anhänger in Deutschland klein", kommentierte Beck die Antworten (PDF). "Es darf nicht sein, dass Deutschland zum Tummelplatz für Propagandisten eines menschenverachtenden Regimes wird. Derlei Machenschaften müssen engmaschig überwacht werden, damit die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden können: Wer Hass predigt, gehört vor die Richterbank."

Zur Frage, wer in Deutschland "propagandistisch oder anderweitig für die tschetschenische Regierung tätig" werde, hatte die Bundesregierung unter anderem geantwortet: "Von den in Deutschland aufhältigen russischen Staatsangehörigen aus Tschetschenien treten nur vereinzelt Personen offiziell im Auftrag des Oberhaupts der Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadywrow, auf, wie die Führungsperson einer tschetschenischen Gruppierung im Raum Hamburg/Kiel, der als Vertreter Kadyrows in Deutschland agiert."

 Update  20.50h: COC Nederland fordert Einschreiten der Behörden

Die LGBTI-Organisation COC Nederland berichtet am Abend, sie habe mit anderen Organisationen deutsche und niederländische Behörden aufgefordert, das Visum Vismuradows zu widerrufen. Auch habe man Außenminister Bert Koenders aufgefordet, auf EU-Ebene mehr gegen den Mann, gegen den kein Haftbefehl vorliegen würde, zu unternehmen und zu prüfen, ob er wegen der Verletzung von Menschenrechten von LGBTI festgenommen werden könne.

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#1 MaßnahmenAnonym
  • 02.09.2017, 15:21h
  • Sein Freund und Beschützer(?) Da wird es einem übel.
    Wohl eher Verbrecher-Kumpane!

    Er ist also abgebildet auf dem Foto. Wunderbar, dann wissen alle wie er aussieht, und er kann gefasst werden.
    Beweise - ich weiß.
    Aber wenn es sein ''Beschützer'' ist, hat er sich mitschuldig gemacht, weil er Kadyrow deckt.

    Es müssen endlich Maßnahmen ergriffen werden, um dieses Verbrechen vor Gericht zu bringen.

    Die lächeln alle zu sicher in die Kamera.
    Wer ein Verbrechen begeht, darf sich nicht sicher fühlen, sondern da muss es Konsequenzen geben.
    Für solche Fälle müssen internationale Gesetze wirken.

    Das muss geschaffen werden.
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#2 SebiAnonym
#3 Tommy0607Profil
  • 02.09.2017, 17:44hEtzbach
  • Warum darf DER überhaupt nach Europa einreisen ? So ein Verbrecher gehört wo anders hin ; nämlich hinter "Schwedische Gardinen " !
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#4 PierrreAnonym
  • 02.09.2017, 18:28h
  • Komisch, dass dieselben Leute, die immer wieder den "degenerierten Westen" kritisieren, sich hier so gerne aufhalten...
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#5 _LM_Anonym
  • 02.09.2017, 19:31h
  • Hat der eigentlich diplomatische Immunität? Wenn nein, wäre es (vielleicht durch eines der Opfer?) möglich, Strafanzeige zu stellen und ihn festsetzen zu lassen?
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#6 Patroklos
#7 Markusbln11Anonym
  • 03.09.2017, 00:05h
  • Peter Thatchell hat einst Robert Mugabe in London arretiert wg verbrechen gegen die Menschlichkeit.

    Vielleicht taucht auch hier noch ein Feelancer auf. Man kann nie sicher sein.
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#8 Robert FriedmannAnonym
  • 03.09.2017, 11:38h
  • Antwort auf #3 von Tommy0607
  • Naja, es ist ein "mutmaßlicher" Verbrecher.

    Anzeigen gegen ihn gibt's anscheinend nirgendwo, weder in Russland, noch sonstwo.

    de.wikipedia.org/wiki/Pressekodex

    Da kann man sich noch so anstrengen, aber wenn die Opfer nicht bereit sind, gegen die Täter vorzugehen, auch juristisch, dann ist das eben schwer.

    Wie man sehen kann sind pseudostaatlich-tschetschenische Gruppen tatsächlich international mobil und vernetzt:

    www.youtube.com/watch?v=tK0cJyU8RyU

    Das ist bestimmt auch lustig für Asylbewerber aus Tschetschenien, wenn sie solche Sachen in der Einkaufsstrasse dann mal sehen.

    Ganz ähnliche Probleme gibt es mit dem afrikanischen Land Eritreia seit vielen Jahren: Eritrea baut mitten in Europa staatliche Strukturen auf, um Flüchtlinge und Asylbewerber aus dem eigenen Land zu kontrollieren, auszuspionieren und zur Kasse zu bitten.

    Das funktioniert, dan konnte noch nichts gegen getan werden. Easyjet und Ryanair machens möglich.
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#9 hugo1970Profil
  • 08.09.2017, 20:35hPyrbaum
  • Solchen monstern in Menschengestalt wünsch ich nur eines, dass sie in aller Ewigkeit dasselbe durchleben, was sie hier unschuldigen Menschen antun.
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#10 hugo1970Profil
  • 08.09.2017, 20:37hPyrbaum
  • Antwort auf #1 von Maßnahmen
  • "Für solche Fälle müssen internationale Gesetze wirken."

    Was für internationale Gesetze den? Die UNO ist doch voll mit sollchen verbrecherischen staaten. Zuerst muß die UNO konsequent von solchem Müll gesäubert werden!!!
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