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Gegen moralische Rigorosität

Patsy, Butler, Schwarzer: Raus aus der Binnenperspektive!

Das Sammelband "Beißreflexe" von Patsy l'Amour laLove gipfelte in einem Feuilleton-Battle zwischen Alice Schwarzer und Judith Butler, der an Monty Python erinnert.


"Judäische Volksfront" versus "Volksfront von Judäa": In seinem Film "Das Leben des Brian" hat Monty Pyhton schon 1979 Zerwürfnisse innerhalb sozialer Bewegungen auf die Schippe genommen (Bild: BBC)

Der von Patsy l'Amour laLove herausgegebene Sammelband "Beißreflexe" ist eines der meistverkauften queeren Sachbücher der letzten Jahre. Der Berliner Querverlag muss bereits die fünfte Auflage drucken lassen. Das Buch hat einen Nerv getroffen, und die Reaktionen kochten hoch. Euphorie und aggressive Ablehnung schlugen den Autor_innen des Sammelbands entgegen.

Sehr verkürzt dargestellt, handelt es sich bei dem Band um eine Abrechnung mit den Auswüchsen der von Judith Butler maßgeblich geprägten Queer-Theorie. Die zum Teil sehr kurzen und manchmal mit sehr spitzer Feder verfassten Beiträge bemängeln queere Sprechverbote, eine fehlende Auseinandersetzung mit dem Islam, latenten bis offenen Antisemitismus und einen moralischen Rigorismus, der in eine religiöse Introvertiertheit kippe. Wenn man von einzelnen (nicht nur sprachlichen) Entgleisungen absieht – wozu leider auch der in der "Emma" abgedruckte Beitrag gehört – so benennen die Autor_innen tatsächlich bedenkenswerte Aspekte heutiger queerer Theorie und Praxis.

Judith Butler gegen Alice Schwarzer

Die Philosophin Judith Butler antwortete in der "Zeit" zusammen mit der deutschen Queertheoretikerin Sabine Hark auf den Abdruck des Beitrags von Vojin Saša Vukadinovic in der "Emma". Butler und Hark kritisieren unter der Überschrift "Die Verleumdung" zu Recht den polemischen Stil und seine schablonenhafte Generalabrechnung mit den Queer und Gender Studies und holen dann zum Schlag aus, der sich auf den gesamten Sammelband bezieht: "Um der Zuschaustellung eigener moralischer Überlegenheit willen bedienen sich die Autoren einer Strategie, die – mit für den gesellschaftlichen Zusammenhang fatalen Folgen – zu Prozessen der Entsolidarisierung beiträgt."

Doch Butler/Hark legen nach und greifen die "Emma" direkt an, indem sie ihr vorwerfen, einen Identitäts-Feminismus vor Augen zu haben, "der kein Problem mit Rassismus hat." Damit spielen sie auf die in ihren Augen rassistische Interpretation der Kölner Silvesternacht durch die Frauenzeitschrift an. "Emma" und "Beißreflexe" würden in einer "narzistischen Verkennung" gesellschaftliche Realitäten negieren.

Harter Tobak, auf den die Antwort der "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer folgte. Sie wehrte sich unter der Schlagzeile "Der Rufmord" gegen den Rassismusvorwurf und konterte, dass man Rassismus nicht gegen Sexismus und Homophobie ausspielen dürfe und man die Männlichkeitsbilder und Gewalt von muslimischen Flüchtlingen benennen müsse. Dies zu verkennen wie angeblich Butler und Hark, wäre wiederum rassistisch, da es alle Muslime in eine "Zwangsgemeinschaft mit diesen entwurzelten, fanatisierten Männern" nehme. Schwarzer spricht weiter von "sektiererischen Butlerschen Denkkonstrukten" und garniert dies mit dem antiintellektuellen Ressentiment der "Berufs-Denkerin". Kurzum: eine Schlammschlacht.

Was hat das mit uns zu tun?


Unser Autor Bodo Niendel ist Referent für Queer-Politik der Bundestagsfraktion Die Linke (Bild: privat)

Sehr viel. Die Debatte zwischen der Feministin Alice Schwarzer und der Hebamme der Queer-Theorie Judith Butler, die sich gleichwohl ebenfalls als Feministin versteht, steht Synonym für die Auseinandersetzungen innerhalb der LGBTI-Community. Der seit Jahrzehnten quälende und mal mehr und mal weniger auflodernde Streit zwischen einer Bürgerrechtspolitik und einer grundsätzlichen Gesellschaftskritik prägte unsere lockere Gemeinschaft. Es geht um Identität und Handlung.

Ob Feminismus oder lesbisch-schwule Bürgerrechtspolitik – beide Ansätze gehen von einer "Single Issue"-Politik aus, so die linken Kritik_innen. Der "Single Issue"-Vorwurf bedeutet, dass man nur seine eigenen Probleme wahrnähme und sich im politischen Raum nur auf eine Politik um rechtliche und juristische Anerkennung bemühe. Butler führte dazu in einem "Zeit"-Interview aus: "Ich verstehe nicht, wieso Lesben und Schwule sich für die Ehe für alle so verkämpft haben."

Der Bürgerrechtspolitik-Vorwurf impliziert neben der Verkürzung auf Rechtspolitik ein klassenpolitisches Engagement für die privilegierten Bürger. Doch dieser Vorwurf greift zu kurz. So unterschied Karl Marx den Bürger zwischen dem Bourgeois und dem Citoyen. Der Bürger bzw. Bourgeois ist durch den mittelbaren Besitz an Produktionsmitteln gekennzeichnet (er verfügt damit über Kapital) und der Staatsbürger bzw. Citoyen durch seine Zugehörigkeit zum Nationalstaat.

Wenn nun der LSVD für die Ehe für alle streitet, wie zuvor für die Lebenspartnerschaft, dann geht es eben auch darum, ob in einer binationalen Partnerschaft der Partner ein Bleiberecht hat oder nicht. Wenn die Bundesvereinigung Trans* für ein neues, rechtlich den Menschenrechten angepasstes Transsexuellengesetz streitet, dann ist dies ein Kampf um gleiche Rechte als Staatsbürger, eben ein Kampf um Staatsbürgerlichkeit. Es geht um die Rechte als Citoyen. Allein diese Beispiele zeugen davon, dass juristische Kämpfe oder Kämpfe um das Recht eben auch grundsätzliche Kämpfe um die Zugehörigkeit zur Gesellschaft sind. Der Vorwurf der "Bürgerlichkeit" verkennt dies.

Beide Ansätze waren erfolgreich

Dennoch hat der Queer-Ansatz große Verdienste. Auch wenn Butler im "Zeit"-Interview von den weiterhin hohen Verkaufszahlen ihres Buchs "Gender-Trouble" schwärmt, so dürfte sich das Verständnis über die philosophischen Auseinandersetzungen mit Lacan, Althusser, Heidegger und Derrida bei den meisten Lesern doch sehr in Grenzen halten. Aber, und dies ist das Entscheidende, der Queer-Ansatz hat sich an den Universitäten verankert und Brücken zu anderen Fachdisziplinen geschlagen. Denn er hat die natürliche Vorstellung von Geschlecht hinterfragt und die damit scheinbar einzige Möglichkeit der Heterosexualität der westlichen Kultur infrage gestellt.

Queere Politiken haben Bündnisse ermöglicht. Seitdem werden vermehrt die Gemeinsamkeiten von lesbischen, schwulen, inter- und transgeschlechtlichen Politiken gesucht. Queer war für die Wissenschaftslandschaft, aber auch für die Politik der Community, ein Paradigmenwechsel.

Allerdings hat der Queer-Ansatz nur eine bestimmte Reichweite zur Erklärung von Gesellschaft. Er ist aus meiner Sicht nicht vergleichbar mit großen Theorienentwürfen, wie sie etwa die Systemtheorie Luhmanns, die Machttheorie Michel Foucaults, die Kritische Theorie Theordor W. Adornos oder die Gesellschaftskritik von Karl Marx bieten. Ich unterstelle: Im Wissen um die eigene Begrenztheit des Ansatzes flüchtete sich Judith Butler in ethische Positionen, und Aktivist_innen, die ihr folgten, forcierten eine Politik der moralischen Rigorosität.

Wenn Politik sektiererische Züge bekommt

Hier kam es zu etlichen Verirrungen. Die Fokussierung auf Rassismus scheint dabei zu einer Art neuem Hauptwiderspruch zu werden. Migranten sollen eine Art revolutionäres Subjekt sein, so wie es der frühe Marx für das Proletariat vorsah. Butlers Engagement für die Gruppe "Boycott, Divestment and Sanctions" (BDS) steht hierbei besonders in der Kritik, eine Gruppe die unbedingt Waren aus Israel boykottieren möchte. Die jüdische Philosophin Butler sieht nicht, dass solche Politiken nicht nur in Deutschland auf einen fruchtbaren Boden des Antisemitismus stoßen ("Kauft nicht bei Juden."). Israelkritik ist nicht nur in Deutschland eben häufig die andere Seite der Medaille des Antisemitismus.

Wenn queere Aktivist_innen wie der Kreuzberger CSD dies in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung von "Pinkwashing" nachahmen, so reproduzieren sie dies. Wenn problematische Männlichkeiten und auch Gewalt von Muslimen dethematisiert werden, so macht man sich unglaubwürdig. Man muss die sozialen Ursachen benennen. Rassismus ist es erst dann, wenn man dies naturalisiert. Politik wird hier mit Moral verwechselt und kippt tatsächlich in sektiererische Züge.

Dies hat der Sammelband von Patsy l'Amour laLove zu Recht hervorgehoben. Doch die Autor_innen kippen das Kind mit dem Bade aus. Sie gehen nicht auf die Errungenschaften der Queer-Theorie ein und verharren in einer Binnensicht, die sie eigentlich ihren Kontrahentinnen vorwerfen.

Die Debatten werden nicht mehr verstanden


Auslöser der Debatte: Vom Buch "Beißreflexe" ist bereits die fünfte Auflage erschienen

Die derzeitige Auseinandersetzung kommt angesichts des globalen Rechtsrucks zur Unzeit und verharrt auf beiden Seiten in einer Binnenperspektive. Diese Debatten versteht draußen in der Welt kaum ein Mensch und sie hat Slapstick-Charakter. Man erinnere sich an Monty Pythons "Leben des Brian" und den Streit zwischen der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa.

"Bürgerliche" queere Politikansätze haben gerade in jüngster Zeit große Erfolge gefeiert. Die Ehe für alle und die Rehabilitierung und Entschädigung der Verfolgten nach Paragraf 175 waren mehr als ein Punktsieg, und dies hilft ganz konkret Menschen. Auch bürgerliche Politik hat über den Horizont geschaut. Das Engagement für Geflüchtete in der sogenannten Flüchtlingskrise, das Engagement gegen die Pegida-Demonstrationen und ihre Ableger wurde eben auch von vielen "Bürgerlichen" des LSVD mitgetragen.

Es stimmt, wir müssen bei einigen Themen, wie zum Beispiel Rassismus, genauer hinschauen und sensibler werden. Aber immer und stets alle möglichen Unterdrückungsverhältnisse gleichzeitig anzugehen, wie es der von queeren Aktivist_innen favorisierte Intersektionalitäts-Ansatz nahelegt, ist eine komplette Überforderung und kippt in die von Patsy l'Amour laLove benannte moralische Rigorisität des Einzelnen mit religiösen Zügen. Politik ist meist interessensgeleitet, und dies ist nicht per se falsch.

Erfolge müssen gemeinsam verteidigt werden

Vor dem drohenden Einzug einer rechtspopulistischen Partei in den Deutschen Bundestag, mit starken rassistischen und antisemitischen Zügen, und mit dem von ihr vorgetragenem Angriff auf unsere Grundrechte, können wir uns diese Binnenperspektive nicht leisten. Die neue extreme Rechte im Mantel des Rechtspopulismus hat das Zeug, die Demokratie zu gefährden. Selbst wenn sie keine Mehrheiten erlangt, verändert sie die Politiken und hat Einfluss auf andere Parteien. So nahm die CSU bereits den Kampf gegen "Frühsexualisierung" in ihr Wahlprogramm auf und propagiert damit offen Diskriminierung. Wie seit Jahrzehnten nicht mehr bläst uns der Wind ins Gesicht. Die gerade errungenen Erfolge könnten von kurzer Dauer sein.

Ich habe hier vieles nur angedeutet, was eigener Essays bedürfte, aber es geht um einen notwendigen Perspektivwechsel der queeren Bewegung, der die Gesellschaft wieder in den Blick nimmt. Im Rahmen dieser Demokratie haben viele von uns in harten zivilgesellschaftlichen und rechtlichen Auseinandersetzungen Rechte errungen. Viele Rechte gilt es noch weiter zu erstreiten: ein neues Transsexuellengesetz, keine Operationen an intersexuellen Kindern, ein Recht auf eine diskriminierungsfreie Schule und Kita und vieles mehr. Aber dies müssen wir wieder lernen, auch in einfachen Worten zu erklären und zu vermitteln – Fachtermina wie LSBTTIQ* sind dabei nicht immer hilfreich.

Es geht darum, dass eine offene und liberale Gesellschaft mehr Rechte und Möglichkeiten für alle Menschen bedeutet. Ein "reiner" Bürgerrechts-/Identitätsansatz oder ein "reiner" Queer-Ansatz hilft uns nicht weiter. Wir sollten Unterschiede in den Politiken akzeptieren und für ein mehr an Demokratie, an Bürgerrechten und gerade auch an sozialer Teilhabe für alle streiten. Den Rechtsruck bekommen wir nur in Bündnissen mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und einer Offenheit in der Unterschiedlichkeit zurückgedrängt. Es geht um viel.



#1 JustusAnonym
  • 02.09.2017, 18:04h
  • Ich muss mich dem Buch und der darin vielfach geäußerten Kritik anschließen.

    Die Gender-Forschung und die Queer-Theorie haben ganz ohne Zweifel wichtiges geleistet!! Aber sie sind gerade dabei, dieses Geleistete wieder zu zerstören, indem sie sich selbst demontieren.

    Wie immer, wenn Menschen sich sehr intensiv mit nur einem Themengebiet beschäftigen, verlieren sie irgendwann den berühmten Blick über den Tellerrand und sind in einem akademischen Elfenbeinturm gefangen, der den Bezug zur Realität verloren hat.

    Nur mal ein Beispiel:
    es gibt ja immer wieder neue Vorschläge, eine angeblich diskriminierende Sprache durch Binnen-Is, Gender-Sternchen, etc. "gendergerecht" zu machen. Aber ob jemand Frauen, Homosexuelle, Transmenschen, etc. als gleichwertig ansieht oder nicht, zeigt sich (solange man keine Schimpfwörter benutzt) nicht daran, ob jemand Gendersternchen & Co benutzt, sondern daran, wie die Leute im Kopf denken.

    Was bringt es, wenn z.B. ein Unternehmen aufgrund einer political correctness in jedem Schriftstück Gendersternchen einsetzt, aber Frauen nach wie vor für dieselbe Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer oder irgendwo die glass ceiling in der Karriereleiter ist, die Frauen nicht weiter aufsteigen lässt?!

    Und der neuste Clou ist die Idee, dass man alle Wortendungen, die irgendwie auf ein Geschlecht hinweisen können, durch ein "X" ersetzt, also z.B. ist man nicht mehr Professorin oder Professor, sondern ProfX. Hier hat mal ein Linguist das schöne Beispiel gebracht, dass man dann z.B. auch nicht mehr "Meine neue Ärztin" oder "Mein neuer Arzt" sagen darf, sondern "MeinX neuX XrztX" (alle Endungen entfernt und auch das A oder Ä, das ja auch geschlechtsanzeigend ist).

    Wer soll so schreiben oder sprechen?

    Mit solchen lächerlichen Forderungen, die kein normal denkender Mensch je umsetzen wird, macht man dann berechtigte Forderungen genauso lächerlich. Denn wer ernsthaft sowas fordert, wird dann natürlich auch nicht mehr beachtet, wenn es um wirkliche echte Diskriminierungen geht wie z.B. ungleiche Bezahlung, verhinderte Karrierechancen, abgelehnte Bewerbungen, etc.

    Manchmal hat man das Gefühl, dass die Leute, die sowas fordern, absichtlich davon ablenken wollen, dass sie dort, wo es echte Diskriminierungen gibt, absolut untätig sind.

    Ja, es gibt viel zu viel Diskriminierung, aber die beseitigt man nicht mit einer Sprachpolizei, die völlig praxisfremde Ideen hat.
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#2 PierreAnonym
  • 02.09.2017, 18:26h
  • "[...] bemängeln queere Sprechverbote, eine fehlende Auseinandersetzung mit dem Islam, latenten bis offenen Antisemitismus und einen moralischen Rigorismus, der in eine religiöse Introvertiertheit kippe. "

    Ja, das sehe ich leider auch oft.

    Es gibt eine Gruppe LGBTI, die selbst auch kein bisschen weniger fanatisch sind als irgendwelche Homohasser oder Religioten.

    Das sieht man z.B. daran, dass dasselbe, was bei Katholen (zu Recht) kritisiert wird, dann z.B. bei Migranten nicht kritisiert werden darf, ohne dass man gleich in die rechte Ecke gestellt wird.

    Dieselben Leute, die bei der geringsten Hetze von Katholen (zu Recht) sich in ihren Forderungen überschlagen, sind plötzlich ganz still, wenn dieselbe Hetze aus einer anderen Ecke kommt. Dieses Messen mit zweierlei Maß und dieser Kulturrelativismus macht deren Positionen nicht nur lächerlich, sondern auch die Rechten stark.

    Wenn Migranten gewalttätig werden oder hetzen, muss das genauso kritikfähig sein und genauso hart bestraft werden, wie bei Nicht-Migranten. Es gibt nun mal auch unter Migranten Arschlöcher, Hetzer, Gewaltbereite Fanatiker, etc. Das zu verharmlosen spielt nur den Rechten in die Hände und schadet letztlich auch der Mehrheit (!!!) der friedlichen und intergationsbereiten Migranten.

    Und bei manchen sehr Linken geht die Sympathie für manche Zuwanderergruppen schon so weit, dass sie deren Antisemitismus übernehmen und letztlich nicht weniger antisemitisch sind als die extreme Rechte.

    Fakt ist:
    Wir alle müssen und wollen friedlich zusammen leben. Unabhängig von Hautfarbe, Religion, Ethnie, etc. Aber dazu gehört auch, dass diejenigen, die zu diesem freidlichen Zusammenleben nicht bereit sind, nicht Teil der Gesellschaft sein können und muss dann eben ausgewiesen werden.

    Oder wie der muslimische (!) Bürgermeister von Rotterdam mal sagte: "Wer zum Hetzen oder für Gewalt hierherkommt, kann gleich wieder gehen. Dem helfe ich persönlich beim Kofferpacken."

    Ja, das gibt es auch unter Nicht-Migranten, aber dafür muss man das Problem nicht noch größer machen, indem man sich noch mehr solches Gedankengut hierherholt.

    Gerade auch zum Schutz der intergrationsbereiten Migranten, die sich hier absolut korrekt verhalten und wo auch niemand was dagegen hat, wenn die ihre Bräuche pflegen, ihre Sprache pflegen, etc.

    Und genauso wie ich jederzeit jeden Migraten vor deutschen Nazis verteidigen würde, erwarte ich auch von jedem Migranten, dass er uns genauso vor jedem Fanatiker seines Kulturkreises schützt und sich von denen distanziert.
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#3 la_passanteAnonym
  • 02.09.2017, 20:25h
  • Patsys reaktionärer Schwenk ist sehr bedauerlich, und mir unerklärlich (ich hab sie vor ein paar Jahren noch ganz anders erlebrt). Zu Schwarzers Bunkermentalität paßt das ganz gut. Aber was hat Judith Butler in solchen Niederungen verloren? Die hat doch ein völlig anderes Niveau.
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#4 Hantewi
#5 SoziologeAnonym
  • 02.09.2017, 21:16h
  • Ich habe Soziologie studiert und promoviere jetzt. Und jetzt höre ich von Studenten bzgl. Lehrveranstaltungen in Gender Studies dasselbe, was ich auch in meinem Studium immer wieder von Kommilitoninnen und Kommilitonen gehört habe:

    "Schon wieder Gender-Kacke".

    Das liegt nicht etwa daran, dass die sexistisch, homophob, o.ä. sind. Gerade Studierende der Soziologie sind da extrem fortschrittlich und das Wort "Gender-Kacke" hört man von Männern wie Frauen, egal ob schwul, lesbisch, hetero, bi, trans.

    Das liegt einfach daran, dass sich dieser Bereich immer mehr verselbständigt hat und heute nicht mehr Forschung über reale Ungerechtigkeit betreibt, sondern immer mehr zum selbstverliebten Kampf gegen "das Establishment" wird.

    Das ist sehr schade, weil man damit die immer noch bestehenden Diskriminierungen nicht nur in den Hintergrund treten lässt, sondern dem Kampf gegen wirkliche Diskriminierung schadet.

    Manche sind bereits so sehr in ihrer Ideologie fanatisiert, dass es ihnen gar nicht mehr um die Sache geht, sondern nur noch darum, ihren Kampf zu gewinnen und ihre Ideologie, die oft jeglichen Realitätsbezug verloren hat, durchzudrücken.

    Die Soziologie-Studis, die von "Gender-Kacke" reden, wollen nicht Frauen oder LGBTI diskriminieren. Sie wollen nur nicht diesen ganzen ideologischen Popanz mit Denkverboten, albernen Sprachregelungen, Betroffenheitsminen, Kampfbegriffen, etc.

    Sie wollen nicht, dass jeder, der mal einen schwulen Witz macht (mache ich selbst auch oft genug und es gab auch mal auf queer.de eine entsprechende Rubrik) gleich als homophob tituliert wird ohne erst mal zu gucken, ob der wirklich homophob ist. Oder dass jeder, der in seiner Hausarbeit nicht auf jeder Seite zig Gender-Sternchen, etc. hat, gleich als Sexist tituliert wird - selbst wenn es eine Studentin ist. Etc.

    Die Gender-Studies und Queer-Studies führen sich selbst mit ihrem selbstverliebten, überlegenen Gehabe ad absurdum und verschrecken Menschen, statt sie auf unsere Seite zu ziehen.
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#6 SoziologeAnonym
  • 02.09.2017, 21:22h
  • Antwort auf #3 von la_passante
  • Die ist nicht reaktionär geworden, sondern die benennt einfach die Probleme der heutigen Gender-Studies und Queer-Studies, womit sich irgendwelche Leute, denen es nicht um die Sache, sondern nur ums Kämpfen geht, profilieren wollen.

    Hätten die dieses Thema nicht, würden die eine andere Sau durchs Dorf treiben, weil es einfach Menschen gibt, die nur glücklich sind, wenn sie widersprechen können und die aus Prinzip gegen alles sind.

    Und diese Leute schaden der Gleichstellung von Frauen und LGBTI, indem sie die eigentlich so wichtigen Gender-Studies und Queer-Studies zum Spielplatz ihrer Eitelkeiten machen.

    Wer z.B. Leuten Schreibweisen vorschreiben will, die nicht nur beim Schreiben lästig sind, sondern auch das Lesen verkomplizieren, verkennt nicht nur, dass sich Verkomplizierungen niemals durchsetzen werden, sondern auch, dass man damit Leute, die eigentlich FÜR die Gleichberechtigung von Frauen und LGBTI sind, verschreckt oder gar vertreibt.
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#7 IsaakAnonym
#8 AchsoAnonym
  • 02.09.2017, 22:10h
  • "So nahm die CSU bereits den Kampf gegen "Frühsexualisierung" in ihr Wahlprogramm auf und propagiert damit offen Diskriminierung."

    Sicher nur ein "bedauernswerter Einzelfall", schließlich haben EIN VIERTEL der Unionsabgeordneten die Ehe geöffnet!
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#9 Paulus46Anonym
  • 03.09.2017, 00:43h
  • Antwort auf #8 von Achso
  • DANKE an Alice Schwarzer für Ihr Lebenswerk, Sie ist eine IKONE der deutschen Feminismusbewegung.

    Und es ist eine Unverschätmheit und bodenlose Frechheit, wenn Butler/Harke Frau Schwarzer und EMMA Rassismus unterstellen. Das ist jawohl das ALLERLETZTE !!!

    Wer Frau Schwarzer Rassismus unterstellt, dem ist nicht mehr zu helfen....
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#10 TraumzerstörerinAnonym
  • 03.09.2017, 08:03h
  • Antwort auf #6 von Soziologe
  • ""Schon wieder Gender-Kacke". "

    Dumme Studenten, haben sich wohl zu viel auf neurechten Internetseiten herumgetrieben, oder die falschen Freunde. Lustiger weise kenne ich das Wort Genderkacke aus einem ganz anderen Kontext, aus der Intersexbewegung und da wurde es vor einigen Jahren nicht so verwendet wie von diesen Studenten, sondern umgekehrt, als Kritik an starren Geschlechterrollenvorstellungen.

    "Das liegt einfach daran, dass sich dieser Bereich immer mehr verselbständigt hat und heute nicht mehr Forschung über reale Ungerechtigkeit betreibt, sondern immer mehr zum selbstverliebten Kampf gegen "das Establishment" wird. "

    Ja woher kommt denn die Ungerechtigkeit? ;)

    "dass es ihnen gar nicht mehr um die Sache geht, sondern nur noch darum, ihren Kampf zu gewinnen und ihre Ideologie, die oft jeglichen Realitätsbezug verloren hat, durchzudrücken "

    Das ist ganz normal, diverse Kämpfe auf dieser Welt wurden mit irrationalen Argumenten geführt, das ist aber für den Ausgang und die Auswirkung des Sieges völlig egal.
    z.B. könnte man nachweisen, dass Frauen im Durchschnitt körperlich schwächer sind, kleiner, weniger psychische Belastungen aushalten. Und daran könnte man dann ganz einfach eine Kritik gegen die Gleichberechtigung am Arbeitsplatz oder ein Berufsverbot für Frauen rechtfertigen. Ist das aber wünschenswert? Nein. Also scheiß doch darauf, ob alles wissenschaftlich korrekt ist. Wenn es danach ginge, müssten wir Männer auch härter bestrafen, länger inhaftieren oder gleich abtreiben, weil sie statistisch so gewalttätig sind. Das ist doch keine Basis, auf der man eine Gesellschaft aufbauen kann, oder? Sämtliche Argumente die man heute noch für die Gleichberechtigung von Homosexuellen, Transgendern oder anderen queeren Menschen anführt, sind wage, nicht belegbar wie Theorien von Hormonen im Mutterleib oder nicht nachgewiesenen Genen, die irgendeinen Evolutionären Vorteil bringen sollen. Wenn es danach ginge, können wir alle einpacken und uns dem Establishment ergeben, denn wir haben höhere Selbstmordraten, sind psychisch weniger belastbar, nehmen mehr Drogen, haben öfters HIV usw.
    Da hilft nur Ungleiches gleich zu machen, auch wenn das manche Menschen rasend vor Wut macht, das ist der einzige Weg, damit diese negativen Folgen eines Lebens als drittklassiger Mensch überhaupt verschwinden können.

    "Wer z.B. Leuten Schreibweisen vorschreiben will, die nicht nur beim Schreiben lästig sind, sondern auch das Lesen verkomplizieren, verkennt nicht nur, dass sich Verkomplizierungen niemals durchsetzen werden, sondern auch, dass man damit Leute, die eigentlich FÜR die Gleichberechtigung von Frauen und LGBTI sind, verschreckt oder gar vertreibt. "

    Also wer sein Arrangement oder seine positive Einstellung wegen Rechtschreibangelegenheiten in den Sand wirft, der ist nicht zu bemitleiden und zu verstehen, sondern einfach nur blöd. Außerdem hat er oder sie es wohl niemals ernst gemeint.

    Die Sprache in diesem Land hat sich immer wieder mal verändert, das muss ich hinnehmen, und dann lerne ich halt Innen oder X zu schreiben, wenn es von offizieller Stelle so verordnet werden sollte, so flexibel bin ich. Daran wird mein Leben nicht zerbrechen, auch wen ich mich dran gewöhnen muss.
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