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Kinostart des Teddy-Gewinners

"Mein Film ist in jeder Hinsicht 'trans' – und gegen Labels"

Der chilenische Regisseur Sebastián Lelio über sein Drama "Eine fantastische Frau – Una mujer fantástica", das am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt.


Die transsexuelle Schauspielerin Daniela Vega spielt in "Eine fantastische Frau" die transsexuelle Kellnerin Marina, deren Lebenspartner überraschend stirbt (Bild: Piffl Medien)

Bei der diesjährigen Berlinale gewann "Eine fantastische Frau – Una mujer fantástica" den queeren Teddy Award als bester Spielfilm und gleichzeitig einen silbernen Bären. Am 7. September startet das Drama des chilenischen Regisseurs Sebastián Lelio in den deutschen Kinos, sogar in einer Synchronfassung.

"Eine fantastische Frau" handelt von der transsexuellen Kellnerin Marina, die nach dem plötzlichen Tod ihres älteren Lebenspartners Orlando um ihr Recht auf Liebe und Trauer kämpfen muss. Denn dessen Noch-Ehefrau schließt sie kurzerhand von der Beerdigung aus, auch die gemeinsame Wohnung soll sie möglichst rasch verlassen. Für Marina beginnt ein Kampf, den sie längst hinter sich gelassen glaubte.

Im Interview erklärt Sebastián Lelio, warum er für sein Drama eine transsexuelle Hauptfigur wählte und der transsexuellen Schauspielerin Daniela Vega, die er zunächst als Beraterin konsultierte, die Hauptrolle anbot. (cw)


Regisseur Sebastián Lelio eröffnete 2013 in Berlin das lateinamerikanische Restaurant "Gloria" (Bild: Piffl Medien)

Warum war es Ihnen wichtig, dass Marina, die Hauptfigur Ihres Films, transsexuell ist?

Weil alles, was der Hauptfigur passiert, dadurch verstärkt wird. Ihre Einsamkeit genauso wie ihre emotionale Kraft. Die Tatsache, dass Marina transsexuell ist, verändert die Geschichte, macht sie bewegender, intensiver. Natürlich habe ich mich bereits zu einem frühen Zeitpunkt, noch weit vor der Drehbuchphase, mit Transsexuellen getroffen. Schließlich erzählte mir jemand von Daniela Vega, einer jungen Schauspielerin und Sängerin. Zunächst habe ich sie ausschließlich als Beraterin in Erwägung gezogen. Als ich sie dann zum ersten Mal sah, war ich hin- und weg von ihrer Präsenz und ihrer Anmut.

Wir haben stundenlang geredet, ich war wirklich überwältigt. Letztendlich war ich mir erst nach dieser Begegnung sicher, dass ich diesen Film wirklich machen wollte, und zwar mit einem realen Charakter: Ich wusste auch, dass ich den Film nur mit einer transsexuellen Schauspielerin drehen würde oder eben gar nicht. Wahrscheinlich hatte ich Daniela damals bereits im Hinterkopf, aber es war zu früh, um mir das selbst einzugestehen. Also haben wir uns erst einmal weiter per Skype ausgetauscht, monatelang. Ich lebte damals in Berlin, sie in Santiago. Währenddessen schrieb ich am Drehbuch, und wir redeten und redeten, ich habe ihr viele Fragen gestellt.

Daniela Vega hat viel über Diskriminierungen gesprochen, über die Spannungen und Aggressionen in unterschiedlichen Situationen. Sie hat auch darüber gesprochen, wie sich Gewalt zeigt: ganz direkt oder auch subtil und wie sich Menschen dazu verhalten. Das alles ist, neben tausend anderen Dingen, ins Drehbuch eingeflossen.

Wann haben Sie endgültig beschlossen, Daniela Vega als Marina zu besetzen?

Unmerklich wurde aus Daniela Marina und aus Marina Daniela. Als ich die erste Fassung des Drehbuchs fertig hatte, wusste ich, dass ich Daniela in der Rolle der Marina wollte. Ich habe ihr dann das Drehbuch geschickt und sie gefragt, ob sie Marina spielen und den Film tragen wolle – sie war vollkommen überrascht. Sie las das Script, ging tanzen und danach sagte sie zu.

Daniela Vega war keine sehr erfahrene Schauspielerin, haben Sie das als Risiko gesehen?

Sie hatte ein paar Rollen am Theater gespielt und auch einen kleineren Film gedreht, und sie ist eine lyrische Sängerin – kurzum: Sie ist eine Künstlerin. Zugleich sehr jung und unerfahren. Das war natürlich eine Herausforderung, für sie und für mich. Denn sie trägt den Film auf ihren Schultern. Dabei geht es um alles oder nichts!


Poster zum Film: startet am 7. September 2017 in deutschen Kinos

Sie ist ja in fast jeder Einstellung zu sehen…

Nur nicht am Anfang, da sieht man erst ihren Geliebten, dann wechselt die Perspektive. Daniela musste Tanzen und Autofahren lernen, sie hatte ein gewaltiges physisches Trainingsprogramm. Sie musste Unterricht für Popgesang nehmen, denn Pop war nicht ihr Metier. Sie ist die Protagonistin, sie tanzt, singt, stemmt sich gegen den Wind, bewältigt einfach alles. Das emotionale Spektrum der Rolle ist enorm – eine große Aufgabe für eine Schauspielerin.

Unter welchen Bedingungen leben Transsexuelle in Chile?

Im Film wird Marina von einer Kommissarin wie eine Kriminelle behandelt. Ein Polizist spricht sie mit männlichem Namen an. Das ist brutal, und es entspricht der Realität. Daniela Vega reist mit einem Pass, in dem ihr männlicher Geburtsname steht. Sie konnte ihren Namen bisher gesetzlich nicht ändern, auch jetzt nicht, wo sie viel in der Welt unterwegs ist und das Land mit diesem Film vertritt.

Sie engagiert sich in vielen Talkshows für die Rechte von Transsexuellen.

Ja, aber ohne einer Organisation anzugehören. Die Zeit war irgendwie reif für diesen Film, er landete in Chile genau in dem Moment, in dem die Gesellschaft sich für etwas Neues zu öffnen schien. "Eine fantastische Frau" wurde sehr gut aufgenommen, hatte viel öffentliche Aufmerksamkeit, das hat mich selbst überrascht. Ich hatte viel mehr Ablehnung und Kontroversen erwartet.

Dabei ist "Eine fantastische Frau" keineswegs ein Debattenfilm…

Diese Ebene wollte ich überwinden. Manchmal sind Thesen-Filme notwendig, aber ich selbst möchte sie nicht machen. Die Hauptfigur meines Films ist transsexuell, und das zwingt den Film dazu, selbst in jeder Hinsicht "trans" zu sein. Man könnte sagen – es ist ein Film mit multipler Identität. Er ist nicht auf irgendetwas reduzierbar, man kann ihm kein Label aufdrücken, ich glaube, er ist ein Film gegen Labels, der Film urteilt nicht über Marina, die Hauptfigur, er hebt sie hervor, er erforscht sie, manchmal feiert er sie.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Eine fantastische Frau – Una mujer fantástica. Drama. Chile 2017. Regie: Sebastián Lelio. Darsteller: Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Verleih: Piffl Medien. Kinostart: 7. September 2017.


#1 HantewiProfil
  • 04.09.2017, 16:01hSan Francisco, Ca.
  • YES! Dieser Film ist in jeder Hinsicht 'trans'!!

    Der erste Film über eine Transfrau weltweit, zu dem es keine Kritik geben kann - außer positive.

    Ich empfehle diesen Film allen, die sich dem Thema 'Transfrauen' annähern wollen.

    Have a nice day
  • Antworten » | Direktlink »
#2 AvispadaAnonym
  • 04.09.2017, 19:23h
  • Woah, endlich!
    Ich suche schon seit der Berlinale online nach dem Film, musste dann aber feststellen, dass er noch nicht mal angelaufen war...
    Ich denke, dass die Perspektive, ihn im Kino sehen zu können, wundervoll ist!
    Leider finde ich dazu nur besch*eidene Infos online. Hat jemand Infos über die Großregion Hamburg?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 schwarzerkater
#4 OrthogonalfrontAnonym
#5 HantewiProfil
  • 04.09.2017, 22:18hSan Francisco, Ca.
  • Antwort auf #4 von Orthogonalfront
  • #1 Hant'éwi:
    "Ich empfehle diesen Film allen, die sich dem Thema 'Transfrauen' annähern wollen."

    "Ich sag mal, ich werde mir den Film anschauen, OBWOHL DU dafür Werbung machst. Das möchte ich mir dadurch nämlich nicht vermiesen lassen."

    DU willst Dich uns Transfrauen annähern...?! *shocked*

    Wuuaaaahhh...bleib' bloß weg...

    ...geh' stattdessen in diesen Film:

    www.youtube.com/watch?v=_goMQolXcbs
  • Antworten » | Direktlink »
#6 OrthogonalfrontAnonym
#7 HantewiProfil
#8 OrthogonalfrontAnonym
#9 HantewiProfil
#10 AvispadaAnonym
  • 05.09.2017, 12:07h
  • Antwort auf #9 von Hantewi
  • "Internet ist weltweit. ;-)"

    Wirklich? Cool. :-D

    Lüneburg... ist ne Stunde von hier. Gebongt!

    Großartig, danke! Freitag oder Sonntag... hmm (dt. Fassung oder OmU) *freu*

    XOXO to San Francisco! :-)

    PS: Ich wäre schon dahintergekommen, aber vielen Dank! :-)
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