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Verliebt in den besten Freund

Kein Coming-out in Borgarfjörður Eystri

Jetzt in der Queerfilmnacht: Das bewegende Jugenddrama "Herzstein" zeigt, dass selbst das tolerante Island kein LGBT-Paradies ist.


"Herzstein" erzählt vom sexuellen Erwachen in einem isländischen Dorf (Bild: Edition Salzgeber)

Island gilt hierzulande als queeres Paradies. Homosexualität wurde schon 1940 entkriminalisiert, Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir war 2009 die erste offen lesbische Regierungschefin der Welt, und ein Drittel der Bevölkerung schaut jedes Jahr beim CSD vorbei. Ein Coming-out im Land der Elfen, Vulkane und Geysire sollte da, könnte man meinen, wirklich kein Problem sein.

Doch Guðmundur Arnar Guðmundssons Film "Herzstein", der in diesem Monat in der Queerfilmnacht läuft, zeigt ein ganz anderes Island. Einen Ort, der vielen Zuschauern sehr vertraut vorkommen dürfte, weil er sie mit auf eine Reise in die eigene Vergangenheit nimmt. In die Zeit, als man sich wünschte, dass Schwanz und Sackhaare schneller wachsen würden, als "schwul" das Schimpfwort Nummer eins war, man andere Jungs niemals zärtlich berühren durfte und man sich ganz sicher war, dass niemand auf der Welt einen versteht.

Keine Worte für die verstörenden Gefühle


Poster zum Film: Thor und Kristján sind beste Freunde

In dem abgelegenen isländischen Fischerdorf Borgarfjörður Eystri sind die beiden Jugendlichen Thor und Kristján unzertrennlich. In ihrer Freundschaft finden sie die Wärme, die ihnen in den eigenen Familien fehlt. Mehr und mehr ahnt Kristján jedoch, dass seine Zuneigung zu Thor noch viel tiefer ist. Seine Gefühle kann er weder akzeptieren noch artikulieren, während im Dorf schon über die "Schwuchtel" gespottet wird. Selbst Thor geht auf Distanz: "Hör auf so seltsam zu sein, dann wird alles gut."

Dass es in "Herzstein" zum unvermeidlichen Suizidversuch kommen wird, ahnt der Zuschauer schon zu Beginn. Darüber hinaus passiert eigentlich nicht viel in dem über zweistündigen Film, der dennoch fesselt mit dem sensiblen Porträt zweier Jugendlicher, die ihre Sexualität und die Bedeutung von Freundschaft entdecken. Der provinziellen Enge der Dorfgemeinschaft stellt Guðmundur Arnar Guðmundsson dabei die Weite der isländischen Natur entgegen, die das Drama in atemberaubenden Einstellungen zeigt.

Völlig zurecht wurde "Herzstein" 2016 beim Filmfestival in Venedig mit dem "Queer Lion" ausgezeichnet (queer.de berichtete). (mize)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Herzstein. Spielfilm. Dänemark/Island 2016. Regie: Guðmundur Arnar Guðmundsson. Darsteller: Baldur Einarsson, Blær Hinriksson, Diljá Valsdóttir, Katla Njálsdóttir. Laufzeit: 129 Minuten. Sprache: isländische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Edition Salzgeber. Im September 2017 in der Queerfilmnacht.
Galerie:
Herzstein
6 Bilder


#1 Homonklin44Profil
  • 07.09.2017, 10:35hTauroa Point
  • Die Schattenseiten der Wirklichkeit werden bei dem ganzen Erfolg, den die Anerkennung von LGBTIQ-Lebensrealitäten heute bekommt, oft verharmlost oder vergessen. Selten will die Geschichten, in denen es mies oder nicht ideal läuft, noch nicht mal irgendwer hören.

    Scheint ein Film zu sein, der auch manche unangenehm erlebte Erinnerung wecken mag.. Die ganzen Dinge, wie sie Heteros als Jugendliche wie selbstverständlich erleben dürfen, das gab es früher nicht. Nur auf die Mampfe, wenn man aus Versehen einen Typ zu lange anblickte, oder die Freude beim Fußballtor einen Ticken zu "schwul" rumgekommen ist. Sogar von solchen Freunden konnte man nur träumen, allein im abgeschlossenen Zimmer.
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#2 AchsoAnonym
  • 07.09.2017, 13:38h
  • Wird bei der "80% sind für die Ehe für alle und die Bundeskanzlerin ist für uns"-community in Deutschland nicht gut ankommen. "Grünlinke" Nestbeschmutzer wahrscheinlich...
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#3 rkng68