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Teil 2 der Deutschland-Tour

"Demo für alle" war auch in Stuttgart nicht willkommen

Der Hass-Bus von Hedwig von Beverfoerde traf nach München auch in Baden-Württemberg auf Widerstand der Szene und Desinteresse von Bürgern.


Ausschnitt aus einem Youtube-Video von "werbrauchtS21" zum Protest am Donnerstag in Stuttgart – queer.de hofft, bei einem der geplanten Stopps der Bustour in NRW das Geschehen selbst abdecken zu können

Auch bei ihrem zweiten Stopp fand die Bus-Tour des homo- und transfeindlichen Bündnisses "Demo für alle" am Donnerstag in Stuttgart wenig Gegenliebe. Während zu einer Gegenkundgebung vom "Bündnis Vielfalt für Alle" hunderte Menschen kamen, fanden sich rund um den zusätzlich von Polizisten umrundeten Bus nur wenige Menschen ein.

Direktlink | Kurze Eindrücke aus Stuttgart vom Youtube-Kanal werbrauchtS21

Ende letzter Woche hatte die von der erzkatholischen Aktivistin Hedwig von Beverfoerde organisierte Bewegung angekündigt, mit einem Bus durch zehn Städte touren zu wollen, um mitten im Wahlkampf unter anderem gegen die Ehe für alle zu protestieren (queer.de berichtete). Zusammen mit dem europaweiten reaktionären Petitionsportal CitizenGo hat man gegen die Ehe-Öffnung angeblich über 220.000 Unterschriften gesammelt, die man beim letzten Stopp der Bustour in der nächsten Woche in Berlin dem Bundeskanzleramt übergeben will. Eine weitere aktuelle Petition richtet sich an die bayrische Staatsregierung, eine Klage in Karlsruhe gegen die Ehe-Öffnung einzureichen.

"Wir werden nicht ruhen, bis das grundgesetzwidrige Ehe-Öffnungsgesetz vorm Bundesverfassungsgericht liegt", schrieb die "Demo für alle" am Mittwoch bei Facebook nach ihrem ersten Stopp in München. Auch dort hatte es mehr Teilnehmer an den Gegenprotesten als Besucher des Busses gegeben – der fuhr schließlich vorzeitig ab (queer.de berichtete). In Stuttgart wurde laut Polizei ein Gegendemonstrant festgenommen, auch flogen vereinzelte Eier gegen den Bus. Neben Beverfoerde und Eduard Pröls von CitizenGo sprach auch Karl-Christian Hausmann von der Stuttgarter CDU, ein langjähriger Unterstützer der Bewegung.

Facebook / 100% Mensch | Eindrücke von Holger Edmaier von "100% Mensch". In einem weiteren Video hat er auch gesungen

"Demo für alle"-Tour kein Vergleich zu früheren Protesten

Letztlich blieb es aber erneut überwiegend friedlich – auch im Vergleich zu den mehreren großen Demonstrationen, die die "Demo für alle" früher in Stuttgart gegen Pläne der Landesregierung, im Unterricht angemessen über Homo- und Transsexualität aufzuklären, durchgeführt hatte (queer.de berichtete). Den Widerstand gegen moderne Bildungspläne hatte Beverfoerde zuletzt nach Hessen auf die Straße getragen (queer.de berichtete) und in anderen Bundesländern wie Bayern zumindest mit angefeuert – im Freistaat mit einigem Erfolg: Aus dem Gedanken, Schüler sollten "Akzeptanz" gegen LGBTI zeigen lernen, wurde in Bayern nach einem Treffen des Kultusministers mit Beverfoerde, Birgit Kelle & Co. der Begriff "Respekt" (queer.de berichtete).


Hedwig von Beverfoerde, orangefarben gekleidet wie ihr Hass-Bus, redete sich das Ergebnis des Aufenthalts in München schön

Von Beverfoerde, die die Proteste anfänglich aus dem Büro der AfD-Politikerin Beatrix von Storch aus organisierte, war damals noch Mitglied der CDU und ist gut in christliche bis fundamentalistische Kreise ebenso vernetzt wie in konservative und neurechte bis rechtsextreme. Die Bewegung hat vor allem auch medial und in sozialen Netzwerken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss – und weitet sich inhaltlich immer weiter aus: Der "Bus für Meinungsfreiheit" soll laut Webseite ein Zeichen setzen "für #EhebleibtEhe, für die Zweigeschlechtlichkeit, gegen Gender, Sexualisierung und all unsere damit verbundenen Positionen".

Die Bus-Tour orientiert sich am Vorbild einer transfeindlichen Aktion von CitizenGo/HazteOir, die in Spanien und später in den USA, Mexiko und Chile für Aufsehen sorgte (mehr dazu in den unten verlinkten früheren Berichten). Der Bus, der sich in der deutschen Version gegen die Ehe-Öffnung, gegen Regenbogenfamilien und die Selbstbestimmung von Transsexuellen und Transgendern richtet, wird am Freitag in Karlsruhe (vor dem Bundesverfassungsgericht!) und am Samstag in Wiesbaden Halt machen, danach folgen noch sechs weitere Städte. Teilweise haben Szenebündnisse bereits zu Gegenprotesten aufgerufen:

Fr, 8.9. Karlsruhe, vor dem Bundesverfassungsgericht (Gegenprotest)
Sa, 9.9. Wiesbaden, Luisenplatz (Gegenprotest)
So, 10.9. Köln, Bahnhofsvorplatz / Domplatte (Gegenprotest)
Mo, 11.9. Düsseldorf, Johannes-Rau-Platz (Gegenprotest)
Di, 12.9. Hannover, Trammplatz (Gegenprotest)
Mi, 13.9. Kiel, Rathausplatz (Gegenprotest)
Do, 14.9. Dresden, Neumarkt (Gegenprotest)
Fr, 15.9. Berlin, vor dem Kanzleramt (Gegenprotest)


Nach München setzte auch Stuttgart ein klares Zeichen. Bild: Bündnis Vielfalt für Alle / facebook

Weitere Gegenproteste sind geplant und werden auch auf queer.de veröffentlicht. Nicht offiziell bekannt gegeben wurden von der "Demo für alle" weitere reine Fototermine (etwa 13.9. in Hamburg) und Übernachtungen in weiteren Städten. (nb)


Aus dem von der "Demo für alle" verteilten Flyer zur "Deutschland-Tour für Ehe & Familie"

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#1 Patroklos
  • 07.09.2017, 22:55h
  • Die Menschen lassen sich von der "Demo für Alle" nicht mehr für dumm verkaufen und deshalb wird auch auf den nächsten Stationen denen der eisige Gegenwind ins Gesicht blasen.
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#2 Richard_RuthAnonym
  • 07.09.2017, 22:56h
  • Es ist schade, dass es immer noch ewig Gestrige gibt. Für manche scheint die Welt bestimmt immer noch eine Scheibe zu sein ... doch halt im alten Rom waren männnliche Lustsklaven für jeden Herrn ein Luxusobjekt
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#3 GaykaiserProfil
  • 08.09.2017, 01:12hMülheim an der Ruhr
  • Diese Nachricht nehme ich mit überschwänglicher Freude zur Kenntnis und stelle gerade beim Lesen fest, dass die Leute von Demo für alle sich zur Lachnummer machen, gut so!!! Ich wünsche mir, dass sie mit dieser Lachnummer weiter machen. Diese engstirnigen prüden Menschen sind diejenigen, die nur für ihre Wertevorstellung gern das Leben anderer Menschen schwer machen wollen, gar noch gern opfern wurden wie bei den Inkas vor 500 Jahre in Südamerika.
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#4 HaraldBAnonym
  • 08.09.2017, 07:24h
  • Als jemand der gestern vor Ort war möchte ich kurz was anmerken bzw richtig stellen. Bei der Gegenkundgebung des Bündnis für Vielfalt waren mitnichten "Hunderte". Viel mehr war es so das wir "Homos" eher in der Minderzahl waren. Hauptbesandteil waren offensichtlich viel junge, ganz offensichtlich dem Linken Spektrum zugehörige Menschen die sich unabhängig von und dort hin bewegt haben und sich mit uns solidarisiert haben.
    Ich glaub zwar nichr das du unbedingt "queer" lesen , trotzdem aber ein mehr als großes Dankeschön an diese engagierten Menschen.
    Und, bitte nicht falsch Verstehen- ich möchte damit in keinster Weise die tolle ehrenamtliche Arbeit des Bündnis klein reden.
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#5 TommAnonym
  • 08.09.2017, 08:27h
  • Antwort auf #4 von HaraldB
  • Das wir "Homos" bei der Gegenkundgebung des Bündnisses für Alle eher in der Minderzahl waren ist wohl eher auch dem kurzfristig angesetzten Termin der "Demo für Alle" in Stuttgart, an einem Donnerstagnachmittag um 15:00 Uhr geschuldet !! Eine Uhrzeit - wo sich auch "Homos" in der Regel bei der Arbeit befinden !!

    Das sich so viele, überwiegend junge Menschen u.a. offensichtlich aus dem Linken Spektrum (Antifa) friedlich mit uns "solidarisiert" haben, hat mich ganz ehrlich gesagt auch etwas (positiv) überrascht !!

    Was mich persönlich doch sehr angekotzt hat, war die Tatsache, das sich zahlreich "Demo für Alle" Aktivisten unter die Gegendemonstranten gemischt haben, und ganz offensichtlich und augenscheinlich versucht haben verbal zu "provozieren" !! Wahrscheinlich mit dem Zweck das heute in der Presse reisserisch von "Hamburger Verhältnissen" berichtet werden würde !! Dem ist Gott sei Dank nicht so - und im Großen und Ganzen verlief die Gegendemo zu "Demo für Alle" friedlich !!

    Vielen Dank an dieser Stelle auch noch einmal an Holger Edmaier - mit dessen Engagement wir die "Demo für Alle" in Grund und Boden gesungen haben ... :-)
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#6 DankeAnonym
  • 08.09.2017, 09:44h
  • Da soll mal noch jemand was gegen Baden-Württemberg sagen :-)
    Selbstverständlich waren viele bei der Arbeit. Und dennoch waren genügend Leute dabei, um den ollen Bus zum Wegfahren zu bringen.
    Dass viele der LINKEN da waren, um uns Solidarität zu zeigen, war und ist positiv.

    Aber die Provokation der ''Demo für alle'' hat schon was hetzerisches. Danke für den Post mit dem Video, in dem erklärt wird, was diese ''Demo für alle'' ist, wofür sie steht, und wer dahinter steckt.

    Ich denke, an dieser Stelle kann jeder nochmal überlegen, wen oder was er/sie wählen möchte.
    Mit der CDU werden wir auch in Zukunft mit der ''Demo für alle'' konfrontiert sein! Mit der AfD werden wir im Jahr 1950 leben!

    Nun ist es hoffentlich jeder/m klar, wo das Kreuzchen bei der Wahl zu setzen ist.
    Ich nenne mal den ersten Buchstaben der Parteien, die für Deutschland wichtig sind:
    S............................G...........................L
    (SPD, GRÜNE, LINKE)

    Ich bin weiterhin gespannt auf das Wahlergebnis.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SebiAnonym
  • 08.09.2017, 10:15h
  • Sehr gut!

    Alle Demokraten und Humanisten (egal ob hetero, homo, bi, trans oder was auch immer), müssen überall wo diese Faschos aufschlagen, in Massen kommen und denen zeigen, dass sie nicht für die Mehrheit sprechen, sondern nur für ihre vom Hass zerfressene, winzige Fascho-Minderheit.
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#8 JustusAnonym
  • 08.09.2017, 10:32h
  • Wenn ich mir deren Flyer (der übrigens vor Fehlern nur so strotzt) anschaue, frage ich mich, wieso AfD, Demo für "alle", etc. immer so weinerlich sein müssen.

    Die sind nur am Jammern, dass sie angeblich ihre Meinung nicht kundtun dürfen.

    Aber die dürfen doch mit ihrem sonderbaren Bus überall hinfahren, die dürfen überall reden, die dürfen überall Transparente hochhalten, die dürfen überall ihre Flyer verteilen obwohl die voller Lügen sind, die dürfen sogar ihre Kinder da aufmarschieren lassen und für ihre Zwecke missbrauchen...

    NUR:
    diese Rechte gelten halt für andere ganz genauso. Und die anderen sind halt die überwältigende Mehrheit.

    Die stören sich nicht daran, dass sie keine Meinungs- und Redefreiheit hätten, denn die haben sie; sondern die stören sie daran, dass andere das auch haben. Die hätten gerne, dass nur ihre schrille Minderheiten-Meinung das alleine akzeptable wäre.

    Die wollen eben keine demokratischen Grundrechte schützen, sondern ihre totalitäre Gesinnung erzwingen.

    Und deswegen müssen nicht nur alle LGBTI gegen die aktiv werden, sondern jeder Demokrat.
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#9 OutAndProud
  • 08.09.2017, 11:09h
  • Antwort auf #5 von Tomm
  • ""Das sich so viele, überwiegend junge Menschen u.a. offensichtlich aus dem Linken Spektrum (Antifa) friedlich mit uns "solidarisiert" haben, hat mich ganz ehrlich gesagt auch etwas (positiv) überrascht !! ""

    Da kannst du sehen wie die Hetze eines Thomas de Maizière nach Hamburg bereits Früchte trägt.

    Ich finde auch nicht alles toll an der "Antifa", aber das Bild welches hier seit Wochen gezeichnet wird ist nichts anderes als rechte Propaganda.

    Die Antifa ist vieles, aber im Vergleich zu marodierenden Nazihorden keine Bedrohung der vielbeschworenen "Inneren Sicherheit"
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#10 queergayProfil
  • 08.09.2017, 11:18hNürnberg
  • Der Stuttgarter CDU-Mann Karl-Christian Hausmann, der hier auch lautstark die "wahren" Hetero-Familienwerte propagiert ist seit Jahrzehnten führendes und gläubiges Mitglied der 'Vereinigungskirche' mit Verehrung der 'Heiligen Schriften' des Koreaners Sun Myung Moon. Der als Moon-Sekte bekannte weltweit agierende Familienkonzern wurde schon durch eine Schwiegertochter Moons als verlogen, korrupt und Mitglieder täuschend entlarvt. Sie schrieb dazu das Buch "In the Shadow of the Moons" - auf deutsch "Ich schaue nicht zurück" von Nansook Hong.
    Somit wird letztlich das restriktive Hetero-Familien-Modell der Moon-Sekte durch CDU-Politiker in Deutschland gegen LGBTIQ-Menschen öffentlich in Stellung gebracht und vehement auch wahlkampfmäßig eingesetzt.
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