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Start in sieben Apotheken

50-Euro-PrEP ab Mitte September erhältlich

Ein Kölner Apotheker vertreibt bundesweit das Truvada-Nachahmerpräparat des Generika-Herstellers Hexal. Um die günstige "Pille zum Schutz vor HIV" zu bekommen, ist eine ärztliche Verschreibung notwendig.


Ergänzung der HIV-Prävention: Die Frage "PrEP oder Gummi?" soll nicht mehr am Geldbeutel scheitern

Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) vermeldete am Samstag auf ihrer Website magazin.hiv einen kleinen Durchbruch: So sollen günstige PrEP-Generika bereits ab Mitte des Monats in Deutschland erhältlich sein. Eine Vier-Wochen-Packung mit 28 "Pillen zum Schutz vor HIV" des Herstellers Hexal sollen demnach 51 Euro kosten. Die Anwendung des Originalmedikaments Truvada schlägt hierzulande mit rund 800 Euro pro Monat zu Buche, Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht.

Laut DAH beruht das Angebot auf einer Kooperation des Kölner Apothekers Erik Tenberken mit dem Generika-Hersteller. Das Truvada-Nachahmerpräparat von Hexal war erst Ende Juli, zusammen mit weiteren Generika, auf den deutschen Markt gekommen (queer.de berichtete). Der offizielle Ladenpreis beträgt etwa das Zehnfache. Tenberken habe den Preis hart verhandelt und gebe seinen Rabatt an die Kunden weiter.

Sieben Apotheken beteiligen sich an der Kooperation

Um die günstigen PrEP-Pillen zu bekommen, ist laut magazin.hiv die individuelle Verschreibung eines Arztes erforderlich. Darauf muss ein Text wie "28 Filmtabletten Emtricitabin/Tenofovir-Disoproxil zur Verblisterung für die PrEP" stehen. Das Rezept muss dann als Kopie an die Birken-Apotheke von Erik Tenberken (Hohenstaufenring 59, 50674 Köln) geschickt werden. Die Pillen werden anschließend an eine kooperierende Apotheke versandt. Dort kann der Kunde sie nach einem Beratungsgespräch gegen Einlösung des Original-Rezepts abholen.

Partner-Apotheken sind bislang in Berlin (Witzleben-Apotheke, Apotheke in der Axel-Springer-Passage), Düsseldorf (Albert-Schweitzer-Apotheke), Frankfurt am Main (Eichwald-Apotheke), Hannover (Leibniz-Apotheke), Hamburg (Alexander-Apotheke) und München (Marien-Apotheke) geplant. Nach und nach sollen weitere hinzukommen. Welche Apotheken dabei sind, soll in Kürze auf der Website der Arbeitsgemeinschaft HIV- und Hepatitis-kompetenter Apotheken bekanntgegeben werden.

Die Deutsche Aids-Hilfe begrüßte die Entwicklung. "Wir wollen die PrEP allen zugänglich machen, die sie zum Schutz vor HIV brauchen", erklärte Pressesprecher Holger Wicht laut magazin.hiv. "Diese Preissenkung ist ein Durchbruch. Jetzt müssen weitere Schritte und Akteure folgen, um auch in anderen Regionen die PrEP leicht verfügbar zu machen." Wicht forderte konkret die Übernahme der Kosten etwa durch die Krankenkassen.

Die PrEP richtet sich an Menschen mit hohem Ansteckungsrisiko

Die Deutsche Aids-Hilfe sieht die PrEP als wirksame Ergänzung bekannter Schutzmaßnahmen, um HIV-Neuinfektionszahlen zu senken. Zielgruppe seien Menschen mit einem hohen Risiko einer Ansteckung, darunter sexuell aktive schwule Männer mit wechselnden Partnern.

Die tägliche Einnahme der PrEP senkt das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, praktisch auf null. Noch nicht zweifelsfrei erwiesen ist die Wirksamkeit einer "anlassbezogenen" PrEP. Als Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Durchfall oder Magenbeschwerden auftreten. (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Die PrEP wird erschwinglich. Würdest du sie als HIV-Negativer nehmen?
    Ergebnis der Umfrage vom 11.09.2017 bis 18.09.2017


#1 SanottheEhemaliges Profil
  • 09.09.2017, 14:05h
  • In der Tat ein absoluter Durchbruch.
    Herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch!

    Das Generikum von Hexal kostet aktuell in einer 30er-Packung 556,33 Euro. Wenn Hexal sich auf einen Deal von 51 Euro für 28 Tabletten einlässt, zeigt das, wie unheimlich viel Luft nach unten da preislich noch bestand (bzw. bei anderen Generikaherstellern besteht).

    Wohl schneller als ursprünglich zu erwarten, können die Preise nun auf breiter Front sinken (alles andere wäre marktwirtschaftlich gesehen relativ unrealistisch) und dann auch dazu beitragen, dass das Medikament (incl. Begleitkosten für die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen) durch die Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden kann.

    Epidemiologisch gesehen, eine absolute Win-win-Situation.
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#2 LiebchenAnonym
  • 09.09.2017, 14:57h
  • Dass die PrEP nun für so kleines Geld erhältlich ist, ist in der Tat ein großer Durchbruch. Absolut begrüßenswert. Möglicherweise übernehmen ja demnächst auch Krankenkassen das Medikament auf Rezept.

    Was ich allerdings noch immer nicht ganz verstehe: Was bedeutet es, wenn das Risiko einer HIV-Übertragung "praktisch auf Null" gesenkt wird? Es bleibt doch letztlich ein Restrisiko - irgendwo habe ich etwas von 10-15% gelesen. Das heißt aber doch nichts anderes, als dass ich rein statistisch gesehen bei jedem zehnten Risikokontakt infiziert werden könnte.

    Oder stehe ich jetzt total auf dem Schlauch?

    Gewiss: Kondome sind auch nicht zu 100% sicher - aber im Gegensatz zu Truvada und seinen Generika schlucke ich da auch keinen Chemiecocktail.

    Die PrEP mag für manche Menschen super sein - aber sie bedeutet eben auch, dass man täglich Medizin nehmen muss. Die unter Umständen die Nieren schädigt. Denn die Langzeitfolgen lassen sich noch nicht wirklich abschätzen.

    Ich weiß selber nicht, ob es mir das wert wäre ...
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#3 SanottheEhemaliges Profil
#4 ursus
  • 09.09.2017, 15:16h
  • Antwort auf #2 von Liebchen
  • "Es bleibt doch letztlich ein Restrisiko - irgendwo habe ich etwas von 10-15% gelesen."

    dieser wert dürfte aus studien stammen, bei denen auch diejenigen teilnehmer mitgezählt wurden, die die prep im verlauf der studie unregelmäßig oder teilweise gar nicht mehr eingenommen haben. bei konsequenter einnahme ist das restrisiko wesentlich geringer. "nahezu null" heißt dann auch "nahezu null".
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#5 florian_mucAnonym
  • 09.09.2017, 15:27h
  • Antwort auf #2 von Liebchen
  • Guten Tag, danke für Deinen Kommentar. Zu Deiner Frage bezüglich Sicherheit: die 10-15% Restrisiko sind dramatisch zu hoch angesetzt.

    Wer seine PrEP genau nach den Regeln einnimmt (das heißt die individuelle Effektivität) steckt sich in den Studien je nach Studie zwischen 96% und 99,x% weniger wahrscheinlich an als jemand der sie nicht einnimmt. Die Zahlen für Kondome sind ähnlich. Das heißt faktisch: Wenn ich die PrEP nehme bin mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor einer HIV-Übertragung geschützt. Um es etwas einfacher auszudrücken: Es gibt bei zigtausend PrEP-Usern derzeit weltweit nur drei dokumentierte Fälle einer HIV-Übertragung unter korrekt genommener PrEP (in zwei Fällen war es ein resistenter Virus, ein Fall ist so weit ich weiß noch ungeklärt). Das sind unglaublich wenige Übertragungen, gegeben dass einige zigtausend Menschen die PrEP nehmen und das teilweise schon seit 2012.

    Die Zahlen die oft gezeigt werden von 86% Gesamteffektivität sagen etwas anderes aus: in der PROUD-Studie war das die Verringerung der Infektionswahrscheinlichkeit im PrEP-Arm der Studie, d.h bei den Leuten, denen man PrEP gegeben hat. ABER: Das größte Risiko im PrEP-Arm kam daher, dass Leute ihre Medikamente nicht genommen haben.

    Also: Wir wissen, dass PrEP als Präventionsinstrument das Risiko einer HIV-Infektion in der Riskogruppe (die PROUD-Studie war mit MSM die in der Vergangenheit mind. einen Kontakt ohne Kondom haben) um 86% senkt und dass nahezu alle Infektionen unter PrEP durch nicht korrekte Einnahme zustande kamen. Individuell heißt das: Wenn Du die PrEP korrekt (d.h. täglich oder nach dem IPERGAY on demand Schema und mit 3-monatlichem Test von HIV, STDs und Nierenwerten) nimmst, steckst Du Dich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mit HIV an.
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#6 Rosa SoliAnonym
  • 09.09.2017, 15:35h
  • Antwort auf #2 von Liebchen
  • Der Schutzfaktor der PrEP liegt bei 96 Prozent, der des Kondoms bei 94 Prozent. Natürlich muss die PrEP richtig angewendet werden, damit sie ihre Schutzwirkung entfaltet. Aber das gilt auch für das Kondom.

    Zu den Nebenwirkungen: Falls diese auftreten sollten (es wird ja regelmäßig alle drei Monate überprüft), dann setzt man die PrEP eben ab und steigt auf eine andere Methode um (z.B. wieder zurück zum Kondom). Man kann sie nehmen, um sich vor HIV zu schützen, aber man muss es nicht.

    Ich finde es auch nicht verkehrt, wenn Leute sagen, dass sie lieber beim Kondom bleiben. Das ist ja immer noch eine sehr gute Schutzmöglichkeit und bleibt es auch. Mit der PrEP gibt es jetzt einfach nur eine weitere safer-sex-Strategie. Wir haben künftig mehr Wahlmöglichkeiten, um uns vor der HIV-Infektion zu schützen. Das ist doch eine gute Nachricht!
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#7 LiebchenAnonym
  • 09.09.2017, 15:38h
  • Antwort auf #5 von florian_muc
  • Danke florian_muc für deine Aufklärung. Jetzt habe ich es verstanden.

    Bleibt aber immer noch eine Sache: Wenn korrekt verwendete Kondome in etwa gleich gut vor HIV schützen wie eine regelmäßige Einnahme der PrEP - warum sollte man dann lieber einen Chemiecocktail zu sich nehmen?

    Klar, ohne Gummi vögeln mag toll sein. Aber ein Medikament hat Nebenwirkungen und eventuelle Langzeitfolgen. Die man heute noch gar nicht absehen kann.

    Letztlich muss das natürlich jeder für sich abschätzen. Ich würde (wahrscheinlich) keine PrEP nehmen wollen. Hatte schon einmal eine PEP nach einem Risikokontakt - und die Nebenwirkungen dieser Tabletten haben mich umgehauen.

    PS: Nochmal die Frage zum "Partyschema" - also der sporadischen Einnahme der PrEP. Da soll doch die Wirksamkeit schlechter sein als wenn ich sie 365 Tage im Jahr einnehme - oder?
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#8 AngelaAnonym
#9 Florian_mucAnonym
  • 09.09.2017, 15:51h
  • Antwort auf #7 von Liebchen
  • Hi Liebchen,

    bevor ich antworte: Viele Deiner Fragen beantworten wir PrEP-User und -Aktivisten unter www.prepjetzt.de und diskutieren auf Facebook unter
    www.facebook.com/groups/prepjetzt/
    - schau mal vorbei!

    Zu Deinen konkreten Fragen:

    - Warum sollte man PrEP statt Kondomen nehmen? Natürlich ist das eine individuelle Entscheidung. Das Eine, das Andere oder beides zusammen können sinnvoll sein. Viele PrEP-Nutzer nehmen die PrEP unter anderem weil sie Sex ohne Kondome entweder bevorzugen oder es ihnen leichter fällt (z.B. weil sie mit Kondomen Erektionsprobleme haben). Viele berichten auch von einer großen psychischen Erleichterung, endlich angstfrei Sex haben zu können, weil trotz Kondom immer so ein Angst-Teufelchen im Kopf sitzt. Andere wissen z.B., dass sie öfter in Situationen kommen, wo das mit dem Kondom nicht so gut klappt, z.B. unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Stimulanzien. Wieder andere haben einen festen Partner, der HIV Positiv ist, und wollen ohne Gummi mit ihm schlafen, die Prävention aber nicht nur dem positiven Partner überlassen. Es gibt viele Gründe, PrEP zu nehmen. Einen guten persönlichen Eindruck bekommst Du bei unserer Sammlung authentischer User-Geschichten hier:
    prep-geschichten.tumblr.com/

    - Wie ist das mit "Chemie" und Nebenwirkungen? Die für PrEP verwendeten Medikamente (Truvada bzw. dessen Generika) gelten in der HIV Therapie seit Jahren als gut verträglich, sind also im Vergleich recht nebenwirkungsarm. Viele Nutzer haben überhaupt keine Nebenwirkungen. Ab und an (ca. 10%) treten leichte Nebenwirkungen auf, z.B. Magen-Darm-Probleme, schlechte Träume, Erschöpfungszustände, die aber bei nahezu allen Usern nach wenigen Tagen bis Wochen verschwinden. Viele berichten, nach spätestens 4 Wochen komplett Nebenwirkungsfrei zu sein. Es gibt sehr seltene, aber schwerere Nebenwirkungen, besonders wichtig ist hierbei die kleine, aber reale Gefahr einer Nierenschädigung (besoders bei Nutzern mit Komorbiditäten). Diese muss deshalb bei PrEP-Nutzung vom Arzt beobachtet werden, weshalb neben HIV und STD Test auch Nierenwerte alle 3 Monate Pflicht sind. Sollten sich die Nierenwerte deutlich verschlechtern (was bei sehr wenigen Nutzern passiert) muss abgesetzt werden. Das Gute ist: Nach "Erholung" kann man die PrEP wieder nehmen, die Nebenwirkung geht also wieder weg und kommt auch nicht zwingend wieder.

    - PrEP "on Demand": Wer "einfach mal eine blaue Pille einschmeißt" ist natürlich NICHT vernünftig geschützt. Aber: es gibt ein in Studien getestetes Einnahmeschem, das sogenannte IPERGAY-Schema: 2 Pillen (also Doppeldosis) 2-24 Stunden vor dem Sex, dann im 24 Stunden-Rhythmus tägliche Einnahme bis zwei Pillen nach dem letzten Sex in der "Serie". Dieses Schema ist aktuell nicht offiziell zugelassen, allerdings deuten die Studiendaten darauf hin, das es genau so sicher ist wie die tägliche Einnahme bei Cis-Männern und Trans-Frauen (bei CIS-Frauen und Trans-Männern scheint es schlechter zu wirken). Gibt in den Studien bislang noch keine einzige Ansteckung unter korrekt genommener "on demand" - PrEP so weit ich weiß.
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#10 HörnchenAnonym
  • 09.09.2017, 15:55h
  • Nebenwirkungen? Bloss wegen ein paar Stunden Spass! Benutze dann doch weiterhin lieber Kondome. Weil verhüten lassen sich ja mit der Pille KEINE Geschlechtskrankheiten, nur das HIV Risiko! Kein Bock, Stammgast beim Dermatologen zu werden wegen Tripper, usw ...
    Meine Meinung dazu.
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