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Südafrika

Ein uraltes Ritual als Nährboden für Homophobie

Der südafrikanische Regisseur John Trengove über seinen Film "Die Wunde", der am Donnerstag im Kino startet.


Der schwule Teenager Kwanda wird von seinen Eltern in ein Beschneidungs-Camp geschickt, um ein "richtiger Mann" zu werden (Bild: Edition Salzgeber)

Eastern Cape in Südafrika. Xolani, ein stiller Fabrikarbeiter, reist in ein abgelegenes Camp in den Bergen, um als Mentor an einem uralten Beschneidungsritual der Xhosa teilzunehmen. Dabei soll er sich vor allem um Kwanda kümmern, einen rebellischen Teenager aus Johannesburg.

Während Kwanda in einer Hütte auf die Heilung seiner Wunde wartet, trifft Xolani heimlich seinen alten Freund Vija wieder, einen verheirateten Mann, den er nur einmal im Jahr, am Rande des Ukwaluka-Rituals sieht. Wie immer haben die beiden wilden Sex, doch diesmal gesteht Xolani dem Freund auch seine Liebe. Als Kwanda, der selbst schwul ist, hinter das Geheimnis seiner Mentoren kommt, steht Xolani vor einer folgenschweren Entscheidung.

John Trengoves Film "Die Wunde" lief im August bereits in der Queerfilmnacht, am 14. September startet das Drama offiziell in deutschen Kinos. Im Interview erklärt der Südafrikaner, warum er sich als weißer Regisseur mit dem Ritual der Xhosa auseinandersetzt.


Regisseur John Trengove widmete sich bereits 2014 preisgekrönten Kurzfilm "Die Ziege" dem Ukwaluka-Beschneidungsritus seiner südafrikanischen Heimat

Was hat Dich an dem Thema angezogen?

Ich fand es interessant, was passiert, wenn Männer zusammenkommen und sich außerhalb der gesellschaftlichen Regeln ihres Alltags organisieren. Ich wollte zeigen, welche intensiven emotionalen und körperlichen Kontakte in diesen Räumen möglich sind und wie das Unterdrücken starker Gefühle zu Konflikten und Gewalt führt. Als jemand, der als Außenseiter auf diese Kultur blickt, war es mir wichtig, mich der Geschichte aus der Perspektive von Figuren zu nähern, die selbst Außenseiter sind.

Wie seid Ihr beim Schreiben von "Die Wunde" vorgegangen?

Zunächst haben wir ausgiebig recherchiert. Wir verbrachten viel Zeit in der Provinz Eastern Cape, wo das Ritual noch praktiziert wird. Wir hörten uns Augenzeugenberichte an und sprachen mit Xhosa-Männern, die das Ritual erlebt hatten. Mit schwulen Männern, heterosexuellen Männern, manche urban und wohlhabend, andere aus abgelegenen ländlichen Gegenden. Diese Geschichten lieferten uns den Stoff für unsere ersten Ideen.

Doch als ich das Ritual näher erforschte, überkamen mich zwiespältige Gefühle. Man hört immer wieder, wie es Nährboden für Homophobie und übertrieben maskulines Verhalten sein kann. Gleichzeitig konnte ich aus erster Hand miterleben, welchen transformativen Effekt es auf einige Männer hatte, die sich dem Ritual unterzogen. In einer Welt, in der so viele Väter fehlen, hat ein Ritual, das einem Jungen seinen Platz in der Männerwelt zeigt, eine tiefe Bedeutung.


Poster zum Film: "Die Wunde" startet ab 14. September 2017 in deutschen Kinos

Wie gingst Du mit dem Dilemma um, als weißer Filmemacher Randfiguren darzustellen, deren Realität so ganz anders ist als Deine eigene?

Ich versuche so weit wie möglich, meine eigenen Vorurteile zu durchbrechen. Wie die meisten Zuschauer aus der Mittelschicht, die diesen Film sehen werden, könnte auch ich einfach Xolani nehmen und sagen: Hier ist eine schwule Figur, die unterdrückt wird und es verdient, aus der Unterdrückung dieser Gemeinschaft befreit zu werden, um sich endlich als Individuum frei ausleben zu können. Doch ich gestattete mir solche einfachen Lösungen für seine Figur nicht und versuchte stattdessen, sein Problem so darzustellen, wie es wirklich ist, nämlich groß und schwierig und ohne klare Antworten.

Wie glaubst Du wird der Film angesichts der Kontroverse um das Ritual in Südafrika aufgenommen?

Ukwaluka ist ein mit Tabus belegtes Ritual, und es so darzustellen, wie wir es tun, ist kontrovers. Wie wussten von Anfang an, dass wir unter Traditionalisten starke Reaktionen auslösen würden. Aber wir bekamen auch viel Zuspruch von einer jüngeren Xhosa-Generation, die darauf zu brennen scheint, das Schweigen rund um die Initiation zu brechen. Es ist eine große und sehr facettenreiche Praxis und es gäbe noch viel über das Ritual zu sagen und zu zeigen. Vielleicht kann unser Film einen Diskurs auslösen. Vielleicht sieht sich ein schwuler Xhosa-Junge eines Tages den Film an und sagt: "So habe ich das überhaupt nicht erlebt" und schreibt seine eigene Geschichte dazu.

Vimeo / Salzgeber & Co. Medien GmbH | Offizieller deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Die Wunde. Spielfilm. Südafrika 2016. Regie: John Trengove. Darsteller: Nakhane Toure, Bongile Mantsani, Niza Jay Ncoyini. Laufzeit: 88 Minuten. Sprache: Xhosa mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 14. September 2017
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Die Wunde
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#1 ollinaieProfil
  • 12.09.2017, 11:34hSeligenstadt
  • Für mich ein krasses Beispiel wie verharren in alten Traditionen oder auch Religionen, nur exemplarisch am Beispiel der Xhosa aber genau so auch hier bei uns gültig, einen Fortschritt in der Gesellschaft verhindert oder zumindest bestmöglich erschwert. Siehe auch 'Mutti' und ihre 'moralische' Haltung zur Eheöffnung.

    Kwanda ist nicht nur rebellisch sondern auch sehr intelligent und hätte das Zeug, sein Umfeld, seinen Stamm und die Gesellschaft voranzubringen, aber ...

    Zum Thema männliche Genitalverstümmelung selbst hat der Film leider wenig zu sagen. Es wird distanziert beobachtet, Hintergrundinformationen oder die Frage, was Jugendliche dazu bewegt sich meißt, oder zumindest scheinbar, freiwillig teile der erogenen Zonen nehmen zu lassen wird nicht hinterfragt.
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#2 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 12.09.2017, 16:03h
  • Ergaenzung zu meinem vorangehenden Kommentar: Ich versuche es noch einmal. Zitiere "Ideal" (deutschspachige Musikband), Song:"Erschiessen": "Langeweile killt nur langsam, du wirst sehen, es tut uns gut. Mir ists heute so gewaltsam, mir ists nach Schuessen noch zumut". Das ist natuerlich ironisch zu verstehen, bzw. sarkastisch.
    Was hat das mit dem Thema zu tun? Der dunkelheutige Jugendliche ist weiss angemalt, wie beim Militaer. Hellheutige Jugendliche, uner Militaerpflicht, mit dunklen Farben angemalt im Gesicht und in Uniform, alle die gleiche Uniform, bzw. in aehnlichen Farben.
    Ich habe nichts gegen das Militaer als ganz normale, regulaere Arbeit, wie jede andere. Kein Mensch moechte doch bei der Arbeit umkommen, ist auch gut so und ganz normal. Und auch nicht verwundet werden bei der Arbeit, natuerlich. Und Arbeiten darf frau, mann erst mit 18, bzw. 16, aber ich denke nicht beim Militaer, ab 16. Ist auch natuerlich in Ordnung so.
    Gruss
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#3 schwuler NichtdtschrAnonym
  • 13.09.2017, 18:54h
  • Nur um meine Kommentare zu klaeren: Bei uns ist die Militaerpflicht schon seit ziemlich langer Zeit abgeschafft. Es ist und es war nie, bei uns, gesetzeswidrig gegen die Militaerpflicht zu sein, oder "Propaganda" :-) gegen die Militaerpflicht zu betreiben.
    Ich verstehe weiterhin nicht, wie die Zensurregeln fuer diese Website funktionieren. :-)
    Gruss
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#4 OrthogonalfrontAnonym
  • 14.09.2017, 12:12h
  • Gut, dass es hier solche weit verbreiteten extremen Traditionen entwender nie gab oder schon lange nicht mehr gibt.
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#5 Ralph
  • 14.09.2017, 20:05h
  • Antwort auf #4 von Orthogonalfront
  • Unter dem Vorwand der Religionsfreiheit der Eltern darf in Deutschland an Jungen unter Verletzung von deren Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit Genitalverstümmelung durchgeführt werden. Diese "Tradition" wird also auch bei uns gelebt.
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#6 TheDadProfil
  • 14.09.2017, 22:09hHannover
  • Antwort auf #4 von Orthogonalfront
  • ""Gut, dass es hier solche weit verbreiteten extremen Traditionen entwender nie gab oder schon lange nicht mehr gibt.""..

    Jüdische und muslimische Jungs werden solchen Traditionen immer noch unterworfen !

    Den anderen mutet man neben der Taufe dann die Kommunion oder Konfirmation zu, was als Initiations-Ritus kaum weniger eingreifend wirkt..
    Auch hier vereinnahmt die "Religion" die Jungen Menschen und führt sie Traditionen zu..
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#7 stromboliProfil
  • 15.09.2017, 04:02hberlin
  • Antwort auf #4 von Orthogonalfront
  • Man könnte es auch unvoreingenommen anthropologisch-ethnologiosch betrachten und auf seltsame zusammenhänge kommen..

    Zum beispiel: Militärdienst!
    Ein unter männern weitverbreites staatliche gesellschaftlich gefördertes Initiationritual!
    Mannbarkeitsrituale ( siehe bundeswehrskandälchen..) feind beschleichen und bei genügender übung die fähigkeit zum töten...
    Neben beschneidung unverzichtbarer einstieg in die erwachsenen welt..
    Übergang vom heranwachsenden hin zum "erwachsenen mann"

    Vergleichsweise kann man die ehe für die frau als deren Initiationritual verstehen... - schleier-defloration-blumenstrauß & reis ( früher getreidekorn) ... wird sie doch so nach reaktionär-gesellschaftlichen konventionnen erst zur "vollständigen frau!

    Man könnte sagen: bei unserer verlangsamten ritual des kriegsdienstes der meist 2-5 jahre dauert ( ehen sogar lebenslänglich.. kicher.) , machen die tabula rasa, und ziehen die sache in ein paart tagen -wochen durch.
    Aber diese entbrutalisierten rituale sind ja nunmehr nur noch erinnerungstrallala in unserer jetztzeit. Zumindest werden diese zusammenhänge erfolgreich verdrängt, oder als abgrenzungsbeispeil in die wir- sind- gut-, die- anderen- schlecht debatte geworfen.

    Nun dank unserem staatspolitischem drang nach globaler teilhabe dürfen wir männer und nun endlich auch frauen nach 1945 endlich unsere altritualien wieder aufnehmen und in fernen ländern das mann/frau werden erlernen.

    Vieleicht geht es bei der WUNDE nicht nur um die körperlichen , sondern vor allem auch um die in unseren köpfen!
    Und da wären wir immer noch mittendrin im "Initiationritual"!
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#8 stromboliProfil