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CDU-Politiker setzte sich für Ehe-Öffnung ein

Heiner Geißler ist tot

Der Querdenker der CDU ist im Alter von 87 Jahren gestorben. In den letzten Jahren hatte er sich auch für Homo-Rechte engagiert.


Der Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler wurde 87 Jahre alt (Bild: Pressefoto)

Der christdemokratische Politiker Heiner Geißler ist tot. Das teilte sein Sohn Dominik Geißler am Dienstagvormittag gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit.

Geißler war einer der streitbarsten Christdemokraten. Er war unter anderem von 1977 bis 1989 CDU-Generalsekretär – und sorgte mit provozierenden Wahlslogans wie "Radikale und SPD – Zukunft und Wohlstand ade" stets für Aufregung beim politischen Gegner. 1985 verglich ihn ein erboster Willy Brandt sogar mit dem NS-Propagandaminister: "Ein Hetzer ist er! Seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land!"

Dabei vertrat Geißler in seiner Partei tendenziell eher linke Positionen, etwa in der Sozialpolitik. Als Familienminister erfand er Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub, setzte sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und eine multikulturelle Gesellschaft ein.

In den letzten Jahren empörte er sich auch darüber, wie rückständig seine Partei beim Thema Homosexuellenrechte war. Zwei Jahre vor dem Schwenk der Kanzlerin forderte Geißler etwa, die Abstimmung zur Ehe für alle freizugeben: "Die Ehe für alle ist ein wichtiges Zeichen", betonte er in einem Interview (queer.de berichtete). Parteifreunden, die eine Gleichbehandlung von Homo-Paaren als unnatürlich ablehnten, weil nur Hetero-Paare Kinder in die Welt setzen könnten, schrieb er ins Stammbuch: "Aber wenn die Ehe nur dann eine Ehe wäre, wenn Kinder da sein sollen, dann wäre eine Ehe zwischen 60- und 70-Jährigen ja auch naturwidrig."

Im selben Jahr beklagte er mit Blick auf den negativen Mitgliederentscheid in der Berliner CDU zur Ehe-Öffnung auch, dass seine Partei in Städten "teilweise reaktionär" sei (queer.de berichtete).

Einsatz für Änderung von Artikel 3 GG

Außerdem forderte Geißler, den Diskriminierungsschutz für Schwule, Lesben und Transpersonen im Grundgesetz zu verankern. Bereits 2007 unterstützte er eine Aktion des Lesben- und Schwulenverbandes, in der die Ergänzung von Artikel 3 gefordert wurde (queer.de berichtete).

Der am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates geborene Jurist, der sich nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik im Jahr 2002 auch den Globalisierungsgegnern von Attac angeschlossen hatte, sorgte zuletzt als Schlichter beim Streit um Stuttgart 21 für Schlagzeilen. Bis vor wenigen Monaten kommentierte er noch öffentlich das politische Geschehen – so kritisierte er im März die von Mitgliedern seiner Partei verteidigten Hartz-Gesetze als "Ladenhüter". (dk)

Twitter / peteraltmaier | Politiker aller demokratischen Parteien zeigen sich über den Tod Geißlers erschüttert

Twitter / Kai_Klose | Der offen schwule Politiker Kai Klose ist der Chef der Grünen in Hessen



#1 userer
#2 tiberioAnonym
  • 12.09.2017, 12:28h
  • Unvergessen !!! - Geißler als CDU-Generalsekretär - einer der widerwärtigsten Haßprediger im Nachkriegsdeutschland.

    1985 sagte Willy Brandt über Geißler, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land zu sein

    - - - da kann der in seinen letzten Jahrzehnten noch so viel schwulenfreundliche Kreide gefressen haben.
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#3 lucdfProfil
  • 12.09.2017, 12:45hköln
  • Ein sehr kompetenter Politiker. Ich habe mich immer gefragt, was er in der CDU zu suchen hatte. Von der Sensibilität her, war er eher SPD.
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#4 AufrechtgehnProfil
  • 12.09.2017, 12:53hFrankfurt am Main
  • Ja, der Heiner Geißler hat in seiner langen Laufbahn als Politiker etliche Dinge gesagt, die einen auf die Palme bringen konnten, wie beispielsweise das hier schon erwähnte Pazifismus-Zitat. Aber eben auch viele kluge Sachen. Er war streitbar und kontrovers, und gehörte in seiner Partei zu den wenigen Intellektuellen. Bei ihm hatte man zumindest noch den Eindruck, dass es ihm um Inhalte ging und nicht (nur) um die eigene Karriere. Er war mit tausendmal lieber als die Ich-häng-mein-Fähnchen- nach-der-letzten-Meinungsumfrage- Gestalten, welche die CDU heute bestimmen. Er war ein politischer Gegner, vor dem man Respekt haben konnte. Solche Gestalten wie er gibt es heute kaum noch, und das ist sehr schade.
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#5 Patroklos
#6 lucdfProfil
  • 12.09.2017, 13:54hköln
  • Brandt hatte ihn als Hetzer mit Göbbelschen Zügen bezeichnet.
    Brandt war ein autoritärer Choleriker, genau so wie viele Menschen seiner Generation: Kohl, Genscher, Werner, Strauss ebenso. Nur Helmut Schmitt war anders und mit seiner distinguierter Arroganz fähig, ohne Eklat seine Gegner fertig zu machen.
    weniger
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#7 stephan
  • 12.09.2017, 15:56h
  • Geißler Aussagen üder den Pazifismus der 30iger Jahre, der Auschwitz erst möglich gemacht habe, hat mich damals empört und wütend gemacht, aber Geißler ist in späteren Jahren zu einem Vordenker und besonnenen Menschen geworden, den ich dann auch sehr schätzen konnte. Sein Tod berührt mich nun sehr ... mehr als gedacht - zu meinem eigenen Erstaunen!
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#8 zumbrotAnonym
  • 12.09.2017, 22:34h
  • Auch Heiner Geißlers Verdienste in den Zeiten von AIDS und als Vorgänger von Rita Süssmuth sollten wir nicht vergessen.
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#9 queergayProfil
  • 13.09.2017, 11:40hNürnberg
  • Heiner Geißler kritisierte auch vehement "unsere Wirtschaftsordnung, die bewirkt, daß eine kleine Anzahl von Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer werden". So seine Worte bei einer Festrede 1997 anläßlich eines Bankenjubiläums in Nürnberg.
    Er prognostizierte damals auch: "Dieses System wird eines Tages zusammenbrechen."
    Viele Zuhörer aus der Finanzbranche trauten ihren Ohren kaum...damals am 29.10.1997 in der Kirche St. Sebald. Ein Visionär hat unseren Planeten verlassen.
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