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Ostafrika

Sansibar: 20 Menschen wegen angeblicher Homosexualität festgenommen

In der halbautonomen Insel-Region Tansanias hatte die Polizei ein Hotel gestürmt.


Symbolbild. In letzter Zeit mehren sich Berichte über die Festnahmen von LGBTI in Tansania. (Bild: Victor / flickr)

Die Polizei in Sansibar hat 20 Menschen unter dem Verdacht homosexueller Handlungen festgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf die örtlichen Behörden. Polizeichef Hassan Ali sagte demnach am Samstag, zwölf Frauen und acht Männer seien bei einem Workshop in einem Hotel aufgegriffen worden.

"Wir haben sie festgenommen, weil wir sie verdächtigen, sich an homosexuellen Handlungen in Sansibar beteiligt zu haben, was illegal in Sansibar ist und gegen das Gesetz des Landes verstößt", so Hassan Ali. Man werde die Wachsamkeit gegenüber "diesen Gruppen" verstärken. Laut der Nachrichtenagentur AFP soll es sich um einen Workshop einer Aids-Organisation gehandelt haben.

Homosexuelle Handlungen unter Männern sind in Tansania seit deutscher und später britischer Kolonialzeit verboten und können mit bis zu 30 Jahren Haft oder gar lebenslänglich belegt werden. In der halbautonomen Region Tansania gilt ein zusätzliches eigenes Verbot mit bis zu 25 Jahren Haft für Männer und fünf Jahren Haft für Frauen. Das Strafmaß wurde zuletzt 2004 verschärft, auf Druck islamistischer Gruppen.

Auf den Inseln Sansibars leben rund 1,1 Millionen Menschen, fast alle sind muslimischen Glaubens. In ganz Tansania mit rund 53,5 Millionen Einwohnern sind jeweils zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung Christen und Muslime, der Rest verteilt sich überwiegend auf Anhänger von Naturreligionen. Umfragen zufolge lehnen 95 Prozent der Bevölkerung Homosexualität ab.

Verstärkte Repression und Rhetorik

Weder aus Sansibar noch aus anderen Teilstaaten Tansanias wurden je Berichte bekannt, dass Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung tatsächlich eine längere Strafe absitzen mussten – die Lage galt lange als entspannter als im benachbarten Uganda, wo in den letzten Jahren immer wieder über die Einführung einer Todesstrafe für Homosexuelle debattiert wurde.

Allerdings verstärken die Behörden ihr Vorgehen gegen LGBT: Buzzfeed berichtete im Frühjahr in einer Reportage von einer Razzia in Sansibar im letzten Jahr: 12 mutmaßlich schwule Männer wurden festgenommen und mussten sich auch Anal-Untersuchungen unterziehen; der Einsatz der international geächteten Methode war ein Novum für das Land. Auch Monate später mussten sich die Männer bei der Polizei melden, während die Ermittlungen offiziell weitergehen. Zuvor sei man Einschüchterungen und Erpressungen durch die Polizei gewohnt gewesen. Weitere vereinzelte Berichte über Festnahmen vor allem schwuler Männer und von Transpersonen gab es auch aus weiteren Regionen des Landes.

Die Regierung Tansanias hatte in den letzten Jahren mehrfach damit gedroht, Organisationen, die sich für LGBTI einsetzen würden, zu schließen. Vor allem das Gesundheitsministerium spielte eine unrühmliche Rolle: Als vermeintliche Maßnahme gegen die Verbreitung von Aids verhängte Gesundheitsministerin Ummy Mwalimu im letzten Jahr ein Verkaufs- und Einfuhrverbot für Gleitmittel (queer.de berichtete). Wegen der angeblichen Förderung von Homosexualität wurde 40 von NGOs betriebene Gesundheitszentren die Auflage gemacht, keine Dienstleistungen für HIV-Positive und keine HIV-Tests mehr anzubieten.

Vize-Gesundheitsminister Hamisi Kigwangalla ist sogar berüchtigt für Drohungen auf Twitter: Im Frühjahr warnte er etwa vor einer Liste mit Namen von männlichen Sexarbeitern, die er öffentlich machen wolle. Homosexualität sei "unnatürlich" und er werde das "Homosexualitäts-Syndikat" mit Verhaftungen bekämpfen (queer.de berichtete). (nb)



#1 hugo1970Profil
  • 17.09.2017, 12:57hPyrbaum
  • Immer die religionen becklagen sich, das man gegen sie hetzt, aber was machen sie seit tausenden von Jahren?
    Und wir, hier im Westen sind nicht besser dran mit unseren christlichen, oder besser gesagt scheinheiligen.
    Wie TheDad und Andere immer wieder betonen, vor allem die katholische kirche und die islamische religion hat die Wirtschaft in den Ländern wo sie stark sind fest in ihren krallen. Und die islamischen ölmultis kaufen sich überall ein und das müßen wir in den Augen behalten, nicht weil ich fürchte, das sie uns zu ihrem Glauben zwingen (das wollen sie gar nicht), sondern ihr e wirtschaftstärke. Ich meine die haben noch wenniger Skrupel als unsere westlichen Investoren.
    Wahrscheinlich wewrden diese religionen solange bestand haben, solange es die Menschheit gibt.
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#2 Markusbln11Anonym
  • 17.09.2017, 13:15h
  • Sansibar?!

    Na, dann ab auf die Sylt, bevor wir 30 Jahre in den Knast eines Unrechtsstaates kommen.

    Kein Steuergeld, kein Urlaubsgeld für Unrechtsstaaten! Fördert viehlmehr non-govermental Aktivisten, die für Rechtsstaatlichkeit stehen. Und urlaubsmäßig, Sylt!

    Lang lebe die SansiBar!!
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#3 Ralph
  • 17.09.2017, 15:27h
  • In der Sonntagsausgabe der hiesigen Regionalzeitung findet sich stets ein Artikel über ein Reiseziel. Vor zwei, drei Monaten gab es einen enthusiastischen Bericht über Sansibar. Daraufhin schrieb ich einen Leserbrief, in dem ich bemängelte, dass über die bedrohliche Lage der Menschenrechte im Paradies kein Wort verloren worden war und dass man schwule Männer warnen muss, dorthin zu reisen, weil sonst schnell aus einem zweiwöchigen Urlaubs- ein zwanzigjähriger Gefängnisaufenthalt werden kann. Immerhin wurde der Leserbrief ungekürzt abgedruckt.
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#4 queergayProfil
  • 17.09.2017, 19:22hNürnberg
  • Auf Druck islamistischer Gruppen ist das Strafmaß gegen Homosexuelle erhöht worden.
    Hoffentlich wird auf ähnlichen Druck islamistischer Gruppen in Deutschland in passender Weise reagiert.
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#5 SebiAnonym
#6 Patroklos