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Ana Brnabic

Belgrad: Ministerpräsidentin verstärkt einen CSD im Aufbruch

Mit der neuen lesbischen Regierungschefin als Gast blieb der Pride im Vergleich zu Vorjahren friedlich.


Ana Brnabic am Sonntag beim CSD in Belgrad

Erstmals hat in Serbien ein Regierungsoberhaupt am lange umkämpften CSD in Belgrad teilgenommen. Die Ende Juni vom Parlament ins Amt gewählte Ministerpräsidentin Ana Brnabic betonte am Sonntag: "Die serbische Regierung ist für alle Bürger da, sowohl für die Mehrheit als auch für die Minderheiten". Sie wolle ein Signal senden, dass Vielfalt eine Gesellschaft stärker mache, "dass wir zusammen mehr erreichen".


Die Gäste von ILGA Europe lobten die "gute Stimmung" des diesjährigen CSD. Man hat schon anderes gesehen. Bild: ILGA-Europe / facebook

Es sei gut, dass es Antidiskriminierungsgesetze gebe und dass Gewalt gegenüber Minderheiten abnehme, betonte die 41-Jährige. "Aber es ist genau so wichtig, dass wir aufhören, uns mit Worten zu verletzen. Egal wieviel Schmerz ein Schlag ins Gesicht ausrichten kann, die Schwere eines Wortes ist oft viel verletzender."


"Unser Leben in vier Wänden" – Noch immer ist Homosexualität in Teilen der Gesellschaft Serbiens ein Tabu

Die Ex-Unternehmerin war im letzten Jahr vom damaligen Ministerpräsidenten Aleksandar Vucic als Parteilose überredet worden, das Ministerium für öffentliche Verwaltung zu übernehmen. Sie wurde so im letzten Jahr das erste homosexuelle Regierungsmitglied des Landes – sie selbst betonte dazu, "keine Sprecherin der LGBTI-Community" sein zu wollen. LGBTI-Organisationen lobten die Ernennung als wichtigen Schritt zur Normalisierung und Sichtbarmachung der queeren Minderheit, blieben aber der Regierungskoalition aus der nationalkonservativen Serbischen Fortschrittspartei mit einer sozialistischen Partei als kleinen Partner kritisch gegenüber. Das Land, das Homo-Paare bislang rechtlich nicht anerkennt, müsse etwa mehr gegen Homo- und Transfeindlichkeit tun.

Gegendemonstrant in Untersuchungshaft

An dem CSD am Sonntag nahmen mehrere weitere Regierungsvertreter teil und auch der Bürgermeister von Belgrad. Mehrere tausend Teilnehmer zogen durch die Straßen der Innenstadt, geschützt von rund 2.000 Polizisten. Vor manchen kleineren Gegenprotesten von Nationalisten und Anhängern der serbisch-orthodoxen Kirche hatten die Beamten Straßensperren errichtet.


Einer von mehreren Gegenprotesten

Im Vergleich zu Vorjahren blieb es recht friedlich, auch wenn ein Pride-Gegner nach einem bislang recht unklaren Vorfall festgenommen und von einem Gericht vorläufig für bis zu 30 Tage in Untersuchungshaft gesteckt wurde – für die "Vorbereitung einer Tat gegen die Verfassung und Sicherheit Serbiens".

Direktlink | Eindrücke vom Belgrader CSD 2017

Noch 2010 hatten Nationalisten Teilnehmer des CSD mit Steinen und Brandbomben beworfen – fast 100 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt, die meisten davon Polizisten. In den Folgejahren war der Pride mehrfach aus Sicherheitsgründen verboten worden. 2014 kam es zu kleineren Ausschreitungen und der Festnahme von 50 Nationalisten, auch 2015 nahm ein Polizeigroßaufgebot etliche Gegendemonstranten fest, orthodoxe Priester segneten danach die Straßen der zuvor weiträumig abgesperrten Innenstadt neu.



#1 janxAnonym
  • 17.09.2017, 21:37h
  • orthodoxe Priester segneten danach die Straßen der zuvor weiträumig abgesperrten Innenstadt neu

    Hihihi. Danke für den guten Lacher am Abend. Was keiner weiß: Mehrere Lederkerle haben in der Nacht darauf die Straßen erneut gesegnet, weil die Priester sie mit ihrer Anwesenheit beschmutzt haben ;-)
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#2 TheDadProfil
  • 17.09.2017, 21:46hHannover
  • ""orthodoxe Priester segneten danach die Straßen der zuvor weiträumig abgesperrten Innenstadt neu.""..

    Denen hätte man mal einen Besen mitgeben können..

    Der Ministerpräsidentin gehört für ihre offene Teilnahme gedankt..
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#3 EuropäerAnonym
  • 09.10.2017, 18:13h
  • Ein recht schlechter Bericht.

    Die Brnabic war schon letztes Jahr beim CSD. Also nichts Neues, aufsehenerregendes. Gut, damals war sie keine Premierministerin, wie jetzt ... aber sie war schon 2016 anwesend.

    Erwähneneswert ist aber, dass Jelena Karleusa, eine bekannte Popsängerin, Schirmherrin, bzw. Patin (Kuma), der Belgrader Pride war. Sie engagiert sich seit Jahren für LGBT Rechte. Unter den Gästen waren auch Vertreter von kosovoalbanischen LGBT Organisationen - unter Heteros wäre dies undenkbar. Unter uns, bei der LGBT Community, selbstverständliche Unterstützung. Auch Vertreter, aus der Türkei, wo die Pride brutal unterbunden wurde, waren zu Gast. Es gab noch viele Punkte, die erwähnenswert sind, aber in der schlechten Berichterstattung, untergingen.

    Aber das drei Nonnen und ein verrückter Prister Straßen weihen, das muss natürlich prominent erwähnt werden. Religiös verwirrte Menschen, finden sich übrigends auch bei uns regelmäßig, auf fast allen CSDs.

    Bereits 2014, 2015 und 2016 verliefen die Prides alle friedlich. Ich kann mich dem Eindruck nicht verwehren, dass sich der Bericht liest, wie von Kolonialherren geschrieben.
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