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Bundestagswahl 2017

LGBTI-Umfrage: Grüne vorn, AfD scheitert an 5%-Hürde

Würden am kommenden Sonntag nur LGBTI wählen, hätte Grün-Rot laut einer wissenschaftlichen Umfrage der Unis Wien und Gießen eine Mehrheit.


In einem queeren Paralleluniversum übernimmt in Kürze Bundeskanzler Cem Özdemir oder Bundeskanzlerin Katrin Göring-Eckardt das Ruder (Bild: Bündnis 90 / Grüne)

Laut einer am Montagabend in Berlin vorgestellten Studie können die Grünen bei den Bundestagswahlen am kommenden Sonntag mit den meisten Stimmen von homo- und bisexuellen sowie trangeschlechtlichen Personen rechnen. Fast ein Drittel von LGBTI würden sich demnach für die Ökopartei entscheiden, so das Ergebnis der LGBTIQ*-Wahlstudie, die von Wissenschaftlern der Universitäten von Gießen und Wien in Kooperation mit dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) durchgeführt wurde. Insgesamt hatten sich bei der Online-Befragung über 7.000 Personen beteiligt. Am Ende flossen die Daten von 5.300 LGBTI mit deutschem Pass in das Ergebnis ein.

Insgesamt liegen die Grünen mit 29 Prozent der Stimmen vorne. Auf den zweiten Platz schafft es Die Linke mit rund 23 Prozent, knapp gefolgt von der SPD mit 21 Prozent. Platz vier nimmt die FDP mit 9,5 Prozent ein. Die Union erreicht nur rund sieben Prozent. Abgeschlagen wäre laut dieser Befragung die AfD mit nur 2,7 Prozent. Die Ergebnisse sind wie andere Meinungsumfragen zur Bundestagswahl keine Prognose, da das tatsächliche Ergebnis am Wahltag von vielen anderen Faktoren abhängt.



LSVD-Sprecherin Henny Engels zeigte sich über das relativ schwache Abschneiden der AfD erleichtert: "Die Ergebnisse der ersten LGBTIQ-Wahlstudie zeigen deutlich: Lesben, Schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen lassen sich von einer lesbischen Spitzenkandidatin nicht täuschen", so Engels mit Blick auf Alice Weidel. "Wie der Lesben- und Schwulenverband erteilen die Befragten der homophoben und diskriminierenden AfD-Politik mit 2,7 Prozent eine deutliche Absage." Der LSVD hatte in seinen Wahlprüfsteinen bereits ausdrücklich vor der AfD gewarnt (queer.de berichtete).

Große Unterschiede zu PlanetRomeo-Umfrage

Damit unterscheidet sich die Befragung diametral von einer vor wenigen Tagen veröffentlichten PlanetRomeo-Umfrage, nach der die Union mit 22 Prozent die beliebteste Partei unter den Nutzern des Portals ist. Die rechtspopulistische AfD kann laut diesem Stimmungsbild mit zwölf Prozent mehr als vier Mal so viele Stimmen erzielen wie in der von Politikwissenschaftlern der Unis Gießen und Wien durchgeführten neuen Studie (queer.de berichtete). Die Befragung von PlanetRomeo weist allerdings mehrere Mängel auf – so verriet das Portal wenige Details zur Entstehung und näheren Auswertung der Zahlen.

Freilich waren in der PlanetRomeo-Befragung nur Männer, die Sex mit Männern haben, beteiligt – und diese Gruppe hat auch laut der neuen wissenschaftlichen Untersuchung tatsächlich ein anderes Wahlverhalten als lesbische Frauen: Unter Schwulen sind Union, FDP und die AfD weit stärker als unter Lesben. So bevorzugen nur 5,6 Prozent der lesbischen Frauen CDU/CSU, aber 8,5 Prozent von Schwulen. Die AfD ist unter schwulen Männer sogar fast drei Mal so populär wie unter Lesben (3,4 Prozent gegenüber 1,2 Prozent).

Lesbische Frauen sind grüner als schwule Männer

Lesben sind auch die größeren Fans der Grünen. Bei Schwulen erreicht die Ökopartei lediglich 27,6 Prozent – und liegt damit relativ knapp vor SPD (23,0 Prozent) und Linkspartei (22,7 Prozent). Lesbische Frauen haben dagegen eine klare Präferenz für die Grünen – mehr als ein Drittel (36,1 Prozent) würden für die Partei von Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir stimmen. Die SPD liegt mit 19,9 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei.



Die Linke würde der Umfrage zufolge die relative Mehrheit unter Bisexuellen (30 Prozent) und Pansexuellen (34 Prozent) erhalten, unter Transpersonen kratzt die Partei mit 44 Prozent sogar an der absoluten Mehrheit. In diesen Gruppe schneiden zudem CDU/CSU und FDP besonders schwach ab, unter Pansexuellen und Transpersonen schwächelt zudem die SPD.







Bei den queeren Wählern gibt es wie auch in der Gesamtbevölkerung ein Ost-West-Gefälle. In allen ostdeutschen Bundesländern liegt die Linkspartei vorne, nur im Stadtstaat Berlin wird sie von den Grünen überholt. Im Westen sind dagegen in fast allen Ländern die Grünen vorne, einzige Ausnahmen sind Bremen (Linke) und Saarland (SPD).



89 Prozent der LGBTI-Wähler halten es für wichtig oder sehr wichtig, dass die Kandidaten der Parteien gegenüber der Community solidarisch sind. In dieser Einschätzung gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Parteianhängern: Wähler von SPD, Linken und Grünen sehen als wichtigstes Themenfeld "Diskriminierung" an, gefolgt von "Homophobie". Bei der FDP landen beide Themen praktisch gleichauf ebenfalls auf den ersten beiden Plätzen. Anders bei der CDU/CSU: Hier ist den LGBTI-Wählern besonders die Migrationspolitik, Kriminalität und Bildungspolitik wichtig. Das Thema Diskriminierung befindet sich nur auf Rang fünf.

Bei der AfD taucht in den Top-Fünf überhaupt kein LGBTI-Thema auf. Die wichtigsten Themen für homo-, bi- und transgeschlechtliche Wähler der AfD sind Kriminalität, die Migrationspolitik und die Euro-Krise.

Eine ähnliche Umfrage wurde als Pilotprojekt vom selben Forschungsteam zu den letzten Gemeinderatswahlen in Wien im Jahr 2015 und zu den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin 2016 durchgeführt. Bei der Berlin-Wahl kam heraus, dass die CDU unter queeren Wählern an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde (queer.de berichtete). Alle bisherigen Ergebnisse sind hier abrufbar. Am 6. Oktober wird auch eine Studie zur Nationalratswahl in Österreich veröffentlicht, die dann gut eine Woche später stattfinden wird.

Anlass für die Befragungen ist, dass die LGBTI-Community bei den etablierten Wahlanalysen in Deutschland und Österreich bislang unter den Tisch fällt. Für die Parteien bieten die Ergebnisse die Möglichkeit, sich mit den Interessen und Präferenzen ihrer Wähler zu beschäftigen.

Wöchentliche Umfrage

» Bundestagswahl: Welche Partei wählst du am Sonntag?
    Ergebnis der Umfrage vom 18.09.2017 bis 25.09.2017
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#1 NiedergemeiertAnonym
  • 18.09.2017, 20:11h
  • Im Übrigen bin ich der Meinung, dass #AfD zerstört werden muss... #Gehtwählen #btw17
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#2 Janana
  • 18.09.2017, 20:12h
  • Nunja,

    es wäre ja auch ein Desaster, wenn PlanetRomeo repräsentativ gewesen wäre. Aber wer weiß? Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

    Dennoch - es bringt wenig, von Paralleluniversen zu träumen - die Realtität ist da draußen. Und da WIRD die AfD im Bundestag sitzen. Und die CDU wird regieren.

    Insofern ist das nichtmal Schönfärberei, sondern Träumerei. Die Fragen sind: Wie gehen LGBTIQ* mit dem Wahlergebnis um? Was tun sie, um es zu ändern?
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#3 BuntundSchönAnonym
  • 18.09.2017, 20:40h
  • Antwort auf #2 von Janana
  • Nein, die Frage lautet: wie geht ganz Deutschland mit dem Wahlergebnis um, und was tut JEDER EINZELNE, um was zu verbessern??

    Meine Meinung sieht immer noch so aus, dass Politik bürgernäher werden muss.
    Die Wähler müssen ''wachgerüttelt'' werden.
    Wenn die CDU wieder gewinnt, war die Opposition nicht konsequent genug. Die SPD ist erst am Ende konsequent geworden.
    Die Grünen haben längere Zeit Damof gemacht und waren engagiert.

    Schlimm finde ich, wenn viele Bürger sagen: ja, die Eheöffnung ist gut, und sie trotzdem die CDU wählen. Das ist ein Widerspruch und sehr feige!
    Wer die Eheöffnung gut findet, muss auch dazu stehen und entsprechend wählen.

    © ich wähle Grün.
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#4 FehlerAnonym
#5 Sven100Anonym
  • 18.09.2017, 20:55h
  • Schön, dass queer.de von Zeit zu Zeit Beiträge bringt, über die man laut lachen kann.
    Grüne also bei 29 %, AfD bei 2,7 % usw
    Ich frage mich, wer solche Beiträge ernst nimmt.
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#6 BuntundSchönAnonym
#7 Berlin_Profil
  • 18.09.2017, 22:28hBerlin
  • Was sollen solche Artikel eigentlich?
    Das soll wohl ein Gefühl von "ach eigentlich ist alles gut" verbreiten? Am Ende sind dann doch wieder alle geschockt wie es nur sein kann, dass eine rechte Partei so viele Stimmen erhält.

    Und zum Artikel:
    "von homo- und bisexuellen sowie trangeschlechtlichen Personen" irgendwie verstehe ich nicht, warum immer versucht wird eine Aufzählung zu machen, die dann wieder Menschen ausschließt. Was ist denn mit heterosexuellen intergeschlechtlichen Personen? Sind die auch dabei? Laut Aufzählung ja nicht.
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#8 PschoAngelProfil
  • 18.09.2017, 22:30hWesterstede
  • Antwort auf #5 von Sven100
  • Ich wüsste nicht worüber man lachen sollte? Es ist nunmal ein Fakt, dass die LGBTQ Community in den meisten Teilen Grün-Rot-Rot wählt. Und dass die AFD wohl eine der unbeliebtesten Parteien in der Community ist, muss man nicht erklären oder?
    Es geht hier ja nur um eine LGBTQ Umfrage und nicht um eine Hochrechnung (die so wohl eine Traumwelt ist und das mit 1000000%iger Sicherheit)
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#9 BaldwinProfil
  • 18.09.2017, 23:47hWuppertal
  • Interessant wäre es zu wissen, wie die Uni Gießen an ihre Umfrageteilnehmer gekommen ist.
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#10 FelixAnonym
  • 19.09.2017, 00:19h
  • Da noch 40 Prozent der Wähler unentschieden sind, kommt es wirklich auf jede einzelne Stimme an...

    Wir können nicht nur zeigen, dass es sich lohnt, sich für unsere Rechte einzusetzen, sondern auch, dass man gegen uns nicht mehr anregieren kann.
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