Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?29722

Kompromiss nach jahrelangem Streit

Lesbische NS-Opfer bekommen eigene Gedenktafel

In der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück soll der homosexuellen Häftlingsfrauen gedacht werden – obwohl die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten keine Belege für eine gezielte Verfolgung sieht.


Bronzeplastiken vor der ehemaligen Lagermauer in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück (Bild: ho visto nina volare / wikipedia)

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten will im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück nun doch eine Gedenktafel zur Erinnerung an die lesbischen Häftlinge anbringen. Dies teilte Direktor Prof. Dr. Günter Morsch dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg am 15. September in einem Brief mit. Derzeit werde eine "zustimmungsfähige Formulierung erarbeitet und diskutiert".

Über eine Gedenktafel für die lesbischen NS-Opfer wird seit den Achtzigerjahren heftig gestritten. Mehrfach hatte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten entsprechende Anträge mit der Begründung abgelehnt, dass eine gezielte Verfolgung homosexueller Frauen im Nationalsozialismus nicht bewiesen sei.

Stiftung: Lesben auch nicht unter Vorwand inhaftiert

Auch im Brief an den LSVD schreibt Morsch, die anwesenden Mitglieder der Fachkommission hätten bei ihrer letzten Sitzung "übereinstimmend festgestellt, dass es nach dem bisherigen wissenschaftlichen Forschungsstand nicht belegt ist, dass lesbische Frauen wegen ihrer Homosexualität mit KZ-Haft bestraft wurden. Es lässt sich bisher auch kein einziger Fall finden (unter 139.000 Häftlingsfrauen), in dem nachweislich lesbisches Verhalten unter Vorwänden (z.B. als Asoziale) mit KZ-Haft sanktioniert wurde."

Nach Auskunft von LSVD-Landesgeschäftsführer Jörg Steinert läuft der Kompromiss nun auf ein Gedenken an die lesbischen Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück hinaus, wobei die verschiedenen Inhaftierungsgründe bzw. Haftgruppen auf der Tafel genannt werden sollen. Bereits 2011 gab es den Formulierungsvorschlag: "Im Gedenken an lesbische Frauen, die aus politischen, religiösen, rassistischen oder sozialen Gründen im KZ Ravensbrück in den Jahren 1939-1945 inhaftiert waren."

Der Lesben- und Schwulenverband hatte in der Debatte einen biografischen Ansatz favorisiert und eine Erinnerungstafel für die beiden lesbischen Straßenbahnfahrerinnen Margarete Rosenberg und Elli Smula vorgeschlagen. Er könne sich vorstellen, diesen Antrag nun zurückzuziehen, erklärte Steinert gegenüber queer.de.

Keine Chance für die "Gedenkkugel"


Die "Gedenkkugel" muss weiterhin im Schwulen Museum* bleiben (Bild: Agnes Witte)

Der Kompromiss bedeutet eine endgültige Absage an die von der Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" entwickelte "Gedenkkugel", die seit Ende Juli aus Protest gegen die bislang ablehnende Haltung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten im Schwulen Museum* ausgestellt wird. Deren Inschrift geht von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen aus: "In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als 'entartet' und wurden als 'asozial', als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!"

Der Druck auf die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hatte in den letzten Monaten zugenommen. So fand etwa im April in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück die Fachtagung "Identitätspolitik und Gedenken. Schwul-Lesbische Erinnerungskulturen in der Diskussion" statt. Zuletzt hatten sich auch Brandenburgs Frauenministerin Diana Golze (Linke) und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld für einen eigenen Gedenkort für die lesbischen KZ-Häftlinge stark gemacht. Sie argumentierten u.a., dass die Verfolgung von Lesben im Dritten Reich kaum erforscht sei und sich ihr Unsichtbarmachen nicht in der Gedenkkultur fortsetzen dürfe. (mize)



#1 ProsperAnonym
  • 19.09.2017, 13:01h
  • Na super. Da siegt also der Druck der Straße über die historischen Fakten. Wenn es keine Verfolgung gab, warum dann eine Gedektafel? Sicher: Statistisch betrachtet muss es auch lesbische Frauen unter den Häftlingen gegeben haben. Allerdings auch unter den Wärterinnen. Und das ist sogar durch Quellen belegt. Da ging es z. B. um den sexuellen Missbrauch weiblicher Häftlinge. Kann man in den Aufzeichnungen des Auschwitz-Kommandanten Höss nachlesen. Brauchen wir also auch eine Mahntafel für lesbische Wärterinnen? Das wäre dann jedenfalls konsequent ...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 spontiAnonym
  • 19.09.2017, 13:55h
  • Unverständlich, ja unsäglich.

    Wer so das Gedenken gestaltet, relativiert das Leiden der schwulen Männer, weil der Eindruck entstehen kann, dass sie wie lesbische Opfer "nur" auch noch zufällig schwul waren.

    Schwule sind wegen ihrer Sexualität verfolgt, gefoltert und ermordet worden. Das ist eine ganz eigene Kategorie.

    Warum ist es so schwer auszuhalten, dass es unter Homosexuellen nur eine Opfergruppe gibt, nämlich schwule Männer?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Denk_mal_nachAnonym
  • 19.09.2017, 14:16h
  • Antwort auf #1 von Prosper
  • Wie schräg bist du denn drauf? Mach dich mal schlau, bevor du hier so einen geistigen Dünnpfiff absonderst. Viele lesbische Frauen sind damals im KZ ermordet worden, wenngleich auch nicht explizit als Lesben, sondern als sog. 'Asoziale'. Es ist völlig berechtigt, dass es nun eine Gedenktafel für sie gibt. Ich würde mir dasselbe auch für andere Gruppen wünschen, die bis heute kaum/keinerlei Anerkennung als NS-Opfer erhalten haben: Intersexe, trans Personen etc.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Denk_mal_nachAnonym
  • 19.09.2017, 14:26h
  • Antwort auf #2 von sponti
  • Warum ist es so schwer anzuerkennen, dass auch lesbische Frauen im KZ ermordet wurden und schwule Männer nicht die einzige queere NS-Opfergruppe waren? Macht es einen Unterschied, ob (queere) Menschen als 'Asoziale' oder explizit als 'Homosexuelle' systematisch verfolgt und ermordet wurden? Tote gibt es in beiden Gruppen. Der Unterschied ist nur, dass Erstere - auch heute noch - um die Anerkennung des erlittenen Unrechts und dessen Sichtbarmachung sowie die historische Aufarbeitung kämpfen müssen... Traurig, dass es manchen hier so schwer fällt, das zu begreifen.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 spontiAnonym
#6 TheMumProfil
  • 19.09.2017, 15:39hHannover
  • Gut! Das war schon lange überfällig! Die Marginalisierung von Lesben in der NS-Zeit und WEIT darüber hinaus findet damit vielleicht endlich ein Ende.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Denk_mal_nachAnonym
#8 spontiAnonym
  • 19.09.2017, 16:33h
  • Antwort auf #7 von Denk_mal_nach
  • Ich weiß, du wirst es nicht begreifen, ich versuche es trotzdem:

    Mussten Lesben den rosa Winkel tragen?
    Wurden Lesben aufgrund ihrer Sexualität verhaftet und ermordet?
    Wurde lesbische Sexualität durch § 175 unter Strafe gestellt?
    Werden Lesben per se mit Pädophilen gleichgestellt?

    Ich bitte nur darum, das Leid der Schwulen nicht mit der Diskriminierung der Lesben gleichzustellen. Das ist verdammt noch mal eine andere Hausnummer
  • Antworten » | Direktlink »
#9 BuntundSchönAnonym
  • 19.09.2017, 20:32h
  • Antwort auf #8 von sponti
  • Beruhige dich mal, Bursche.

    Also deine Meinung sieht so aus, dass du sagst: ''Nur ein bißchen Diskriminierung und Lesben, die im KZ waren,'' sei nicht der Rede wert?? Verstehe ich dich da richtig?
    So nach dem Motto: ''Das bißchen KZ war für die Lesben (Frauen) ein Zuckerschlecken?''

    Dass Schwule damals noch brutaler behandelt wurden, hat bisher niemand abgestritten, und auch im Artikel wird das nicht abgestritten.
    Was für ein Geltungskomplex hast du denn??

    Nun ist ein berechtigtes Mahnmal für diejenigen errichtet worden, die bisher in der Dunkelheit standen.
    Es werden die Frauen gewürdigt, denen Unrecht angetan wurde!

    Wenn du das nicht ertragen kannst, dann bleibe doch dem Artikel fern, anstatt hier was zu schreiben, was dermaßen Untergeschoss ist, dass ich mich fragen muss, ob du zu den Afdlern gehörst?? Zumindest ist es dieselbe niederträchtie Argumentation.

    Ist dein Würstchen so klein, dass du dich auf den Schlips getreten fühlst?
    Oder hast du Schwierigkeiten damit, Frauen als gleichberechtigt zu sehen?

    Irgendwas stimmt mit dir nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 BuntundSchönAnonym
  • 19.09.2017, 20:42h
  • Danke für dieses Mahnmal.
    Das wird denen gerecht, die damals ebenso gelitten haben, nur weil sie Lesben waren.
    Aber sinnbildlich steht dieses Mahnmal aus meiner Sicht auch für Bisexuelle, Transsexuelle, etc., die damals nicht verschont geblieben sind.

    © Peace
  • Antworten » | Direktlink »