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Berlin

Eigenartige Aufregung über Lehrer-Umfrage zu sexueller Vielfalt

Die Hauptstadtpresse und Politiker selbst aus der SPD blasen zum Angriff gegen eine wissenschaftliche Umfrage unter Lehrern in der Hauptstadt, weil darin auch das Thema sexuelle Orientierung vorkommt.


Der Senat will mehr über die Lage von LGBTI an Berliner Schulen erfahren – wenn das Wort Sex oder Vielfalt vorkommt, gibt es aber immer Stress (Bild: Many Wonderful Artists / flickr)

In Berlin gibt es kurz vor dem Herbstanfang eine typische Sommerlochdebatte. Anlass ist die vom Senat in Auftrag gegebene Online-Lehrerumfrage "Wie viel Vielfalt verträgt Schule?" – Darin soll unter anderem herausgefunden werden, wie es sexuellen Minderheiten an Berliner Schulen geht, wie virulent beispielsweise homo- oder transphobe Schimpfworte auf dem Pausenhof sind.

Die Hauptstadtpresse fand die Umfrage schrecklich: Der "Berliner Kurier" kritisierte die angeblich "skandalöse Sex-Umfrage", die B.Z. erregte sich über "Sex-Schnüffelei an Berlins Schulen" und selbst im seriösen "Tagesspiegel" fragte man sich: "Was soll das?"

Der Grund für die Aufregung ist insbesondere eine Frage nach der sexuellen Orientierung des Lehrers. Diese gehe den Staat nichts an, so der Tenor der empörten Berichte. In Vorstellungsgesprächen sei es sogar verboten, Bewerber danach zu fragen.

Auch Politiker aus mehreren Oppositions- und Regierungsparteien zeigten sich verstört. CDU-Fraktionschef Florian Graf erklärte ganz im Wahlkampfmodus: "Der Senat sollte sich bemühen, die hinteren Plätze in der Bildungspolitik zu verlassen – statt unnötig Energie für belanglose Dinge zu verschwenden." FDP-Bildungspolitiker Paul Fresdorf sprach von "seltsamer Prioritätensetzung". Die SPD-Abgeordnete Maja Lasić polterte auf Facebook sogar gegen die von ihrer eigenen Partei geführte Regierung – und deutete an, dass die Senatsverwaltung heimlich personenbezogene Umfragedaten auswerten könnte.

Es ist unklar, warum diese Studie plötzlich Redakteure und Politiker so sehr erregt. Im letzten Jahr hatte die Antidiskriminierungsbehörde bereits eine Umfrage unter LGBTI-Lehrern durchgeführt, in denen diese sich freilich auch anonym "outen" mussten – damals hatte das keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt. Jede Umfrage zum Thema sexuelle Orientierung fragt schließlich nach sexueller Orientierung.

Datenschutzbeauftragter segnete Umfrage ab

Sowohl die Umfrage der Antidiskriminierungsstelle als auch die des Berliner Senates wurden bzw. werden anonymisiert durchgeführt. Die Teilnahme an beiden Umfragen war nicht verpflichtend. Bei "Spiegel Online" versteht daher die Studienautorin Meike Watzlawik, eine Professorin für Entwicklung und Kultur, die Aufregung nicht:

Die Vorwürfe sind absolut haltlos. Wir wollen niemanden ausspionieren, sondern herausfinden, wie an Berliner Schulen mit dem Thema Vielfalt umgegangen wird. Dazu befragen wir Lehrkräfte an per Zufallsstichprobe ausgewählten Schulen in Berlin. Wir arbeiten nach geltenden wissenschaftlichen Standards, das Ganze ist abgesegnet vom Datenschutzbeauftragten des Landes. Rückschlüsse auf den Einzelnen werden nicht gezogen.

Einen Effekt könne die Attacke auf die Umfrage aber haben: Bislang haben sich laut der Professorin bloß ein paar hundert Lehrer daran beteiligt: "Wir hatten auf bis zu tausend Teilnehmer und Teilnehmerinnen bis Ende September gehofft, aber ich fürchte, das wird uns wegen des Trubels nun nicht mehr gelingen", so Watzlawik. Dabei wäre es so wichtig, Daten im Kampf gegen Homo- und Transphobie an Schulen zu sammeln.



#1 BuntundSchönAnonym
  • 19.09.2017, 13:12h
  • Die Reaktionen sind ja nichts Unbekanntes.
    Wer möchte schon mit seiner Intoleranz konfrontiert werden, oder es sogar noch zugeben??

    Danke für diese Umfrage - das ist wichtig.
    Es wird Zeit, ein Zeichen für Toleranz/Akzeptanz zu setzen. Das Vertuschen und Verheimlichen darf keinen Platz mehr haben.
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#2 AchsoAnonym
  • 19.09.2017, 13:56h
  • So so, queer.de ist verwundert, warum es Gegenwind von Presse und Politik gibt. Schon mal die Begriffe "Rollback" und "Rechtsruck in Deutschland" gehört?
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#3 saltgay_nlProfil
  • 19.09.2017, 15:46hZutphen
  • Natürlich darf die Frage nach dem Sinn gestellt werden. Viel entscheidender ist doch die Tatsache, ob die Antwort statistisch verwertbar ist. Lehrer stehen doch in jedem Fall unter verschärfter Beobachtung. Einerseits ist das die sie schurigelnde vorgestzte Behörde, andererseits die hysterischen Eltern, die wissen, wie man Kinder macht aber keinen Schimmer davon haben, wie man sie erzieht.

    Außerdem liegen Schulen ja in ständigem Wettbewerb und ängstlich wird alles vermieden, was das kostbare Image schädigen könnte.

    Ergo wird der Lehrer aller Wahrscheinlichkeit nach keine ehrliche Angabe machen. Damit ist die Frage am Ende überflüssig.
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#4 FaktencheckAnonym
  • 19.09.2017, 16:59h
  • "Sex-Umfrage", "Betten-Schnüffelei", "Sex-Schnüffelei", "Intimleben".

    Wir lernen mal wieder: bei Heterosexuellen geht es um Liebe, Partnerschaften, Ehen und Familien. Schwule haben nur Sex, Sex, Sex und Sex.
    Das eine gehört in die Öffentlichkeit und in jeden Smalltalk, das andere ist furchtbar "intim" und muss unsichtbar bleiben.
    Das ist Deutschland im Jahr 2017.
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#5 TheDadProfil
#6 svenAnonym
#7 aufregungAnonym
#8 KarlAnonym
  • 20.09.2017, 19:46h
  • Eigentlich traurig, was da für ein Theater gemacht wird. Die Umfrage dient doch einem guten Zweck. Wäre schön, wenn möglichst viele Personen teilnehmen würden und so auch ein kleines Zeichen setzen würden.
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#9 IngoAnonym