Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?2974

Mit der Androhung von Zwangsouting sollte der konservative schwule Spanier Vorbild für "unsere" LSU sein.

Von Carsten Weidemann

Man mag denken, die Outing-Debatten lägen hinter uns. Weit gefehlt, lernt das Beispiel des Spaniers Carlos Biendicho. Der schwule Konservative droht Parteikollegen mit Outing, sollte die Partei weiter Druck gegen die Homo-Ehe machen.

Oft genung ist Outing als etwas böses beschimpft worden, als Verletzung der Privatsphäre statt als Öffentlichmachung eines in der Regel ohnehin bekannten Teil einer Persönlichkeit. Dabei kann es für die Betroffenen durchaus nützlich sein, erspart es ihnen doch, dass beispielsweise durch Erpressungsversuche tatsächlich private Details bekannt werden oder die Spekulationen darüber überhand nehmen - das lehrt die Hamburger Schule um Von Beust/Kusch/Schill.

Zugleich erspart das Outing der Öffentlichkeit absurdes Handeln. Wenn ein Politiker für eine Investition stimmt, weil er von einer Firma bezahlt worden ist, so sollte die Öffentlichkeit das erfahren. Stimmt ein Politiker gegen ein Gesetz zur Homo-Ehe, obwohl oder gerade weil er heimlich schwul ist, gilt das genauso. Dass es in Deutschland einen heimlich schwulen Ministerpräsidenten gegegeben haben soll, dessen Land in Karlsruhe gegen die Homo-Ehe klagen wollte: das wollte am Schluss nicht mal der Bund Lesbischer und Schwuler Journalisten so genau verbreiten. Schade.

Denn der Wahrheit hilft es sehr, der Anpassung der Politik an die Realität ebenso wie der Gleichberechtigung. Es nimmt dem Gerede vom Schutz der Ehe und Familie den Wind aus den Segeln, wenn die Hauptkämpfer selbst keine Ahnung von Familie haben. Die spanischen Kollegen sollten damit auch ein Vorbild für die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) sein: statt in Pressemitteilungen ein in der Sache nichts bringendes Gespräch mit Spitzenpolitikern der Partei als Erfolg zu feiern, würde mehr Aktivismus der Gesellschaft gut tun. Auch der LSVD könnte das Kuscheln mit den Grünen gegen etwas kämpferischeren Einsatz tauschen - schließlich ist der jetzige Stand der Homo-Emanzipation und -gleichstellung eher ernüchternd.

Der Homo-Orden geht also an Carlos Biendicho - für den sinnvollen Outing-Ansatz und für den Spaß, den wir uns in den kommenden Wochen erhoffen.

16. Juni 2005



14 Kommentare

#1 MalteAnonym
  • 16.06.2005, 16:38h
  • BRAVO!!

    Normalerweise finde ich zwar, dass man niemanden gegen seinen Willen outen sollte, aber wenn jemand Lesben und Schwulen schaden will, obwohl er selbst schwul / lesbisch ist, dann muss man auch mal zu diesem Mittel greifen.

    Es muss sich endlich was tun! Schade, dass das nicht auch mal jemand hier in Deutschland mit der CDU / CSU macht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 DanielAnonym
  • 16.06.2005, 19:00h
  • Ich glaube es nicht. Sind wir wieder auf dem Praunheim-Niveau? Jede/r hat ein Recht auf den Schutz seiner Privatsphäre. Das gilt auch für Klemmschwestern in rechten Parteien. Mit diesem Gerede über "Zwangs-Outing" rücken wir Homo- und Bisexualität wieder ins Zwielicht, erklären es zu etwas negativen. Mit Druck wird man außerdem keinen Menschen dazu bewegen können sich selbst anzunehmen. Das würde sicher mehr Schaden anrichten als Nutzen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 wolfAnonym
  • 16.06.2005, 19:10h
  • wer durch sein amt in der öffentlichlichkeit, menschen schaden zufügt und sie diskriminiert, obwohl er heimlich den gleichen neigungen nachgeht, gehört geoutet !!!!!!!!!!!!!!!
    es kann nicht angehen, dass diese klemmschwestern den menschen schaden, die für ihre lebensweise unterdrückt werden, nur um sich einen persönlichen vorteil zu verschaffen. solche typen haben ihr recht auf "diese" privatspähre verwirkt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 DanielAnonym
  • 16.06.2005, 19:31h
  • @Wolf: Du willst also in die Rechte aus Art. 2 Grundgesetz eingreifen? Maßt Du Dir an, anderen Menschen ihre Grundrechte abzusprechen? Gerade homo- ,bi- und transsexuelle Menschen sind auf eine Demokratie und den Schutz dieser elementaren Grundrechte angewiesen. Wir sollten also nicht auf die schräge Idee verfallen sie unseren Leidensgenossen abzusprechen. Fällt uns denn nichts anderes ein, als andere Menschen mit der Offenlegung ihres Privatlebens zu bedrohen? Sind wir so tief gesunken?
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MalteAnonym
  • 16.06.2005, 19:43h
  • @Daniel:

    Ich bin eigentlich auch gegen Zwangsoutings, aber hier geht es um Leute, die uns massiv schaden, obwohl sie selbst in der gleichen Liga spielen. Wenn sie nur sich selbst verleugnen, um sich einen Karrierevorteil zu schaffen, sollen sie es ruhig tun, aber nicht, wenn sie sich auf Kosten anderer einen Karrierevorteil verschaffen wollen.

    Es geht auch nicht darum, Homosexualität als etwas Negatives darzustellen, sondern den Bürgern zu zeigen, wie verlogen und heuchlerisch die Konservativen sind, die Homosexuelle weiter diskriminieren wollen. Wenn Homosexuelle anderen Homosexuellen schaden, dann haben die anderen auch das Recht die Hintergründe aufzudecken.

    Und zu den Praunheimoutings: rückblickend war das doch der Beginn, dass das Thema auch in Deutschland unverkrampfter angegangen wurde. Selbst viele der damals geouteten sagen heute, dass das rückblickend sehr positiv für sie war, da das Versteckspiel und die Angst endlich aufhörten und sie selbst nie den Mut dazu gehabt hätten. Und erst das hat zu einem Klima geführt, dass auch heute Prominente keine Angst mehr vor einem Outing haben müssen. Und es hat niemandem der damals geouteten in der Karriere geschadet, teilweise hat es sogar der Karriere genutzt.

    Fazit: Jeder soll selbst entscheiden, was er anderen über sein Privatleben sagen will und was nicht. Aber wenn heuchlerische Politiker, die selbst homosexuell sind, nur aus Machtgeilheit der Mehrheit der Homosexuellen schaden, dann sollte man das schon aufdecken, damit der Wähler weiß, dass das Schaden von Homosexuellen nicht sachlich begründet werden kann, sondern immer nur populistisch ist und mit Eigeninteresse begründet werden kann.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 DanielAnonym
  • 16.06.2005, 19:51h
  • @Malte: Das kann man den Wählern auch ohne eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte klar machen und ohne sich das auf das billige Niveau seiner Gegner zu begeben. Nicht andere Menschen, sich selbst muss man outen und den heterosexuellen Menschen ein positives Bild "des Schwulen" vorleben. Das nimmt der rechten Hetze eher den Wind aus den Segeln als aller Verrat. Meinst Du wirklich es wäre ein Werbung für uns Leute wie Gauweiler als schwul zu outen?
  • Antworten » | Direktlink »
#7 madridEUAnonym
  • 16.06.2005, 20:15h
  • @daniel:Klugscheissen gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, nur bin ich nie sicher, ob es andere eventuell noch besser können und dann lasse ich es lieber.
    Zum Thema: Daniels These des bedingungslosen Selbstoutens ist mir vertraut. Ich habe es noch unter Franco in einem Macholand wie Spanien gewagt, zu meiner Homosexualität zu stehen. Heute kann ich sagen, dass ich selten auf irgendeine Weise diskriminiert wurde, weil ich meinen Mitmenschen den "Wind aus den Segeln" genommen habe.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 KlausAnonym
  • 17.06.2005, 13:38h
  • Der Outing-Gedanke ist ja, dass konservative Politiker danach die Homopolitik unterstützen. Aber wenn man die nun offen schwulen Westerwelle und Kusch sieht und ihr Handeln in der Homopolitik, dann ist das wohl nur Wunschtraum. Im Gegenteil sorgen sie gerade, als Feigenblatt, für eine Verfestigung der Positionen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 EL NegroAnonym
  • 20.06.2005, 13:32h
  • Diese Idee von der Schwulen in der PP finde ich auch als Konservativer gut. Hier ist die LSU wohl zu brav.

    Wer öffentlich gegen die Emanzipation als nicht geouteter Schwuler oder Lesbe wettert, hat es nicht anders verdient.

    Allerdings muss man differenzieren. Wie Daniel richtig bemerkt hat, muss nicht unbedingt jeder lesbischschwuler Politiker auch zwangsläufig Aktivist sein. Und hier sollte die Privatsphäre auch Bestand haben.

    Die Mitglieder der LSU sollten allerdings schon Aktivisten sein. Der Sinn der LSU ist ja gerade primär innerhalb der Union Lobbyarbeit zu leisten und zu zeigen, dass einige in der Union auf diesem Gebiet Einstellungen haben, die weder mit der Realität, noch mit Akzeptanz was zu tun haben.

    Ich persönlich kann einfach nicht nachvollziehen, wieso gerade Christdemokraten bzw.Konservative gegen die Homoehe sein können, wenn nicht aus Diskriminierung. Im übrigen war die Homo-Ehe auch Thema bei den Grünen. Weshalb Ehe - Da gab es Tendenzen die völlig gegen die Ehe insgesamt waren, und dann kamen die Homos und wollten diese auch für sich haben. Das hat auch bei den Grünen Überzeugungsarbeit gekostet sagen behaupten die grüne Aktivisten.

    @madridEU: Haben die Schwulen in der PP eigentlich eine Homepage bzw. einen Organisationsname?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 MalteAnonym
  • 21.06.2005, 20:24h
  • @Klaus:

    "Der Outing-Gedanke ist ja, dass konservative Politiker danach die Homopolitik unterstützen."

    Nein, von Leuten, die sich aus Machtgeilheit selbst verleugnen um uns zu schaden, erwarte ich gar keine Unterstützung mehr. Auf Menschen ohne Rückgrat kann man sich eh nicht verlassen.

    Es geht nur darum, den Wählern zu zeigen, wie verlogen und bigott die Konservativen aus reiner Machtgeilheit sind.
  • Antworten » | Direktlink »