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Eingriff in die innere Pressefreiheit

Per Dienstanweisung keine Berichte über Schwule und Lesben

Beim "Straubinger Tagblatt" gab es eine schriftliche Anweisung an die Redakteure, wegen der "christlich-weltanschaulichen Grundhaltung des Hauses" nicht über homosexuelle Paare zu schreiben.


Geschäftshaus des "Straubinger Tagblatts" am Ludwigsplatz in Straubing (Bild: Rosa-Maria Rinkl / wikipedia)

Beim "Straubinger Tagblatt", das mit der "Landshuter Zeitung" die zweitgrößte Verlagsgruppe Niederbayerns bildet, gab es eine schriftliche Dienstanweisung an die Mitarbeiter, keine Reportagen und Porträts über lesbische und schwule Paare zu veröffentlichen. Dies enthüllte der Ostbayern-Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung" Andreas Glas am Freitag.

In dem Schreiben des ehemaligen Redaktionsleiters "im Auftrag der Herausgeber" werde klargestellt, "dass Reportagen und Porträts über außereheliche Lebenspartnerschaften, also standesamtlich eingetragene Partnerschaften unter Lesben und Schwulen, mit der christlich-weltanschaulichen Grundhaltung des Hauses nicht im Einklang stehen und demzufolge zu unterlassen sind", zitierte Glas aus der internen Anweisung vom 27. Dezember 2013. Am selben Tag war in einer Lokalausgabe ein Artikel mit der Überschrift "Frau findet Frau fürs Leben" erschienen. Noch in diesem Jahr soll die Dienstanweisung in der Redaktion des "Straubinger Tagblatts" ausgehangen haben.

Der Verlagschef weiß von nichts

Hinter dem Schreiben wird der heute 80-jährige Seniorverleger Hermann Balle vermutet, der sich im Jahr 2002 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, aber immer noch Herausgeber ist. Sein Sohn, der aktuelle Verlagschef und Co-Herausgeber Martin Balle, zeigte sich gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" überrascht. Er kenne die Dienstanweisung nicht, erklärte er zunächst und hob sie – nach Aufklärung durch einen Mitarbeiter – zumindest mündlich auf: Über Lesben und Schwule dürfe "in meiner Zeitung in jeder Form berichtet werden", stellte Balle klar; "Ich habe eine Menge Freundinnen und Freunde, die homosexuell sind." Deshalb habe er "überhaupt keine Gründe, diese Beziehungen in Frage zu stellen".

In seinem Text erwähnt Andreas Glas, dass nicht alle Mitarbeiter des "Straubinger Tagblatts" die Dienstanweisung kannten und in den letzten Monaten sogar einige LGBT-freundliche Artikel erschienen waren. Auch wenn seine Recherchen den skandalösen Eingriff in die innere Pressefreiheit offensichtlich endgültig beendeten, ließ es sich der Redakteur der "Süddeutschen" nicht nehmen, noch einige kritische Stimmen einzusammeln. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas im 21. Jahrhundert bei einem modernen Verlagshaus noch auftaucht", zitiert er etwa den Vorsitzenden des Bayerischen Journalisten-Verbandes (BJV) Michael Busch. Es sei "eine Dreistigkeit", wenn "ein Verlagshaus, das Presse- und Meinungsfreiheit hochhält, solche Anweisungen gibt".

Heftige Kritik kam auch vom LSVD: "Bei einer so bornierten Einstellung" brauche man sich nicht zu wundern, wenn LGBT "sich auf dem Land nicht wohlfühlen", meinte Hannah Lea vom bayerischen LSVD-Landesverband. Die Zeitungen der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung erreichen eine verkaufte Auflage von täglich über 116.000 Exemplaren. (cw)



#1 SanottheEhemaliges Profil
#2 Homonklin44Profil
  • 23.09.2017, 08:16hTauroa Point
  • Na das ist kein Wunder, wenn sich dieses Blatt an "christlich-weltanschauliche" Weltbeschränkung hält. Weltanschauung enthält die Sicht, die man auf die Welt hat, aber auch, wie viel, und was davon gesehen werden soll.
    Das christliche Menschenbild enthält eine Begrenzung auf auserkorene Menschentypen, schließt also andere Menschentypen je nach Merkmalen aus seiner Welt aus. In dieser Eigenschaft entspricht es faschistoiden Idealen, auch hier werden Menschen aufgrund bestimmter Eigenschaften und/oder Merkmale ausgegrenzt, oder sogar verfolgt.

    Bleibt die Frage, ob solche christofaschistischen Lokalzeitungen gelesen werden müssen. Vielleicht ja nicht von allen Menschen. Über 100 000 Unterstützer der exklusiv begrenzten Weltanschauung reichen schon.

    Kein Wunder, dass man sich dort auf dem Land recht ausgeschlossen vorkommen wird.
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#3 Taurus82Profil
  • 23.09.2017, 08:43hWerder (Havel)
  • Positiv Denken!
    Wenn sie gar nichts darüber schreiben können sie wenigstens auch nichts schlechtes schreiben. Außerdem ist es für mich O.K. zu schweigen wenn man zu einem Thema keine Ahnung hat ;)
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#4 SebiAnonym
  • 23.09.2017, 08:45h
  • Die alte Vogel-Strauß-Taktik: Was man ignoriert und totschweigt, gibt es auch nicht.

    Diese Haltung zeigt nur die eigene Dummheit und dass man sich eher als Propaganda-Organ statt als seriöses journalistisches Produkt sieht.

    Solche weder neutralen, noch qualitativen Schmierenblättchen sind langfristig dem Untergang geweiht.
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#5 SnowAnonym
  • 23.09.2017, 09:40h
  • Ich finde es schon interessant, wie gewisse Kreise plötzlich viele Schwule und Lesbische Freunde hat wenn man Ihn auf Dinge anspricht
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#6 LaurentProfil
  • 23.09.2017, 09:57hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Solche "Dienstanweisungen" an die Redakteure bzw. die Presse gibt's doch eigentlich zuhauf.
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#7 TheDadProfil
  • 23.09.2017, 11:21hHannover
  • ""Hinter dem Schreiben wird der heute 80-jährige Seniorverleger Hermann Balle vermutet, der sich im Jahr 2002 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, aber immer noch Herausgeber ist.""..

    ""Balle war Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Presseagentur (dpa) und erster Vorsitzender des Verbandes bayerischer Verleger.
    Er gehörte dem Präsidium der Akademie der Bayerischen Presse an.
    Seit dem 9. Juli 2004 ist er als Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger Mitglied im Fernsehrat des ZDF.""..

    Wirkungen, und wie sie sich dann fortsetzen..
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#8 TheDadProfil
#9 KMBonnProfil
  • 23.09.2017, 11:53hBonn
  • Das scheint mir vielerorts auch noch so zu sein. Bspw. ruft mich das WDR-Studio Bonn gern an, wenn sie einen Fachmann brauchen, der sich mit Bienen, Wespen, Hornissen etc. auskennt, was bei mir als langjähriger Berufsimker der Fall ist.

    Bringe ich aber als Themenvorschlag das Bundesamt für magische Wesen mit seinem Thema Gay Fantasy Literatur oder Illustration als Stilmittel oder unser am Donnerstag erfolgter Abschluß des Fassadenprojektes, dann herrscht Schweigen.

    Was unser Fassadenprojekt betraf, fand ich das schon ärgerlich. Schließlich haben wir es aus Spenden finanziert, da zeigten zahlreiche Fans unseres "Amtes" gesellschaftliches Engagement, um dem Haß der Rechten und Religiösen entgegenzutreten.
    Und das schließt ja auch unsere Auseinandersetzung u.a. mit dem Thema AfD ein. Da heißt es immer so schön, dass die Gesellschaft sich mit dem Thema auseinandersetzen möge.
    Jeder xbeliebige AfDler kann ja in der Öffentlichkeit herumpöbeln und Angela Merkel als Hure bezeichnen, die Deutschland an das "internationale Finanzjudentum" verkauft; Sigmar Gabriel zum Schlächter von Katzenbabies ernennen und Volker Beck öffentlich aufhängen wollen bzw. die Verbrechen deutscher Soldaten im II. Weltkrieg glorifizieren. Eine Einladung in deutsche Talkshows ist demjenigen, siehe Gauland, dann ziemlich sicher.

    Ebenso als es um die Situation queerer Flüchtlinge ging, von denen mein Mann und ich zwei Jungs im Haus aufgenommen haben.

    Ansonsten ist der WDR bei der Einweihung jeder katholischen Kloschüssel dabei. :-)

    Betrachtet man diese Situation, dann kommt man schon auf Gedanken.

    Nun ist es aber so, dass uns ja nun auch eigene Medien zur Verfügung stehen. Internet, die Socials, youtube, instagram etc. bieten ja genug Möglichkeiten an, um seine Nachricht unters Volk zu bringen. Wir sind nicht wirklich auf die Öffentlich-Rechtlichen angewiesen.

    www.youtube.com/watch?v=_YVdVQyDuCY
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#10 JournalismusAnonym
  • 23.09.2017, 13:13h
  • Journalismus soll über die Realität berichten und nicht die menschenverachtende, rechte Agenda des Herausgebers verbreiten.

    Dieses Blättchen ist also kein Journalismus, schadet aber (indem es so tut, als sei es Journalismus) wirklich seriösem Journalismus.
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