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Nach Skandal-Kommentar

FAZ: Pressekodex schützt Homosexuelle nicht

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" wollte eine Rüge des Presserats wegen eines homophoben Artikels mit dem Argument abwenden, dass Schwule und Lesben keine geschützte "soziale Gruppe" seien.


FAZ-Werbung am Frankfurter Hauptbahnhof (Bild: brandbook.de / flickr)

"Diskriminierende Berichterstattung" – so lautete der Vorwurf des Deutschen Presserates gegen die FAZ, weil sie den homophoben Gastbeitrag "Wir verrraten alles, was wir sind" veröffentlicht hatte. Wegen Verstoßes gegen den Pressekodex sprach der Rat vor zwei Wochen eine Rüge gegen die konservative Zeitung aus (queer.de berichtete). Der kritisierte Kommentar war Ende Juni anlässlich der bevorstehenden Bundestagsabstimmung zur Ehe-Öffnung sowohl in der Print- als auch in der Onlineausgabe der FAZ veröffentlicht worden.

Aus der vierseitigen schriftlichen Presserats-Entscheidung, die queer.de vorliegt, geht hervor, dass die FAZ die Rüge mit einem Trick abwenden wollte: Homosexuelle könnten gar nicht in der Presse diskriminiert werden, weil sie nicht im Pressekodex erwähnt werden würden.

In dem Dokument heißt es, der Geschäftsführer und der Justitiar der Zeitung hätten am 25. August unter anderem erklärt, dass kein Verstoß gegen den Pressekodex vorliege: "Ein Verbot zur Diskriminierung wegen der sexuellen Identität" würde der Kodex "gerade nicht" umfassen, so die FAZ-Vertreter.

Pressekodex: Ziffer 12 verbietet Diskriminierung

Konkret geht es um Ziffer 12, der das Thema Diskriminierung vor Minderheiten umfasst. Dieser besagt wörtlich: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." Laut FAZ sind Homosexuelle aber "keine soziale Gruppe" – und könnten sich daher nicht auf diese Ziffer berufen.

Der Presserat verwarf die enge FAZ-Definition und erklärte, es liege ein "schwerer Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot nach Ziffer 12" vor. Der anonyme Autor des Artikels stelle mit dem Stilmittel einer rhetorischen Frage die Behauptung auf, dass adoptierte Kinder bei homosexuellen Eltern eher der Gefahr des Missbrauchs ausgesetzt seien, obwohl es dafür "keinen wissenschaftlichen Beleg" gebe. Bei der Aussage handle es sich um einen "schwerwiegenden Verdacht mit hohem Diskriminierungspotenzial".

Für den Presserat sei klar, dass auch Homosexuelle eine "soziale Gruppe" darstellen, auch wenn diese Gruppe nicht direkt im Pressekodex erwähnt wird. Diese Einschätzung entspricht auch der Rechtsprechung der EU: Bereits 2013 erklärte der Europäische Gerichtshof in einer Entscheidung zum Asylrecht, dass Homosexuelle eine "soziale Gruppe" seien und daher bei Verfolgung in ihrem Heimatland Anspruch auf Asyl hätten (queer.de berichtete).

Die FAZ hatte zudem argumentiert, dass der Artikel "weitestgehend eine Meinungsäußerung" darstelle. Die Zeitung warnte den Presserat laut dem Dokument auch vor einer Rüge, da diese die Pressefreiheit einschränken könne. Konkret könnten "Zeitungen keine Artikel mehr zu polarisierenden Themen veröffentlichen, ohne dass sie eine Rüge durch den Beschwerdeausschuss fürchten müssten." Außerdem, so die FAZ, seien die Äußerungen des Autors "sachlich" gewesen. (dk)

Twitter / queerspiegel | Der kritisierte FAZ-Artikel

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#1 JasperAnonym
  • 27.09.2017, 13:01h
  • Anstatt dass die FAZ einfach mal die Rüge des Presserats annimmt, macht sie es nur noch schlimmer, indem sie mit diskriminierenden, homophoben Aussagen ihr homophobes Verhalten verteidigt.

    Die FAZ und deren Redaktion haben offenbar NICHTS kapiert...
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#2 AvispadaAnonym
  • 27.09.2017, 13:05h
  • Ok...

    Politiker und Gerichte argumentieren bereits öfters, dass "Geschlecht" und "diskriminierte Minderheiten" u.ä. insbesondere die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nicht abdecken würden, weil es nicht explizit erwähnt würde.

    Der Bundesgerichtshof und insbesondere das Bundesverfassungsgericht knallen den Gerichten und Politikern in Folge dessen immer um die Ohren, dass diese Frage schon längst geklärt ist - unter anderem auf europäischer Ebene und bei der Rechtsprechung des europäischen Gerichts für Menschenrechte und auch von den ersten paar Artikeln der Verfassung geschützt ist.

    Dennoch wird diese Tatsache seit Jahrzehnten immer und immer wieder vehement ignoriert.

    Am Sonntag waren Wahlen. Diese Ansicht wird nur populärer und alltagstauglicher werden. Es wird zu einer gültigen "Meinung", auch wenn diese "Meinung" grundgesetzwidrig ist.

    Prost Deutschland.
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#3 SebiAnonym
  • 27.09.2017, 13:07h
  • Mal eine Gegenfrage an die FAZ:
    Im Pressekodex steht vermutlich auch nicht explizit drin, dass man Schwarze nicht als "Nigger" oder "Bimbos" bezeichnet oder Chinesen nicht als "Schlitzaugen".

    Würde die FAZ also auch einen Kommentar, der solche rassistischen Aussagen tätigt, veröffentlichen und das damit begründen, dass das ja nicht explizit im Pressekodex verboten ist und dass das nun mal zu Meinungsfreiheit und Pluralismus dazugehört?!

    Auch als Journalist braucht man nicht nur auf den Pressekodex zu gucken, sondern darf auch noch was zusätzliches haben: es nennt sich Gewissen und Anstand. Aber das fehlt wohl bei der FAZ.
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#4 TRANSformerINAnonym
  • 27.09.2017, 13:11h
  • Dieses Mistblatt ist doch mittlerweile die Dreckschleuder schlecht hin für rechte und homo/transphobe Propaganda.

    Die Kommentare der Leser dort sprechen auch stets für sich.

    In der Faz wird regelmäßig, mindestens subversiv, gegen Minderheiten gehetzt.
    Und allein schon dieser Terminus "Mimimi Pressefreiheit" schreit einen doch schon an wessen Geistes Kinder sich dort tummeln.
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#5 EisenhowerProfil
  • 27.09.2017, 13:22hMarseille
  • Das ist ja widerlich.

    Ehrlich gesagt erwarte ich dass der Redakteur, der diesen Schmutz in die Zeitung geholt hat, gefeuert wird. An irgendwelchen verrückten Ausreden bin ich nicht sonderlich interessiert.

    In den letzten Tagen kamen nur noch Nachrichten zur sog. AFD in der FAZ, und wenn das so weiter geht, dann landet die FAZ ohnehin im Papierkorb. Ich bin nicht bereit mich täglich mit solch einem Schund zu beschäftigen. Allerdings habe ich gesehen, dass das auf den Onlineportalen anderer Zeitungen ähnlich lief bzw. läuft.

    Zum künftigen Partner der Bundesrgierung, zu Bündnis 90 / Die Grünen, habe ich hingegen so gut wie gar nichts in der FAZ lesen können.

    Ich bin gut informiert über dieses AFD-Zeug, über die Kommunisten, sogar über die SPD, und, noch schlimmer, auch über die FDP! Nur über die Bündnisgrünen kommt gar nichts, und das ist mir schon ein wenig suspekt.

    Und dann noch dieser sog. Kommentar, der den Eindruck macht, er sei unter Drogeneinfluss verfasst worden.

    Ich frage mich wirklich wo ich hier gelandet bin, und falls jemand eine Empfehlung hat: Ich bin derzeit durchaus wechselwillig, sofern die Zeitung Niveau hat, sachlich über die Arbeit der Bundesregierung berichtet, und auch die Bündnisgrünen berücksichtigt.
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#6 Paulus46Anonym
  • 27.09.2017, 13:30h
  • Antwort auf #5 von Eisenhower
  • Wow guter Artikel der Queer, der kommt in meine Top Ten des Jahres....

    Es gibt auch Artikel bei der Queer, wo ich mich maßlos drüber aufregen kann, aber es gibt auch Artikel die Glanzlichter darstellen. Und ich habe mich jetzt doch entschieden, hier weiter zu schreiben. Einfach um ein Gegengewicht zu paar linken Schreibern zu bilden, und der Stimme des Liberalismus hier eine Plattform weiterzugeben.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 goddamn liberalAnonym
  • 27.09.2017, 13:33h
  • In einem Land, in dem wir zu Tausenden ins KZ und zu Zehntausenden wegen vermeintlicher Asozialität ins Zuchthaus geschmissen wurden, sind wir also keine soziale Gruppe.

    Man sieht: Die angemaßte 'Eliten'-Presse ('Dahinter steckt immer ein kluger Kopf') ist genauso moralisch verkommen und geschichtsvergessen wie die braune Doktoren-Partei AfD.

    Nazistische Mentalitäten wirken nach und sind allüberall hierzulande sehr lebendig.

    Auch bei WDR-Redakteuren die Antisemitismus-Dokus zensieren, weil sie ihnen nicht brav genug sind.
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#8 goddamn liberalAnonym
#9 HoltzmannProfil
  • 27.09.2017, 13:52hBerlin
  • Antwort auf #7 von goddamn liberal
  • Die F.A.Z. als »Presseorgan der Elite«, das ist aber auch schon ein paar Jahre her, oder?

    Im Zuge des Schielens auf Klicks und schnelle Aufmerksamkeit setzte bereits vor Jahren bei der F.A.Z. ein Prozess ein, den man zuvor schon aus dem Privatfernsehn kannte: Verflachung, Boulevardisierung, Entertaiment, schrille Polarisierung. Und genau das findet sich massiv in dieser anonymen Schmähschrift, die die F.A.Z. veröffentlicht hat.

    Allerdings gibt es bei der F.A.Z. immer noch tägliche Höhepunkte, so etwas wie dies hier, oder die generell sehr ausführliche und gute Berichterstattung zu Frankreich:

    www.faz.net/aktuell/politik/paris-macron-will-die-neugruendu
    ng-europas-15220194.html


    Ich hoffe, die F.A.Z. fängt sich wieder.

    Amazon ist im übrigen auch mal als Geheimtipp für Bildungsbürger und Akademiker an den Start gegangen, heute ist es ein Ramsch-Kaufhaus für Bohrmaschinen, Elektrozahnbürsten und Kühlschränke. Ich hoffe nicht, dass die F.A.Z. auch mal so endet.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 AchsoAnonym