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Einzelkommentar zu:
Nur weil man Teil des Establishments ist, muss man sich nicht so verhalten


#3 SanottheEhemaliges Profil
  • 01.10.2017, 08:40h
  • Bravissimo!

    Ich möchte einen Punkt besonders hervorheben, der in der Diskussion der letzten Jahre m.E. eine viel zu geringe Rolle gespielt hat:

    "Wir müssen über die gesundheitliche Situation von LSBTIQ* reden. Es zeigt sich, dass gesellschaftliche Diskriminierung negative Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und Lebenserwartung hat."

    Hier geht es nicht nur um für jede_n Einzelne_n unendlich schmerzhafte Erfahrungen und Auswirkungen, sondern (ich hasse eigentlich, es zu sagen, weil ja heutzutage oft erst das ein "Argument" ist) es entsteht auch ein noch gar nicht bezifferter, riesiger volkswirtschaftlicher Schaden.

    Der nach wie vor massive Minority Stress sorgt teils für schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen und kann Karrieren verhindern oder zerstören. Oft genug landen Betroffene dann in prekären Lebensverhältnissen, was das Erlittene noch unerträglicher macht. Wenn sie nicht schon vorher - mehr oder weniger "erfolgreich" - versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

    Eine vollständige Akzeptanz, von der wir nach wie vor meilenweit entfernt sind, würde beinhalten, dass auch LGBTIQ* absolut gleiche Chancen erhalten, und zwar nicht nur nominal, sondern real. Das heißt, frei von allen Behinderungen durch die Gesellschaft, frei von emotionalem und psychischem Druck, eben frei von Anfeindung, Diskriminierung und struktureller Homophobie. Das fängt auf den Schulhöfen mit dem Schimpfwort "Schwuchtel" an und hört bei schlechterer Bezahlung für schwule Männer noch lange nicht auf.

    Eine freie Gesellschaft, die auf echter Akzeptanz und tatsächlicher Gleichberechtigung beruht, ist frei von diesen (und anderen) massiven Einschränkungen. Und heute leider nach wie vor eine Utopie.

    Ein wichtiges Stichwort ist hier der Begriff Solidarität, der hier dankenswerterweise ebenfalls aufgegriffen wird. Ein Begriff, der, wie ich schon öfter betont habe, in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr aus der Mode gekommen ist.

    Neoliberalismus ist angesagt, "jeder ist seines eigenen Glückes Schmied", und wer's aus oben genannten Gründen nicht schafft oder gar krank wird, ist eben ein Versager. Damit bürden wir die Schuld für das Problem den Menschen auf, die am meisten unendlich darunter leiden. Nichts anderes als eine weitere Form schäbiger Täter-Opfer-Umkehr.

    Solidarität bedeutet Füreinander-einstehen. Und zwar nicht nur innerhalb derselben Community (schon das ist heute schwierig genug), sondern auch zwischen benachteiligten Minderheiten.

    Ein gutes Beispiel dafür, wie das funktionieren kann, ist der auf einer wahren Begebenheit basierende Film "Pride". Seht ihn Euch an, dann könnt Ihr verstehen, was ich meine. Und es mit dem Herzen fühlen.

    Mehr Herz. Mehr Herz füreinander.
    Und weniger Kaltschnäuzigkeit und neoliberale Egozentrik. DAS wird uns weiterbringen.
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