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Keine Entschuldigung

Homophober Artikel: FAZ weiter uneinsichtig

Auf die Rüge des Presserates reagierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Samstag mit der Ankündigung, "kontroversen Meinungen" auch weiterhin Raum geben zu wollen.


FAZ-Werbung am Frankfurter Hauptbahnhof (Bild: Edgar Zuniga Jr. / flickr)

Drei Wochen nach der Rüge des Deutschen Presserates wegen "diskriminierender Berichterstattung" zeigt sich die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) weiter uneinsichtig. In ihrer Samstagsausgabe veröffentlichte sie ganz unten auf Seite sechs in der Rubrik "Wichtiges in Kürze", neben Todesanzeigen, erstmals eine öffentliche Stellungnahme zu dem Vorgang.

In dem Text, der keine Entschuldigung enthält, heißt es: "Soweit sich Leser durch diesen Diskussionsbeitrag angegriffen oder herabgewürdigt fühlen, bedauern wir dies. Von der Freiheit, auch kontroversen Meinungen in unserer Zeitung Raum zu geben, werden wir jedoch weiterhin Gebrauch machen" (Dokumentation der kompletten Stellungnahme im folgenden Kasten).

Rüge des Presserats

In der Ausgabe vom 30. Juni 2017 haben wir auf Seite 10 in der Rubrik "Fremde Federn" einen Gastkommentar mit der Überschrift "Wir verraten alles, was wir sind" veröffentlicht. Darin wird unter anderem folgende Frage gestellt: "Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei, weil die sexuelle Outsider-Rolle eine habituelle Freizügigkeit erotischer Binnenverhältnisse ohne alle sexual-ethischen Normen ausgebildet habe?"

Wegen dieses Beitrags hat der Beschwerdeausschuss 1 des Deutschen Presserats in seiner Sitzung am 14. September eine Rüge ausgesprochen. Der Beschwerdeausschuss sah die obige Frage als eine in Frageform gegossene Sachaussage an, für die es keinen wissenschaftlichen Beleg gebe. Diese enthalte eine diskriminierende Wirkung gegenüber Homosexuellen. Der Presserat bejahte insofern einen Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex.

Sowohl in rechtlicher als auch in presseethischer Hinsicht bewerten wir den Fall anders als der Beschwerdeausschuss. Unserer Auffassung nach handelt es sich bei der beanstandeten Passage nicht um eine Tatsachenbehauptung, sondern um eine Frage, die als Meinungsäußerung einzustufen ist. Soweit sich Leser durch diesen Diskussionsbeitrag angegriffen oder herabgewürdigt fühlen, bedauern wir dies. Von der Freiheit, auch kontroversen Meinungen in unserer Zeitung Raum zu geben, werden wir jedoch weiterhin Gebrauch machen. (F.A.Z.)

FAZ-Artikel: Homosexuelle neigen zum Kindesmissbrauch

Der unter dem Pseudonym Johannes Gabriel verfasste FAZ-Artikel "Wir verrraten alles, was wir sind", der Ende Juni anlässlich der bevorstehenden Bundestagsabstimmung zur Ehe-Öffnung sowohl in der Print- als auch in der Onlineausgabe veröffentlicht wurde, hatte die Behauptungen aufgestellt, dass von Homosexuellen adoptierte Kinder aufgrund einer wegfallenden "Inzest-Hemmung" ungleich stärker der Gefahr eines sexuellen Missbrauchs ausgesetzt seien und dass diese Gefahr bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung besonders hoch sei. Diese diskriminierenden Behauptungen wurden mit pathetischen Fragen wie "Wird euch das Kind nicht zur Ware narzisstischer Selbstbefriedigung?" oder "Und dazu wollt ihr unschuldiges Kindesleben missbrauchen?" umrahmt.

"Diese Behauptungen, für die es nach Auffassung des Presserats keinen wissenschaftlichen Beleg gibt, entfalten eine diskriminierende Wirkung gegenüber Homosexuellen und stellen einen schweren Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot nach Ziffer 12 des Pressekodex dar", urteilte der Presserat Mitte September nach Dutzenden Leserbeschwerden (queer.de berichtete). Laut Ziffer 12 darf in Presseberichten niemand "wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe" diskriminiert werden.

Wie queer.de in der vergangenen Woche exklusiv berichtete, hatte die FAZ noch versucht, die Rüge mit einem Trick abzuwenden. Nach Auffassung der konservativen Zeitung können Homosexuelle gar nicht in der Presse diskriminiert werden, weil sie nicht direkt im Pressekodex erwähnt würden. Der Presserat wies die perfide Argumentation zurück. Für ihn sei klar, dass auch Homosexuelle eine "soziale Gruppe" darstellen. Diese Einschätzung entspricht allgemein auch der Rechtsprechung der EU. (cw)

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#1 Ralph
  • 02.10.2017, 09:32h
  • Ich bin mit dem letzten Absatz dieses Artikels nicht einverstanden. Die FAZ ist keine konservative Zeitung. Sie ist eine Plattform für die Verbreitung rechter Gedanken und kultiviert gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Was sie als "kontroverse Meinungen" schönredet, hat der Presserat zu Recht als Verunglimpfung einer sozialen Gruppe gerügt. Wie es aussieht, wird der Presserat noch sehr viel öfter Gelegenheit haben, die FAZ darüber zu belehren, dass die Pressefreiheit nicht Freiheit zur Hetze bedeutet.
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#2 goddamn liberalAnonym
#3 goddamn liberalAnonym
  • 02.10.2017, 09:49h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • "Die FAZ ist keine konservative Zeitung."

    Das sehe ich genauso.

    Konservativ sind z. B. die Sauerländer Jungschützen, die sich für uns einsetzen oder auch der Präsident des Zentralkommitees der deutschen Katholiken, der mit seinen Bischöfen ringt.

    Wer seit vielen Jahren die rechtliche Gleichstellung einer NS-Opfergruppe systematisch bekämpft, ist nicht konservativ, er steht in einer politisch klar zu definierenden deutschen Traditionslinie der Entrechtung und Vernichtung.
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#4 Martin EdenAnonym
  • 02.10.2017, 09:56h
  • Erstmal muss doch festgehalten werden, was sich Kinder unter heterosexueller Ägide alles einhandeln: Jeden dritten Tag kommt gemäß Kriminalstatistik ein Kind durch Misshandlung oder Vernachlässigung um's Leben. Hunderttausende Male im Jahr muss das Jugendamt wegen Kindswohlgeführdung einschreiten. Hingegen gibt es schon mehrere Studien, die Kindern in Regenbogenfamilien besonders gute Perspektiven bescheinigen. Die hier vorgebrachten haltlosen Anschuldigungen gegenüber LGBT-Eltern sind infam und entstammen schmutziger Fantasie.
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#5 SebiAnonym
  • 02.10.2017, 10:16h
  • Die FAZ kapiert es einfach nicht, selbst nach einer Rüge des Presserats kapieren die es nicht:

    Hetze ist keine "kontroverse Meinung". Hetze ist einfach nur dumm und Verbrechen.

    Meinungs-Pluralismus ja - aber keine Hetze.

    Hätte man in dem betreffenden Kommentar einfach Homosexuelle durch Schwarze, Juden, o.ä. ersetzt, hätte die FAZ das niemals abgedruckt, aber wenn es um Schwule und Lesben geht, gelten für die FAZ andere Regeln, was nur deren Homophobie beweist.

    Dann hat die FAZ es eben nicht besser verdient als dass sich immer mehr vernünftige Leser angewidert von ihr abwenden.
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#6 panzernashorn
  • 02.10.2017, 10:30h
  • Kinder sind doch wohl sehr viel mehr in kirchlichen Einrichtungen der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgesetzt - und im Gegensatz zu dieser infamen Hetze der FAZ gibt es für meine Annahme jede Menge stichhaltige Beweise.................
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#7 JasperAnonym
  • 02.10.2017, 11:10h
  • Sich selbst nach einer Rüge des Presserats uneinsichtig zu zeigen, zeugt von einer gehörigen Portion Fanatisierung.
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#8 Patroklos
  • 02.10.2017, 11:20h
  • Das war klar, daß die FAZ sich einen Dreck darum schert. In diesem Fall rate ich jedem, der über ein Abo dieser Zeitung verfügt, dieses zu kündigen!

    Am besten wäre es, wenn sich unsere Community zahlreich vor dem FAZ-Hauptquartier versammelt und ihren Protest zum Ausdruck bringt. Als sich der "Bus der Volksverblödung" der Bewegung "Demo für Alle" durch unser Land bewegte, hat das mit dem Protest ja auch funktioniert.
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#9 MatsAnonym
  • 02.10.2017, 11:34h
  • Eine echte Qualitätszeitung würde niemals anonyme oder pseudonyme Inhalte (auch nicht als Kommentar) veröffentlichen.

    Es ist ein Zeichen von Qualitäts-Journalismus, mit seinem Namen für Inhalte einzustehen. Anonyme Texte finde ich auch im Internet.

    Dass das bei diesem Kommentar nicht geschehen ist, sagt nicht nur viel über den Autor dieser Schmähschrift aus. Sondern dass die FAZ sich darauf einlässt, Texte anonym zu veröffentlichen sagt auch viel über die FAZ aus.

    Ganz unabhängig vom konkreten Inhalt, haben anonyme Texte nun wirklich nichts mit Qualitäts-Journalismus zu tun. Das sagt bereits alles.
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#10 FaktenAnonym
  • 02.10.2017, 11:42h
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    "Und ist es wirklich so abwegig, was manche Gegner der Homo-Ehe behaupten, dass adoptierte Kinder ungleich stärker der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgeliefert sind, weil die Inzest-Hemmung wegfällt und diese Gefahr bei homosexuellen Paaren besonders hoch sei"
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    Ja, das ist abwegig.

    1. Homosexualität hat nichts mit Pädophilie zu tun.

    2. Gleichgeschlechtliche Pädophilie ist nicht häufiger als gegengeschlechtliche Pädophilie.

    3. Dass man keinen Sex mit Kindern hat, hat nichts mit einer "Inzest-Hemmung" zu tun, sondern schlicht damit, dass man nicht auf Kinder steht und das verwerflich findet.

    4. Selbst wenn man mit einer "Inzest-Hemmung" argumentiert: die fällt auch bei heterosexuellen Adoptionen genauso weg.

    5. Es geht beim Adoptionsrecht für Regenbogenfamillien vor allem auch um die Kinder, die eh bereits in Regenbogenfamilien aufwachsen. Es geht um deren Anerkennung und rechtliche Absicherung, dient also gerade dem Kindeswohl.

    6. Nach dem viel-tausend-fachen Kindesmissbrauch durch Pfarrer, Nonnen und Betreuer in religiösen Einrichtungen muss man eher fordern, so viele Kinder wie möglich aus Heimen und kirchlichen Einrichtungen rauszuholen und in Familien (egal ob hetero oder homo) zu bringen.
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