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Homo-"Propaganda"

Ägypten verbietet positive Darstellung von Homosexuellen in den Medien

Glückliche Schwule und Lesben dürfen nach einer behördlichen Anweisung in ägyptischen Medien nicht mehr auftauchen, da sie "die Gesellschaft korrumpieren".


Selbst das Zeigen der Regenbogenfahne, wie hier bei einem Konzert in Kairo, ist verbotene Homo-"Propaganda" (Bild: Twitter / @HithamAlkashif)

Der ägyptische Staat geht immer rabiater gegen Homosexuelle und LGBTI-Rechte vor. Zum einen gibt es seit Wochen Berichte darüber, dass insbesondere schwule Männer vermehrt von der Polizei verfolgt und angeklagt werden, zum anderen hat die Oberste Behörde für Medienregulierung vor wenigen Tagen angeordnet, dass Schwule und Lesben nicht mehr positiv dargestellt werden dürfen.

In der Anordnung heißt es: "Es ist verboten, Homosexuelle in Printmedien, Audio- oder visuellen Medien zu zeigen, außer wenn die Tatsache gezeigt wird, dass ihr Verhalten unangemessen ist und dass sie dafür büßen."

Die Zensurstelle begründet das Verbot mit den Worten: "Homosexualität ist eine Krankheit und eine Schande, die besser vor der Öffentlichkeit versteckt und nicht beworben werden sollte, bis sie behandelt wird und die Schande entfernt wurde." "Werbung" für Homosexualität würde "die Gesellschaft korrumpieren" und solle bestraft werden. Daher seien entsprechende Werbung und die "Verbreitung von homosexuellen Parolen" verboten.

Homosexualität soll "ausgemerzt" werden

Homosexuelle selbst rief die Behörde dazu auf, ihre "Unzulänglichkeiten und sündigen Taten" nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen oder "zur Schau zu stellen", weil derartige Verhaltensweisen ein "großes, immerwährendes Übel" seien, das "ausgemerzt" gehöre. Zwar würden Homosexuelle im Westen bereits toleriert, in der ägyptischen Gesellschaft, die Religion und die "natürlich Ordnung" achte, sei dies aber nicht möglich.

Die Medienregulierungsbehörde war erst Ende 2016 von der Militärregierung ins Leben gerufen worden. Sie hat sehr weit reichende Rechte: So kann die Stelle ausländische Medienvertreter des Landes verweisen oder Geldstrafen oder Veröffentlichungs- oder Sendungsverbote gegen Zeitungen oder Fernsehstationen aussprechen.

Die neue Anordnung fällt in eine Zeit zunehmender staatlicher Verfolgung: In den letzten Wochen wurde mehrfach über Verhaftungen von mutmaßlichen Schwulen berichtet, obwohl es im Land offiziell kein Verbot von Homosexualität gibt. Schwule werden aber immer wieder wegen "Ausschweifungen" oder anderen Gummiparagrafen angeklagt. Zuletzt landeten 17 Männer in Kairo vor Gericht (queer.de berichtete). Ende September waren zudem mehrere Menschen festgenommen worden, weil sie auf einem Konzert eine Regenbogenfahne geschwenkt hatten (queer.de berichtete). Ägyptische Bürgerrechtler gehen von Dutzenden oder sogar Hunderten Festnahmen wegen mutmaßlicher Homosexualität oder Unterstützung von LGBTI-Rechten in den letzten Wochen aus.

Bürgerrechtler sind auch besorgt, weil mutmaßliche Homosexuelle zu "Anal-Untersuchungen" gezwungen werden können. Menschenrechtsaktivisten haben wiederholt erklärt, dass die Untersuchung eine Form der Vergewaltigung sei, die unter anderem gegen die UN-Antifolterkonvention verstoße.

"Unterdrückung macht Homosexuelle nicht heterosexuell"

"Ägypten sollte die grausamen Razzien gegen diese schutzbedürftige Gruppe sofort beenden", forderte Sarah Leah Whitson von der Organisation Human Rights Watch am Freitag. "Unterdrückung macht Homosexuelle nicht heterosexuell – sie erzeugt lediglich Angst und führt zu Misshandlungen."

Mit der offenen Verfolgung von sexuellen Minderheiten will die Militärregierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi offenbar ihre Legitimität in konservativen Kreisen, dem Klerus und großen Teilen der Bevölkerung erhöhen. In Ägypten ist Homophobie weit verbreitet: So erklärte laut einer Umfrage von "Pew Global" aus dem Jahr 2013 insgesamt 95 Prozent der Bevölkerung, dass Homosexualität im Land nicht zu akzeptieren sei. (dk)



#1 OrthogonalfrontAnonym
  • 06.10.2017, 13:25h
  • Eine der vielen "wunderbaren Veränderungen" durch den "Arabischen Frühling"...
    Ägypten, wie weit bist du einstige Hochkultur unter der Fuchtel des Islam gefallen?
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#2 TraumzerstörerinAnonym
  • 06.10.2017, 13:45h
  • Antwort auf #1 von Orthogonalfront
  • Darf ich als Europäerin, mal andere EuropäerInnen fragen, warum ihr Sklavenhalterstaaten, die grausame Kriege in der Vergangenheit losgebrochen habe, quasi die Miterfinder des ökologischen Raubbaus waren, so toll findet?

    Ihr nennt das immer "Hochkultur" dabei geht es euch um was? Das sie schreiben konnten? Das sie eine Oberschicht hatten, die die Unterschicht ausgenommen hat, um große Gebäude zu bauen? Geht es euch um Straßen?

    Des weiteren wundert mich, das ihr deren blutigen Religionen nicht kritisiert, hier aber fast täglich Adressen zum Kirchenaustritt und Atheistenbücher beworben werden.

    Warum macht ihr das? Was liegt euch an Rom und Ägypten? Ich kanns nicht nachvollziehen.

    Ich bin interessiert!

    PS: Geht auch an dich Orthogonalfront ;)
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 06.10.2017, 13:56h
  • Zu Ägypten kann ich wenig sagen.

    Aber ist es ist klar, dass in Rom und Athen und eben nicht in der Wüste die Basis zu unserer Zivilisation gelegt wurde.

    - das römische Recht

    - die Republik, ob als res publica oder athenische Demokratie (auch die USA waren zunächst eine Sklavenhalterdemokratie)

    - das hellenische Menschenbild mit seiner Körperbejahung in Kunst und Erotik

    - das selbstständige Denken jenseits religiöser Muster, eben die Philosophie

    Zivilisierte Menschen sind nur sehr bedingt oder überhaupt nicht als 'Kinder Abrahams' zu bezeichnen.

    Eher als Kinder von Freud und Marx.

    Oder eben von Sokrates oder Apollon.
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#5 goddamn liberalAnonym
#6 LorenProfil
  • 06.10.2017, 14:37hGreifswald
  • Antwort auf #5 von goddamn liberal
  • Wem sagts du das, durfte doch auch ich die Praktiken eines katholischen Säuglings-und Kinderheims in den 1960ern kurzzeitig "goutieren".
    Weder Menschen noch die Staaten oder Organisationen, in denen sie ihre Wirkung entfalten, eignen sich m.E. für Idealisierungen oder Mystifizierungen.
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#7 HörnchenAnonym
  • 06.10.2017, 15:16h
  • Dann sollte man(n)/frau alle Länder (Ägpten, Tunesien..) die die Homosexualität noch immer verfolgen bzw. nicht freundlich gesinnt sind als Reiseziel definitiv streichen und solche Regime (mit dem Geld) nicht weiter unterstützen ....
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#8 Julian SAnonym
  • 06.10.2017, 15:45h
  • Fanatiker haben sich immer schon vor der Wahrheit gefürchtet und weil sie keine echten Gegen-Argumente haben, zensieren sie halt.
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#9 OrthogonalfrontAnonym
#10 hugo1970Profil
  • 06.10.2017, 18:05hPyrbaum
  • "Homosexualität ist eine Krankheit und eine Schande, die besser vor der Öffentlichkeit versteckt und nicht beworben werden sollte, bis sie behandelt wird und die Schande entfernt wurde."

    Nur um diesen Satz muß die UNO eingreifen und Sanktionen gegen Ägypten aussprechen. Für jeden Verhafteten eine Million Euro Strafe und von diesem Geld 250.00 als Wiedegutmachung direkt an den jeweiligen Betroffenen. Das andere Geld direkt an eine Queere Ägyptische Organisation. Wenn Ägypten sich nicht daran hält und weiter gegen queere vorgeht, dann Staatliche Handelsbeziehungen einzustellen.
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