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Wien

"European Lesbian* Conference": Sichtbarkeit von queeren Frauen erhöhen

Bei einer dreitägigen Konferenz haben 500 Aktivistinnen in Wien darüber debattiert, wie die Lebenssituation von lesbischen und bisexuellen Frauen auf dem Kontinent verbessert werden kann.


Am Samstag marschierten die Teilnehmerinnen durch die Wiener Innenstadt (Bild: Konferenz bei Facebook)

Die erste "European Lesbian* Conference" ist am Sonntag in Wien zu Ende gegangen. Insgesamt 500 lesbische Aktivistinnen, Künstlerinnen, Akademikerinnen, Politikerinnen und Journalistinnen aus 45 Ländern haben sich nach Angaben der Organisatorinnen an der Konferenz beteiligt. Zu den Forderungen gehörte insbesondere eine bessere Sichtbarkeit von Lesben auch innerhalb der LGBTI-Community.

Bei der Konferenz wurde unter anderem beklagt, dass die lesbischen Lebensweisen zu wenig wissenschaftlich untersucht würden und es daher zu wenige belastbare Daten gebe. So seien 2013 und 2014 international rund eine halbe Milliarde Dollar für LGBTI-Fragen ausgegeben worden, davon aber nur zwei Prozent für die Erforschung lesbischer, bisexueller oder queere Frauen. In einem für die Konferenz erstellten englischsprachigen Bericht (PDF) wurden Empfehlungen zusammengefasst, um die Lage von Lesben in Europa zu verbessern, darunter etwa eine bessere Verfolgung von Hasskriminalität oder die generelle Verbesserung von Frauenrechten.

Erster "European Lesbian March"

Am Samstag marschierten die Teilnehmerinnen zudem beim ersten "European Lesbian March" durch die Wiener Innenstadt und skandierten "Lesben sind immer und überall". Mit diesem Satz wirbt die lesbische Spitzenkandidatin der österreichischen Grünen zur Nationalratswahl am kommenden Sonntag, die Europaabgeordnete Ulrike Lunacek, seit Jahrzehnten für eine verbesserte Sichtbarkeit von Lesben – die Politikerin nahm ebenfalls an der Konferenz teil.

"Die dreitägige Konferenz hat gezeigt, wie mächtig das lesbische Netzwerk in Europa ist und wie oft Lesben bei gesellschaftlichen Veränderungen in ihrem Land ganz vorne mit dabei sind", so das Resümee der Organisatorinnen. Nun müsse sichergestellt werden, dass mehr dieser Ideen umgesetzt werden. (cw)



#1 Hannibal LektorAnonym
  • 09.10.2017, 14:50h
  • "Zu den Forderungen gehörte insbesondere eine bessere Sichtbarkeit von Lesben auch innerhalb der LGBTI-Community."

    Ich lese immer mal wieder, dass sich Lesben über mangelnde Sichtbarkeit innerhalb der "Community" beklagen. Allerdings haben doch Lesben genau die selben Möglichkeiten, sich "sichtbar zu machen", wie alle anderen Menschen bzw. Gruppen auch?

    Woran liegt also - aus Sicht der sich beklagenden Lesben - dieser Mangel an Sichtbarkeit? Versteckt sich in dieser Klage der implizite Vorwurf, Lesben würden innerhalb der "Community" gezielt bzw. bewusst marginalisiert bzw. "unsichtbar gemacht"? Falls ja: durch welche Akteure? Oder welche sonstigen Gründe gäbe es für diese beklagte mangelnde Sichtbarkeit?

    Vielleicht ist ja hier jemand berufen, Hinweise zur Beantwortung dieser Frage zu geben. Idealerweise anhand konkreter Beispiele. Ich danke im Voraus.
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#2 Katrina_ReichertProfil
  • 10.10.2017, 02:00hDüsseldorf
  • Antwort auf #1 von Hannibal Lektor
  • "Versteckt sich in dieser Klage der implizite Vorwurf, Lesben würden innerhalb der "Community" gezielt bzw. bewusst marginalisiert bzw. "unsichtbar gemacht"?"
    Ja.

    "Falls ja: durch welche Akteure? Oder welche sonstigen Gründe gäbe es für diese beklagte mangelnde Sichtbarkeit?"
    Die LGBTIAQ-Community wird von schwulen Männern dominiert.
    Sowohl in der Außenwahrnehmung als auch in der Organisation.

    Das Problem heißt (cis-)Androzentrismus.
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#3 Hannibal LektorAnonym
  • 10.10.2017, 06:28h
  • Antwort auf #2 von Katrina_Reichert
  • Vielen Dank für deine Antwort.

    "Die LGBTIAQ-Community wird von schwulen Männern dominiert.
    Sowohl in der Außenwahrnehmung als auch in der Organisation."

    Aber woran liegt das deiner Ansicht nach? Wie gesagt: Heutzutage kann sich ja mittels Internet im Prinzip jede/r mit geringem finanziellen Aufwand "sichtbar machen".

    Sind deiner Ansicht nach schwule Männer darin "talentierter"? Und/oder wenden die mehr Ressourcen dafür auf? Oder engagieren sich zahlenmäßig stärker? Oder sind besser vernetzt - sowohl innerhalb der "Community" als auch nach außerhalb?

    "Das Problem heißt (cis-)Androzentrismus."

    Hm. Dass in unserer Kultur Männer auch heute noch eher als das "Grundmodell" betrachtet werden und Frauen eher als Variante, kann man wohl so in den Raum stellen. Trotzdem finde ich die Frage berechtigt, warum dieses Bild auch in der "Community" offenbar persistiert.

    Noch mal anders gefragt: Was erhoffen sich Lesben konkret, wenn sie innerhalb der "Community" mehr Sichtbarkeit fordern? Dass die Schwulen von sich aus auf die Lesben zugehen und mit ihnen stärker zusammenarbeiten? Oder steht stillschweigend der Vorwurf im Raum, dass Lesben innerhalb der "Community" "ausgegrenzt" würden?

    Haben Lesben und Schwule heutzutage überhaupt noch eine gemeinsame Interessenslage, die eine Zusammenarbeit erfordert bzw. wünschenswert macht? (Gibt es die überhaupt noch, diese "Community"?)
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#4 stromboliProfil
  • 10.10.2017, 07:02hberlin
  • Antwort auf #3 von Hannibal Lektor
  • "Haben Lesben und Schwule heutzutage überhaupt noch eine gemeinsame Interessenslage, die eine Zusammenarbeit erfordert bzw. wünschenswert macht? (Gibt es die überhaupt noch, diese "Community"?)"

    Letzteres wird wohl die unangenehmste aber auch tiefgreifenste frage sein, mit der wir uns beschäftigen werden.

    Es stellt nämlich auch die buchstabensuppe "lgbttq* in den fokus.

    Nicht das wir nicht an den bruchstellen sinnstiftende solidarität aufgeben, aber was das zusammengehört solllte schon mehr sein als nur quotenselbstermächtigungen.
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#5 Hannibal LektorAnonym
  • 10.10.2017, 07:13h
  • Antwort auf #4 von stromboli
  • Auch dir Dank für deine Antwort.

    Wie du an meiner Fragestellung (vermutlich) schon gemerkt hast, bin ich gegenüber dem Vorhandensein einer "Community" ziemlich skeptisch. Und sehe demnach auch die von dir erwähnte Solidarität eher als Lippenbekenntnis denn als tatsächlich "sinnstiftend".

    Ehrlich gesagt empfinde ich diese Wahrnehmung aber nicht unbedingt als "unangenehm". Meiner Ansicht nach liegt sie einfach in der Natur der Sache - nämlich grade in der "Diversität" der vermeintlichen "Community". Aus der sich eben naturgemäß diverse - und auch disparate - Interessenslagen ergeben.
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#6 CIS-MannAnonym
  • 10.10.2017, 10:11h
  • Gibt es überhaupt eine lesbische Unsichtbarkeit? In der Community sind überall Lesben zu finden. Teilweise haben sie erfolgreich schwule Projekte übernommen, siehe Schwules Museum Berlin (jetzt mit Sternchen), Berliner Aids-Hilfe, Siegessäule, Schwuz, LSVD. Wohlgemerkt, das waren einmal erfolgreiche schwule Projekte, von Schwulen mit viel Arbeit aufgebaute. Wer verursacht lesbische Unsichtbarkeit? Wer hindert Lesben daran, sichtbar zu sein? Gibt es Schwule, die sagen, Du darfst jetzt nicht sichtbar sein? Welchen Wert hat diese Sichtbarkeit? Gibt es eine schwule Dominanz? Wo denn? Das wird einfach so behauptet und von Schwulen so hingenommen. Belege fehlen, meist ist das nur gefühlte Wirklichkeit. Interessant ist auch, dass es trotz aller Gender-Forschung, bei der Machtverteilung unheimlich wichtig ist, ob vermeintlich eine Muschi oder ein Schwanz vorhanden ist. Ganz schlecht wird es, wenn der Schwanz eine weiße Hautfarbe hat und schon etwas schrumpelig ist. "Alter weißer Mann": geht gar nicht!
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#7 stromboliProfil