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Festakt in Berlin

ADS ehrt Intersex-Aktivistin

Für ihren Einsatz für die Menschenrechte Intersexueller wurde Lucie Veith von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes mit dem "Preis für das Engagement gegen Diskriminierung" ausgezeichnet. Neue Studie fordert die Politik zum Handeln auf.


Familienministerin Katarina Barley (li.) und die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Christine Lüders (re.) überreichten den "Preis für das Engagement gegen Diskriminierung" am Montagabend an Lucie Veith (Bild: Bodo Niendel)

Für den Einsatz für die Menschenrechte Intersexueller verleiht die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) den diesjährigen "Preis für das Engagement gegen Diskriminierung" an Lucie Veith. Die undotierte Auszeichnung wurde am Montagabend bei einer Festveranstaltung vor mehr als 300 geladenen Gästen im Berliner Museum für Kommunikation verliehen.

"Anti-Diskriminierung braucht Vorbilder", erklärte Familienministerin Katarina Barley (SPD) in ihrer Laudatio. "Gleichstellung verwirklicht sich nicht in Debatten und Gesetzen. Gleichstellung muss gelebt werden, muss in der Gegenwartswelt der Menschen ankommen. Seit 15 Jahren ist Lucie Veith dafür unermüdlich bei der Sache. Diese Ausdauer und dieses Engagement sind nicht selbstverständlich und verdienen höchste Anerkennung."

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, würdigte den "produktiven Zorn" und den Kampfgeist von Lucie Veith. "Veith hilft damit nicht nur vielen tausend intersexuellen Menschen in Deutschland, sondern leistet einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl", sagte Lüders: "Denn intersexuelle Menschen wollen und brauchen kein Mitleid. Sie brauchen gleiche Rechte."

Kampf gegen unfreiwillige medizinische Eingriffe

Lucie Veith setzt sich auf nationaler und internationaler Ebene für die Rechte und Anerkennung intersexueller Menschen und für den Schutz vor unfreiwilligen medizinischen Eingriffen ein. Die 61-Jährige leitet das Kompetenzzentrum für Inter* in Niedersachsen, koordiniert die bundesweite Peer-to-Peerberatung und steht in Personalunion der Bundesgeschäftsstelle des Vereins Intersexuelle Menschen und der Geschäftsstelle des Vereins Intersexuelle Menschen Landesverband Niedersachsen vor. Sie ist auch stellvertretende Vorsitzende des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstützt Lucie Veiths Forderungen, auf einen Geschlechtseintrag in Papieren zu verzichten und einen Hilfs- und Entschädigungsfonds für intersexuelle Menschen einzurichten, die im Kindesalter kosmetischen Genitaloperationen zur "Geschlechtsvereinheitlichung" unterzogen wurden und nun unter den Folgen leiden. "Die Praxis solcher Eingriffe, bei denen keine lebensbedrohliche Indikation vorliegt, muss umgehend gestoppt werden", sagte ADS-Leiterin Lüders.

Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte


Die Broschüre "Kein Geschlecht bin ich ja nun auch nicht" sieht im Umgang mit intersexuellen Menschen rechtlichen Änderungsbedarf

Passend zur Preisverleihung veröffentlichte das Deutsche Institut für Menschenrechte am Montag die 46-seitige Broschüre "Kein Geschlecht bin ich ja nun auch nicht". Auf Grundlage von 15 qualitativen Interviews mit intergeschlechtlichen Menschen, deren Eltern und Personen aus Beratungseinrichtungen ermittelt die Studie von Greta Schabram die Lebenssituation Betroffener und den aus ihrer Perspektive bestehenden Reformbedarf.

Im Fokus steht die seit 2013 geltende Regelung, wonach bei intergeschlechtlichen Kindern der Geschlechtseintrag im Personenstand offenbleiben muss. Aus der Perspektive intergeschlechtlicher Menschen wird die Neuregelung als ein erster Schritt der Öffnung des Rechts für mehr geschlechtliche Vielfalt verstanden. Zugleich bemängeln die Betroffenen, dass weiterhin allein medizinische Kriterien über die Frage des Geschlechts entscheiden. Als rechtlicher Änderungsbedarf jenseits des Personenstandsrechts wird auch in der Broschüre das Verbot medizinisch nicht notwendiger Operationen an intergeschlechtlichen Kindern benannt.

Die Broschüre steht kostenlos als PDF zum Download zur Verfügung. (cw/pm)