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Safer Sex dank Pille?

"PrEP-Anwender sind keine Schlampen"

Im Kölner Jugendzentrum anyway diskutierten Experten engagiert über die Präexpositionsprophylaxe als Schutz vor HIV, Stigmata und Chancen.


Moderator Benjamin Scholz diskutierte mit Marcel Dams, Christoph Klaes und Moustafa Tarraf (Bild: anyway Köln / Fabian Schäfer)

PrEP ist nicht weniger als Safer Sex 3.0, erklärt Moderator Benjamin Scholz gleich zu Beginn des anyway-Talks "Safer Sex dank Pille?". PrEP steht für Präexpositionsprophylaxe, also Vor-Risiko-Vorsorge: HIV-Negative nehmen Medikamente, die eine Ansteckung mit dem Virus verhindern.

Anfang September hat der Kölner Apotheker Erik Tenberken durch eine Kooperation mit Generikaherstellern ermöglicht, dass eine Monatspackung PrEP für etwa 50 Euro zu haben ist (queer.de berichtete). Das Originalmedikament hat zuvor rund 800 Euro gekostet. Spätestens seitdem ist PrEP, insbesondere in der schwulen Community, ein großes Thema. Als Vorsorgemedikament zugelassen wurde es in der Europäischen Union bereits im August 2016. Dennoch herrsche immer noch viel Unwissen rund um die PrEP. Der anyway-Talk will deshalb aufklären.

Er wollte, dass ich eine Pille statt eines Kondoms nehme

Eine zielgruppengerechte Aufklärung sei besonders wichtig, sind sich die drei Talk-Gäste einig: Neben Marcel Dams, HIV- und LGBTI-Aktivist, ist auch Christoph Klaes von der Aidshilfe Köln und Moustafa Tarraf von der Webserie "Kuntergrau" zu Gast im anyway. Moustafa Tarraf spielt in der Serie einen HIV-Positiven und hat seitdem viele negative und böse Nachrichten erhalten Doch auch mit der PrEP ist er schon in Berührung gekommen: Ein Sexpartner habe ihm gesagt, statt eines Kondoms könnte er doch einfach eine Pille PrEP nehmen. "Man kann die Tablette nicht einfach so kurz vor dem Sex nehmen und alles ist gut."

Marcel Dams erklärt, dass es sowohl die Langzeit-PrEP als auch die anlassbezogene PrEP gebe, die jedoch in Deutschland offiziell nicht zugelassen ist. "Mindestens zwei Stunden, eher zwei Tage vorher, sollten die Tabletten genommen werden." Unbedingt notwendig sei jedoch, zuvor mit einem Arzt gesprochen zu haben, betont Christoph Klaes von der Kölner Aidshilfe. "Die PrEP ist nicht wie ein Kondom, das man nimmt und einfach loslegt." Vor Einnahme der PrEP müssten Blutwerte überprüft werden. Und auch während der Einnahme sollten sich PrEP-Anwender alle drei Monate vom Arzt durchchecken lassen, insbesondere auf andere sexuell übertragbare Infektionen. Denn davor schützt die PrEP nicht.

Das Kondom soll nicht abgeschafft werden


Bild: anyway Köln / Fabian Schäfer

Der Befürchtung, mit der PrEP würde das Kondom abgeschafft werden, erteilten die Experten eine Absage: "Es ist eine ergänzende Schutzstrategie", sagt Marcel Dams. Man müsse die Möglichkeiten – Kondome, PrEP, Schutz durch Therapie – gleichwertig präsentieren, betont Klaes. Gründe, (auch) die PrEP zu verwenden, gebe es viele: Manche Männer können mit Kondom schlechter Sex haben, manche fühlen sich so noch sicherer, andere verwenden häufig Kondome, vergessen sie aber ab und an. "Das ist menschlich. Da ist es eine legitime Möglichkeit, sich mit PrEP zu schützen." Deshalb solle die PrEP eine Schutzmöglichkeit für alle werden. Auch 50 Euro monatlich seien da noch zu viel, findet Klaes.

In anderen Ländern ist die PrEP schon länger und teilwiese auch kostenfrei erhältlich, etwa in den USA, Frankreich oder Großbritannien. Die PrEP wurde populärer, doch auch Vorurteile haben zugenommen, erklärt Marcel Dams. "Manche setzen PrEP-Anwender gleich mit Leuten, die Schlampen sind, und dafür abgewertet werden." Er fühle sich sogar an die Aids-Epidemie erinnert, wo schwule Männer für ihren "dreckigen Sex" verurteilt wurden. Eine Stigmatisierung von PrEP-Nutzern fürchtet auch Moustafa Tarraf. "Wir müssen weg davon kommen. Die PrEP sollte nicht negativ behaftet sein."

Sinkende Infektionszahlen sprechen für den Erfolg der PrEP. Bislang haben sich laut Marcel Dams nur drei PrEP-Anwender mit HIV infiziert. Noch sei jedoch nicht in allen Fällen klar, ob dies aufgrund falscher Anwendung oder Resistenzen passierte. Überhaupt findet er negative Vorurteile gegenüber PrEP-Nutzer nicht nur falsch, sondern auch unlogisch, da sie Verantwortung für sich selbst übernehmen und sich schützen. Marcel Dams Resümee ist eindeutig: "PrEP ist die große Chance, endlich in die Zeit vor der Aids-Krise zu gelangen, wo Menschen freien, selbstbestimmten, schönen Sex hatten." Das wirke sich zudem auch auf die seelische Gesundheit aus, wie einige Studien bewiesen hätten. (cw)

Direktlink | Der komplette Talk auf Youtube

Die nächsten anyway-Talks

26.10.2017. Das Ende der Beißreflexe – Suche nach Gemeinsamkeiten in der Debatte um die "richtigen" feministischen Positionen (Einlass: 18:30, Beginn: 19:30 Uhr)

09.11.2017: Schwule Fetische – von Gummi bis Sportswear (Einlass: 18:30, Beginn: 19 Uhr)

Die anyway-Talks sind offen für alle Altersgruppen und Gender. Eintritt frei.


#1 NoPrep4europeAnonym
  • 18.10.2017, 10:01h
  • "PrEP-Anwender sind keine Schlampen"?! Was sollten sie denn stattdessen sein wenn nicht in der Regel äußerst promiske Personen, denen eine Abwägung zwischen Gesundheit (Sex mit Kondom) und Spaß ohne verantwortungsvolles Nachdenken (Sex ohne Kondom) trotz durchlebter Pubertät zu schwer fällt um letztlich eine sozial adäquate Entscheidung zu treffen.
    Was die Aussage angeht, selbst 50 wären zu teuer: diese Aussage ist eine Frechheit, und zeugt davon dass zum einen medizinische Forschung nicht den Stellenwert bekommt den sie verdient, zum anderen huldigt sie einer Geiz ist geil-Mentalität, die man umso weniger nachvollziehen kann, wenn man sich anschaut dass die betreffenden Personen in der Regel kein Problem damit haben, viele hunderte Euro für Alkohol, Zigaretten, vor allem aber oftmals illegale Substanzen auszugeben. Wieso sollten sie sich dann nicht in der Lage fühlen, 50 im Monat für lebenswichtige Pillen zu bezahlen und den Staat mit diesen Kosten belasten...
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#2 Prep4europeAnonym
#3 TheDadProfil
  • 18.10.2017, 10:32hHannover
  • Antwort auf #1 von NoPrep4europe
  • """PrEP-Anwender sind keine Schlampen"?! Was sollten sie denn stattdessen sein wenn nicht in der Regel äußerst promiske Personen, denen eine Abwägung zwischen Gesundheit (Sex mit Kondom) und Spaß ohne verantwortungsvolles Nachdenken (Sex ohne Kondom) trotz durchlebter Pubertät zu schwer fällt um letztlich eine sozial adäquate Entscheidung zu treffen. ""..

    Was soll uns das hier sagen ?
    Alle die mit PrEP Sex haben sind dann "Schlampen", und alle die mit Kondom vögeln nicht ?

    Wo liegt denn der Unterschied ?

    Du hast ganz offensichtlich ein Problem damit wenn andere Männer mehr Sex haben, und sich dabei schützen..
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#4 LaurentProfil
  • 18.10.2017, 10:39hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Ich finde es schade, dass dieser weitgehend sachliche Bericht durch das Resümee ("PreP ist die große Chance, endlich in die Zeit vor der Aids-Krise zu gelangen, wo Menschen freien, selbstbestimmten, schönen Sex hatten") wieder entwertet und sogar suggeriert wird, ohne PreP gäbe es diese Art von Sex nicht.
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#5 TheMumProfil
  • 18.10.2017, 11:32hHannover
  • Antwort auf #4 von Laurent
  • Vor allem da ja bei Hetero Sex dieses "Problem" des nicht einfach drauf los feuern könnens schon immer da war. Als lesbische Frau halte ich mich da natürlich zurück, aber irgendwie bekomme ich den Eindruck, dass sich eine kleine Minderheit von Männern (egal ob homo oder hetero) unbedingt sexuell komplett hemmungslos verhalten möchte. Allerdings habe ich nichts gegen PrEP auf Rezept, wenn das bei dieser Minderheit wirklich der einzige Weg ist, um HIV weiter einzudämmen. Jemand der sich dermaßen wenig unter Kontrolle hat, dem muss auch auch seitens der Krankenkasse geholfen werden, denn ich glaube hier kann man nicht mehr wirklich von freiwilligem Verhalten sprechen.
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#6 HörnchenAnonym
  • 18.10.2017, 12:18h
  • Hmm, also ich mag es nach wie vor ganz klassisch .. nur mit Kondom! PrEP, soll ja eine Ansteckung mit Hiv verhindern .. aber keiner redet von den (vielen) GeschlechtsKrankheiten die man(n) sich trotzdem noch immer einfangen kann!
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#7 DiskussionsniveauAnonym
  • 18.10.2017, 12:30h
  • Antwort auf #6 von Hörnchen
  • "aber keiner redet von den (vielen) GeschlechtsKrankheiten die man(n) sich trotzdem noch immer einfangen kann!"

    Das ist regelmäßig Teil der Diskussion. War es auch hier.
    Wenigstens den Artikel zu lesen kam für dich nicht in Frage?
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#8 BogenhanfAnonym
  • 18.10.2017, 12:39h
  • Das Wort "Schlampe" steht hier etwas übertrieben und extrem formuliert da, aber letztendlich auch als Gegenteil zu der der Personengruppe, die es bisher nicht für sich in Betracht gezogen hat, PreP zu nehmen, bzw. einfach aus diversen Gründen die mit widrigen umzugehen haben, und daher keinen einfachen Zugang zu PreP haben.

    Es ist auffällig, dass in einschlägigen Datingforen und Apps immer öfter das Wort PreP auftaucht und Sex ohne Kondom wieder sehr "salonfähig " geworden ist. Auch ich habe mich bereits mehr als einmal unaufgefordert belehren lassen müssen, dass dem ja quasi nichts im Wege stünde, mit PreP zu hantieren oder ungeschützten Sex mit Leuten zu haben, deren HIV Infektion auch mittlerweile unter die Nachweisgrenze gesunken ist (ich weiß, das hat erstmal nix mit PreP zu tun, ist aber im Grunde dasselbe Thema). Nach solchen Belehrungen kommt man sich ggf irgendwie rückständig, bieder oder gar zu dumm vor...

    Aber was man auch bemerken kann, ist dass wir uns bereits mittendrin in einer, was die Leichtigkeit von schwulem Sex angeht, Zweiklassengesellschaft befinden. Es gibt die einen, die aufgrund des passenden Umfeldes, entsprechenden Kontakten, toleranten Ärzten, einem höheren Einkommen etc. einen leichten und unkomplizierten Zugang zu PreP haben. Und dann gibt es die, die in ländlichen und/oder konservativen Strukturen leben, wo selbt die Suchen nach einem eventuellen Sexpartner ein Problem darstellt. Es gibt die schwulen Männer, die sich die 50 monatlich wirklich nicht leisten könnten, aber genausowenig nicht das Ausgehen, den Alkohol, die Drogen etc. die hier in einem anderen Kommentar gleich als Vergleich für überflüssige Ausgaben herangezogen werden.

    Die Diskussion darüber ob es hier "Schlampen" gibt oder nicht, mag vielleicht in dem einen oder anderen promiskuitiven Ballungsraum ganz amüsant sein. Aber grundsätzlich betrachtet, ist dies eine reine "Luxusdiskussion" und es sollte viel eher auf die von mir beschriebenen zwei Klassen von PreP und NoPreP und die damit einhergehen Benachteiligungen und gefahren eingegangen werden, und zunehmend deutlich mehr Aufklärung darüber betrieben werfen, dass PreP einzig vor Ansteckung mit HIV schützen kann, allen anderen Seuchen wird hiermit allerdings die Möglichkeit zu einer "blühenden Zukunft" geschaffen.

    Und mal im Ernst: Wer nimmt im Ernst ein PreP Medikament und zusätzlich Kondome damit er sich zu 101 % sicher sein kann?
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#9 HörnchenAnonym
#10 AchilleusProfil
  • 18.10.2017, 12:58hDuisburg
  • Gibt's da eigentlich auch Veranstaltungen zu wissenschaftlichen und künstlerischen Themen?

    Oder geht's da hauptsächlich um "Schlampen" und "Pillen"?

    Denn ich frage mich, was das für ein Jugendzentrum ist, das gebildete Jugendliche ausschliesst.
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