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Staatshomophobie

Dubai: Drei Monate Haft für versehentliche Berührung

Der reiche Manager einer deutschen Firma beschuldigte einen jungen Schotten, ihn unsittlich in einer Bar berührt zu haben – im homophoben Dubai reicht das für einen juristische Tortur.


Jamie Harron zeigte auf seiner Facebook-Seite vor seiner Verhaftung noch Bilder vom Strandleben in Dubai

Zu Update springen: Herrscher von Dubai begnadigt Harron (13.48 Uhr)

Ein 27-jähriger Elektriker aus Schottland ist von einem Gericht zu drei Monaten Haft wegen unzüchtigen Verhaltens verurteilt worden, weil er einen Mann aus Jordanien in einer überfüllten Bar an der Hüfte berührt hatte – laut eigenen Angaben aus Versehen, um seinen Drink nicht zu verschütten. Das teilte die Organisation "Detained in Dubai" mit, die sich für im Emirat verhaftete Ausländer einsetzt. Jamie Harron war wegen des Vorfalls am 15. Juli verhaftet worden, verbrachte fünf Tage im Gefängnis und durfte daraufhin Dubai nicht verlassen (queer.de berichtete).

Laut "Detained in Dubai" erklärte Harron, er sei "wütend, enttäuscht und voller Angst, was als nächstes passiert". Man werde Berufung gegen das Urteil einlegen, solange werde Harron auf freiem Fuß bleiben. "Ich habe meinen Job verloren, ich könnte ins Gefängnis kommen – und das alles nur wegen eines zweitägigen Kurzurlaubs. Das ist unglaublich. Ich kann noch immer nicht richtig begreifen, was passiert ist." Laut Medienberichten musste Harron bereits mehr als 40.000 Euro an Anwalts- und sonstigen Kosten wegen des Prozesses aufbringen.

Direktlink | Auf Youtube bedankt sich Jamie Harron für die Unterstützung aus seiner Heimat

In Großbritannien ist die Nachricht von der Verurteilung scharf kritisiert worden. Die Eltern beklagten in den Medien, dass die britische Botschaft ihrem Sohn nicht geholfen habe, und kritisierten auch die Behörden von Dubai scharf. Ihrem Sohn dürfen sie deshalb nicht vor Ort zur Seite stehen: "Seine Eltern dürfen ihn nicht besuchen, weil auch sie mit einem Fuß im Gefängnis stehen würden, denn es ist in diesem Zusammenhang den Vereinigten Arabischen Emiraten verboten, die Regierung zu kritisieren", so "Detained in Dubai".

Beschuldiger arbeitet für deutsche Firma Neuman & Esser

Der Jordanier, der den Schotten wegen der homosexuellen Berührung angezeigt hat, heißt Emad Tabaza und leitet in der Region die Geschäfte des deutschen Öltechnologieunternehmens Neuman & Esser. Die Firma verteidigte ihren Manager und behauptete, mehrere Zeugen hätten die Tat bestätigt.

Tabaza hat zwar die Klage Anfang Oktober fallengelassen, allerdings hat die Staatsanwaltschaft – wie in Dubai oft üblich – trotzdem weiterermittelt. Die Anwälte des Schotten behaupten, Tabaza habe am fraglichen Abend "ein Machtspiel vor seinen Kollegen" zum Besten gegeben. Der reiche Manager habe zu Harron gesagt: "Wissen Sie überhaupt, wer ich bin? Ich werde dafür sorgen, dass Sie abgeschoben werden." Die Anwälte haben angekündigt zu prüfen, ob der Manager in einem Zivilverfahren außerhalb des Landes belangt werden kann.

Harron ist bereits zusätzlich zu einer Haftstrafe von 30 Tagen verurteilt worden, weil er eine "beleidigende Geste" gemacht haben soll, bei einem Gerichtstermin nicht erschienen sei und Alkohol getrunken hat. "Detained in Dubai" erklärte jedoch, er sei nicht über den Gerichtstermin informiert worden. Außerdem sei es unfair, Ausländer wegen des Alkoholverbots zu belangen, da diese ja legal in Bars trinken dürften. Harron wies zudem zurück, eine beleidigende Geste gemacht zu haben.

In Dubai, wie auch in anderen Teilen der Vereinigten Arabischen Emirate, kann homosexuelles Verhalten schwer bestraft werden. Bereits für Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit drohen Haftstrafen, im Extremfall droht Schwulen für Sex sogar die Todesstrafe nach Scharia-Recht. Berichte über erfolgte Exekutionen wurden allerdings nicht bekannt. (dk)

 Update  13.48 Uhr: Herrscher von Dubai begnadigt Harron

Die Organisation "Detained in Dubai" hat erklärt, dass Harron am Montagvormittag, einen Tag nach seiner Verurteilung, über die Einstellung seines Verfahrens informiert worden sei. Harron sei mitgeteilt worden, dass Muhammad bin Raschid Al Maktum, der Herrscher und Premierminister von Dubai, den Schritt persönlich angeordnet habe. Er habe jetzt seinen Reisepass zurückerhalten und dürfe das Land ab sofort wieder verlassen.



Video: So macht man Schwule hetero

Ein auf Youtube veröffentlichtes homophobes Video aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigt, wie aus einem effeminierten Schwulen ein "richtiger Mann" gemacht wird.
#1 JohannbAnonym
  • 23.10.2017, 14:19h
  • An diesem Beispiel merkt man, dass Homophobie zwar Homos schadet, aber von Staaten und anderen Autoritäten hauptsächlich dazu genutzt wird, Hereros zu unterdrücken! Was soll das hier ansonsten so gönnerhaft Bedeuten, dass eine Begnadigung ausgesprochen wird? In einer homphoben Umgebung wird soviel von Heteros abverlangt, um nur nicht als Homo verwechselt zu werden.....
    Daher mein Aufruf an alle Heteros: stellt euch gezielt gegen Homophobie jeglicher Art. Dies hilft jeden, egal in Homo oder Herero!
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#2 OnesecondAnonym
  • 23.10.2017, 14:26h
  • Die spinnen, die Araber! Erstaunlich, dass da immer noch geistig völlig umnachtete Naivlinge Urlaub machen wollen.
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#3 BeammeupScottyAnonym
  • 23.10.2017, 14:32h
  • Ein Typ wie Emad Tabaza darf sich "von" schreiben, wenn sich ein junger Mann wie Jaimie Harron für ihn interessiert - ich tippe auf gekränkte Eitelkeit, die den "Verschmähten" zum "Opfer" machten.

    Die Firma Neumann Esser täte ein Gutes, sich ihren Manager noch einmal vor zu knöpfen und ernste Worte mit der Person zu sprechen, schließlich leidet unter solchen Mitarbeitern auch der Ruf des Unternehmens.
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#4 HalloAnonym
  • 23.10.2017, 14:51h
  • Antwort auf #2 von Onesecond
  • Wird sogar auf Seiten wie Sonnenklar.tv beworben.
    Im Endeffekt sind die arabischen Länder und auch die Türkei sehr beliebt bei Reiseveranstaltern, weil sie besonders günstig sind.
    Einen Aufschwung haben jetzt aber die südeuropäische Länder und im Winter die Kanaren.
    Trotzdem verstehe ich nicht warum Länder im Tourismusbuisness beworben werden, die solch schlimme Menschenrechtslagen haben wie Dubai usw. Ein Geschäft mit Blut an den Händen.
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#5 DubaiNoAnonym
  • 23.10.2017, 15:10h
  • Einfach nicht hinfahren, dann gibt es auch keine Probleme. Jeder weiß was in diesem Land passiert, warum macht man dann also freiwillig dort auch Urlaub !!
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#6 Aban Jabr KouriAnonym
  • 23.10.2017, 15:44h
  • Ist der Bursche überhaupt homosexuell?

    Ist es grundsätzlich ausgeschlossen, dass ein betrunkener Brite vulgäre Gesten gegen über anderen demonstriert?

    Könnte es sein, dass wir sehr einseitig über den Fall informiert werden und die Position der Gegenseite gar nicht kennen?

    Eher Nein, nee, vermutlich.
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#7 WillibaldAnonym
  • 23.10.2017, 16:43h
  • Antwort auf #6 von Aban Jabr Kouri
  • Was spielt das für eine Rolle? Dass solche Strafen für Nichtigkeiten wie auch im Fall Warmbier völlig absurd sind, leuchtet jedem sofort ein. Nicht einmal der Koran gebietet irgendeine Bestrafung von Zärtlichkeiten, und die arabischen Politiker begrüssen sich ja auch mit einem Wangenkuss. Konsequenterweise müsste man diese Politiker einsperren.
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#8 Sven100Anonym
  • 23.10.2017, 17:13h
  • Dubai - Milliarden und Abermilliarden aus dem Ölgeschäft und ein Steinzeitislam...
    Eine höchst gefährliche Mischung!
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#9 HörnchenAnonym
  • 23.10.2017, 17:21h
  • Diese Firma soll diesen (reichen) Manager nicht noch verteidigen sondern gleich ... KÜNDIGEN und zwar ganz schnell !!!!!
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#10 JesusAnonym