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England

Früherer Tory-Chef: Umweltverschmutzung macht transsexuell

Norman Tebbit nennt einen absurden Grund, warum heute mehr Transpersonen in der Öffentlichkeit zu sehen sind als zu seiner Jugendzeit.


Norman Tebbit bei einem Vortrag im Jahr 2008 (Bild: James Robertson Photography / wikipedia)

Während der Regierungszeit von Premierministerin Margaret Thatcher war Norman Tebbit mehrere Jahre lang zunächst Staatssekretär und später Chef der britischen Konservativen. Offenbar hat der 86-jährige Engländer noch immer die gleichen intoleranten Ansichten wie zu dieser Zeit, als die Regierung Section 28, eine Art Homo-"Propangada"-Gesetz für britische Schulen, beschlossen hatte.

Nach dem Ende seiner Parlamentskarriere im Jahr 1992 musste Tebbit erleben, wie Section 28 abgeschafft wurde, ein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz von LGBTI eingeführt und schließlich im größten Teil des Vereinigten Königreichs die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet wurde. Das verführt ihn offenbar zu verrückten Thesen; er warnte etwa 2013 vor der Ehe für alle mit dem Argument, dass dies Steuerbetrügern helfe – er könne schließlich seinen Sohn heiraten, damit dieser später keine Erbschaftsteuer zahlen müsse.

In einem am Montag veröffentlichten Beitrag für die konservative Zeitung "The Telegraph" versucht der 1992 in den Adelsstand erhobene Politiker zu erklären, warum es Transmenschen gibt. Als er aufwuchs, habe es so etwas schließlich noch nicht gegeben. Was ist heute anders? Tebbit macht "evolutionäre Veränderungen" für die steigende Sichtbarkeit von Transsexuellen verantwortlich. So schreibt er:

Ich weiß nicht, ob die Bevölkerung der Dritten Welt oder von städtischen oder ländlichen Gesellschaften mehr oder wenig betroffen sind.

Man weiß auch nicht, ob nur unsere Gattung oder andere Gattungen, die neben uns existieren, davon betroffen sind. Unser Wissen deutet aber auf einen Auslöser wie Umweltverschmutzung hin, wie es von einigen Wissenschaftlern angenommen wird.

Nun behauptet freilich kein seriöser Wissenschaftler, dass eine Person transsexuell wird, wenn sie mal kurz am VW-Dieselauspuff nuckelt. Wahrscheinlich bezieht sich der Ex-Politiker auf Studien zu bestimmten Fischarten, die wahrscheinlich wegen zu vielen Hormopräparaten im Wasser eher Merkmale des anderen Geschlechts entwickeln können. Das trifft aber nur auf wenige Fischarten zu – und erst recht nicht auf den Menschen.

Der wahre "Auslöser" für eine erhöhte Sichtbarkeit von Transsexuellen ist freilich ein anderer. Es ist der gleiche Grund, warum sich früher Homosexuelle nicht geoutet haben – weil nämlich ein Coming-out mit viel mehr gesellschaftlicher Diskriminierung einher ging als heutzutage. Das ist die Welt, in die Herr Tebbit zurück will. (dk)



#1 Michelle2010Anonym
  • 24.10.2017, 17:27h
  • Hallo Queer,

    bitte hört endlich auf von Transmenschen zu schreiben. Es gibt so etwas nicht. Der Begriff Transmensch diskriminiert jeden transsexuellen Menschen als Angehörigen einer Art Unterrasse des Menschen.

    Es gibt nur Menschen bei Menschen. Und zwar zu 100 Prozent. Danke.
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#2 tti3_alliance
#3 Homonklin44Profil
  • 24.10.2017, 18:05hTauroa Point
  • "" Als er aufwuchs, habe es so etwas schließlich noch nicht gegeben. Was ist heute anders? Tebbit macht "evolutionäre Veränderungen" für die steigende Sichtbarkeit von Transsexuellen verantwortlich.""

    Der Mann ist 86. Vielleicht leidet seine Erinnerung unter Senilitätsschwund und man weiß, dass in seiner Jungmannzeit mit Sexualität sehr bedeckt verfahren wurde. Woher hätte er auch erfahren sollen, dass es Trans-Relevanz gibt?

    Evolutionäre Veränderungen,tja, die gibt es, solange die Evolution vonstatten geht. Es bleibt nichts konstant, und wer kann sagen, wie viele verschiedene Menschen-Varianten sich aus dem Genpool der heute Existenten mal entwickeln mögen? Oder wie viele unterschiedliche Phänotype alternativer Sexualitäten noch entstehen mögen?

    Aber weniger durch Hormone im Wasser, im Essen oder durch Pollution. Und vor allem nicht dadurch innerhalb so kurzer Zeitabstände, wie der sich das vorstellt!
    Den wahren Grund nennt der Artikel zum Ende hin. Heute sind die Folgen eines freien Lebens nicht länger und nicht überall mehr lebensgefährdend.

    'Transmensch' klingt so gesehen wirklich ein bisserl fancy, weil man es falsch verstehen könnte, und Leute denken, ein Mensch 'wandelt' sich zu etwas anderem, als einen Menschen. Man müsste aber einfach mal ein Wort haben, mit dem sich Leute mit Trans-Relevanz nicht gekränkt oder stigmatisiert empfinden.
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#4 DiamondAnonym
  • 24.10.2017, 18:33h
  • Es gibt schon Hinweise, dass während der Schwangerschaft ein Embryo durch Hormoneinflüsse, aber auch evtl. durch Diethylstilbestrol und andere Substanzen sich im Blick auf das Gehirn anders entwickelt als im Blick auf die Genitalien - d.h. weibliches Gehirn in männlichem Körper - das ist Transsexualität.
    Sicherlich ist es schwierig, dafür monokausale Zusammenhänge zu postulieren. Aber Milton Diamond hat im Tierversuch sehr deutlich nachweisen können, wie empfindlich in der Embryonalen Phase Säugetiere auf Hormoneinflüsse sind.
    Unabhängig davon ist klar, dass Transsexualität zu allen Zeiten und in allen Kulturen existierte, aber es mag ja auch da entsprechende Einflüsse auf Embryos gegeben haben - ohne dass es dazu Forschung gab...
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#5 EatDrinkAndBeMaggieAnonym
  • 25.10.2017, 00:13h
  • ...and an ice cream for Mr. Major :) If the fashist union had only dared to break free ;)
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#6 matsAnonym
#7 schwarzerkater
  • 25.10.2017, 08:52h
  • armer alter mann ... hat er wohl wieder vergessen, seine medikamente regelmäßig zu nehmen?
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#8 TraumzerstörerinAnonym
  • 25.10.2017, 09:06h
  • Antwort auf #6 von mats
  • Hach ja, das ewig leidige Thema.

    Bis heute wurde auch nicht eine der Theorien über die Entstehung vom dem was als Transsexualität bezeichnet wird, verifiziert, auch wenn erschreckender Weise, sogar queere Zentren oder Selbsthilfegruppen, das manchmal behaupten. Das ist verdammt gefährlich, damit bringt man Leute auf eine Straße ohne Wiederkehr.

    Die meisten Menschen die wir im Alltag als Frauen oder Männer wahrnehmen, haben in 45 ihrer Chromosomen KEINEN, nicht einen, geschlechtsspezifischen Unterschied.
    In den sog. Autosomen, also alle Chromosomen außer den Geschlechtschromosomen, befinden sich alle Details für unsere Persönlichkeitsmerkmale, wie wir aussehen werden, was wir Essen können oder nicht, welche Krankheiten wir wahrscheinlich bekommen, ob wir gut in Sport sind, ob wir später einmal aggressiv werden oder ängstlich usw.

    Die meisten Menschen die wir als Frauen wahrnehmen, haben als 46gstes Chromosom, ein weiteres X Chromosom, dass die selben Funktionen wie das bereits vorhandene übernimmt, die meisten Menschen die wir als Männer wahrnehmen, haben ein Y Chromosom dort an letzter Stelle.

    Was ist dieses Y Chromosom? Erst einmal ein Erbmarker voller Mutationen, die es ermöglichen, die männliche Abstammungslinie eines Menschen über mehrere 100.000 Jahre zurückzuverfolgen. Heute weiß man aber, dass das keine simplen Zufallsmutationen ohne Zweck sind, sondern dass diese Mutationen Auswirkungen auf die Psyche, Spermaqualität, und sämtliche andere Gesundheitsthemen haben.
    Es gibt Tausende von unterschiedlichen Y-Erblinien, also es gibt keine genetischen Gemeinsamkeit zwischen Männern im allgemeinen, nichts was sie alle zum Mann machen würde, sondern tausende von verschiedenen Linien. Menschen mit einer gemeinsamen Y-Abstammungslinie, teilen also auch gewisse gesundheitliche und psychische Eingenschaften.
    Bei X Chromosomen ist es noch viel wilder, weil die sich bei jeder Befruchtung mit anderen X-Chromosomen stark rekombinieren können, Y Chromosomen können das nur zu 5% mit anderen Chromosomen.

    Ein Schalter-Gen, SRY, dass auf jedem fortpflanzungsfähigen Y-Chromosom vorhanden ist, leitet die Entwicklung von Hoden anstatt Eierstöcken ein, es überschreibt die "Normeinstellung Eierstock"
    Dann wird Testosteron produziert und später die Spermatogenese in der Pubertät eingeleitet.

    Und das waren nun wirklich alle Unterschiede, zwischen durchschnittlichen Männern und Frauen im genetischen Bereich (Intersex lasse ich heute mal bewusst weg)

    Da ist wenig Spielraum, für genetische Erklärungen von Transsexualität von Y-Menschen.
    Denn wenn diese Mutationen auf dem Y-Chromosom liegen sollten, dann können sie kaum vererbt werden, es wäre auch unrealistisch, dass in verschiedenen YErblinien, immer die selben Mutationen auftreten, höchst unwahrscheinlich.

    Mit Hormonen kann es auch nichts zu tun haben, denn es wurden im letzten Jahrhundert dutzende Versuche gemacht, durch stark dosierte Hormonpräparate Leute von ihrer Transsexualität zu heilen, das hätte dann eigentlich erfolgreich sein müssen.
    Das wird aber immer ignoriert und die Fische oder Alligatoren mit gemischten Geschlechtsorganen wegen Umweltgiften werden genannt. Das hat aber gar nichts damit zu tun, wenn ein Umweltgift wirklich so stark ist, dass es die Geschlechtsentwicklung beeinflusst, dann ist das wie bei den Alligatoren mit Eierstöcken und Hoden, deutlich sichtbar.
    Das ist bei Transsexualität, wenn man vom Normalfall ausgeht, NICHT der Fall.

    Ich hab mich mal etwas in ethnologischer Literatur schlau gemacht, und erkundet wo denn ähnliche Phänomene auftreten. Und lustiger Weise, treten sie nicht dort auf, wo Gesellschaften besonders tolerant oder matriarchalisch sind, nein, sondern dort, wo Patriarchale Strukturen besonders stark waren oder sind, z.B. bei den Skythen. Was ist die allgemeine Erklärung dafür?
    Ganz einfach, in einer Gesellschaft wo die von Männern und Frauen geforderten Fähigkeiten und Verhaltenskodexe streng sind, haben Abweichler, also Menschen mit weniger deutlichen Persönlichkeitseigenschaften, eine größere Chance in einer Geschlechtsrolle zu landen, die sonst nicht mit ihren körperlichen Merkmalen assoziiert wird.
    Alternativ wäre dann, diese Menschen zu töten, dass können sich aber die meisten Gesellschaften nicht leisten, weil sie die Leute brauchen, kommt aber auch vor.

    Bei einfacheren Gesellschaften wie manchen Wildbeutern, ist die Arbeitsteilung geringer, oder fast gar nicht vorhanden, also spielt die "Eindeutigkeit" von Persönlichkeitsmerkmalen keine große Rolle, dort kommt so etwas kaum vor.

    Die Ethnologische Erklärung für Transsexualität wäre also: Je größer die gender-bezogene Arbeitsteilung, Mythologie, Bildersprache und Lebensmöglichkeit von Menschen in einer Gesellschaft separiert sind, desto größer ist die Chance, dass sich das Phänomen Transgender/Transsexualität entwickelt.

    Es ist also ein sich in die Gesellschaft fügen, das zwar auf den ersten Blick dann wie eine schwache Reaktion auf äußeren Druck wirkt, das ist es aber nicht, denn jeder Mensch macht das durch, jeder Mensch integriert sich in die Gesellschaft, in der er groß wird und versucht dort eine Rolle einzunehmen, wo wir dann bei der Identitätsentwicklung wären. Ohne diese Integration, kann kein Mensch überleben, wir sind immer auf die anderen angewiesen.

    Die Persönlichkeit eines Menschen ist also sehr wohl genetisch vordefiniert, entwickelt sich dann entsprechend in Interaktion mit der Umwelt, aber niemand ist gezwungen, irgendwelche chirurgischen Initiationsriten zu vollziehen, das sind wirklich sehr eigene, unserer Kultur spezifische Konzepte. Nicht einmal eine Transition an sich, wäre irgendwie biologisch erzwungen oder nötig, sofern die Gesellschaft nicht so ausgerichtet ist, dass sie eine Integration sonst unmöglich macht.
    Ein radikales Konzept!

    Der Großteil aller Persönlichkeitsmerkmale, ist Autosomal, also bei Männern und Frauen gleich unterschiedlich. Die Verschiedenen Männer, haben unterschiedliche Y-Linien, also auch keine gemeinsamen "männlichen" Persönlichkeitsmerkmale, außerhalb ihrer spezifischen Erblinie.

    Die durch Testosteron oder Östrogen ausgelösten Stimmungen und Verhaltensweisen, können sowohl bei Männern, als auch bei Frauen ausgelöst werden, das kann jeder bestätigen, der mal eine Hormontherapie begonnen hat, ist auch mit Mäuseexperimenten gut dokumentiert worden.

    Gegenargumente?
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#9 nachgefragtAnonym
  • 25.10.2017, 10:49h
  • Antwort auf #8 von Traumzerstörerin
  • Hallo Traumzerstörerin,

    ich wieder :-)

    Wie ich in einem anderen Thread bereits deutlich gemacht habe (
    www.queer.de/detail.php?article_id=29915&antwort_zeigen=
    ja#c34

    ), bin ich innerhalb des gegenwärtigen Diskurses um trans*-Themen weder argumentativ noch bezüglich aktueller naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auf der Höhe der Zeit. Ich hoffe daher auf Nachsicht, wenn ich hier direkt nachfrage:

    "Bis heute wurde auch nicht eine der Theorien über die Entstehung vom dem was als Transsexualität bezeichnet wird, verifiziert, auch wenn erschreckender Weise, sogar queere Zentren oder Selbsthilfegruppen, das manchmal behaupten. Das ist verdammt gefährlich, damit bringt man Leute auf eine Straße ohne Wiederkehr."

    Was genau meinst du mit "damit bringt man Leute auf eine Straße ohne Wiederkehr"? Ich verstehe es so, dass aufgrund angenommener Ursachen von "Transsexualität" Menschen mit trans*-Empfinden zu bestimmten Entscheidungen bzw. Konsequenzen gedrängt werden. Aber zu welchen Konsequenzen konkret - und aufgrund welcher Theorien zur Genese von "Transsexualität"?

    "Die Persönlichkeit eines Menschen ist also sehr wohl genetisch vordefiniert, entwickelt sich dann entsprechend in Interaktion mit der Umwelt, aber niemand ist gezwungen, irgendwelche chirurgischen Initiationsriten zu vollziehen, das sind wirklich sehr eigene, unserer Kultur spezifische Konzepte. Nicht einmal eine Transition an sich, wäre irgendwie biologisch erzwungen oder nötig, sofern die Gesellschaft nicht so ausgerichtet ist, dass sie eine Integration sonst unmöglich macht.
    Ein radikales Konzept!"

    Ich nehme immer wieder wahr, dass behauptet wird, ein trans*-empfindender Mensch würde (heutzutage; speziell in Deutschland) "gezwungen", sich körperlichen Angleichungsmaßnahmen zu unterziehen.

    Vielleicht wirkt meine Frage etwas naiv: Aber ist das denn tatsächlich der Fall? Ist es nicht vielmehr so, dass viele transsexuell empfindende Menschen selber den dringenden Wunsch haben, äußerlich dem Geschlecht zu entsprechen, dem sie "innerlich" angehören? (Oder interpretierst du diesen eigenen dringenden Wunsch bereits als Internalisierung eines äußeren, gesellschaftlichen Zwanges?)

    Und aufgrund welcher Argumentation könnte eine Transition sogar "biologisch erzwungen" sein? Insofern eine Transition doch (lediglich) eine äußerliche Angleichung ist - und die chromosonale Situation dabei gar nicht tangiert wird?

    "Ein radikales Konzept!"

    Was genau meinst du mit dem radikalen Konzept? Dass die Transition nicht biologisch erzwungen sei? (S.o. - inwiefern sollte sie das auch sein? Oder welches Konzept sprichst du hier an? Sorry - vielleicht steh ich grad total auf dem Schlauch :-/ )

    "Gegenargumente?"

    Gegenargumente für oder gegen was? (Inwiefern beinhalten deine Ausführungen zur genetischen Determiniertheit und zur Persönlichkeitsentwicklung "Argumente" für oder gegen etwas? Für oder gegen was argumentierst du?)

    Noch einmal: Meine Fragen sind mitnichten provozierend gemeint. Mir passiert es einfach immer wieder, dass ich sehr inhalts- und offenkundig kenntnisreiche Beiträge in ihren Implikationen nicht nachvollziehen kann, weil mir der theoretische Überbau fehlt, um sie in ihrer Intention einordnen zu können.

    Daher wäre ich für Aufklärung ehrlich dankbar. Auch wenn sie ggf. nur einzelne meiner Fragen adressiert. Jedes Informationsteilchen hilft :-)
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#10 TraumzerstörerinAnonym
  • 25.10.2017, 11:39h
  • Antwort auf #9 von nachgefragt
  • "Was genau meinst du mit "damit bringt man Leute auf eine Straße ohne Wiederkehr"? "

    In unserer Gesellschaft gibt es einen gewissen Ablauf, der mit immer mehr eintretenden, in Kauf genommenen Unfreiheiten einher geht, für Menschen die als Transsexuell eingestuft werden.

    Zuerst wäre da die Diagnosestellung. Diese ist ein psychisch gesehen, initiatorisches Erlebnis, denn sie bestätigt der Person, Teil des gesellschaftlichen und medizinischen Konzeptes Transsexualität zu sein. Die Diagnosestellung kann auch von andren Erfolgen, z.B. Eltern oder Mitschüler, die der Person geschlechtsuntypisches Verhalten vorwerfen (In Wahrheit ist es aber Geschlechtsrollenuntypisches!)

    Dann kommt die Hormonbehandlung, die auch oft als irreversibel bezeichnet wird, also ein weiterer Sprung in die Tiefe.

    Dann kommt die Vornamensänderung, die mit großem Aufwand und Konsequenzen verbunden ist, zeitgleich meist auch der Gesellschaftliche Rollenwechsel, also Outing usw. das dazu führt, dass die Personen in der Umgebung, beginnen umzuschalten, und die Person im besten Falle, nun neu zuordnen. Wenn jemand dort wieder abspringt, bedeutet das große "Schuld" "Ächtung" weil die anderen Menschen, die eh schon schwer mit der Entscheidung zu kämpfen hatten, dann auch noch denken "Es war nur eine Farce, die Person ist irre, bei uns brauchst du dich nicht mehr blicken lassen!"
    Es schließt sich also wieder eine Tür.

    Durch die chirurgische Veränderung der Geschlechtsorgane und Zerstörung der Reproduktionsfähigkeit, werden unweigerlich diverse Tore zu gesellschaftlichen Bereichen verschlossen. Das Sexualerleben, ist dann auf immer verändert, eine Reproduktion dann nur noch möglich, wenn vorher entsprechende Maßnahmen getroffen wurden. Sicherlich, es ermöglichen sich dadurch andere gesellschaftliche Rollen anzueignen, die sind aber mit erheblicher Beschränktheit verbunden, so wie mit ständiger Gefahr der Stigmatisierung. z.B. lebt eine "Stealth" Transfrau immer in der Gefahr von ihrem Liebhaber ermordet zu werden, sollten andere Menschen über sie Bescheid wissen und ihm das mitteilen. Durch die fehlende Reproduktionsfähigkeit, fallen diverse Partner für sie weg, die fürsorgliche Väter wären, mit einem biologischen Kinderwunsch (Also keine Adoption wollen). Gerade aber Männer die keine Kinder wollen, sind meist auch körperlich aggressiver in Beziehungen, sexuell weniger Treu usw. Sie hat also eine eingeschränkte Partnerwahl.

    Das meine ich mit Straße ohne Wiederkehr, es ist ein Initiationsritus, mit allem was dazu gehört. Wer alles von getan hat, ist für immer gefangen an einem Punkt ohne Wiederkehr.

    "Ich verstehe es so, dass aufgrund angenommener Ursachen von "Transsexualität" Menschen mit trans*-Empfinden zu bestimmten Entscheidungen bzw. Konsequenzen gedrängt werden. !"

    Ja, aber von der Gesellschaft, bzw. ihren Mythen die darum kursieren. Das ist vielleicht mit heiraten vergleichbar: Du und dein/e Partner/in lieben sich, und ihr meint dann, heiraten zu müssen, weil das ein anerkannter gesellschaftlicher Mythos ist, der mit Privilegien verbunden ist. Aber das heiraten an sich, ist nirgendwo genetisch festgelegt, eure Gefühle schon.

    "Ich nehme immer wieder wahr, dass behauptet wird, ein trans*-empfindender Mensch würde (heutzutage; speziell in Deutschland) "gezwungen", sich körperlichen Angleichungsmaßnahmen zu unterziehen. "

    Ja, durch den Druck medizinischer Mythen, Heterosexismus, Diskriminierungserfahrungen, andere Transsexuelle usw.

    "(Oder interpretierst du diesen eigenen dringenden Wunsch bereits als Internalisierung eines äußeren, gesellschaftlichen Zwanges?) "

    Ja, weil der Wunsch ohne Reflektieren von gesellschaftlichen Realitäten, nicht gedacht werden kann. Er ist ein kulturelles Produkt.

    "Und aufgrund welcher Argumentation könnte eine Transition sogar "biologisch erzwungen" sein? Insofern eine Transition doch (lediglich) eine äußerliche Angleichung ist - und die chromosonale Situation dabei gar nicht tangiert wird? "

    Sie ist dann biologisch erzwungen, wenn das Individuum sein Leben in Gefahr sieht, keinen Platz in der Gesellschaft in der es lebt finden kann, und deshalb als letzte Chance die Transition wählt, alternative wäre wohl was? Na klar, Suizid eben. Deshalb auch die hohe Suizidrate auch nach den Transitionen noch, weil die Integration in die Gesellschaft auch danach oft nicht funktioniert.

    Es hat gar nichts mit einer Angleichung an ein hypothetisches, esoterisches, inneres Selbst zu tun, sondern mit einem Integrationswunsch der eigenen Persönlichkeit, in die jeweilige Kultur!

    "Was genau meinst du mit dem radikalen Konzept?"

    Es ist gesellschaftskritisch, lässt aber gleichzeitig unheimlich viel persönliche Freiheit, es lädt zum nachdenken ein, hinterfragt viele in Stein gemeißelte Ideen unserer heutigen Zeit.

    Reicht das, oder noch Fragen? :) kannst ruhig fragen, mich nervt das ganz und gar nicht.
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