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Einzelkommentar zu:
Früherer Tory-Chef: Umweltverschmutzung macht transsexuell


#10 TraumzerstörerinAnonym
  • 25.10.2017, 11:39h
  • Antwort auf #9 von nachgefragt
  • "Was genau meinst du mit "damit bringt man Leute auf eine Straße ohne Wiederkehr"? "

    In unserer Gesellschaft gibt es einen gewissen Ablauf, der mit immer mehr eintretenden, in Kauf genommenen Unfreiheiten einher geht, für Menschen die als Transsexuell eingestuft werden.

    Zuerst wäre da die Diagnosestellung. Diese ist ein psychisch gesehen, initiatorisches Erlebnis, denn sie bestätigt der Person, Teil des gesellschaftlichen und medizinischen Konzeptes Transsexualität zu sein. Die Diagnosestellung kann auch von andren Erfolgen, z.B. Eltern oder Mitschüler, die der Person geschlechtsuntypisches Verhalten vorwerfen (In Wahrheit ist es aber Geschlechtsrollenuntypisches!)

    Dann kommt die Hormonbehandlung, die auch oft als irreversibel bezeichnet wird, also ein weiterer Sprung in die Tiefe.

    Dann kommt die Vornamensänderung, die mit großem Aufwand und Konsequenzen verbunden ist, zeitgleich meist auch der Gesellschaftliche Rollenwechsel, also Outing usw. das dazu führt, dass die Personen in der Umgebung, beginnen umzuschalten, und die Person im besten Falle, nun neu zuordnen. Wenn jemand dort wieder abspringt, bedeutet das große "Schuld" "Ächtung" weil die anderen Menschen, die eh schon schwer mit der Entscheidung zu kämpfen hatten, dann auch noch denken "Es war nur eine Farce, die Person ist irre, bei uns brauchst du dich nicht mehr blicken lassen!"
    Es schließt sich also wieder eine Tür.

    Durch die chirurgische Veränderung der Geschlechtsorgane und Zerstörung der Reproduktionsfähigkeit, werden unweigerlich diverse Tore zu gesellschaftlichen Bereichen verschlossen. Das Sexualerleben, ist dann auf immer verändert, eine Reproduktion dann nur noch möglich, wenn vorher entsprechende Maßnahmen getroffen wurden. Sicherlich, es ermöglichen sich dadurch andere gesellschaftliche Rollen anzueignen, die sind aber mit erheblicher Beschränktheit verbunden, so wie mit ständiger Gefahr der Stigmatisierung. z.B. lebt eine "Stealth" Transfrau immer in der Gefahr von ihrem Liebhaber ermordet zu werden, sollten andere Menschen über sie Bescheid wissen und ihm das mitteilen. Durch die fehlende Reproduktionsfähigkeit, fallen diverse Partner für sie weg, die fürsorgliche Väter wären, mit einem biologischen Kinderwunsch (Also keine Adoption wollen). Gerade aber Männer die keine Kinder wollen, sind meist auch körperlich aggressiver in Beziehungen, sexuell weniger Treu usw. Sie hat also eine eingeschränkte Partnerwahl.

    Das meine ich mit Straße ohne Wiederkehr, es ist ein Initiationsritus, mit allem was dazu gehört. Wer alles von getan hat, ist für immer gefangen an einem Punkt ohne Wiederkehr.

    "Ich verstehe es so, dass aufgrund angenommener Ursachen von "Transsexualität" Menschen mit trans*-Empfinden zu bestimmten Entscheidungen bzw. Konsequenzen gedrängt werden. !"

    Ja, aber von der Gesellschaft, bzw. ihren Mythen die darum kursieren. Das ist vielleicht mit heiraten vergleichbar: Du und dein/e Partner/in lieben sich, und ihr meint dann, heiraten zu müssen, weil das ein anerkannter gesellschaftlicher Mythos ist, der mit Privilegien verbunden ist. Aber das heiraten an sich, ist nirgendwo genetisch festgelegt, eure Gefühle schon.

    "Ich nehme immer wieder wahr, dass behauptet wird, ein trans*-empfindender Mensch würde (heutzutage; speziell in Deutschland) "gezwungen", sich körperlichen Angleichungsmaßnahmen zu unterziehen. "

    Ja, durch den Druck medizinischer Mythen, Heterosexismus, Diskriminierungserfahrungen, andere Transsexuelle usw.

    "(Oder interpretierst du diesen eigenen dringenden Wunsch bereits als Internalisierung eines äußeren, gesellschaftlichen Zwanges?) "

    Ja, weil der Wunsch ohne Reflektieren von gesellschaftlichen Realitäten, nicht gedacht werden kann. Er ist ein kulturelles Produkt.

    "Und aufgrund welcher Argumentation könnte eine Transition sogar "biologisch erzwungen" sein? Insofern eine Transition doch (lediglich) eine äußerliche Angleichung ist - und die chromosonale Situation dabei gar nicht tangiert wird? "

    Sie ist dann biologisch erzwungen, wenn das Individuum sein Leben in Gefahr sieht, keinen Platz in der Gesellschaft in der es lebt finden kann, und deshalb als letzte Chance die Transition wählt, alternative wäre wohl was? Na klar, Suizid eben. Deshalb auch die hohe Suizidrate auch nach den Transitionen noch, weil die Integration in die Gesellschaft auch danach oft nicht funktioniert.

    Es hat gar nichts mit einer Angleichung an ein hypothetisches, esoterisches, inneres Selbst zu tun, sondern mit einem Integrationswunsch der eigenen Persönlichkeit, in die jeweilige Kultur!

    "Was genau meinst du mit dem radikalen Konzept?"

    Es ist gesellschaftskritisch, lässt aber gleichzeitig unheimlich viel persönliche Freiheit, es lädt zum nachdenken ein, hinterfragt viele in Stein gemeißelte Ideen unserer heutigen Zeit.

    Reicht das, oder noch Fragen? :) kannst ruhig fragen, mich nervt das ganz und gar nicht.
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