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  • 21. Juni 2005, noch kein Kommentar

Auf "Cheatin' Soul" schäumen die Gefühle über. Zwischen rauem Soul und direktem Blues wird ungeschminkt über Liebe gesungen.

Von Jan Gebauer

Das kleine Label Trikont stellten wir vor wenigen Monaten mit der erstklassigen CD "Dirty Laundry" (zur queer.de-Review) bereits vor. Die neueste Veröffentlichung hat zwar ein ähnliches Konzept, konzentriert sich diesmal aber nicht auf die Country-Seite im Soul-Genre, sondern setzt auf einen lyrischen Aspekt: Wenn Liebende einander betrügen. Sinnigerweise wurde die Konzept-Compilation dann auch "Cheatin' Soul" genannt. Allerdings gibt es auch eine musikalische Begrenzung, denn für das Album wurde ausschließlich Southern-Soul-Stücke ausgewäht – größenteils rares Material, dass entweder seit Jahren nicht mehr erhältlich oder schwer zu finden war. Besonders interessant ist, dass im Gegensatz zu "Dirty Laundry" diesmal großes Augenmerk auf das Schaffen von Frauen gelegt wurde . Da darf natürlich Ann Peebles nicht fehlen, die hierzulande durch den von ihr geschriebenen Song "I Can't Stand The Rain" in Form von Cover-Versionen von Tina Turner und Eruption bekannt ist. Das auf "Cheatin' Soul" enthaltene "Feel Like Breaking Up Somebody's Home" aus dem Jahre 1972 gehört zu ihren Glanznummern und größten Hits. Zwischen Zärtlichkeit und Zorn verbindet die Peebles auf ihre Art und Weise großes R&B-Entertainment.

Auch Margie Josephs Name fällt nicht selten, wenn es um Geheimtipps im Soul-Genre geht. Die Sängerin galt Anfang der 70er Jahre als große Hoffnung, ihr Debüt-Album "Margie Joseph Makes A New Impression" war ein solider Erfolg. Auf "Cheatin' Soul" ist sie mit "Never Can You Be" vertreten, dass durch jazzige Bläser und die eindringliche Stimme Josephs besticht. Zu schade, dass die Sängerin nie den richtigen Durchbruch schaffte. Gleiches gilt für Ann Sexton, die das eingängige aber nicht minder emotionale "I'm His Wife (You're Just A Friend)" beisteuert. Gegen Ende der CD darf sie sogar nochmal ran: Auch "I Still Love You" überzeugt, dank funky Bläser und exzellenter Percussion-Arbeit. "Nur wer die Tränen erträgt, wird am Ende lachen können", heißt es im Booklet zu "Cheatin' Soul" und in Songform wird das kongenial von der unbekannten Wendy Rene verkörpert, die in den 60s für das legendäre Stax-Label erfolglose Aufnahmen machte, die heute fast vergessen sind.

Allerdings sind auch die Männer bestens auf "Cheatin' Soul" vertreten. Joe Tex ist ein Pionier des Southern Soul und hatte jahrelang Hits in den amerikanischen Soul-Charts. Seine raue, fast schon als Anklage zu verstehende Bitte "I Wanna Be Free" lässt seinem gewaltigen Organ freie Entfaltung. "A Nickel And A Nail" von O. V. Wright besticht durch seine akzentuierten brillanten Bläser-Einsätze. Der Sänger verfügt ebenfalls über eine eindringliche Stimme, die viel Blues und vor allen Dingen Seele birgt. Hinzu kommen zarte Frauen-Chöre – fertig ist die Soul-Perle. Einschmeichelnden, butterweichen R&B gibt es in Form von Jerry Washingtons "Right Here Is Where You Belong". Doch der erste Eindruck täuscht – mit "vorzeitlichem Rapping" fleht der Sänger etwas überspitzt um die Liebe seiner Frau. Wenn er vom "Bad Case Of The Blues" in "Right Here..." singt, entfacht er ein jederzeit glaubwürdiges, schmerzliches Portrait eines liebenden Mannes.

Fazit: Soul-Musik vom Feinsten, mit einer gewogenen Mischung aus unbekannten und renommierten Soul-Künstlern der 60er und 70er Jahre. Einzig Manko: Wo sind zwei der Königinnen des Southern Soul – Millie Jackson und Candi Staton? Deren brillante Stimmen hätten eine Aufnahme mehr als gerechtfertigt.

Anspieltipps: "Right Here Is Where You Belong" von Jerry Washington, "Never Can You Be" von Margie Joseph, "Feel Like Breaking Up Somebody's Home" von Ann Peebles

21. Juni 2005