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Schwarzwald

Zu homofreundlich: Morddrohung gegen Pastor

Wenn er ein homosexuelles Paar trauen sollte, sei er "ein toter Mann", heißt es in einem anonymen Brief an Christoph Fischer, Pastor der Volksmission Freudenstadt.


Weil er Homosexualität nicht für eine Sünde hält, erhielt Pastor Christoph Fischer eine Morddrohung (Bild: privat)

Christoph Fischer, Pastor der evangelischen Volksmission Freudenstadt, hat am vergangenen Donnerstag eine anonyme Morddrohung erhalten – zum ersten Mal in seinem Leben. In dem kurzen, handgeschriebenen Brief heißt es, er werde durch "Informanten" beobachtet und sei "ein toter Mann", falls er in seiner Kirche oder anderswo ein lesbisches oder schwules Paar trauen sollte.

Zur Begründung schreibt der unbekannte Absender: "Solches ist abartig und Sünde und so etwas macht man nicht." Überschrieben ist die Drohung mit den Worten: "Warnung! Warnung!!"


Der anonyme Brief an den Pastor

"Der Brief ist feige und unchristlich"

Fischer erstattete Anzeige bei der Polizei und machte das anonyme Schreiben in einem Post auf seiner Facebookseite öffentlich. "Der Brief, den ich bekommen habe, ist feige und unchristlich", schrieb er dazu. "Vor allem bin ich zutiefst traurig und betroffen über das Gottesbild, das ein Mensch mit sich herumtragen muss, wenn er meint, Gott durch die Beseitigung eines als Sünder wahrgenommenen Pastors zu helfen." Gleichzeitig stellte er klar: "Angst habe ich jedenfalls keine."

Wie der Absender des Briefes auf die Idee kommt, dass er homosexuelle Paare trauen würde, kann sich der Pastor der evangelischen Freikirche nicht erklären: "Dass ich das sowieso nicht tue, wussten die 'Informanten' offenbar nicht", stellte der verheiratete Vater von drei Kindern auf Facebook klar. Als Auslöser des anonymen Briefes vermutet er eine Diskussion in der Gemeinde nach dem Bundestagsbeschluss zur Ehe für alle. Im Vergleich zu Gläubigen, die Homosexualität für eine Sünde halten, sehe er das persönlich "offener", erklärte Fischer gegenüber dem "Schwarzwälder Boten". In den letzten Wochen predigte er u.a. zu den Themen "Einheit in Vielfalt" und "Warum bunt gut ist".

"Wer immer noch der seltsamen Meinung ist, Christen mit einer offeneren Haltung gegenüber Homosexualität 'machen es sich halt leicht', den sollten solche (aber auch viele andere) Reaktionen vielleicht eines anderen belehren", resümiert der Pastor in seinem Facebook-Eintrag. "Wer sich aufgrund seiner Meinung in der Gesellschaft aktuell in der Minderheit und dadurch bedrängt fühlt, muss auch wahrnehmen, dass die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Christenheit evtl. anders liegen und die gleiche Art von Bedrängnis dann manchmal in die andere Richtung geht." (cw)



#1 Patroklos
#2 schwarzerkater
  • 25.10.2017, 08:40h
  • "Pastor der evangelischen Volksmission" - bei dem namen der kirche (volksmission) bekomme ich schon das kalte grausen...
    augen auf bei der berufswahl und in welcher gemeinde man als pastor dann tätig wird.
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#3 Sven100Anonym
  • 25.10.2017, 08:58h
  • Dieser anonyme Brief zeigt, welch ein Hass unter der Oberfläche dieser Sektenmitglieder herrscht. Oft trauen sich solche Leute nicht, politisch aktiv zu werden, z.B. in einer rechtskonservativen Partei. Stattdessen hängen sie ihren Aktivitäten in der Kirche bzw in der Gemeinde ein religiöses Mäntelchen um und meinen, "gute Christen" zu sein.
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#4 ChristophAnonym
  • 25.10.2017, 09:20h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Hallo schwarzerkater,

    Der Name "Volksmission" stammt, wie man es sicher hört, aus den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Damals hat man Dinge halt so benannt. Ich finde den Namen prinzipiell auch gar nicht schlecht, weil er ja ein Ziel enthält: Kirche muss immer missionarisch sein, sonst ist sie keine Kirche mehr. Und sie sollte immer für alle, also mit den Worten von damals, das ganze "Volk" offen sein. Wichtiger als alle Titel sind ja aber die Inhalte! Die dürfen Sie natürlich gerne mal bei uns kennenlernen.

    Liebe Grüße,
    Christoph Fischer
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#5 ChristophAnonym
  • 25.10.2017, 09:23h
  • Antwort auf #3 von Sven100
  • Lieber Sven100,

    Schade, dass Sie uns gleich in die Sektenecke schieben. Wir sind eine ganz normale evangelische Freikirche und arbeiten sowohl lokal als auch landesweit in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen mit anderen Kirchen zusammen. Dort war ich selbst einige Jahre lang in der Fachgruppe "Weltanschauungen" vertreten. Sowohl kirchliche als auch säkulare Weltanschauungsbeauftragte bestätigen Ihnen sicher gerne, dass es sich nicht um eine Sekte handelt. Aber vielleicht wollen Sie uns ja auch selbst mal kennenlernen?

    Liebe Grüße,
    Christoph Fischer
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#6 Frank19243
  • 25.10.2017, 09:42h
  • Antwort auf #5 von Christoph
  • Lieber Herr Fischer,

    schön, dass Sie selbst auf die Kommentare der Nutzer antworten - und dass Sie solchen Mut zeigen.
    Leider herrscht hier - zum Teil sicher aus verständlichen Gründen - eine sehr anti-christliche Stimmung (was aber sicher nicht am Antichrist liegt ...). Dabei wird meist alles, was das Prädikat "Kirche" trägt, in einen Topf geworfen, ohne zwischen den einzelnen Strömungen und Lehrmeinungen zu unterscheiden. Wobei das auch nicht ganz einfach ist, da ja sogar die ev. Landeskirchen unterschiedliche Haltungen zur Frage der Trauung/Segnung homosexueller Paare haben. Hier in Mecklenburg wurden wir von unserer Pastorin mit unserem Wunsch sehr offen aufgenommen, woanders sieht das evtl. auch heute noch anders aus.
    Wie man auch an dem Drohbrief sieht, den Sie erhalten haben, ist es noch ein weiter Weg zu einer allgemeinen Toleranz. Man fordert sie schnell für sich ein und ist (zu) oft nicht bereit, sie auch anderen gegenüber zu zeigen. Das ist wohl etwas sehr Menschliches.

    Ich kann nur sagen: Bleiben Sie standhaft!
    Und überdenken Sie höchstens mal Ihren Standpunkt "Dass ich das sowieso nicht tue, ..."

    Herzliche Grüße
    Frank Friedrichs
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#7 KochtopfAnonym
  • 25.10.2017, 09:48h
  • Antwort auf #4 von Christoph
  • Wenn der Begriff "Volkskirche" Ihnen keinen Schauer über den Rücken jagen lässt, sind Sie m. E. entweder unintellektuell unhistorisch oder aber ideologisch zumindest teilweise in den 1930ern verankert.
    Ihr Satz "Kirche muss immer missionarisch sein, sonst ist sie keine Kirche mehr" zeigt für mich das ganze Unheil offensiv missionierender Religionen: Ich meine, wenn Sie einer Religionspsychose nachgeben und als Erwachsener an einen eingebildeten Freund glauben, sollten Sie sich professionelle Hilfe holen, anstatt andere - vor allem Kinder! - damit vorsätzlich zu infizieren.

    Wenn Sie diese Aussage jetzt trifft, verstehen Sie, wie sich Homosexuelle fühlen, die von Ihren "christlichen" Betschwestern entsprechend angegriffen werden.

    www.kirchenaustritt.de
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#8 Dancing QueerAnonym
  • 25.10.2017, 09:49h
  • Sehr geehrter Herr Fischer,
    mich würde interessieren, warum Sie das "sowieso nicht tuen" würden. Sind Sie mit Ihrem Weltbild in Wirklichkeit doch nicht so offen und tolerant, wie Sie sich nach außen zeigen? Der Brief ist natürlich einfach abartig. Aber Ihre Haltung hat den bitteren Beigeschmack von: "Ich persönlich habe nicht gegen Homosexuelle, aber....."
    Das ist Bedauerlich. Hoffen wir mal, dass Ihre drei Kinder allesamt auf dem rechten Weg bleiben und nicht homosexuell werden, nicht dass Sie noch im Gewissensnöte kommen. Menschen der Kirche, mit der Scheinheiligkeit, wie Sie sie an den Tag legen, haben mich vor über 30 Jahren dazu bewogen, aus der Kirche auszutreten. Mein Gott liebt mich so wie ich bin und möchte nicht, dass ich mich dafür schäme. Er möchte, dass ich meinen Mann liebe und Ehre und mit ihm glücklich bin. Dazu brauche ich kein Bodenpersonal, welches mich vom Gegenteil überzeugen möchte.
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#9 kuesschen11Profil
  • 25.10.2017, 10:08hDarmstadt
  • Dass ich das sowieso nicht tue, wussten die Informanten offenbar nicht. Genau das ist eine Aussage, die vom Christentum her eben feige ist.

    Jeder Mensch ist gemäß Grundgesetz gleichwertig zu behandeln und die entwickelten Gleichstellungsrechte gehören heute mit dazu.

    Wieso tun sich viele Christen so schwer damit? Sie wollen tolerant und offen-was immer das auch bedeuten soll -sein, aber sie behandeln Menschengruppen differenziert.

    Zurückzuführen ist diese Einstellung hin zum Alten Testament, denn von dort aus wird gegenüber homosexuellen Menschen bzw. gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe zum Morden aufgerufen. Sicher, im Neuen Testament hat sich etwas geändert, es wurde nicht mehr zum Morden aufgerufen, aber das Christentum hat sich das Recht herausgenommen, LGBTs weiterhin zu diskriminieren und auszugrenzen. Das ist gleichermaßen Menschenverachtung.

    Alle Religionen dieser Welt: Ihr habt noch viel zu lernen, um euer Gewissen zu entlasten.

    Es gibt nunmehr schon reformierte Kirchengemeinden, die gleichgeschlechtliche Paare trauen und segnen. Das ist schon mal ein großer Lichtblick für die Zukunft.
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#10 LaurentProfil
  • 25.10.2017, 10:39hMetropolregion Rhein-Neckar
  • Mal ehrlich, Herr Fischer:

    Was geht Ihnen mehr nach?

    Dieser gekritzelte "Drohbrief" oder beleidigende, verletztende Kommentare Ihrer Mitmenschen?
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